Minden

GWD will im Hexenkessel das Momentum nutzen

Marcus Riechmann

Die pure Entschlossenheit: Mindens Savvas Savvas ballt im Spiel gegen Ludwigshafen nach einem Treffer beide Fäuste. Maximaler Einsatz ist auch heute in der EWS-Arena von der GWD-Profis gefordert. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Die pure Entschlossenheit: Mindens Savvas Savvas ballt im Spiel gegen Ludwigshafen nach einem Treffer beide Fäuste. Maximaler Einsatz ist auch heute in der EWS-Arena von der GWD-Profis gefordert. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Die Wochen, in denen die Aufzählung der Verletztenliste längeren Zeitraum beanspruchte, sind vorbei. Der Kader des heimischen Handball-Bundesligisten GWD Minden hat sich vor dem heutigen Auswärtsspiel bei Frisch Auf Göppingen wieder gefüllt. „Außer Espen sind alle fit und einsatzbereit“, meldete Trainer Frank Carstens nahezu im Vorbeigehen, um dann doch noch einen neuen Namen zu notieren: Neben Torwart Espen Christensen, den eine Schulterverletzung plagt, wird auch Maximilian Nowatzki fehlen. Der Linkshänder aus dem Anschlusskader hat sich im Training eine Gesichtsverletzung zugezogen. Die Wunde musste genäht werden, Nowatzki ist gestern nicht mit ins Schwabenländle reisen.

In der EWS-Arena trifft GWD heute Abend um 19 Uhr auf einen angeschlagen Gegner. 0:8 Punkte aus den ersten vier Saisonspielen entsprechen nicht den Ansprüchen beim Altmeister. „In Göppingen hat man eine andere Erwartungshaltung. Man will international spielen“, sagt Joscha Ritterbach. Zwei Jahre spielte der GWD-Linksaußen bei Frisch Auf, seiner ersten Bundesliga-Station, ehe er im Sommer an die Weser wechselte. Seine Kontakte nach Göppingen sind gut, vor allem zu Spielern wie Sebastian Heymann, Marco Rentschler oder Josip Peric. „Wir telefonieren viel. Aber wir reden nicht nur über Handball“, sagt der 25-Jährige und berichtet: „Die Jungs sind natürlich mit dem Saisonstart nicht zufrieden.“

Dem 24:31 der Göppinger beim THW Kiel folgte die 24:27-Heimpleite gegen den Überraschungs-Tabellenführer TSV Hannover-Burgdorf und ein 25:28 ebenfalls zuhause gegen die Füchse Berlin. Zuletzt verlor FAG 25:26 in Leipzig. Nun herrscht Druck bei den Schwaben. Druck, den die GWD-Männer auch in der EWS-Arena erwarten. „Das wird sicher ein Hexenkessel“, erwartet Mindens Trainer. Doch darin sieht Frank Carstens auch eine Chance für sein Team: „Je länger wir standhalten, je länger wir das Spiel offen halten, desto mehr kann die Erwartungshaltung auch zu einer Belastung für Göppingen werden.“

Christian Schöne, Sportlicher Leiter bei FAG, sagt vor dem Spiel: „Wir haben in Leipzig wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Am Ende haben nur Kleinigkeiten gefehlt. Die Mannschaft möchte jetzt gegen Minden unbedingt diesen ersten Sieg , und das wäre dann sicherlich der Knotenlöser.“

Prunkstück des Teams von Trainer Hartmut Mayrhofer ist das physisch anspruchsvolle Spiel in der Nahwurfzone direkt vor der Abwehr mit vielen Zweikämpfen und Anspielen auf billigen Kreisläufer Kresimir Kozina. „Da werden wir gefordert sein“, erwartet Mindens Coach Carstens eine körperbetonte Auseinandersetzung, in der die Nahwurf- auch zur Nahkampfzone werden könnte. Die letzten Spiele waren geprägt von hoher Intensität und Kampf bis zur letzten Sekunde.

Doch weniger auf das Spiel der Gastgeber als vielmehr auf das eigene schaut der Trainer: „Wir sind gut beraten, uns auf das zu konzentrieren, was uns zuletzt stark gemacht hat. Wir wollen unseren Plan durchbringen.“ Besonders erfolgreich war Minden zuletzt vor allem mit der auf Ballgewinne zielenden Abwehrarbeit. Nach den Siegen gegen Berlin und Ludwigshafen sowie dem Remis in Stuttgart hatten die gegnerischen Trainer jeweils die hohe Fehlerzahl der eigenen Angriffsreihen moniert. „Wenn das alle sagen, dann hat das vielleicht auch etwas mit unserer Abwehr zu tun“, meint Carstens. Seine Defensivreihe präsentiert sich heute erstmals in voller Stärke: Vize-Weltmeister Magnus Gullerud ist wieder voll einsatzfähig, Miljan Pusica hat seine Sperre abgesessen.

Frank von Behren wünscht sich: „Wir wollen das Momentum nutzen und unseren Weg weitergehen“, sagt Mindens Sport-Geschäftsführer. Doch er mahnt zur Aufmerksamkeit: „Göppingen ist immer mal wieder zu besonderen Leistungen fähig. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, kann man nur noch nach vorne gehen.“

Ein Duell mit Tradition

Das Duell zwischen GWD und FA Göppingen hat eine lange Tradition. Anfang der 70er Jahre machten beide Teams die Meisterschaft unter sich aus: Göppingen gewann 1970 und 1972 den Titel, Minden wurde 1971 Deutscher Meister.

Die Bilanz der letzten vier Spiele ist ausgeglichen. In der vergangenen Saison verlor Minden im Dezember 2018 in Göppingen 28:29 und holte in der Kampa-Halle im März beim 21:21 einen Punkt. Im Jahr zuvor brachte GWD einen Punkt mit (26:26) und siegte daheim 28:27.

Göppingen ist mit 0:8 Punkten erfolglos wie noch nie in eine Bundesliga-Saison gestartet. GWD hingegen steht mit 5:5 Punkten so gut da wie zuletzt im Jahr 2000. (rich)

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenGWD will im Hexenkessel das Momentum nutzenMarcus RiechmannMinden (mt). Die Wochen, in denen die Aufzählung der Verletztenliste längeren Zeitraum beanspruchte, sind vorbei. Der Kader des heimischen Handball-Bundesligisten GWD Minden hat sich vor dem heutigen Auswärtsspiel bei Frisch Auf Göppingen wieder gefüllt. „Außer Espen sind alle fit und einsatzbereit“, meldete Trainer Frank Carstens nahezu im Vorbeigehen, um dann doch noch einen neuen Namen zu notieren: Neben Torwart Espen Christensen, den eine Schulterverletzung plagt, wird auch Maximilian Nowatzki fehlen. Der Linkshänder aus dem Anschlusskader hat sich im Training eine Gesichtsverletzung zugezogen. Die Wunde musste genäht werden, Nowatzki ist gestern nicht mit ins Schwabenländle reisen. In der EWS-Arena trifft GWD heute Abend um 19 Uhr auf einen angeschlagen Gegner. 0:8 Punkte aus den ersten vier Saisonspielen entsprechen nicht den Ansprüchen beim Altmeister. „In Göppingen hat man eine andere Erwartungshaltung. Man will international spielen“, sagt Joscha Ritterbach. Zwei Jahre spielte der GWD-Linksaußen bei Frisch Auf, seiner ersten Bundesliga-Station, ehe er im Sommer an die Weser wechselte. Seine Kontakte nach Göppingen sind gut, vor allem zu Spielern wie Sebastian Heymann, Marco Rentschler oder Josip Peric. „Wir telefonieren viel. Aber wir reden nicht nur über Handball“, sagt der 25-Jährige und berichtet: „Die Jungs sind natürlich mit dem Saisonstart nicht zufrieden.“ Dem 24:31 der Göppinger beim THW Kiel folgte die 24:27-Heimpleite gegen den Überraschungs-Tabellenführer TSV Hannover-Burgdorf und ein 25:28 ebenfalls zuhause gegen die Füchse Berlin. Zuletzt verlor FAG 25:26 in Leipzig. Nun herrscht Druck bei den Schwaben. Druck, den die GWD-Männer auch in der EWS-Arena erwarten. „Das wird sicher ein Hexenkessel“, erwartet Mindens Trainer. Doch darin sieht Frank Carstens auch eine Chance für sein Team: „Je länger wir standhalten, je länger wir das Spiel offen halten, desto mehr kann die Erwartungshaltung auch zu einer Belastung für Göppingen werden.“ Christian Schöne, Sportlicher Leiter bei FAG, sagt vor dem Spiel: „Wir haben in Leipzig wieder einen Schritt nach vorne gemacht. Am Ende haben nur Kleinigkeiten gefehlt. Die Mannschaft möchte jetzt gegen Minden unbedingt diesen ersten Sieg , und das wäre dann sicherlich der Knotenlöser.“ Prunkstück des Teams von Trainer Hartmut Mayrhofer ist das physisch anspruchsvolle Spiel in der Nahwurfzone direkt vor der Abwehr mit vielen Zweikämpfen und Anspielen auf billigen Kreisläufer Kresimir Kozina. „Da werden wir gefordert sein“, erwartet Mindens Coach Carstens eine körperbetonte Auseinandersetzung, in der die Nahwurf- auch zur Nahkampfzone werden könnte. Die letzten Spiele waren geprägt von hoher Intensität und Kampf bis zur letzten Sekunde. Doch weniger auf das Spiel der Gastgeber als vielmehr auf das eigene schaut der Trainer: „Wir sind gut beraten, uns auf das zu konzentrieren, was uns zuletzt stark gemacht hat. Wir wollen unseren Plan durchbringen.“ Besonders erfolgreich war Minden zuletzt vor allem mit der auf Ballgewinne zielenden Abwehrarbeit. Nach den Siegen gegen Berlin und Ludwigshafen sowie dem Remis in Stuttgart hatten die gegnerischen Trainer jeweils die hohe Fehlerzahl der eigenen Angriffsreihen moniert. „Wenn das alle sagen, dann hat das vielleicht auch etwas mit unserer Abwehr zu tun“, meint Carstens. Seine Defensivreihe präsentiert sich heute erstmals in voller Stärke: Vize-Weltmeister Magnus Gullerud ist wieder voll einsatzfähig, Miljan Pusica hat seine Sperre abgesessen. Frank von Behren wünscht sich: „Wir wollen das Momentum nutzen und unseren Weg weitergehen“, sagt Mindens Sport-Geschäftsführer. Doch er mahnt zur Aufmerksamkeit: „Göppingen ist immer mal wieder zu besonderen Leistungen fähig. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, kann man nur noch nach vorne gehen.“ Ein Duell mit Tradition Das Duell zwischen GWD und FA Göppingen hat eine lange Tradition. Anfang der 70er Jahre machten beide Teams die Meisterschaft unter sich aus: Göppingen gewann 1970 und 1972 den Titel, Minden wurde 1971 Deutscher Meister. Die Bilanz der letzten vier Spiele ist ausgeglichen. In der vergangenen Saison verlor Minden im Dezember 2018 in Göppingen 28:29 und holte in der Kampa-Halle im März beim 21:21 einen Punkt. Im Jahr zuvor brachte GWD einen Punkt mit (26:26) und siegte daheim 28:27. Göppingen ist mit 0:8 Punkten erfolglos wie noch nie in eine Bundesliga-Saison gestartet. GWD hingegen steht mit 5:5 Punkten so gut da wie zuletzt im Jahr 2000. (rich)