Stuttgart/Minden

Fast alle Tests bestanden - GWD macht in Stuttgart Vieles richtig, der Abschluss bleibt beim 24:24 aber ein Problem

Sebastian Külbel

Tumult vor Spielende: Robert Markotic liegt am Boden, die Mindener Spieler stellen ihn im Rudel zur Rede Foto: Benjamin Lau/Eibner - © EIBNER/Benjamin_Lau
Tumult vor Spielende: Robert Markotic liegt am Boden, die Mindener Spieler stellen ihn im Rudel zur Rede Foto: Benjamin Lau/Eibner (© EIBNER/Benjamin_Lau)

Stuttgart/Minden (mt). Was für eine Schlussphase: Zweimal hatte GWD Minden den Siegtreffer auf der Hand und vergab, dann überstanden die Gäste den letzten Angriff des TVB 1898 Stuttgart und kassierten sechs Sekunden vor Schluss auch noch eine Rote plus Blaue Karte gegen Miljan Pusica. Am Ende dieses wilden Ritts stand ein 24:24 (14:14)-Remis, mit dem Trainer Frank Carstens und sein Team besser leben konnten als der Gegner – trotz zahlreicher vergebener Chancen.

„Direkt nach dem Spiel denkt man natürlich an diese vielen Möglichkeiten zurück und ist auch unzufrieden“, räumte der Mindener Coach ein und blickte dann schnell auf das große Ganze: „In unserer Situation sind drei Punkte nach vier Spielen fast die optimale Ausbeute.“ Denn auch wenn Savvas Savvas trotz seiner muskulären Probleme für Spezialaufgaben bereit stand, war das GWD-Personal auch in Stuttgart wieder knapp.

Wie schon beim überraschenden Sieg in Berlin kam es daher auf die Impulse von der Bank an – und die trugen auch in Stuttgart entscheidend zum nächsten Punktgewinn bei. Für Pusica etwa kam nach einem schmerzhaften Zusammenprall schon nach drei Minuten Juri Knorr aufs Feld – und der 19-Jährige wurde als Spielmacher nicht nur wegen seiner fünf Tore zum entscheidenden Faktor. „Er hat ähnlich wie in Berlin wichtige Akzente gesetzt“, lobte Carstens.

Dessen Team brauchte allerdings einige Minuten, um in die Partie zu finden. Immer wieder spielten sich die Mindener im Angriff beste Chancen heraus – und fanden mit ihren Würfen irgendein Körperteil von Stuttgarts herausragendem Torwart Johannes Bitter. Insgesamt 18 Fehlversuche hatte Carstens hinterher auf dem Zettel, gut die Hälfte waren freie Würfe. Das kam zwar nicht an die Rekordwerte des kurios verlorenen Heimspiels gegen Leipzig heran, war aber dennoch am Ende zu viel, um zu gewinnen.

„An der Abschlussquote müssen wir arbeiten“, sagte auch Kapitän Marian Michalczik, der selbst einen besonders wichtigen Wurf vergab. In der 59. Minute scheiterte er an einer Fußabwehr von Bitter, es wäre das 25:24 gewesen. Noch bitterer für GWD war der finale Patzer von Kevin Gulliksen kurz darauf: Der Norweger lief beim Gegenstoß völlig allein auf Bitter zu, fand aber ebenfalls keinen Weg vorbei an dem 2,05-Meter-Hünen.

Schon in der ersten Halbzeit waren die Mindener Schützen am Stuttgarter Torwart verzweifelt. Als sie in der 15. Minute 5:7 zurücklagen und Carstens die erste Auszeit nahm, sagte er seiner Mannschaft zurecht: „Wir haben das Ergebnis gemacht.“ In diesem Stil ging es bis zum 7:11 weiter, bis GWD sich endlich ins Spiel biss und mit mehr Konzentration und Entschlossenheit den Ausgleich erzwang.

Dennoch hemmten die Probleme im Abschluss auch nach der Pause die Bemühungen der Gäste, die sich in der Abwehr immer mehr steigerten. „Stuttgart ist oft gar nicht bis zum Tor gekommen“, sagte Carstens. Seine Mannschaft zeigte dafür Schwächen an der Siebenmeterlinie. Savvas Savvas und Marian Michalczik vergaben in einer wichtigen Phase, erst Gulliksen verwandelte den zweiten von insgesamt fünf Mindener Siebenmetern. „Da müssen wir ein bisschen cooler sein“, fand Michalczik.

Wenig zu mäkeln gab es derweil an der Einstellung seiner Mannschaft. GWD kämpfte sich immer wieder nach Zwei-Tore-Rückständen zurück und hielt den Gegner, der einen Sieg so dringend benötigt, in Schach. Das Potenzial der Mindener ist ohnehin groß: Knorr überzeugte mit Toren aus der ganzen Palette, Joscha Ritterbach und Gulliksen setzten beim 23:23 einen Kempa-Trick-Glanzpunkt (54.).

Auch den emotionalen Test kurz vor dem Ende bestanden die Mindener: Robert Markotic schleuderte Christoph Reißky in Ringer-Manier übers Feld, die Mindener stellten den Kroaten im Rudel zur Rede. Miljan Pusica reagierte dabei über und traf Markotic mit der Hand seitlich am Rumpf. So trugen es die Schiedsrichter nach der Blauen Karte im Spielbericht ein. Der Serbe fehlt somit definitiv im Heimspiel am Donnerstag gegen Ludwigshafen. Ob es eine weitere Strafe gibt, wird heute entschieden.

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Stuttgart/MindenFast alle Tests bestanden - GWD macht in Stuttgart Vieles richtig, der Abschluss bleibt beim 24:24 aber ein ProblemSebastian KülbelStuttgart/Minden (mt). Was für eine Schlussphase: Zweimal hatte GWD Minden den Siegtreffer auf der Hand und vergab, dann überstanden die Gäste den letzten Angriff des TVB 1898 Stuttgart und kassierten sechs Sekunden vor Schluss auch noch eine Rote plus Blaue Karte gegen Miljan Pusica. Am Ende dieses wilden Ritts stand ein 24:24 (14:14)-Remis, mit dem Trainer Frank Carstens und sein Team besser leben konnten als der Gegner – trotz zahlreicher vergebener Chancen. „Direkt nach dem Spiel denkt man natürlich an diese vielen Möglichkeiten zurück und ist auch unzufrieden“, räumte der Mindener Coach ein und blickte dann schnell auf das große Ganze: „In unserer Situation sind drei Punkte nach vier Spielen fast die optimale Ausbeute.“ Denn auch wenn Savvas Savvas trotz seiner muskulären Probleme für Spezialaufgaben bereit stand, war das GWD-Personal auch in Stuttgart wieder knapp. Wie schon beim überraschenden Sieg in Berlin kam es daher auf die Impulse von der Bank an – und die trugen auch in Stuttgart entscheidend zum nächsten Punktgewinn bei. Für Pusica etwa kam nach einem schmerzhaften Zusammenprall schon nach drei Minuten Juri Knorr aufs Feld – und der 19-Jährige wurde als Spielmacher nicht nur wegen seiner fünf Tore zum entscheidenden Faktor. „Er hat ähnlich wie in Berlin wichtige Akzente gesetzt“, lobte Carstens. Dessen Team brauchte allerdings einige Minuten, um in die Partie zu finden. Immer wieder spielten sich die Mindener im Angriff beste Chancen heraus – und fanden mit ihren Würfen irgendein Körperteil von Stuttgarts herausragendem Torwart Johannes Bitter. Insgesamt 18 Fehlversuche hatte Carstens hinterher auf dem Zettel, gut die Hälfte waren freie Würfe. Das kam zwar nicht an die Rekordwerte des kurios verlorenen Heimspiels gegen Leipzig heran, war aber dennoch am Ende zu viel, um zu gewinnen. „An der Abschlussquote müssen wir arbeiten“, sagte auch Kapitän Marian Michalczik, der selbst einen besonders wichtigen Wurf vergab. In der 59. Minute scheiterte er an einer Fußabwehr von Bitter, es wäre das 25:24 gewesen. Noch bitterer für GWD war der finale Patzer von Kevin Gulliksen kurz darauf: Der Norweger lief beim Gegenstoß völlig allein auf Bitter zu, fand aber ebenfalls keinen Weg vorbei an dem 2,05-Meter-Hünen. Schon in der ersten Halbzeit waren die Mindener Schützen am Stuttgarter Torwart verzweifelt. Als sie in der 15. Minute 5:7 zurücklagen und Carstens die erste Auszeit nahm, sagte er seiner Mannschaft zurecht: „Wir haben das Ergebnis gemacht.“ In diesem Stil ging es bis zum 7:11 weiter, bis GWD sich endlich ins Spiel biss und mit mehr Konzentration und Entschlossenheit den Ausgleich erzwang. Dennoch hemmten die Probleme im Abschluss auch nach der Pause die Bemühungen der Gäste, die sich in der Abwehr immer mehr steigerten. „Stuttgart ist oft gar nicht bis zum Tor gekommen“, sagte Carstens. Seine Mannschaft zeigte dafür Schwächen an der Siebenmeterlinie. Savvas Savvas und Marian Michalczik vergaben in einer wichtigen Phase, erst Gulliksen verwandelte den zweiten von insgesamt fünf Mindener Siebenmetern. „Da müssen wir ein bisschen cooler sein“, fand Michalczik. Wenig zu mäkeln gab es derweil an der Einstellung seiner Mannschaft. GWD kämpfte sich immer wieder nach Zwei-Tore-Rückständen zurück und hielt den Gegner, der einen Sieg so dringend benötigt, in Schach. Das Potenzial der Mindener ist ohnehin groß: Knorr überzeugte mit Toren aus der ganzen Palette, Joscha Ritterbach und Gulliksen setzten beim 23:23 einen Kempa-Trick-Glanzpunkt (54.). Auch den emotionalen Test kurz vor dem Ende bestanden die Mindener: Robert Markotic schleuderte Christoph Reißky in Ringer-Manier übers Feld, die Mindener stellten den Kroaten im Rudel zur Rede. Miljan Pusica reagierte dabei über und traf Markotic mit der Hand seitlich am Rumpf. So trugen es die Schiedsrichter nach der Blauen Karte im Spielbericht ein. Der Serbe fehlt somit definitiv im Heimspiel am Donnerstag gegen Ludwigshafen. Ob es eine weitere Strafe gibt, wird heute entschieden.