Minden

GWD will in Berlin die guten Ansätze zusammenbringen

Sebastian Külbel

Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Zwei Niederlagen, viele gute Ansätze und ein großer Vorteil: Vor dem dritten Saisonspiel der Handball-Bundesliga verbreitet GWD Minden viel Zuversicht. Die Füchse Berlin sind am Mittwochabend auswärts um 19 Uhr zwar ein genauso ambitionierter wie schwerer Kontrahent. Überraschen wird dieser seine Gäste aber in der Max-Schmeling-Halle nicht.

„Wir hatten hervorragende Insider-Informationen, so viel wussten wir noch nie über einen Gegner“, sagt Trainer Frank Carstens. In Torwart Malte Semisch und Rückraum-Linkshänder Christoph Reißky wechselten im Sommer gleich zwei Akteure von den Füchsen zu GWD. Und die kennen ihren ehemaligen Arbeitgeber natürlich bestens.

„Wir müssen die riesigen Jungs in in Bewegung bringen, Berlin hat die größte und schwerste Abwehr der Liga“, sagt der Coach. Da gelte es, die Nahtstellen anzulaufen, zwischen die Leute zu kommen und vor allem einen Fehler zu vermeiden: „Wir dürfen nicht versuchen, über die großen Jungs hinweg zu werfen.“ Werfen war ohnehin das große Thema der Mindener nach der 21:25-Niederlage gegen Leipzig. „Das passte bei uns eigentlich alles – bis auf den Abschluss“, sagt Carstens, der in seiner Videoanalyse 16 hundertprozentige Chancen ausgemacht hatte: „Wenn wir davon nur die Hälfte nutzen, geht das Spiel ganz anders aus.“

Zufrieden war er dagegen mit der Defensivleistung, und so sagt auch Berlin-Experte Malte Semisch: „Wir müssen in der Abwehr ähnlich kompakt stehen wie gegen Leipzig. Und wenn wir dann so ins Tempo kommen wie in den ersten 15 Minuten, haben wir gute Chancen.“ Schließlich gilt der Rückzug nicht als die größte Stärke der Füchse. Allerdings dürfe auch nicht erwartet werden, dass GWD jetzt immer eine furiose Phase wie den 8:1-Lauf zum Start gegen Leipzig hinlegt, betont Carstens.

Vielmehr wünscht sich der Coach, dass sein Team die positiven Elemente der jüngsten beiden Spiele bestätigt: „Wir haben einen vernünftigen Plan gefunden. Jetzt müssen wir alle Elemente des Handballs zusammenbringen.“ Denn Minden rechnet sich heute durchaus Chancen aus: „Berlin ist ein harter Prüfstein und will den Abstand zur Spitze verringern, das zeigt die Verpflichtung von Stefan Kretzschmar. Aber in einem Spiel kann man alles bewegen“, betont der GWD-Trainer.

Erschwert wird dieses Vorhaben durch die Personalsituation. Magnus Gullerud spielte gegen Leipzig zehn Minuten mit einem Spezialschuh, im Training zeigte sein gebrochener Zeh aber eine Reaktion, so dass der Kreisläufer wieder ausfällt. Das gilt auch für die weiter verletzten Espen Christensen und Aliaksandr Padshyvalau sowie für Savvas Savvas, der eine Muskelverhärtung rund ums Knie hat. Alle vier werden heute gar nicht erst mit in den Zug nach Berlin steigen.

„Wir haben aber auch gegen Leipzig schon ohne sie gespielt und eine gute Leistung abgerufen“, betont Carstens. Ein Problem sind die Ausfälle dennoch: „Es fehlt momentan an Tiefe bei uns.“ Das ist auch deshalb kritisch, weil sein Team bis zum Heimspiel gegen Die Eulen Ludwigshafen am nächsten Donnerstag einen Vier-Tage-Rhythmus hat.

Semisch sieht derweil kein Problem darin, dass sein Torwart-Kollege Christensen weiterhin fehlt. „So habe ich mehr Zeit, mich einzuspielen. Ich muss mehr Verantwortung tragen und kann mich beweisen.“ Ähnlich war es übrigens, als 2017 Christensen zu GWD gewechselt war: „Damals hat sich Kim Sonne gleich verletzt und Espen war drei Monate allein. Das hat ihm auch gut getan“, erinnert sich Carstens.

Gegen seinen Ex-Klub ist Semisch besonders motiviert: „Für einen Torhüter ist es eher ein Vorteil, wenn er die Werfer kennt.“ Zudem offenbarten die Berliner gerade beim ersten Spiel in Leipzig (23:24) Schwächen. „Sie sind noch nicht so stabil, dass sie nicht verwundbar wären“, betont Carstens. Eine besondere Bus-Rückfahrt wird es so oder so: Semisch wird am Donnerstag 27 Jahre alt und will zu seinem Geburtstag einen ausgeben: „Vielleicht haben wir dann ja sogar noch etwas mehr zu feiern.“ Für seinen Coach ist es keine Frage, dass sein Team sich zeitnah belohnen wird: „Wir machen viele Dinge richtig und hungern nach einem Erfolgserlebnis. Das wird man bald sehen.“

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MindenGWD will in Berlin die guten Ansätze zusammenbringenSebastian KülbelMinden (mt). Zwei Niederlagen, viele gute Ansätze und ein großer Vorteil: Vor dem dritten Saisonspiel der Handball-Bundesliga verbreitet GWD Minden viel Zuversicht. Die Füchse Berlin sind am Mittwochabend auswärts um 19 Uhr zwar ein genauso ambitionierter wie schwerer Kontrahent. Überraschen wird dieser seine Gäste aber in der Max-Schmeling-Halle nicht. „Wir hatten hervorragende Insider-Informationen, so viel wussten wir noch nie über einen Gegner“, sagt Trainer Frank Carstens. In Torwart Malte Semisch und Rückraum-Linkshänder Christoph Reißky wechselten im Sommer gleich zwei Akteure von den Füchsen zu GWD. Und die kennen ihren ehemaligen Arbeitgeber natürlich bestens. „Wir müssen die riesigen Jungs in in Bewegung bringen, Berlin hat die größte und schwerste Abwehr der Liga“, sagt der Coach. Da gelte es, die Nahtstellen anzulaufen, zwischen die Leute zu kommen und vor allem einen Fehler zu vermeiden: „Wir dürfen nicht versuchen, über die großen Jungs hinweg zu werfen.“ Werfen war ohnehin das große Thema der Mindener nach der 21:25-Niederlage gegen Leipzig. „Das passte bei uns eigentlich alles – bis auf den Abschluss“, sagt Carstens, der in seiner Videoanalyse 16 hundertprozentige Chancen ausgemacht hatte: „Wenn wir davon nur die Hälfte nutzen, geht das Spiel ganz anders aus.“ Zufrieden war er dagegen mit der Defensivleistung, und so sagt auch Berlin-Experte Malte Semisch: „Wir müssen in der Abwehr ähnlich kompakt stehen wie gegen Leipzig. Und wenn wir dann so ins Tempo kommen wie in den ersten 15 Minuten, haben wir gute Chancen.“ Schließlich gilt der Rückzug nicht als die größte Stärke der Füchse. Allerdings dürfe auch nicht erwartet werden, dass GWD jetzt immer eine furiose Phase wie den 8:1-Lauf zum Start gegen Leipzig hinlegt, betont Carstens. Vielmehr wünscht sich der Coach, dass sein Team die positiven Elemente der jüngsten beiden Spiele bestätigt: „Wir haben einen vernünftigen Plan gefunden. Jetzt müssen wir alle Elemente des Handballs zusammenbringen.“ Denn Minden rechnet sich heute durchaus Chancen aus: „Berlin ist ein harter Prüfstein und will den Abstand zur Spitze verringern, das zeigt die Verpflichtung von Stefan Kretzschmar. Aber in einem Spiel kann man alles bewegen“, betont der GWD-Trainer. Erschwert wird dieses Vorhaben durch die Personalsituation. Magnus Gullerud spielte gegen Leipzig zehn Minuten mit einem Spezialschuh, im Training zeigte sein gebrochener Zeh aber eine Reaktion, so dass der Kreisläufer wieder ausfällt. Das gilt auch für die weiter verletzten Espen Christensen und Aliaksandr Padshyvalau sowie für Savvas Savvas, der eine Muskelverhärtung rund ums Knie hat. Alle vier werden heute gar nicht erst mit in den Zug nach Berlin steigen. „Wir haben aber auch gegen Leipzig schon ohne sie gespielt und eine gute Leistung abgerufen“, betont Carstens. Ein Problem sind die Ausfälle dennoch: „Es fehlt momentan an Tiefe bei uns.“ Das ist auch deshalb kritisch, weil sein Team bis zum Heimspiel gegen Die Eulen Ludwigshafen am nächsten Donnerstag einen Vier-Tage-Rhythmus hat. Semisch sieht derweil kein Problem darin, dass sein Torwart-Kollege Christensen weiterhin fehlt. „So habe ich mehr Zeit, mich einzuspielen. Ich muss mehr Verantwortung tragen und kann mich beweisen.“ Ähnlich war es übrigens, als 2017 Christensen zu GWD gewechselt war: „Damals hat sich Kim Sonne gleich verletzt und Espen war drei Monate allein. Das hat ihm auch gut getan“, erinnert sich Carstens. Gegen seinen Ex-Klub ist Semisch besonders motiviert: „Für einen Torhüter ist es eher ein Vorteil, wenn er die Werfer kennt.“ Zudem offenbarten die Berliner gerade beim ersten Spiel in Leipzig (23:24) Schwächen. „Sie sind noch nicht so stabil, dass sie nicht verwundbar wären“, betont Carstens. Eine besondere Bus-Rückfahrt wird es so oder so: Semisch wird am Donnerstag 27 Jahre alt und will zu seinem Geburtstag einen ausgeben: „Vielleicht haben wir dann ja sogar noch etwas mehr zu feiern.“ Für seinen Coach ist es keine Frage, dass sein Team sich zeitnah belohnen wird: „Wir machen viele Dinge richtig und hungern nach einem Erfolgserlebnis. Das wird man bald sehen.“