Minden

Wieder was gelernt - GWD Minden sucht nach Gründen für die Niederlage

Sebastian Külbel

Enttäuschendes Ende einer Achterbahnfahrt: GWD Mindens Torjäger Kevin Gulliksen hockt nach der Niederlage gegen Leipzig in der Kampa-Halle. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Enttäuschendes Ende einer Achterbahnfahrt: GWD Mindens Torjäger Kevin Gulliksen hockt nach der Niederlage gegen Leipzig in der Kampa-Halle. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Als Christoffer Rambo mit düsterem Blick aus der Kabine schlich, brachte er die Erkenntnisse des Abends auf den Punkt: „Wir machen viele gute Sachen, aber am Ende ist es zu wenig.“ Nach der zweiten Niederlage im zweiten Saisonspiel wird GWD Mindens Bundesliga-Handballern klar, dass zum Lernprozess der runderneuerten Mannschaft auch viel Frust gehört. So zumindest endete die Achterbahnfahrt gegen den SC DHfK Leipzig.

„Es war ein bisschen Himmel und Hölle“, sagte Linksaußen Joscha Ritterbach über den kuriosen Spielverlauf: 8:1, 10:8, 15:15, 17:19, 18:24, 21:25 – Stationen eines am Ende ernüchternden Abends für die Gastgeber. „Wir haben den Faden verloren und versucht, ihn wieder zu finden“, meinte Ritterbach. Gelungen ist es GWD nicht.

Die Suche nach Gründen führte Trainer Frank Carstens zum Statistikzettel. 27 Fehlwürfe hatte Teammanager Günter Gieseking darauf notiert, „20 davon waren glasklare Chancen“, haderte Carstens. „Wenn du so viel verwirfst, dann wird das nichts“, fügte Rückraum-Werfer Rambo hinzu. Seinen Trainer führte das immerhin zu einer positiven Erkenntnis: „Wir haben ja die Chancen, das heißt, wir machen im Angriff nicht so viel falsch.“

Dennoch wirkte das Mindener Positionsspiel in den entscheidenden Phasen zu harmlos. Als der Schwung des furiosen 8:1-Starts weg war, fanden die Gastgeber in Ballbesitz mit zunehmender Spielzeit keine Mittel mehr gegen die herandrängenden Leipziger. „In der ersten Halbzeit hat alles bei uns sehr gut funktioniert. Aber es ist unglaublich schwierig, dieses Niveau über 60 Minuten zu halten“, erklärte GWD-Torwart Malte Semisch. Wie alle anderen im Team bekräftigte er, am eingeschlagenen Weg festzuhalten: „Wir müssen das Positive mitnehmen und so weitermachen.“

Erschwert wird dieses Vorhaben von der Personalsituation. Savvas Savvas, in Hannover mit neun Toren bester Mindener Schütze, musste am Donnerstag wenige Minuten nach seiner Einwechslung mit akuten Oberschenkelproblemen wieder vom Feld. Espen Christensen fehlt drei Wochen mit Muskelfaserriss in der Schulter, die Genesung von Aliaksandr Padshyvalau verzögert sich, und Magnus Gullerud ist trotz Kurzeinsatzes mit Spezialschuh noch nicht hundertprozentig fit. „Torwart, Rückraummitte, Kreisläufer, das sind die zentralen Positionen des Handballs“, sagt Carstens mit Blick auf die Verletztenliste: „Wenn die ausfallen, macht sich das bemerkbar.“

So lastete das Mindener Spiel auf zu wenigen Schultern, was sich in der Schlussphase bemerkbar machte. „Wir haben viel gekämpft und waren in den letzten zehn Minuten müde. Leipzig hatte mehr Power“, meinte Rechtsaußen Kevin Gulliksen. Auch der mentale Vorteil lag beim Gegner, wie Rambo mit Blick auf dessen starken Ex-GWD-Torwart Joel Birlehm andeutete: „Er hält am Ende fast alles, dann geht bei uns der Kopf runter.“

Den müssen die Mindener nun schnell wieder hochnehmen, schließlich geht es schon am nächsten Mittwoch in Berlin weiter. „Da werden wir wieder Neues lernen“, so Coach Carstens über den zehrenden, aber nötigen Prozess, zu dem Ritterbach sagte: „Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir können ja jetzt nicht aufhören und Sommerurlaub machen.“

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MindenWieder was gelernt - GWD Minden sucht nach Gründen für die NiederlageSebastian KülbelMinden (mt). Als Christoffer Rambo mit düsterem Blick aus der Kabine schlich, brachte er die Erkenntnisse des Abends auf den Punkt: „Wir machen viele gute Sachen, aber am Ende ist es zu wenig.“ Nach der zweiten Niederlage im zweiten Saisonspiel wird GWD Mindens Bundesliga-Handballern klar, dass zum Lernprozess der runderneuerten Mannschaft auch viel Frust gehört. So zumindest endete die Achterbahnfahrt gegen den SC DHfK Leipzig. „Es war ein bisschen Himmel und Hölle“, sagte Linksaußen Joscha Ritterbach über den kuriosen Spielverlauf: 8:1, 10:8, 15:15, 17:19, 18:24, 21:25 – Stationen eines am Ende ernüchternden Abends für die Gastgeber. „Wir haben den Faden verloren und versucht, ihn wieder zu finden“, meinte Ritterbach. Gelungen ist es GWD nicht. Die Suche nach Gründen führte Trainer Frank Carstens zum Statistikzettel. 27 Fehlwürfe hatte Teammanager Günter Gieseking darauf notiert, „20 davon waren glasklare Chancen“, haderte Carstens. „Wenn du so viel verwirfst, dann wird das nichts“, fügte Rückraum-Werfer Rambo hinzu. Seinen Trainer führte das immerhin zu einer positiven Erkenntnis: „Wir haben ja die Chancen, das heißt, wir machen im Angriff nicht so viel falsch.“ Dennoch wirkte das Mindener Positionsspiel in den entscheidenden Phasen zu harmlos. Als der Schwung des furiosen 8:1-Starts weg war, fanden die Gastgeber in Ballbesitz mit zunehmender Spielzeit keine Mittel mehr gegen die herandrängenden Leipziger. „In der ersten Halbzeit hat alles bei uns sehr gut funktioniert. Aber es ist unglaublich schwierig, dieses Niveau über 60 Minuten zu halten“, erklärte GWD-Torwart Malte Semisch. Wie alle anderen im Team bekräftigte er, am eingeschlagenen Weg festzuhalten: „Wir müssen das Positive mitnehmen und so weitermachen.“ Erschwert wird dieses Vorhaben von der Personalsituation. Savvas Savvas, in Hannover mit neun Toren bester Mindener Schütze, musste am Donnerstag wenige Minuten nach seiner Einwechslung mit akuten Oberschenkelproblemen wieder vom Feld. Espen Christensen fehlt drei Wochen mit Muskelfaserriss in der Schulter, die Genesung von Aliaksandr Padshyvalau verzögert sich, und Magnus Gullerud ist trotz Kurzeinsatzes mit Spezialschuh noch nicht hundertprozentig fit. „Torwart, Rückraummitte, Kreisläufer, das sind die zentralen Positionen des Handballs“, sagt Carstens mit Blick auf die Verletztenliste: „Wenn die ausfallen, macht sich das bemerkbar.“ So lastete das Mindener Spiel auf zu wenigen Schultern, was sich in der Schlussphase bemerkbar machte. „Wir haben viel gekämpft und waren in den letzten zehn Minuten müde. Leipzig hatte mehr Power“, meinte Rechtsaußen Kevin Gulliksen. Auch der mentale Vorteil lag beim Gegner, wie Rambo mit Blick auf dessen starken Ex-GWD-Torwart Joel Birlehm andeutete: „Er hält am Ende fast alles, dann geht bei uns der Kopf runter.“ Den müssen die Mindener nun schnell wieder hochnehmen, schließlich geht es schon am nächsten Mittwoch in Berlin weiter. „Da werden wir wieder Neues lernen“, so Coach Carstens über den zehrenden, aber nötigen Prozess, zu dem Ritterbach sagte: „Uns bleibt nichts anderes übrig. Wir können ja jetzt nicht aufhören und Sommerurlaub machen.“