Minden

In Hannover gab es für GWD Minden nur selten etwas zu holen - das soll sich ändern

Marcus Riechmann

Breit lächelnd steht GWD-Torjäger Christoffer Rambo (rechts) hier beim mit 25:30 verlorenen letzten Gastspiel im September 2018 Abwehrspieler Timo Kastening gegenüber. Doch die Szene täuscht: Echten Grund zur Freude gab es für Minden in Hannover schon lange nicht mehr. MT- - © Foto: Marcus Riechmann
Breit lächelnd steht GWD-Torjäger Christoffer Rambo (rechts) hier beim mit 25:30 verlorenen letzten Gastspiel im September 2018 Abwehrspieler Timo Kastening gegenüber. Doch die Szene täuscht: Echten Grund zur Freude gab es für Minden in Hannover schon lange nicht mehr. MT- (© Foto: Marcus Riechmann)

Minden (mt). Kurze Anreise, geringer Ertrag: Spiele in Hannover waren für den Handball-Bundesligisten GWD Minden mit schöner Regelmäßigkeit eine ebenso schnelle wie freudlose Angelegenheit. Nicht mal in jener Zeit, als der Klub unter dem Namen TSV GWD Minden-Hannover eine Saison lang rund die Hälfte der Heimspiele in der niedersächsischen Landeshauptstadt austrug, war das von Erfolg begleitet. Lediglich vier der insgesamt 18 Saisonpunkte holten die Grün-Weißen in der ungeliebten Arena auf dem Expo-Gelände. Mit Ach und Krach entging GWD in der Spielzeit 2004/2005 als Tabellen-16. dem Abstieg, weil Tusem Essen und die SG Wallau/Massenheim keine Lizenz erhielten und mit dem abgeschlagenen Schlusslicht SV Post Schwerin die Liga verlassen mussten.

Nun geht es zum Auftakt der 54. Saison der Handball-Bundesliga für GWD erneut nach Hannover. „Sollen wir gar nicht erst hinfahren?“, wirft Trainer Frank Carstens eine rhetorische Frage in den Raum und wischt die unerfreuliche Statistik energisch als Schnee von gestern vom Tisch.

„Die schlechten Ergebnisse dort sind Geschichte. Ich bin mir sicher, dass die Jungs zeigen wollen, dass sie es deutlich besser können. Hannover hat im ersten Heimspiel der Saison ordentlich Druck. Das könnte uns in die Karten spielen“, sagt der Coach, der erst einmal zuvor mit Minden auswärts in die Saison startete und damit gute Erinnerungen verbindet: Als Außenseiter gelang Aufsteiger GWD im August 2016 ein 27:26 in Lemgo.

Weder die Historie, noch die schwache Leistung im DHB-Pokal und erst recht nicht die angespannte personelle Situation im Team will Carstens vor dem ersten Liga-Spiel thematisieren. Er blickt ausschließlich voran: Um 16 Uhr in der Swiss-Life-Hall soll sich sein neu formiertes Team am Sonntag beweisen.

Kreisläufer Magnus Gullerud und Mittelmann Aliaksandr Padshyvalau (beide kurieren Fußverletzungen aus) werden fehlen. Nach einem fiebrigen Infekt ist der Einsatz von Juri Knorr unsicher. Trotzdem gibt man sich zuversichtlich: „Hannover ist unsere Leistungsklasse“, sagt GWD-Teamkapitän Marian Michalczik, der angesichts der Ausfälle von Padshyvalau und Knorr die Rolle als Regisseur übernehmen wird.

Vor allem eine Aufgabe sollen die GWD-Männer bewältigen: Das starke Spiel der Gastgeber über ihre bulligen Kreisläufer Evgeni Pevnov und Ilija Brozovic unterbinden. Beide werden vor allem vom routinierten dänischen Regisseur Morten Olsen in Szene gesetzt. „Das Kreisspiel ist überragend“, sagt Carstens über seinen Ex-Klub. Das Training der vergangenen Wochen wird nun dem Praxistest unterzogen: die Kreis-Abwehr war ein Schwerpunkt der Saisonvorbereitung.

Das zweite Ziel: Aus Ballgewinnen in den Gegenstoß kommen. GWD war mit dem spurtstarken Rechtsaußen Kevin Gulliksen in der vergangenen Saison zweitbeste Kontermannschaft hinter dem THW Kiel. „Diese Stärke wollen wir weiter ausspielen“, meint Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Im Positionsangriff liegt die Last der Verantwortung vor allem bei Michalczik und dem norwegischen Torjäger Christoffer Rambo.

Die Niedersachsen haben wie GWD eine unbefriedigende Saison erlebt und landeten auf Rang 13 unmittelbar neben GWD (14). Das will Trainer Carlos Ortega in diesem Jahr besser machen. „Wir werden sicher auch Spiele gegen die Top-Teams gewinnen“, verspricht der 48-jährige Spanier, der die Punkte gegen GWD auf dem Weg zu einem einstelligen Tabellenplatz fraglos einkalkuliert hat.

Fünf Profis haben den Verein verlassen, darunter auch Nationalspieler Kai Häfner, der zu MT Melsungen gewechselt ist. Neu dabei sind der kroatische Häfner-Ersatz Ivan Martinovic (VfL Gummersbach), Alfred Jönsson (Lugi Lund) und Torwart Domenico Ebner (SG BBM Bietigheim). Aus der eigenen Jugend ist das 18-jährige Top-Talent Veit Mävers als Mittelmann in den Kader aufgerückt.

ZUM THEMA

Der einzige Sieg: Seit der Rückkehr in die Bundesliga im Jahr 2012 ist GWD Minden nur ein einziges Mal mit einem Sieg in die Saison gestartet. Am 3. September 2016 setzte das Team von Frank Carstens – nach einer erneuten Zweitliga-Saison frisch aufgestiegen – mit einem 27:26-Erfolg beim OWL-Rivalen TBV Lemgo ein Ausrufezeichen.

Glücklos am 1. Spieltag: In den folgenden beiden Jahren verlor Minden die Heimspiele sowohl gegen den SC Leipzig wie auch – nach einem allerdings prächtigen Spiel – gegen die SG Flensburg/Handewitt. Auch vor dem Abstieg im Sommer 2015 blieb GWD an den ersten Spieltagen dreimal erfolglos.

Bilanz in Hannover: Seit Frank Carstens die TSV Hannover-Burgdorf im Jahr 2009 in die Bundesliga führte, haben die „Recken“ nicht mehr daheim gegen GWD verloren. Ein 27:27 am 31. August 2013 war der letzte Punktgewinn der Mindener an der Leine. Seit Carstens im Februar 2015 GWD-Trainer ist holte er gegen Hannover 5:9 Punkte. 27:35, 29:36 und im September vergangenen Jahres 25:30 verlor Minden in Hannover – im Februar 2019 ging auch das Heimspiel mit 29:32 Toren verloren. (rich)

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MindenIn Hannover gab es für GWD Minden nur selten etwas zu holen - das soll sich ändernMarcus RiechmannMinden (mt). Kurze Anreise, geringer Ertrag: Spiele in Hannover waren für den Handball-Bundesligisten GWD Minden mit schöner Regelmäßigkeit eine ebenso schnelle wie freudlose Angelegenheit. Nicht mal in jener Zeit, als der Klub unter dem Namen TSV GWD Minden-Hannover eine Saison lang rund die Hälfte der Heimspiele in der niedersächsischen Landeshauptstadt austrug, war das von Erfolg begleitet. Lediglich vier der insgesamt 18 Saisonpunkte holten die Grün-Weißen in der ungeliebten Arena auf dem Expo-Gelände. Mit Ach und Krach entging GWD in der Spielzeit 2004/2005 als Tabellen-16. dem Abstieg, weil Tusem Essen und die SG Wallau/Massenheim keine Lizenz erhielten und mit dem abgeschlagenen Schlusslicht SV Post Schwerin die Liga verlassen mussten. Nun geht es zum Auftakt der 54. Saison der Handball-Bundesliga für GWD erneut nach Hannover. „Sollen wir gar nicht erst hinfahren?“, wirft Trainer Frank Carstens eine rhetorische Frage in den Raum und wischt die unerfreuliche Statistik energisch als Schnee von gestern vom Tisch. „Die schlechten Ergebnisse dort sind Geschichte. Ich bin mir sicher, dass die Jungs zeigen wollen, dass sie es deutlich besser können. Hannover hat im ersten Heimspiel der Saison ordentlich Druck. Das könnte uns in die Karten spielen“, sagt der Coach, der erst einmal zuvor mit Minden auswärts in die Saison startete und damit gute Erinnerungen verbindet: Als Außenseiter gelang Aufsteiger GWD im August 2016 ein 27:26 in Lemgo. Weder die Historie, noch die schwache Leistung im DHB-Pokal und erst recht nicht die angespannte personelle Situation im Team will Carstens vor dem ersten Liga-Spiel thematisieren. Er blickt ausschließlich voran: Um 16 Uhr in der Swiss-Life-Hall soll sich sein neu formiertes Team am Sonntag beweisen. Kreisläufer Magnus Gullerud und Mittelmann Aliaksandr Padshyvalau (beide kurieren Fußverletzungen aus) werden fehlen. Nach einem fiebrigen Infekt ist der Einsatz von Juri Knorr unsicher. Trotzdem gibt man sich zuversichtlich: „Hannover ist unsere Leistungsklasse“, sagt GWD-Teamkapitän Marian Michalczik, der angesichts der Ausfälle von Padshyvalau und Knorr die Rolle als Regisseur übernehmen wird. Vor allem eine Aufgabe sollen die GWD-Männer bewältigen: Das starke Spiel der Gastgeber über ihre bulligen Kreisläufer Evgeni Pevnov und Ilija Brozovic unterbinden. Beide werden vor allem vom routinierten dänischen Regisseur Morten Olsen in Szene gesetzt. „Das Kreisspiel ist überragend“, sagt Carstens über seinen Ex-Klub. Das Training der vergangenen Wochen wird nun dem Praxistest unterzogen: die Kreis-Abwehr war ein Schwerpunkt der Saisonvorbereitung. Das zweite Ziel: Aus Ballgewinnen in den Gegenstoß kommen. GWD war mit dem spurtstarken Rechtsaußen Kevin Gulliksen in der vergangenen Saison zweitbeste Kontermannschaft hinter dem THW Kiel. „Diese Stärke wollen wir weiter ausspielen“, meint Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Im Positionsangriff liegt die Last der Verantwortung vor allem bei Michalczik und dem norwegischen Torjäger Christoffer Rambo. Die Niedersachsen haben wie GWD eine unbefriedigende Saison erlebt und landeten auf Rang 13 unmittelbar neben GWD (14). Das will Trainer Carlos Ortega in diesem Jahr besser machen. „Wir werden sicher auch Spiele gegen die Top-Teams gewinnen“, verspricht der 48-jährige Spanier, der die Punkte gegen GWD auf dem Weg zu einem einstelligen Tabellenplatz fraglos einkalkuliert hat. Fünf Profis haben den Verein verlassen, darunter auch Nationalspieler Kai Häfner, der zu MT Melsungen gewechselt ist. Neu dabei sind der kroatische Häfner-Ersatz Ivan Martinovic (VfL Gummersbach), Alfred Jönsson (Lugi Lund) und Torwart Domenico Ebner (SG BBM Bietigheim). Aus der eigenen Jugend ist das 18-jährige Top-Talent Veit Mävers als Mittelmann in den Kader aufgerückt. ZUM THEMA Der einzige Sieg: Seit der Rückkehr in die Bundesliga im Jahr 2012 ist GWD Minden nur ein einziges Mal mit einem Sieg in die Saison gestartet. Am 3. September 2016 setzte das Team von Frank Carstens – nach einer erneuten Zweitliga-Saison frisch aufgestiegen – mit einem 27:26-Erfolg beim OWL-Rivalen TBV Lemgo ein Ausrufezeichen. Glücklos am 1. Spieltag: In den folgenden beiden Jahren verlor Minden die Heimspiele sowohl gegen den SC Leipzig wie auch – nach einem allerdings prächtigen Spiel – gegen die SG Flensburg/Handewitt. Auch vor dem Abstieg im Sommer 2015 blieb GWD an den ersten Spieltagen dreimal erfolglos. Bilanz in Hannover: Seit Frank Carstens die TSV Hannover-Burgdorf im Jahr 2009 in die Bundesliga führte, haben die „Recken“ nicht mehr daheim gegen GWD verloren. Ein 27:27 am 31. August 2013 war der letzte Punktgewinn der Mindener an der Leine. Seit Carstens im Februar 2015 GWD-Trainer ist holte er gegen Hannover 5:9 Punkte. 27:35, 29:36 und im September vergangenen Jahres 25:30 verlor Minden in Hannover – im Februar 2019 ging auch das Heimspiel mit 29:32 Toren verloren. (rich)