Minden

MT-Interview mit GWD Mindens Kapitän Marian Michalczik: „Das macht mich extrem stolz“

Sebastian Külbel

„Ich wollte immer Verantwortung übernehmen“: Marian Michalczik geht bei GWD Minden voran – neuerdings wie hier beim Spielo-Cup gegen Leipzig auch als Siebenmeterschütze. MT- - © Foto: Sebastian Külbel
„Ich wollte immer Verantwortung übernehmen“: Marian Michalczik geht bei GWD Minden voran – neuerdings wie hier beim Spielo-Cup gegen Leipzig auch als Siebenmeterschütze. MT- (© Foto: Sebastian Külbel)

Minden (mt). Marian Michalczik feierte bei GWD Minden sein Profi-Debüt, wurde zum Leistungsträger und Nationalspieler. Mit 22 Jahren wählten seine Mitspieler ihn jetzt sogar zum neuen Kapitän – „ein echtes Statement der Mannschaft“, wie Trainer Frank Carstens findet. Im MT-Interview spricht Michalczik über sein neues Amt, die junge Mindener Mannschaft und seine persönlichen Ziele.

Herr Michalczik, was bedeutet das Kapitänsamt für Sie?

Ich bin sehr dankbar für die Wertschätzung und das Vertrauen, das die Jungs in mich haben. Das macht mich extrem stolz. Es ist ja ungewöhnlich, dass man als so junger Spieler in dieses Amt gelangt – und dann auch noch aus der Mannschaft heraus gewählt. Ich freue mich auf die Aufgabe.

Ist das der nächste Schritt in Ihrer Karriere?

Natürlich. Ich habe immer gesagt, dass ich Verantwortung übernehmen will und habe das bei GWD in den letzten Jahren auch gemacht. Mit der neuen Aufgabe wird diese Verantwortung wieder wachsen. Durch den Abgang von Dalibor Doder ist bei uns ein Loch entstanden, er war ein sehr dominanter Spieler. Jetzt möchte ich dazu beitragen, dieses Loch zu füllen.

Hatten Sie mit dem Amt geliebäugelt?

So würde ich es nicht ausdrücken. Aber ich habe schon in der vorigen Saison Dalibor vertreten, als er in den letzten Spielen verletzt war. Ich wollte mich nie verstecken und möchte voran gehen.

Was macht ein Kapitän eigentlich?

Es ist eine vielseitige Aufgabe, aber man sollte auch keinen großen Hype davon machen. Der Kapitän sollte eine gute Ausstrahlung haben auf dem Spielfeld und ein Vorbild sein, auch in negativen Phasen. Zudem sehe ich mich als Ansprechpartner für Probleme. Wenn die Jungs nicht direkt Frank Carstens ansprechen wollen, können sie erst zu mir kommen. Manchmal kracht es eben, und dann bin ich gefragt, diese Dinge in der Gruppe zu lösen.

Ein Kapitän steht auch als Symbol für eine Mannschaft. Wofür steht die neue GWD-Mannschaft?

Wir sind ein sehr junges Team. Mir ist in der Vorbereitung extrem aufgefallen, dass alle sehr akribisch arbeiten, wir haben eine ganz andere Trainingsintensität mit viel mehr Wille und Motivation. Viele Spieler bei uns sind noch nicht am Limit, jeder ist ehrgeizig und will sich entwickeln. Das könnte in dieser Saison unsere Mentalität werden. Es wird Phasen geben, in denen es gut funktioniert, aber eben auch Phasen, in denen gar nichts läuft. Da müssen wir den Kopf oben behalten, unser Ding durchziehen und auf unser Konzept vertrauen.

Wie weit ist die Mannschaft sportlich?

Jeder hat das Konzept und die Spielidee verinnerlicht. Timing und Feinabstimmung sind noch nicht hundertprozentig gegeben, und das wird auch noch dauern. Aber die Vokabeln sind klar, wie der Trainer sagt, wir wissen, was wir voneinander wollen. Es ist für uns natürlich eine erste schwere Hürde, dass wir zurzeit erfahrene Spieler wie Magnus Gullerud und Aliaksandr Padshyvalau ersetzen müssen. Aber ich glaube, dass es Spaß machen wird, uns zuzusehen. Vielleicht können wir ja den ostwestfälischen Zuschauer auch mal von den Sitzen reißen.

Und wie weit ist GWD als Team?

Wir haben eine gute Teamchemie, die Neuen sind gut integriert und wir hatten viel Spaß beim Mannschaftsabend. Ganz wichtig ist auch, dass alle Deutsch sprechen. Als junge Mannschaft sind wir alle nah beieinander, das merken wir an der Trainingsleistung. Die Stimmung im Team ist viel besser. Früher hatten wir viel Grüppchenbildung. Die gibt es zwar immer noch ein wenig, aber wir haben einen guten Mix in der Mannschaft, da sind wir einen Schritt voran gekommen.

Die Entwicklung von GWD ist ja auch für Sie selbst im Hinblick auf die Nationalmannschaft wichtig.

Das stimmt, wenn die Mannschaft erfolgreich spielt, gehe ich davon aus, dass ich dann ein Teil davon bin. Aber die Nationalmannschaft ist zurzeit nicht mein Hauptaugenmerk. Natürlich sind die Olympischen Spiele in Tokio nächstes Jahr ein Traumziel, und man gibt 100 Prozent, um für ein solches Ziel in Frage zu kommen. Aber die Mannschaft in Minden kann ja nicht nur dafür arbeiten, dass ich in die Nationalmannschaft komme.

Haben Sie einen Traum, was Sie mit GWD noch erreichen wollen?

Deutscher Meister zu werden wäre sicher realitätsfern. Aber es wäre für mich das Größte, mit GWD eine perfekte Saison zu spielen und einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Das wäre für uns wie eine Deutsche Meisterschaft. Darauf schielt man schon. Und auf den Pokal, da kann man mit etwas Losglück weit kommen. Der kann aber auch ganz unangenehm sein, das werden wir am Wochenende in der ersten Runde gegen Hamm merken.

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MindenMT-Interview mit GWD Mindens Kapitän Marian Michalczik: „Das macht mich extrem stolz“Sebastian KülbelMinden (mt). Marian Michalczik feierte bei GWD Minden sein Profi-Debüt, wurde zum Leistungsträger und Nationalspieler. Mit 22 Jahren wählten seine Mitspieler ihn jetzt sogar zum neuen Kapitän – „ein echtes Statement der Mannschaft“, wie Trainer Frank Carstens findet. Im MT-Interview spricht Michalczik über sein neues Amt, die junge Mindener Mannschaft und seine persönlichen Ziele. Herr Michalczik, was bedeutet das Kapitänsamt für Sie? Ich bin sehr dankbar für die Wertschätzung und das Vertrauen, das die Jungs in mich haben. Das macht mich extrem stolz. Es ist ja ungewöhnlich, dass man als so junger Spieler in dieses Amt gelangt – und dann auch noch aus der Mannschaft heraus gewählt. Ich freue mich auf die Aufgabe. Ist das der nächste Schritt in Ihrer Karriere? Natürlich. Ich habe immer gesagt, dass ich Verantwortung übernehmen will und habe das bei GWD in den letzten Jahren auch gemacht. Mit der neuen Aufgabe wird diese Verantwortung wieder wachsen. Durch den Abgang von Dalibor Doder ist bei uns ein Loch entstanden, er war ein sehr dominanter Spieler. Jetzt möchte ich dazu beitragen, dieses Loch zu füllen. Hatten Sie mit dem Amt geliebäugelt? So würde ich es nicht ausdrücken. Aber ich habe schon in der vorigen Saison Dalibor vertreten, als er in den letzten Spielen verletzt war. Ich wollte mich nie verstecken und möchte voran gehen. Was macht ein Kapitän eigentlich? Es ist eine vielseitige Aufgabe, aber man sollte auch keinen großen Hype davon machen. Der Kapitän sollte eine gute Ausstrahlung haben auf dem Spielfeld und ein Vorbild sein, auch in negativen Phasen. Zudem sehe ich mich als Ansprechpartner für Probleme. Wenn die Jungs nicht direkt Frank Carstens ansprechen wollen, können sie erst zu mir kommen. Manchmal kracht es eben, und dann bin ich gefragt, diese Dinge in der Gruppe zu lösen. Ein Kapitän steht auch als Symbol für eine Mannschaft. Wofür steht die neue GWD-Mannschaft? Wir sind ein sehr junges Team. Mir ist in der Vorbereitung extrem aufgefallen, dass alle sehr akribisch arbeiten, wir haben eine ganz andere Trainingsintensität mit viel mehr Wille und Motivation. Viele Spieler bei uns sind noch nicht am Limit, jeder ist ehrgeizig und will sich entwickeln. Das könnte in dieser Saison unsere Mentalität werden. Es wird Phasen geben, in denen es gut funktioniert, aber eben auch Phasen, in denen gar nichts läuft. Da müssen wir den Kopf oben behalten, unser Ding durchziehen und auf unser Konzept vertrauen. Wie weit ist die Mannschaft sportlich? Jeder hat das Konzept und die Spielidee verinnerlicht. Timing und Feinabstimmung sind noch nicht hundertprozentig gegeben, und das wird auch noch dauern. Aber die Vokabeln sind klar, wie der Trainer sagt, wir wissen, was wir voneinander wollen. Es ist für uns natürlich eine erste schwere Hürde, dass wir zurzeit erfahrene Spieler wie Magnus Gullerud und Aliaksandr Padshyvalau ersetzen müssen. Aber ich glaube, dass es Spaß machen wird, uns zuzusehen. Vielleicht können wir ja den ostwestfälischen Zuschauer auch mal von den Sitzen reißen. Und wie weit ist GWD als Team? Wir haben eine gute Teamchemie, die Neuen sind gut integriert und wir hatten viel Spaß beim Mannschaftsabend. Ganz wichtig ist auch, dass alle Deutsch sprechen. Als junge Mannschaft sind wir alle nah beieinander, das merken wir an der Trainingsleistung. Die Stimmung im Team ist viel besser. Früher hatten wir viel Grüppchenbildung. Die gibt es zwar immer noch ein wenig, aber wir haben einen guten Mix in der Mannschaft, da sind wir einen Schritt voran gekommen. Die Entwicklung von GWD ist ja auch für Sie selbst im Hinblick auf die Nationalmannschaft wichtig. Das stimmt, wenn die Mannschaft erfolgreich spielt, gehe ich davon aus, dass ich dann ein Teil davon bin. Aber die Nationalmannschaft ist zurzeit nicht mein Hauptaugenmerk. Natürlich sind die Olympischen Spiele in Tokio nächstes Jahr ein Traumziel, und man gibt 100 Prozent, um für ein solches Ziel in Frage zu kommen. Aber die Mannschaft in Minden kann ja nicht nur dafür arbeiten, dass ich in die Nationalmannschaft komme. Haben Sie einen Traum, was Sie mit GWD noch erreichen wollen? Deutscher Meister zu werden wäre sicher realitätsfern. Aber es wäre für mich das Größte, mit GWD eine perfekte Saison zu spielen und einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen. Das wäre für uns wie eine Deutsche Meisterschaft. Darauf schielt man schon. Und auf den Pokal, da kann man mit etwas Losglück weit kommen. Der kann aber auch ganz unangenehm sein, das werden wir am Wochenende in der ersten Runde gegen Hamm merken.