Minden

Generalprobe: Lucas Meister blickt bei GWD selbstbewusst in die Zukunft

Sebastian Külbel

Eng am Mann, entschlossen im Abschluss: GWD Mindens neuer Kreisläufer Lucas Meister rückt zum Saisonstart gleich in eine zentrale Rolle. Beim Sportmenü gelangen ihm gegen die Rimpar Wölfe fünf Treffer. MT- - © Foto: Astrid Plaßhenrich
Eng am Mann, entschlossen im Abschluss: GWD Mindens neuer Kreisläufer Lucas Meister rückt zum Saisonstart gleich in eine zentrale Rolle. Beim Sportmenü gelangen ihm gegen die Rimpar Wölfe fünf Treffer. MT- (© Foto: Astrid Plaßhenrich)

Minden (mt). Lucas Meister weiß, dass er sich erst noch beweisen muss. Aber er weiß auch, was er kann. „Ich bin noch nicht etabliert in der Bundesliga, allerdings muss ich mich auch nicht verstecken“, sagt der neue Kreisläufer von GWD Minden in der vierten Woche der Vorbereitung.

„Ich wollte zu einem Verein, bei dem ich Konzept und Perspektive sehe, wo das Team und ich wachsen können“, sagt Meister und ist zuversichtlich, dass ihm das gelingt: „Ich möchte mir meine Spielanteile erarbeiten und der Mannschaft möglichst viel helfen.“

Offen, kommunikativ, energiegeladen: All diese von ihm selbst benannten Charakterzüge blitzen im Gespräch immer wieder auf. Der Schweizer ist kein Lautsprecher, aber auch keiner, der sich als Neuling im Team schüchtern hinten anstellt. Und er ist einer, der vorweg geht, wenn er gefragt ist.

Das zeigte sich schon im Trainingslager in seiner alten Heimat Schaffhausen. „Frag' Lucas, der hat hier einen Schlüssel für alles“, witzelten die Kollegen. Meister lotste auch schon mal den GWD-Bus durch den Schweizer Verkehr und regelte organisatorische Fragen bei der Canyoning-Tour. Und als die Verpflegung im Mannschaftshotel allzu eintönig wurde, gab er das direkt an dessen Betreiber weiter.

„Wenn er Hunger hat, kriegt er schlechte Laune“, sagt seine Freundin Korina über den 1,96-Meter-Hünen und lächelt liebevoll. Bis Ende August ist sie zu Besuch in der neuen Heimat ihres Partners und hilft beim Einrichten seiner Wohnung, dann geht es zurück zum Studieren nach Basel.

Sein Bundesliga-Debüt wird sie also noch erleben, bevor Lucas Meister vorerst auf sich gestellt ist. Für den 22-Jährigen kein Problem: „Ich bin ein kommunikativer Typ und komme gut allein zurecht.“ Das musste der Kreisläufer schon mit 16 Jahren, als er an die Handball-Akademie der Kadetten Schaffhausen wechselte. Noch als Jugendspieler debütierte er in der Nationalliga A. Es folgte ein rasanter Aufstieg. In der Saison 2016/17 war Meister der Shooting-Star bei den Kadetten, spielte Champions League und wurde Schweizer Meister.

Nationalspieler war der Kreisläufer da längst, seit dem Debüt im November 2015 hat er 42 Länderspiele absolviert. Zu Beginn der vergangenen Saison musste der 22-Jährige allerdings einen Dämpfer hinnehmen. Petr Hrachovec kam als neuer Trainer, brachte einen Kreisläufer mit, und Meister rutschte für drei Monate ins zweite Glied. Der Schweizer arbeitete hart und zählte im November dann wieder zum Stamm. Trotzdem war er für die erneute Anfrage aus Minden offen, die ihn bereits zwei Jahre zuvor erreicht hatte.

„Das Interesse war diesmal groß, ich habe mich sehr geschätzt gefühlt“, erzählt Meister und entschied sich schnell zum Schritt in die Bundesliga – ein sportlicher Quantensprung: „In der Schweizer Liga spielen zehn Teams, sechs von ihnen sind kompetitiv. Die anderen vier fallen deutlich ab.“

Auch wenn er in Minden nicht mehr auf europäischer Ebene spielt, sieht er den Wechsel als Fortschritt – aus mehreren Gründen. „In Schaffhausen sind Infrastruktur, Professionalität und Umfeld top, man hat aber pro Saison nur 20 gute Spiele im Jahr.“ Auch für Meister selbst ist die Veränderung eine Chance: „Ich habe eine neue Herausforderung gesucht, um neue Impulse zu erhalten und um mich weiterzuentwickeln.“

Zusammen mit Magnus Gullerud wird der 22-Jährige nun ein Gespann bilden. „Magnus ist ein gestandener Bundesligaprofi, ich kann mir einiges von ihm abschauen. Aber ich denke auch, dass wir voneinander profitieren werden“, meint Meister. Sein norwegischer Kollege habe ein gutes Gespür für Räume, er selbst suche den Kontakt am Mann. In der Abwehr sieht sich Meister flexibel auf den vier mittleren Positionen. Weil Gullerud jetzt mit einem gebrochenen Zeh mehrere Wochen ausfällt, wird er zunächst vor allem in Innenblock gebraucht. „Er soll Magnus eins zu eins ersetzen“, sagt Trainer Frank Carstens. „Das ist für mich eine große Verantwortung, eine große Aufgabe“, sagt Meister, der er sich aber selbstbewusst stellt.

Wichtig sei es nun, das Zusammenspiel mit dem Rückraum zu entwickeln: „Das läuft aber schon ganz gut.“ Überhaupt ist Lucas Meister zufrieden mit der Mindener Mannschaft: „Die Stimmung ist sehr positiv, wir haben einen guten Drive in der jungen Truppe.“ Und in der will er künftig eine wichtige Rolle spielen.

30. Spielo-Cup

Für GWD Mindens Trainer Frank Carstens hat der 30. Spielo-Cup Generalproben-Charakter. „Es geht darum, die letzten Aspekte zu verfeinern. Wir müssen vor allem an der Präzision im Angriff arbeiten.“ Zudem gelte es, Kombinationen an Spielern auszuprobieren.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Zugang Lucas Meister, der bis Mitte September den verletzten Kreisläufer Magnus Gullerud ersetzen muss. „Wir müssen zusehen, dass wir seine Möglichkeiten ausnutzen“, sagt Carstens. Zudem ist es eine Chance für den Schweizer, gleich ein wichtiges Element im GWD-Spiel zu werden.

Coach Carstens hat zudem dessen Gesamt-Organisation im Blick: „Das geht immer weiter, und in dieser Phase sind jetzt größere Schritte notwendig.“

Der erste Gegner scheint dafür genau richtig. Vor zehn Tagen verlor GWD gegen den HSC 2000 Coburg beim Linden-Cup mit 26:28 und hat jetzt die Chance, zur Revanche gegen den Zweitligisten. „Coburg hat uns da wunderbar gefordert“, sagt Carstens: „Das ist ein guter Prüfstein auf dem Weg zum ersten Spiel.“ (kül)Der Spielplan

Samstag (Merkur-Arena Lübbecke)

GWD Minden - HSC Coburg?17.30TuS N-Lübbecke - DHfK Leipzig ?19.30

Sonntag (Kampa-Halle Minden)

Spiel um Platz 3 ?15.00Finale ?17.00

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MindenGeneralprobe: Lucas Meister blickt bei GWD selbstbewusst in die ZukunftSebastian KülbelMinden (mt). Lucas Meister weiß, dass er sich erst noch beweisen muss. Aber er weiß auch, was er kann. „Ich bin noch nicht etabliert in der Bundesliga, allerdings muss ich mich auch nicht verstecken“, sagt der neue Kreisläufer von GWD Minden in der vierten Woche der Vorbereitung. „Ich wollte zu einem Verein, bei dem ich Konzept und Perspektive sehe, wo das Team und ich wachsen können“, sagt Meister und ist zuversichtlich, dass ihm das gelingt: „Ich möchte mir meine Spielanteile erarbeiten und der Mannschaft möglichst viel helfen.“ Offen, kommunikativ, energiegeladen: All diese von ihm selbst benannten Charakterzüge blitzen im Gespräch immer wieder auf. Der Schweizer ist kein Lautsprecher, aber auch keiner, der sich als Neuling im Team schüchtern hinten anstellt. Und er ist einer, der vorweg geht, wenn er gefragt ist. Das zeigte sich schon im Trainingslager in seiner alten Heimat Schaffhausen. „Frag' Lucas, der hat hier einen Schlüssel für alles“, witzelten die Kollegen. Meister lotste auch schon mal den GWD-Bus durch den Schweizer Verkehr und regelte organisatorische Fragen bei der Canyoning-Tour. Und als die Verpflegung im Mannschaftshotel allzu eintönig wurde, gab er das direkt an dessen Betreiber weiter. „Wenn er Hunger hat, kriegt er schlechte Laune“, sagt seine Freundin Korina über den 1,96-Meter-Hünen und lächelt liebevoll. Bis Ende August ist sie zu Besuch in der neuen Heimat ihres Partners und hilft beim Einrichten seiner Wohnung, dann geht es zurück zum Studieren nach Basel. Sein Bundesliga-Debüt wird sie also noch erleben, bevor Lucas Meister vorerst auf sich gestellt ist. Für den 22-Jährigen kein Problem: „Ich bin ein kommunikativer Typ und komme gut allein zurecht.“ Das musste der Kreisläufer schon mit 16 Jahren, als er an die Handball-Akademie der Kadetten Schaffhausen wechselte. Noch als Jugendspieler debütierte er in der Nationalliga A. Es folgte ein rasanter Aufstieg. In der Saison 2016/17 war Meister der Shooting-Star bei den Kadetten, spielte Champions League und wurde Schweizer Meister. Nationalspieler war der Kreisläufer da längst, seit dem Debüt im November 2015 hat er 42 Länderspiele absolviert. Zu Beginn der vergangenen Saison musste der 22-Jährige allerdings einen Dämpfer hinnehmen. Petr Hrachovec kam als neuer Trainer, brachte einen Kreisläufer mit, und Meister rutschte für drei Monate ins zweite Glied. Der Schweizer arbeitete hart und zählte im November dann wieder zum Stamm. Trotzdem war er für die erneute Anfrage aus Minden offen, die ihn bereits zwei Jahre zuvor erreicht hatte. „Das Interesse war diesmal groß, ich habe mich sehr geschätzt gefühlt“, erzählt Meister und entschied sich schnell zum Schritt in die Bundesliga – ein sportlicher Quantensprung: „In der Schweizer Liga spielen zehn Teams, sechs von ihnen sind kompetitiv. Die anderen vier fallen deutlich ab.“ Auch wenn er in Minden nicht mehr auf europäischer Ebene spielt, sieht er den Wechsel als Fortschritt – aus mehreren Gründen. „In Schaffhausen sind Infrastruktur, Professionalität und Umfeld top, man hat aber pro Saison nur 20 gute Spiele im Jahr.“ Auch für Meister selbst ist die Veränderung eine Chance: „Ich habe eine neue Herausforderung gesucht, um neue Impulse zu erhalten und um mich weiterzuentwickeln.“ Zusammen mit Magnus Gullerud wird der 22-Jährige nun ein Gespann bilden. „Magnus ist ein gestandener Bundesligaprofi, ich kann mir einiges von ihm abschauen. Aber ich denke auch, dass wir voneinander profitieren werden“, meint Meister. Sein norwegischer Kollege habe ein gutes Gespür für Räume, er selbst suche den Kontakt am Mann. In der Abwehr sieht sich Meister flexibel auf den vier mittleren Positionen. Weil Gullerud jetzt mit einem gebrochenen Zeh mehrere Wochen ausfällt, wird er zunächst vor allem in Innenblock gebraucht. „Er soll Magnus eins zu eins ersetzen“, sagt Trainer Frank Carstens. „Das ist für mich eine große Verantwortung, eine große Aufgabe“, sagt Meister, der er sich aber selbstbewusst stellt. Wichtig sei es nun, das Zusammenspiel mit dem Rückraum zu entwickeln: „Das läuft aber schon ganz gut.“ Überhaupt ist Lucas Meister zufrieden mit der Mindener Mannschaft: „Die Stimmung ist sehr positiv, wir haben einen guten Drive in der jungen Truppe.“ Und in der will er künftig eine wichtige Rolle spielen. 30. Spielo-Cup Für GWD Mindens Trainer Frank Carstens hat der 30. Spielo-Cup Generalproben-Charakter. „Es geht darum, die letzten Aspekte zu verfeinern. Wir müssen vor allem an der Präzision im Angriff arbeiten.“ Zudem gelte es, Kombinationen an Spielern auszuprobieren. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Zugang Lucas Meister, der bis Mitte September den verletzten Kreisläufer Magnus Gullerud ersetzen muss. „Wir müssen zusehen, dass wir seine Möglichkeiten ausnutzen“, sagt Carstens. Zudem ist es eine Chance für den Schweizer, gleich ein wichtiges Element im GWD-Spiel zu werden. Coach Carstens hat zudem dessen Gesamt-Organisation im Blick: „Das geht immer weiter, und in dieser Phase sind jetzt größere Schritte notwendig.“ Der erste Gegner scheint dafür genau richtig. Vor zehn Tagen verlor GWD gegen den HSC 2000 Coburg beim Linden-Cup mit 26:28 und hat jetzt die Chance, zur Revanche gegen den Zweitligisten. „Coburg hat uns da wunderbar gefordert“, sagt Carstens: „Das ist ein guter Prüfstein auf dem Weg zum ersten Spiel.“ (kül)Der Spielplan Samstag (Merkur-Arena Lübbecke) GWD Minden - HSC Coburg?17.30TuS N-Lübbecke - DHfK Leipzig ?19.30 Sonntag (Kampa-Halle Minden) Spiel um Platz 3 ?15.00Finale ?17.00 ?Seite 34