Ludwigshafen/Minden

Keine Lust auf Eulen-Wunder: Frust bei GWD nach dem letzten Saisonspiel

Marcus Riechmann

Wild entschlossen bahnten sich die Eulen-Spieler immer wieder den Weg zum GWD-Tor. So auch hier David Spiler (Mitte), der sich von Mindens Abwehrspieler Magnus Gullerud nicht aufhalten lässt. GWD-Norweger Christoffer Rambo (rechts) blickt den Wurf hinterher. Fotos: Oliver Zimmermann - © foto2press
Wild entschlossen bahnten sich die Eulen-Spieler immer wieder den Weg zum GWD-Tor. So auch hier David Spiler (Mitte), der sich von Mindens Abwehrspieler Magnus Gullerud nicht aufhalten lässt. GWD-Norweger Christoffer Rambo (rechts) blickt den Wurf hinterher. Fotos: Oliver Zimmermann (© foto2press)

Ludwigshafen/Minden (mt). Als die Stimmung explodierte, als sich die Männer in Rot lachend wie weinend in den Armen lagen, als Bier spritzte und das Spielfeld der Friedrich-Eber-Halle von überschäumenden Emotionen schockgeflutet wurde, da empfand Frank Carstens nur einen Impuls. Weg. Er wollte weg. Für die Freude um ihn herum, für das Ludwigshafener Handball-Wunder mit dem vielleicht sensationellsten Klassenerhalt der Bundesliga-Geschichte war kein Raum in seinem Körper.

Der GWD-Trainer hing der verpassten Chance nach, der Saison im letzten Spiel doch noch eine versöhnliche Wendung zu geben. „Ich habe noch kurz nach Benjamin Matschke gesucht, um ihm zu gratulieren. Aber der war nicht zu sehen. Dann musste ich raus. Ich brauchte einen Moment für mich, ganz in Ruhe“, beschrieb der Mindener Coach die ersten Frust-Momente nach der 30:31 (14:15)-Niederlage bei den Eulen Ludwigshafen.

GWD Minden verpasste in der Pfalz einen positiven Saisonabschluss. Mit 25 Punkten und Platz 14 bleibt das knapp hinter den letzten beiden jeweils auf Platz 12 abgeschlossenen Spielzeiten zurück. „Das fühlt sich nicht gut an“, sagte Carstens. Es wirkt, als meinte er: Es fühlt sich falsch an. Denn er führt aus: „Wir haben uns in einigen Bereichen entwickelt.“ Dass sich das nicht in der Tabelle spiegelt, ärgert den ehrgeizigen Trainer: „Ich bin einfach enttäuscht.“

Ergriffen von den Emotionen: Eulen-Trainer Benjamin Matschke nach dem Abpfiff. - © foto2press
Ergriffen von den Emotionen: Eulen-Trainer Benjamin Matschke nach dem Abpfiff. (© foto2press)

Allerdings mochte er seinem Team keinen echten Vorwurf machen: „Wir haben mit allem gekämpft, was wir hatten.“ In der Tat: Die Mindener rangen verbissen bis zum Abpfiff um den Sieg. Eine Minute war in Ludwigshafen noch zu spielen, als beim Stand von 30:30 das Ergebnis aus Bietigheim die Runde machte. Eulen-Trainer Benjamin Matschke nahm eine Auszeit und feuerte sein Team an: „Männer, wir schaffen das.“ Doch die Arme wurden weich, das Team lief ins Zeitspiel.

Den letzten Angriff der Eulen hatte die GWD-Abwehr fast schon abgewehrt, den Freiwurf von Stefan Salger geblockt. Doch der Abpraller landete wie etliche zuvor nicht bei den glücklosen Gästen, sondern bei Jonathan Scholz, der völlig frei vom Kreis mit seinem einzigen Tor des Tages zum 31:30-Endstand traf. Der Ausgleich gelang Minden in den Schlusssekunden im Tollhaus der Ebert-Halle nicht mehr. Ein letzter Freiwurf Christoffer Rambos blieb in den Händen der Abwehrmauer hängen.

Elegant und torgefährlich: Mindens Spielmacher Aliaksandr Padshyvalau. - © foto2press
Elegant und torgefährlich: Mindens Spielmacher Aliaksandr Padshyvalau. (© foto2press)

Auch wenn es zu Punkten nicht reichte: Im Abstiegskampf haben sich die GWD-Männer nichts vorzuwerfen. Sie hielten volle Pulle dagegen und wurden dem gerecht, was Trainer Frank Carsten als „Verantwortung gegenüber der Liga“ bezeichnet hatte. „Damit bin ich absolut zufrieden“, meinte Carstens und betonte: „Das ist etwas wert.“ Vorwürfe dürfen sich hingegen die Handballer in Bietigheim und Gummersbach machen, die beide nicht in der Lage waren, mit einem Sieg aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen. Sie wurden von den bravourös kämpfenden Eulen noch überholt. „Wir waren längst weg. Und jetzt sind wir immer noch da“, beschrieb Eulen-Spielmacher Alexander Feld den Ausgang des furiosen Abstiegsfinals.

Danach hatte es lange nicht ausgesehen. Mit einer ebenso couragierten wie abgeklärten Vorstellung dominierte GWD weite Teile der Partie. Das Offensivspiel lief prächtig. „Herausragend“, „hoch effektiv“ und „extrem diszipliniert“ lobte der Trainer, wie das von Aliaksandr Padshyvalau fein geführte Team die 5:1-Abwehr der Eulen bespielte. Doch GWD verpasste es, einen deutlicheren Vorsprung herauszuwerfen. Vor allem, weil die Abwehr der Wucht der Gastgeber nicht immer standhielt. Und wenn doch, wurde die Defensivarbeit nicht vergoldet. „Wir holen einfach zu wenige Bälle“, bedauerte Carstens.

Doch zu keiner Zeit ließen sich seine Männer hängen. Als aus dem 25:24 ein 25:27 wurde, kämpften sie sich zurück. Christoffer Rambo, Magnus Gullerud und in Co-Produktion die jungen Max Staar und Mats Korte mit einem feinen Konter warfen Minden wieder zum 28:27 nach vorn. Doch auch im Endspurt fehlte den Gästen das Glück.

Fünf Wochen ruht der Ball nun. Am Montag, 15. Juli, nimmt GWD die Vorbereitung auf die neue Saison auf, die nach dem vorläufigen Terminplan mit dem Auswärtsspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf am Wochenende 22. bis 25. August beginnt und am folgenden Spieltag vom 29. August bis zum 1. September das erste Heimspiel gegen den SC DHfK Leipzig vorsieht. (mt)

Bundestrainer Heuberger beruft Max Staar im U21-Kader

Während sich ein Großteil der GWD-Profis mit dem Schlusspfiff in Ludwigshafen in den Urlaub verabschiedeten, geht die Saison für den Sonntag sechs Mal erfolgreichen Rechtsaußen Max Staar in die Verlängerung. U21-Nationaltrainer Martin Heuberger berief Staar in das das Aufgebot für die Airport Trophy in der Schweiz. Das Vierer-Turnier dient der Vorbereitung auf die Mitte Juli beginnenden U21-Weltmeisterschaft in Spanien. Lukas Kister, noch bis Ende Juni bei GWD unter Vertrag, steht auf der Reserveliste. (cb)

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Ludwigshafen/MindenKeine Lust auf Eulen-Wunder: Frust bei GWD nach dem letzten SaisonspielMarcus RiechmannLudwigshafen/Minden (mt). Als die Stimmung explodierte, als sich die Männer in Rot lachend wie weinend in den Armen lagen, als Bier spritzte und das Spielfeld der Friedrich-Eber-Halle von überschäumenden Emotionen schockgeflutet wurde, da empfand Frank Carstens nur einen Impuls. Weg. Er wollte weg. Für die Freude um ihn herum, für das Ludwigshafener Handball-Wunder mit dem vielleicht sensationellsten Klassenerhalt der Bundesliga-Geschichte war kein Raum in seinem Körper. Der GWD-Trainer hing der verpassten Chance nach, der Saison im letzten Spiel doch noch eine versöhnliche Wendung zu geben. „Ich habe noch kurz nach Benjamin Matschke gesucht, um ihm zu gratulieren. Aber der war nicht zu sehen. Dann musste ich raus. Ich brauchte einen Moment für mich, ganz in Ruhe“, beschrieb der Mindener Coach die ersten Frust-Momente nach der 30:31 (14:15)-Niederlage bei den Eulen Ludwigshafen. GWD Minden verpasste in der Pfalz einen positiven Saisonabschluss. Mit 25 Punkten und Platz 14 bleibt das knapp hinter den letzten beiden jeweils auf Platz 12 abgeschlossenen Spielzeiten zurück. „Das fühlt sich nicht gut an“, sagte Carstens. Es wirkt, als meinte er: Es fühlt sich falsch an. Denn er führt aus: „Wir haben uns in einigen Bereichen entwickelt.“ Dass sich das nicht in der Tabelle spiegelt, ärgert den ehrgeizigen Trainer: „Ich bin einfach enttäuscht.“ Allerdings mochte er seinem Team keinen echten Vorwurf machen: „Wir haben mit allem gekämpft, was wir hatten.“ In der Tat: Die Mindener rangen verbissen bis zum Abpfiff um den Sieg. Eine Minute war in Ludwigshafen noch zu spielen, als beim Stand von 30:30 das Ergebnis aus Bietigheim die Runde machte. Eulen-Trainer Benjamin Matschke nahm eine Auszeit und feuerte sein Team an: „Männer, wir schaffen das.“ Doch die Arme wurden weich, das Team lief ins Zeitspiel. Den letzten Angriff der Eulen hatte die GWD-Abwehr fast schon abgewehrt, den Freiwurf von Stefan Salger geblockt. Doch der Abpraller landete wie etliche zuvor nicht bei den glücklosen Gästen, sondern bei Jonathan Scholz, der völlig frei vom Kreis mit seinem einzigen Tor des Tages zum 31:30-Endstand traf. Der Ausgleich gelang Minden in den Schlusssekunden im Tollhaus der Ebert-Halle nicht mehr. Ein letzter Freiwurf Christoffer Rambos blieb in den Händen der Abwehrmauer hängen. Auch wenn es zu Punkten nicht reichte: Im Abstiegskampf haben sich die GWD-Männer nichts vorzuwerfen. Sie hielten volle Pulle dagegen und wurden dem gerecht, was Trainer Frank Carsten als „Verantwortung gegenüber der Liga“ bezeichnet hatte. „Damit bin ich absolut zufrieden“, meinte Carstens und betonte: „Das ist etwas wert.“ Vorwürfe dürfen sich hingegen die Handballer in Bietigheim und Gummersbach machen, die beide nicht in der Lage waren, mit einem Sieg aus eigener Kraft den Klassenerhalt zu schaffen. Sie wurden von den bravourös kämpfenden Eulen noch überholt. „Wir waren längst weg. Und jetzt sind wir immer noch da“, beschrieb Eulen-Spielmacher Alexander Feld den Ausgang des furiosen Abstiegsfinals. Danach hatte es lange nicht ausgesehen. Mit einer ebenso couragierten wie abgeklärten Vorstellung dominierte GWD weite Teile der Partie. Das Offensivspiel lief prächtig. „Herausragend“, „hoch effektiv“ und „extrem diszipliniert“ lobte der Trainer, wie das von Aliaksandr Padshyvalau fein geführte Team die 5:1-Abwehr der Eulen bespielte. Doch GWD verpasste es, einen deutlicheren Vorsprung herauszuwerfen. Vor allem, weil die Abwehr der Wucht der Gastgeber nicht immer standhielt. Und wenn doch, wurde die Defensivarbeit nicht vergoldet. „Wir holen einfach zu wenige Bälle“, bedauerte Carstens. Doch zu keiner Zeit ließen sich seine Männer hängen. Als aus dem 25:24 ein 25:27 wurde, kämpften sie sich zurück. Christoffer Rambo, Magnus Gullerud und in Co-Produktion die jungen Max Staar und Mats Korte mit einem feinen Konter warfen Minden wieder zum 28:27 nach vorn. Doch auch im Endspurt fehlte den Gästen das Glück. Fünf Wochen ruht der Ball nun. Am Montag, 15. Juli, nimmt GWD die Vorbereitung auf die neue Saison auf, die nach dem vorläufigen Terminplan mit dem Auswärtsspiel gegen die TSV Hannover-Burgdorf am Wochenende 22. bis 25. August beginnt und am folgenden Spieltag vom 29. August bis zum 1. September das erste Heimspiel gegen den SC DHfK Leipzig vorsieht. (mt) Bundestrainer Heuberger beruft Max Staar im U21-Kader Während sich ein Großteil der GWD-Profis mit dem Schlusspfiff in Ludwigshafen in den Urlaub verabschiedeten, geht die Saison für den Sonntag sechs Mal erfolgreichen Rechtsaußen Max Staar in die Verlängerung. U21-Nationaltrainer Martin Heuberger berief Staar in das das Aufgebot für die Airport Trophy in der Schweiz. Das Vierer-Turnier dient der Vorbereitung auf die Mitte Juli beginnenden U21-Weltmeisterschaft in Spanien. Lukas Kister, noch bis Ende Juni bei GWD unter Vertrag, steht auf der Reserveliste. (cb)