Minden

Das Ende einer grandiosen Ära: Vor 40 Jahren gewann GWD Minden den DHB-Pokal - eine Scherbe spielte eine Rolle

Michael Lorenz

So ging GWD 1978/79 in die Saison: Hinten von links Betreuer Helmut Meisolle, Gerd Becker, Gerhard Buddenbohm, Hans Kramer, Olafur Jonsson, Bernhard Busch, Walter von Oepen, Axel Axelsson, Hermann-Josef Häring und Trainer Vinko Dekaris sowie vorne von links Masseur Artur Brandt, Dieter Waltke, Hans-Jürgen Grund, Rainer Niemeyer, Martin Birkner, Gerd Amann und Detlef Meyer. Im Laufe der Saison kamen Trainer Horst Bredemeier, Co-Trainer Günter Gieseking (beide für Dekaris), Detlev Schubert, Peter Krebs und Jürgen Franke hinzu. - © Foto: Archiv Buddenbohm/pr
So ging GWD 1978/79 in die Saison: Hinten von links Betreuer Helmut Meisolle, Gerd Becker, Gerhard Buddenbohm, Hans Kramer, Olafur Jonsson, Bernhard Busch, Walter von Oepen, Axel Axelsson, Hermann-Josef Häring und Trainer Vinko Dekaris sowie vorne von links Masseur Artur Brandt, Dieter Waltke, Hans-Jürgen Grund, Rainer Niemeyer, Martin Birkner, Gerd Amann und Detlef Meyer. Im Laufe der Saison kamen Trainer Horst Bredemeier, Co-Trainer Günter Gieseking (beide für Dekaris), Detlev Schubert, Peter Krebs und Jürgen Franke hinzu. (© Foto: Archiv Buddenbohm/pr)

Minden (much). In den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zählten die Handballer von Grün-Weiß Dankersern neben denen des VfL Gummersbach und des TV Großwallstadt zu jenen, die am geschicktesten mit dem kleinen Lederball umzugehen wussten. Damit sorgten sie dafür, dass der Ortsteil Dankersen in Deutschland und Europa bekannter war als Minden. Heute vor genau 40 Jahren gewann GWD den DHB-Pokal und damit den letzten großen Titel. Damit endete eine große Ära.

Rückblende: Der DHB-Pokal wurde 1975 erstmals ausgespielt, und der Sieger hieß Grün-Weiß Dankersen. GWD verteidigte 1976 den Pokal, danach hieß der Sieger zweimal VfL Gummerbach. Im Jahr 1979 aber scheiterten die Oberbergischen überraschend im Viertelfinale am THW Kiel.

Die Dankerser hatten mit dem TV Großwallstadt im Achtelfinale den zweiten großen Stolperstein mit einem souveränen 20:13 in der Kreissporthalle selbst aus dem Weg geräumt. TVG-Nationalspieler Peter Meisinger, so schrieb das Mindener Tageblatt damals, sagte anschließend zu einem Fan der Mainfranken: „Was willst machen, wenn der Niemeyer sooo gut hält? Der hat für die hohe Tordifferenz doch praktisch allein garantiert.“ Gemeint war der 2016 verstorbene GWD-Torwart Rainer Niemeyer, der 1978 ebenso wie sein langjähriger Weggefährte Dieter „Jimmy“ Waltke mit Deutschland Weltmeister geworden war.

Trainer war in jenem Spiel noch Vinko Dekaris, der aber bei der Mannschaft keine echte Autorität besaß. Kurz danach wurde der Jugoslawe vom aufstrebenden, erst 27-jährigen Horst Bredemeier ersetzt, der damals als Coach der zweiten GWD-Mannschaft von Erfolg zu Erfolg eilte und der hauptberuflich als Postzusteller arbeitete.

Im Viertel- und im Halbfinale hatten die Dankerser mit Herzhorn und Nürnberg relativ leichte Gegner. Im Finale wartete der THW Kiel, der damals noch längst nicht die große Nummer der heutigen Zeit war und der gerade so den Klassenerhalt geschafft hatte. Das Endspiel fand aber in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg statt und da hatten hatten die „Zebras“ eine Art Heimvorteil. Bester Kieler Spieler war zu jener Zeit Klaus Elwardt, auf den das Mindener Tageblatt am Finaltag noch gesondert aufmerksam gemacht hatte. Doch der fehlte ausgerechnet im Finale.

Was war passiert? Der heute 64-jährige Zimmermeister blickt zurück: „Ich hatte vier Tage vor dem Finale vom Dachstuhl einer alten Mühle Holz abmontiert, das ich für mein Wohnhaus brauchte. Dabei habe ich mich sehr schmutzig gemacht und bin daher in den Bordesholmer See gegangen. Dort bin ich in eine kaputte Flasche getreten und habe mir den Fuß unten längs aufgeschnitten. Ich musste genäht werden, ging an Krücken, an einen Einsatz war nicht zu denken. Das war sehr ärgerlich. Mein Dankerser Gegenspieler war damals immer Bernhard Busch, und den habe ich immer ordentlich bearbeitet. Im Finale war er dann der überragende Schütze.“

Horst Bredemeier erinnert sich so: „Das mag Klaus Elwardt gerne so sehen. Aus meiner Sicht war es so, dass wir es geschafft haben, unseren Shooter in Position zu bringen. Zudem waren wir defensiv fantastisch. Ich hatte damals Piet Krebs und Eddy Franke aus der zweiten Mannschaft hochgezogen, und die deckten extrem stark und hoch motiviert. Zudem hat Rainer auf ganz hohem Niveau gehalten. Ich habe sehr emotional gecoacht und alle haben ihren Job gemacht. Für mich als junger Trainer war das natürlich ein Traum.“

Am Ende hatte Grün-Weiß Dankersen 19:14 gewonnen. Der baumlange Bernhard Busch war mit sechs Treffern bester Werfer. Er blickt zurück: „Wir waren sehr zufrieden mit dem Spiel, ich selbst auch. Wir wollten alle noch mal ein großes Spiel machen, denn es war klar, dass es für viele von uns, auch für mich, das letzte Spiel für Grün-Weiß Dankersen war. Danach haben sich große Teile dieser tollen Mannschaft in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Es war ein sehr schöner Abschied, und wir wussten, dass dort eine Ära endete. Wir waren eine eingefleischte Truppe und sind es bis heute.“

GWD verschwand danach aus der nationalen Spitze in die relative Bedeutungslosigkeit der 2. Liga, woran auch die die einjährige Erstliga-Rückkehr 1982 und die Namensänderung von Grün-Weiß Dankersen in GWD Minden 1984 nichts änderte. Erst 1995 ging es zurück in die Bundesliga.

Die alten Kämpen treffen sich nach wie vor regelmäßig. Gestern Abend feierten sie in den 40. Geburtstag ihres letzten Triumphes hinein, wie immer in ihrer Stammkneipe „Zum Kühlen Grunde“ in Hahlen. Der Isländer Axel Axelsson fehlt ausnahmsweise, mit dabei aber wie immer der mittlerweile in Leverkusen lebende Rückraumrecke Bernhard Busch.

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MindenDas Ende einer grandiosen Ära: Vor 40 Jahren gewann GWD Minden den DHB-Pokal - eine Scherbe spielte eine RolleMichael LorenzMinden (much). In den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zählten die Handballer von Grün-Weiß Dankersern neben denen des VfL Gummersbach und des TV Großwallstadt zu jenen, die am geschicktesten mit dem kleinen Lederball umzugehen wussten. Damit sorgten sie dafür, dass der Ortsteil Dankersen in Deutschland und Europa bekannter war als Minden. Heute vor genau 40 Jahren gewann GWD den DHB-Pokal und damit den letzten großen Titel. Damit endete eine große Ära. Rückblende: Der DHB-Pokal wurde 1975 erstmals ausgespielt, und der Sieger hieß Grün-Weiß Dankersen. GWD verteidigte 1976 den Pokal, danach hieß der Sieger zweimal VfL Gummerbach. Im Jahr 1979 aber scheiterten die Oberbergischen überraschend im Viertelfinale am THW Kiel. Die Dankerser hatten mit dem TV Großwallstadt im Achtelfinale den zweiten großen Stolperstein mit einem souveränen 20:13 in der Kreissporthalle selbst aus dem Weg geräumt. TVG-Nationalspieler Peter Meisinger, so schrieb das Mindener Tageblatt damals, sagte anschließend zu einem Fan der Mainfranken: „Was willst machen, wenn der Niemeyer sooo gut hält? Der hat für die hohe Tordifferenz doch praktisch allein garantiert.“ Gemeint war der 2016 verstorbene GWD-Torwart Rainer Niemeyer, der 1978 ebenso wie sein langjähriger Weggefährte Dieter „Jimmy“ Waltke mit Deutschland Weltmeister geworden war. Trainer war in jenem Spiel noch Vinko Dekaris, der aber bei der Mannschaft keine echte Autorität besaß. Kurz danach wurde der Jugoslawe vom aufstrebenden, erst 27-jährigen Horst Bredemeier ersetzt, der damals als Coach der zweiten GWD-Mannschaft von Erfolg zu Erfolg eilte und der hauptberuflich als Postzusteller arbeitete. Im Viertel- und im Halbfinale hatten die Dankerser mit Herzhorn und Nürnberg relativ leichte Gegner. Im Finale wartete der THW Kiel, der damals noch längst nicht die große Nummer der heutigen Zeit war und der gerade so den Klassenerhalt geschafft hatte. Das Endspiel fand aber in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg statt und da hatten hatten die „Zebras“ eine Art Heimvorteil. Bester Kieler Spieler war zu jener Zeit Klaus Elwardt, auf den das Mindener Tageblatt am Finaltag noch gesondert aufmerksam gemacht hatte. Doch der fehlte ausgerechnet im Finale. Was war passiert? Der heute 64-jährige Zimmermeister blickt zurück: „Ich hatte vier Tage vor dem Finale vom Dachstuhl einer alten Mühle Holz abmontiert, das ich für mein Wohnhaus brauchte. Dabei habe ich mich sehr schmutzig gemacht und bin daher in den Bordesholmer See gegangen. Dort bin ich in eine kaputte Flasche getreten und habe mir den Fuß unten längs aufgeschnitten. Ich musste genäht werden, ging an Krücken, an einen Einsatz war nicht zu denken. Das war sehr ärgerlich. Mein Dankerser Gegenspieler war damals immer Bernhard Busch, und den habe ich immer ordentlich bearbeitet. Im Finale war er dann der überragende Schütze.“ Horst Bredemeier erinnert sich so: „Das mag Klaus Elwardt gerne so sehen. Aus meiner Sicht war es so, dass wir es geschafft haben, unseren Shooter in Position zu bringen. Zudem waren wir defensiv fantastisch. Ich hatte damals Piet Krebs und Eddy Franke aus der zweiten Mannschaft hochgezogen, und die deckten extrem stark und hoch motiviert. Zudem hat Rainer auf ganz hohem Niveau gehalten. Ich habe sehr emotional gecoacht und alle haben ihren Job gemacht. Für mich als junger Trainer war das natürlich ein Traum.“ Am Ende hatte Grün-Weiß Dankersen 19:14 gewonnen. Der baumlange Bernhard Busch war mit sechs Treffern bester Werfer. Er blickt zurück: „Wir waren sehr zufrieden mit dem Spiel, ich selbst auch. Wir wollten alle noch mal ein großes Spiel machen, denn es war klar, dass es für viele von uns, auch für mich, das letzte Spiel für Grün-Weiß Dankersen war. Danach haben sich große Teile dieser tollen Mannschaft in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Es war ein sehr schöner Abschied, und wir wussten, dass dort eine Ära endete. Wir waren eine eingefleischte Truppe und sind es bis heute.“ GWD verschwand danach aus der nationalen Spitze in die relative Bedeutungslosigkeit der 2. Liga, woran auch die die einjährige Erstliga-Rückkehr 1982 und die Namensänderung von Grün-Weiß Dankersen in GWD Minden 1984 nichts änderte. Erst 1995 ging es zurück in die Bundesliga. Die alten Kämpen treffen sich nach wie vor regelmäßig. Gestern Abend feierten sie in den 40. Geburtstag ihres letzten Triumphes hinein, wie immer in ihrer Stammkneipe „Zum Kühlen Grunde“ in Hahlen. Der Isländer Axel Axelsson fehlt ausnahmsweise, mit dabei aber wie immer der mittlerweile in Leverkusen lebende Rückraumrecke Bernhard Busch.