Minden

Sieben GWD-Spieler wurden am Mittwoch offiziell verabschiedet

Marcus Riechmann

Für diese sieben Männer endete am Mittwoch ihre gemeinsame Mindener Zeit: (von links) Andreas Cederholm, Lukas Kister, Luka Zvizej, Maurice Paske, Kim Sonne, Anton Mansson und Dalibor Doder. MT-Fotos: Marcus Riechmann
Für diese sieben Männer endete am Mittwoch ihre gemeinsame Mindener Zeit: (von links) Andreas Cederholm, Lukas Kister, Luka Zvizej, Maurice Paske, Kim Sonne, Anton Mansson und Dalibor Doder. MT-Fotos: Marcus Riechmann

Minden (mt). All die Tore, die noch mehr Gegentore, der Schweiß, die Niederlage, kurz: 60 Minuten Handballspiel –- nicht mehr als eine missratene Ouvertüre für einen bewegenden Abschiedsgruß. Als am Mittwochabend um 22.30 Uhr Dalibor Doder frisch gekrönt rund eine halbe Stunde nach Abpfiff das Mikrofon ergriff, hatte kaum ein Fan die Tribünen verlassen. Und als der schwedische Ballvirtuose den Schlachtruf eines Zuschauers aufnahm und „Dankersen“ ins Mikrofon brüllte, da schallte es aus tausenden Kehlen zurück. In diesem Moment war die Ohrfeige der 32:35-Niederlage gegen den Bergischen HC vergessen. Die GWD-Familie war vereint. Vereint und beseelt von einem Abschied, wie man ihn in der Kampa-Halle noch nicht erlebt hat und wie man ihn – auch dieses Gefühl schwang in all der Wehmut mit – wohl auch kaum mehr erleben wird. Nach neun Jahren bei GWD Minden verabschiedete sich Dalibor Doder nach seinem letzten Heimspiel vom Verein und von der Bundesliga. Neun Jahre die prägten. Kein Spieler, der nicht aus der Jugend des Klubs stammte, war je länger bei GWD gewesen.

Eine gelungene Inszenierung bereitete den Weg für das „Hejda“ des Rekordtorschützen. Ex-Manager Horst Bredemeier erinnerte an das Jahr 2010, als er nach dem Abstieg auf Wunsch des damalige Trainers Ulf Schefvert den schwedischen Nationalspieler aus Spanien in die 2. Liga nach Minden holte. „Dass es neun Jahre werden würden, das habe ich nicht geglaubt und das hast auch du Dado wohl nicht geglaubt.“ Dazu tönte „Legendary“ von Welshly Arms aus den Boxen. Das Publikum verneigte sich mit Sprechchören. Doder kämpfte mit den Tränen.

Ein herzlicher Handschlag unter Schweden zwischen Anton Mansson und Andreas Cederholm.
Ein herzlicher Handschlag unter Schweden zwischen Anton Mansson und Andreas Cederholm.

Zum Abschied blieb dem mit 40 Jahren älteste Feldspieler der Liga wegen einer Wadenverletzung im letzten Heimspiel nur ein einziger Auftritt: Ein völlig missratener Strafwurf. „Ich hätte so gerne gespielt“, bedauerte Doder. Den großen Auftritt hatte er erst nach dem Spiel. „Das war etwas besonderes, so was habe ich hier noch nicht erlebt“, stellte er bewegt fest und meinte: „Das war hier mein Wohnzimmer.“ Zum Auszug waren nicht nur die GWD-Fans erschienen, sondern auch Freunde und große Teile seiner Familie aus Schweden. Dorthin führt ihn nun sein Weg. In Ystad wird er noch zwei Jahre Handball spielen. „Aber ich komme immer wieder, um euch zu besuchen“, versprach er seinem Team und den Fans.

Frank von Behren überreichte den scheidenden Spielern wie hier Kim Sonne Grafiken als Andenken.
Frank von Behren überreichte den scheidenden Spielern wie hier Kim Sonne Grafiken als Andenken.

Im Schatten des Doder-Schlussaktes stand die Verabschiedung von sechs weiteren Spielern, die von Mindens Geschäftsführer Sport Frank von Behren sowie vom Fanclub verabschiedet wurden. Auch sie erlebten einen besonderen Abend, der schon vor dem Anpfiff eine persönliche Note erhielt. Denn wie Doder liefen die scheidenden Väter Luka Zvizej und Kim Sonne mit ihren Kindern ein.

Die Empfindungen der künftigen „Ehemaligen“ waren nach dem Abschiedsfoto unterschiedlich. „Ich habe ein gutes und ein schlechtes Gefühl“, sagte Andreas Cederholm, der sich nach zwei Mindener Jahren dem OWL-Konkurrenten TBV Lemgo anschließt. „Es hat hier Spaß gemacht und ich wollte gerne bleiben. Aber ich will auch mehr spielen“, begründete der Linkshänder, warum er sich nach einem neuen Arbeitgeber umgesehen hatte. Mit ihm, Doder und Anton Mansson verlassen gleich drei Schweden GWD – damit endet die Ära der Schweden in Minden, die Robert Hedin 1995 einst begründete.

Kreisläufer Mansson betrachtete die Abschiedszeremonie mit schwermütigem Blick. Von einem lachenden und einem weinenden Auge sprach er: „Mein letztes Heimspiel in der Bundesliga. Das ist traurig“, meinte der 30-jährige, der mit seiner Familie heimkehrt und für OV Helsingborg spielen wird. „Es war eine schwierige Saison mit viel Auf und Ab. Ich war mit mir nicht immer zufrieden“, erzählte Mansson, „aber es nicht leicht. gut zu spielen, wenn das Umfeld schwierig ist.“

„Das ist ein emotionaler Tag“, gab auch Lukas Kister zu, der schon in der Jugend zu GWD kam und nun fünf Jahre in Grün-Weiß aufläuft – ein Jahr länger als Torwart Kim Sonne, der künftig beim französischen Erstliga-Aufsteiger Chartres Metropole spielen wird. Für Kister geht es nicht ganz so weit: Er wechselt zum VfL Eintracht Hagen, der jüngst aus der 2. in die 3. Liga abstieg. „Leider“, sagt Kister. Doch damit führt in der Weg regelmäßig zurück nach Minden: In der 3. Liga wird es gegen die alten Kumpels bei GWD II gehen und gegen den Aufsteiger Lit Tribe Germania. „Ich habe eine Menge Freunde hier gewonnen, ich habe hier mein Abitur gemacht und meine Freundin hier kennengelernt“, hat Kister starke Bindungen in Minden aufgebaut. Ein Stück davon nimmt er direkt mit: Seine Freundin zieht mit nach Dortmund um. Für Torwart Maurice Paske, als Mitglied des erweiterten Kaders wie Kister vor allem in der zweiten Mannschaft aktiv, geht es zum Zweitligisten TV Emsdetten. Den Abschied von dem schon zu Lebzeiten zur Klublegende gewordenen Doder erlebte Kister mit großen Augen: „Was Dado für Minden geleistet hat ist phänomenal. Er hat sich in die Herzen gespielt. Diesen Abend hat er sich verdient“, meinte der 20-Jährige und träumte ein wenig: „So möchte man irgendwann auch mal gehen.“

Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882-159 oder unterMarcus.Riechmann@MT.de

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MindenSieben GWD-Spieler wurden am Mittwoch offiziell verabschiedetMarcus RiechmannMinden (mt). All die Tore, die noch mehr Gegentore, der Schweiß, die Niederlage, kurz: 60 Minuten Handballspiel –- nicht mehr als eine missratene Ouvertüre für einen bewegenden Abschiedsgruß. Als am Mittwochabend um 22.30 Uhr Dalibor Doder frisch gekrönt rund eine halbe Stunde nach Abpfiff das Mikrofon ergriff, hatte kaum ein Fan die Tribünen verlassen. Und als der schwedische Ballvirtuose den Schlachtruf eines Zuschauers aufnahm und „Dankersen“ ins Mikrofon brüllte, da schallte es aus tausenden Kehlen zurück. In diesem Moment war die Ohrfeige der 32:35-Niederlage gegen den Bergischen HC vergessen. Die GWD-Familie war vereint. Vereint und beseelt von einem Abschied, wie man ihn in der Kampa-Halle noch nicht erlebt hat und wie man ihn – auch dieses Gefühl schwang in all der Wehmut mit – wohl auch kaum mehr erleben wird. Nach neun Jahren bei GWD Minden verabschiedete sich Dalibor Doder nach seinem letzten Heimspiel vom Verein und von der Bundesliga. Neun Jahre die prägten. Kein Spieler, der nicht aus der Jugend des Klubs stammte, war je länger bei GWD gewesen. Eine gelungene Inszenierung bereitete den Weg für das „Hejda“ des Rekordtorschützen. Ex-Manager Horst Bredemeier erinnerte an das Jahr 2010, als er nach dem Abstieg auf Wunsch des damalige Trainers Ulf Schefvert den schwedischen Nationalspieler aus Spanien in die 2. Liga nach Minden holte. „Dass es neun Jahre werden würden, das habe ich nicht geglaubt und das hast auch du Dado wohl nicht geglaubt.“ Dazu tönte „Legendary“ von Welshly Arms aus den Boxen. Das Publikum verneigte sich mit Sprechchören. Doder kämpfte mit den Tränen. Zum Abschied blieb dem mit 40 Jahren älteste Feldspieler der Liga wegen einer Wadenverletzung im letzten Heimspiel nur ein einziger Auftritt: Ein völlig missratener Strafwurf. „Ich hätte so gerne gespielt“, bedauerte Doder. Den großen Auftritt hatte er erst nach dem Spiel. „Das war etwas besonderes, so was habe ich hier noch nicht erlebt“, stellte er bewegt fest und meinte: „Das war hier mein Wohnzimmer.“ Zum Auszug waren nicht nur die GWD-Fans erschienen, sondern auch Freunde und große Teile seiner Familie aus Schweden. Dorthin führt ihn nun sein Weg. In Ystad wird er noch zwei Jahre Handball spielen. „Aber ich komme immer wieder, um euch zu besuchen“, versprach er seinem Team und den Fans. Im Schatten des Doder-Schlussaktes stand die Verabschiedung von sechs weiteren Spielern, die von Mindens Geschäftsführer Sport Frank von Behren sowie vom Fanclub verabschiedet wurden. Auch sie erlebten einen besonderen Abend, der schon vor dem Anpfiff eine persönliche Note erhielt. Denn wie Doder liefen die scheidenden Väter Luka Zvizej und Kim Sonne mit ihren Kindern ein. Die Empfindungen der künftigen „Ehemaligen“ waren nach dem Abschiedsfoto unterschiedlich. „Ich habe ein gutes und ein schlechtes Gefühl“, sagte Andreas Cederholm, der sich nach zwei Mindener Jahren dem OWL-Konkurrenten TBV Lemgo anschließt. „Es hat hier Spaß gemacht und ich wollte gerne bleiben. Aber ich will auch mehr spielen“, begründete der Linkshänder, warum er sich nach einem neuen Arbeitgeber umgesehen hatte. Mit ihm, Doder und Anton Mansson verlassen gleich drei Schweden GWD – damit endet die Ära der Schweden in Minden, die Robert Hedin 1995 einst begründete. Kreisläufer Mansson betrachtete die Abschiedszeremonie mit schwermütigem Blick. Von einem lachenden und einem weinenden Auge sprach er: „Mein letztes Heimspiel in der Bundesliga. Das ist traurig“, meinte der 30-jährige, der mit seiner Familie heimkehrt und für OV Helsingborg spielen wird. „Es war eine schwierige Saison mit viel Auf und Ab. Ich war mit mir nicht immer zufrieden“, erzählte Mansson, „aber es nicht leicht. gut zu spielen, wenn das Umfeld schwierig ist.“ „Das ist ein emotionaler Tag“, gab auch Lukas Kister zu, der schon in der Jugend zu GWD kam und nun fünf Jahre in Grün-Weiß aufläuft – ein Jahr länger als Torwart Kim Sonne, der künftig beim französischen Erstliga-Aufsteiger Chartres Metropole spielen wird. Für Kister geht es nicht ganz so weit: Er wechselt zum VfL Eintracht Hagen, der jüngst aus der 2. in die 3. Liga abstieg. „Leider“, sagt Kister. Doch damit führt in der Weg regelmäßig zurück nach Minden: In der 3. Liga wird es gegen die alten Kumpels bei GWD II gehen und gegen den Aufsteiger Lit Tribe Germania. „Ich habe eine Menge Freunde hier gewonnen, ich habe hier mein Abitur gemacht und meine Freundin hier kennengelernt“, hat Kister starke Bindungen in Minden aufgebaut. Ein Stück davon nimmt er direkt mit: Seine Freundin zieht mit nach Dortmund um. Für Torwart Maurice Paske, als Mitglied des erweiterten Kaders wie Kister vor allem in der zweiten Mannschaft aktiv, geht es zum Zweitligisten TV Emsdetten. Den Abschied von dem schon zu Lebzeiten zur Klublegende gewordenen Doder erlebte Kister mit großen Augen: „Was Dado für Minden geleistet hat ist phänomenal. Er hat sich in die Herzen gespielt. Diesen Abend hat er sich verdient“, meinte der 20-Jährige und träumte ein wenig: „So möchte man irgendwann auch mal gehen.“ Der Autor ist erreichbar unter (05 71) 882-159 oder unterMarcus.Riechmann@MT.de