Minden

Feiertag trotz Niederlage - Stimmungsvoller Abschied von Dalibor Doder

Sebastian Külbel

Applaus für den Dauerbrenner: Neun Jahre prägte Dalibor Doder das Spiel von GWD Minden, gestern Abend wurde er in der Kampa-Halle stimmungsvoll verabschiedet. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Applaus für den Dauerbrenner: Neun Jahre prägte Dalibor Doder das Spiel von GWD Minden, gestern Abend wurde er in der Kampa-Halle stimmungsvoll verabschiedet. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Die dritte Niederlage in Folge war schnell vergessen, als das Publikum sich um 22.22 Uhr von den Sitzen erhob und Sprechchöre für Dalibor Doder anstimmte. Während der Partie war der langjährige Spielmacher nur eine Randfigur bei GWD Mindens 32:35 (15:20) gegen den Bergischen HC. Danach wurde der 40-Jährige zum Hauptakteur.

Gemeinsam mit sechs anderen Spielern wurde der dienstälteste Mann im Kader nach neun Jahren in Minden verabschiedet – natürlich von Horst Bredemeier, der den damaligen schwedischen Weltklasse-Spieler 2010 geholt hatte. „Minden ist meine zweite Heimat geworden. Ich gehe jetzt zurück nach Schweden, aber ich komme immer wieder“, sprach Doder gerührt ins Hallenmikrofon und wischte sich die feuchten Augen.

Nicht nur sein Abschied machte den prägenden GWD-Spieler der vorigen Jahre traurig, sondern auch seine Wadenverletzung, die ihn sein letztes Heimspiel in der Kampa-Halle kostete. „Ich wollte so unbedingt mitspielen, aber es ging nicht“, erklärte Doder. Nur ein Mal betrat der GWD-Rekordtorschütze gestern Abend das Feld für den ersten Siebenmeter – und drehte den Ball am Tor vorbei. „Ich wollte den Fans unbedingt meinen letzten Dreher zeigen. Aber leider hat der Ball auf dem Boden nicht gebissen“, meinte Doder.

Die vergebene Chance zum 3:1 brachte den ersten Bruch im Spiel, denn mit zwei schnellen Gegentreffern gerieten die Gastgeber das erste Mal in Rückstand und liefen diesem fortan hinterher. Das lag vor allem an den Mängeln im Angriff. Trainer Frank Carstens hatte im Vorfeld deutlich auf das starke Tempospiel des Sensationsteams aus dem Bergischen Land hingewiesen und gute Entscheidungen im Angriff angemahnt. Genau daran haperte es aber in der ersten Halbzeit.

„Da haben wir 13 Kontertore bekommen, das geht natürlich nicht“, sagte Carstens: „Wir haben einfach keine Unterbrechungen geschafft, das war der Hauptgrund.“ Die BHC-Außen Jeffrey Boomhouwer und vor allem Arnor Thor Gunnarsson nahmen diese Chancen dankend an und schenkten den Mindenern einen Gegenstoß nach dem nächsten ein. Gunnarsson, mit zwölf Treffern bester Torschütze des Abends, war zudem von der Siebenmeterlinie eiskalt und hielt seine Mannschaft so im Spiel, als es in der zweiten Halbzeit schwieriger für sie wurde.

„Da haben wir im Angriff ruhiger gespielt“, erklärte Carstens, der sein Team in der Halbzeitpause „runtergefahren“, hatte. Für eine Aufholjagd kam GWD dennoch nie so recht in Frage, weil der Gegner in den entscheidenden Momenten die besseren Antworten hatte. Meistens verwandelte Gunnarsson einen Siebenmeter oder Kristian Nippes traf aus dem Rückraum.

„Vor allem lag es aber daran, dass wir immer wieder in das Muster der ersten Halbzeit zurückgefallen sind“, betonte der GWD-Trainer. Christoffer Rambo warf einige Male hektisch über das Tor, Anton Mansson brachte bei einem Gegenstoß in zwei Anläufen den Ball nicht zum Mitspieler, und Kevin Gulliksen warf völlig frei vor dem Tor aus vollem Tempo drüber.

Der ersatzgeschwächte BHC blieb dagegen besonnen und ließ sich auch in der Schlussphase nicht von der Atmosphäre in der Halle beeindrucken. Zuvor hatten die Mindener Zuschauer gepfiffen, am Ende trieben sie ihr Team wieder nach vorne. Doch näher als auf drei Tore kam GWD nicht heran. „Trotzdem fühlt sich die Niederlage heute anders an als in Kiel oder gegen Leipzig“, meinte Carstens.

Und so konnte auch er am Ende mit einem Lächeln die letzte Ehrung für Dalibor Doder verfolgen, der am Mikrofon den „Dankersen“-Schlachtruf anstimmte, von einem seiner Verwandten gekrönt wurde und dann die Welle vor der Tribüne anführte. So wurde das letzte Heimspiel von GWD Minden in dieser Saison doch noch zum Feiertag.

Stimmen zum Spiel

Mats Korte (GWD Minden): „Wir haben unterirdisch gedeckt. Die Konter in der ersten Halbzeit waren schmerzhaft. Nach der Pause haben wir gekämpft, aber der Abstand war ein bisschen groß.“

Miljan Pusica (GWD Minden): „Wir haben in der ersten Halbzeit in der Abwehr schlecht gespielt. Wir haben eine gute Mannschaft, aber wir zeigen nicht, was wir können. Die Mentalität muss sich ändern.“

Savvas Savvas (GWD Minden): „Die 13 Konter in der ersten Halbzeit haben uns weh getan. Wir hatten gute Möglichkeiten, haben sie aber nicht richtig zu Ende gespielt oder waren vor dem Tor nicht cool genug. Das war alles ein bisschen zu hektisch. In der zweiten Halbzeit waren wir konsequenter.“

Arnor Thor Gunnarsson (Bergischer HC): „Wir haben unglaublich zusammen gekämpft. Ich bin sehr stolz, dass wir in dieser Besetzung hier gewonnen haben. Für Flensburg wird es nächste Woche nicht leicht.“

Anton Mansson (GWD Minden): „Wenn man so viele einfache Tore zulässt, kann man nicht gewinnen.“ (kül/rich/much)

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MindenFeiertag trotz Niederlage - Stimmungsvoller Abschied von Dalibor DoderSebastian KülbelMinden (mt). Die dritte Niederlage in Folge war schnell vergessen, als das Publikum sich um 22.22 Uhr von den Sitzen erhob und Sprechchöre für Dalibor Doder anstimmte. Während der Partie war der langjährige Spielmacher nur eine Randfigur bei GWD Mindens 32:35 (15:20) gegen den Bergischen HC. Danach wurde der 40-Jährige zum Hauptakteur. Gemeinsam mit sechs anderen Spielern wurde der dienstälteste Mann im Kader nach neun Jahren in Minden verabschiedet – natürlich von Horst Bredemeier, der den damaligen schwedischen Weltklasse-Spieler 2010 geholt hatte. „Minden ist meine zweite Heimat geworden. Ich gehe jetzt zurück nach Schweden, aber ich komme immer wieder“, sprach Doder gerührt ins Hallenmikrofon und wischte sich die feuchten Augen. Nicht nur sein Abschied machte den prägenden GWD-Spieler der vorigen Jahre traurig, sondern auch seine Wadenverletzung, die ihn sein letztes Heimspiel in der Kampa-Halle kostete. „Ich wollte so unbedingt mitspielen, aber es ging nicht“, erklärte Doder. Nur ein Mal betrat der GWD-Rekordtorschütze gestern Abend das Feld für den ersten Siebenmeter – und drehte den Ball am Tor vorbei. „Ich wollte den Fans unbedingt meinen letzten Dreher zeigen. Aber leider hat der Ball auf dem Boden nicht gebissen“, meinte Doder. Die vergebene Chance zum 3:1 brachte den ersten Bruch im Spiel, denn mit zwei schnellen Gegentreffern gerieten die Gastgeber das erste Mal in Rückstand und liefen diesem fortan hinterher. Das lag vor allem an den Mängeln im Angriff. Trainer Frank Carstens hatte im Vorfeld deutlich auf das starke Tempospiel des Sensationsteams aus dem Bergischen Land hingewiesen und gute Entscheidungen im Angriff angemahnt. Genau daran haperte es aber in der ersten Halbzeit. „Da haben wir 13 Kontertore bekommen, das geht natürlich nicht“, sagte Carstens: „Wir haben einfach keine Unterbrechungen geschafft, das war der Hauptgrund.“ Die BHC-Außen Jeffrey Boomhouwer und vor allem Arnor Thor Gunnarsson nahmen diese Chancen dankend an und schenkten den Mindenern einen Gegenstoß nach dem nächsten ein. Gunnarsson, mit zwölf Treffern bester Torschütze des Abends, war zudem von der Siebenmeterlinie eiskalt und hielt seine Mannschaft so im Spiel, als es in der zweiten Halbzeit schwieriger für sie wurde. „Da haben wir im Angriff ruhiger gespielt“, erklärte Carstens, der sein Team in der Halbzeitpause „runtergefahren“, hatte. Für eine Aufholjagd kam GWD dennoch nie so recht in Frage, weil der Gegner in den entscheidenden Momenten die besseren Antworten hatte. Meistens verwandelte Gunnarsson einen Siebenmeter oder Kristian Nippes traf aus dem Rückraum. „Vor allem lag es aber daran, dass wir immer wieder in das Muster der ersten Halbzeit zurückgefallen sind“, betonte der GWD-Trainer. Christoffer Rambo warf einige Male hektisch über das Tor, Anton Mansson brachte bei einem Gegenstoß in zwei Anläufen den Ball nicht zum Mitspieler, und Kevin Gulliksen warf völlig frei vor dem Tor aus vollem Tempo drüber. Der ersatzgeschwächte BHC blieb dagegen besonnen und ließ sich auch in der Schlussphase nicht von der Atmosphäre in der Halle beeindrucken. Zuvor hatten die Mindener Zuschauer gepfiffen, am Ende trieben sie ihr Team wieder nach vorne. Doch näher als auf drei Tore kam GWD nicht heran. „Trotzdem fühlt sich die Niederlage heute anders an als in Kiel oder gegen Leipzig“, meinte Carstens. Und so konnte auch er am Ende mit einem Lächeln die letzte Ehrung für Dalibor Doder verfolgen, der am Mikrofon den „Dankersen“-Schlachtruf anstimmte, von einem seiner Verwandten gekrönt wurde und dann die Welle vor der Tribüne anführte. So wurde das letzte Heimspiel von GWD Minden in dieser Saison doch noch zum Feiertag. Stimmen zum Spiel Mats Korte (GWD Minden): „Wir haben unterirdisch gedeckt. Die Konter in der ersten Halbzeit waren schmerzhaft. Nach der Pause haben wir gekämpft, aber der Abstand war ein bisschen groß.“ Miljan Pusica (GWD Minden): „Wir haben in der ersten Halbzeit in der Abwehr schlecht gespielt. Wir haben eine gute Mannschaft, aber wir zeigen nicht, was wir können. Die Mentalität muss sich ändern.“ Savvas Savvas (GWD Minden): „Die 13 Konter in der ersten Halbzeit haben uns weh getan. Wir hatten gute Möglichkeiten, haben sie aber nicht richtig zu Ende gespielt oder waren vor dem Tor nicht cool genug. Das war alles ein bisschen zu hektisch. In der zweiten Halbzeit waren wir konsequenter.“ Arnor Thor Gunnarsson (Bergischer HC): „Wir haben unglaublich zusammen gekämpft. Ich bin sehr stolz, dass wir in dieser Besetzung hier gewonnen haben. Für Flensburg wird es nächste Woche nicht leicht.“ Anton Mansson (GWD Minden): „Wenn man so viele einfache Tore zulässt, kann man nicht gewinnen.“ (kül/rich/much)