Minden

„Das ist mein Spiel“ - Dalibor Doder blickt zum Abschied auf neun bewegte Jahre bei GWD Minden zurück

Marcus Riechmann

Einer der größten unter den vielen magischen Momenten: Das Siegtor gegen den HC Erlangen ist ein Geniestreich. Dalibor Doder, hier verfolgt von Teamkollege Charlie Sjöstrand (rechts), feiert ausgelassen. Foto: Stefan Pollex - © Stefan Pollex
Einer der größten unter den vielen magischen Momenten: Das Siegtor gegen den HC Erlangen ist ein Geniestreich. Dalibor Doder, hier verfolgt von Teamkollege Charlie Sjöstrand (rechts), feiert ausgelassen. Foto: Stefan Pollex (© Stefan Pollex)

Minden (mt). Zweimal 2. Liga, zweimal Aufstieg in die Bundesliga. Dalibor Doder hat die vergangene Dekade bei GWD Minden geprägt wie kein anderer. Die „Zaubermaus“ oder „Magic Doder“ ist in neun Jahren in Minden erfolgreichster Torschütze aller Zeiten und ein fester Teil des Klubs geworden, mit dem er große wie bittere Stunden erlebte. Nun ist Schluss mit Geniestreichen und unvergesslichen Toren. Der 40-jährige Spielmacher wird GWD Minden verlassen und mit seiner Familie in seine schwedische Heimat zurückkehren. Heute Abend gegen den Bergischen HC läuft der Ballkünstler ein letztes Mal in der Kampa-Halle auf. „Das ist mein Spiel“, sagt Doder vor dem Finale und hofft, dass er trotz einer Wadenverletzung mitwirken kann. Im MT-Gespräch blickt der Mann mit der Nummer 33 auf seine ganz persönlichen GWD-Momente zurück.

Der Anfang: Aus Spanien in die 2. Liga

Saison 2010/2011: Aus dem spanischen León kommt Dalibor Doder im Sommer 2010 nach Minden. Statt Champions League heißt es 2. Liga. „Das war damals ein Schritt zurück und nicht ganz einfach. Schließlich wollte ich weiter in der Nationalmannschaft spielen“, blickt der damals 31-jährige Doder zurück. Doch Trainer Ulf Schefvert hat ihn schließlich überzeugt: „Der hat gefühlt 1.000 Mal angerufen.“ Das Ziel ist klar: Der Star soll GWD zum sofortigen Aufstieg führen. Doch das misslingt. GWD wird hinter Hildesheim nur Tabellenzweiter. In den Relegationsduellen gegen den TV Hüttenberg zieht Minden den Kürzeren, verliert in Hüttenberg 19:30. Der 29:25-Sieg im Rückspiel ist wertlos. „Das war eine Schlacht damals, die haben uns überrannt“, erinnert sich Doder an die Pleite in Hüttenberg.

Große Momente im Überfluss

Ein bitterer Tag: Im Pokal-Viertelfinale beim Bergischen HC verpasst Doder (am Ball) mit GWD hauchdünn den Einzug ins Final Four in Hamburg. Foto: Deutzmann/Eibner - © Eibner-Pressefoto
Ein bitterer Tag: Im Pokal-Viertelfinale beim Bergischen HC verpasst Doder (am Ball) mit GWD hauchdünn den Einzug ins Final Four in Hamburg. Foto: Deutzmann/Eibner (© Eibner-Pressefoto)

Saison 2011/2012: Weit vor Saisonbeginn unterschreibt Doder einen Fünf-Jahres-Vertrag bei GWD. „Ich habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt, außerdem habe ich meine Familie gegründet“, erklärt Doder die langfristige Bindung. Die ungewöhnliche Treue-Verpflichtung zahlt sich für den Klub aus. GWD wird nach einem 36:28-Heimsieg gegen Potsdam auf Anhieb Meister der ersten eingleisigen 2. Liga. „Das war nicht leicht. Wir waren der große Favorit und alle wollten uns schlagen. Jedes Auswärtsspiel war ein Kampf. Aber wir haben eine fast perfekte Saison gespielt.“ Das liegt auch an den Verpflichtungen von Nenad Bilbija und Aleksandar Svitlica, die den Kader deutlich aufwerteten. „Die beiden habe ich damals vorgeschlagen“, sagt Doder. „Der Aufstieg war eine Riesen-Party.“ Auch sonst läuft das Jahr prima: Doder spielte im Sommer 2011 mit Schweden die WM im eigenen Land („Einmalig“) und kommt auf Platz vier, im Sommer 2012 gewinnt er bei den Olympischen Spielen in London die Silbermedaille und begeistert mit großen Auftritten die Fachwelt. „Das war eine besondere Zeit“, sagt Doder. Doch der größte Moment liegt abseits des Handballfeldes: Er wird Vater seines Sohnes Bruno.

Die ersten Derbys bewegen

2012/2013: „Endlich Bundesliga.“ Für Doder erfüllt sich ein Traum. Doch er stellt schnell fest: „Das war schon hart.“ Eine schwierige und wechselhafte Saison kostet Coach Schefvert den Job. Trainerfuchs Sead Hasanefendic übernimmt das Team und schafft den Klassenerhalt. Im entscheidenden Spiel gelingt am 2. Juni 2013 ein 26:26 gegen den SC Magdeburg. Torwart Anders Persson fischt den letzten Wurf von Jure Natek aus dem Winkel. „Persson war ein Held“, sagt Doder. Er selbst muss zuschauen: „Ich war am Ende der Saison verletzt.“ Besondere Erinnerungen verknüpft er mit den Derbys gegen den TuS N-Lübbecke. „Ich wusste erstmal nichts, aber ich war sehr nervös“, erinnert er sich an die Premiere. Es wurde eine prächtige: Der Aufsteiger gewinnt am 5. Oktober 32:31. Bilbija setzt den letzten Treffer. Danach weiß Doder: „Das ist das einzige echte Derby. Die Halle war immer voll, die Fans waren verrückt.“ Im zweiten Derby des Jahres wird er zum Helden: Im Pokal-Duell wirft er vier Sekunden vor dem Ende das Siegtor zum 27:26.

Klassenerhalt und zwei Rückschläge

2013/2014: Unter Trainer Goran Perkovac gelingt nach Jahren endlich wieder ein Bundesliga-Auswärtssieg. 24:20 gewinnt GWD am 1. März beim Bergischen HC. Das Team schafft den Klassenerhalt, doch erleidet in den letzten Wochen der Saison zwei schwere Rückschläge: Nenad Bilbija und Sören Südmeier ziehen sich Kreuzbandrisse zu und fallen etwa ein Jahr aus. „Das war ein harter Schlag für uns . Nenad war damals in großer Form und einer der besten Schützen der Liga. Er hat das Spiel für uns alle leichter gemacht.“

Ein Alptraum und Wut nach dem Abstieg

2014/2015: „Ohne Sören musste ich die Verantwortung fast allein tragen.“ Das funktioniert in der wegen des juristisch abgewendeten Zwangsabstiegs des HSV Hamburg auf 20 Teams vergrößerten Liga bisweilen prächtig. So gelingen in der Hinserie mit einem 30:21 gegen die Füchse Berlin oder einem 36:30 gegen den HSV Hamburg Sternstunden in der Kampa-Halle. Auch die Derbys gewinnt GWD. „Man hat früher gesagt: Egal wie die Saison läuft: Hauptsache man gewinnt die Derbys.“ Doch das reicht nicht. Ein 28:30 gegen den Bergischen HC kostet Trainer Perkovac das Amt. „Ich habe damals drei Dreher versucht. Der Trainer hat gesagt, das macht man nicht im Abstiegskampf. Er hatte recht.“ Frank Carstens wird neuer Coach. Beinahe gelingt die Rettung. Doch ein krachendes 23:30 am 12. April im Heimspiel gegen den TBV Lemgo stellt die Weichen zur 2. Liga. „Das war ein Alptraum.“ Fast schafft GWD ein Remis in Kiel, doch eben nur fast. Der Klub kämpft vor den Gerichten um den Klassenerhalt. Vergeblich. Es geht als Viertletzter der Tabelle zurück in die 2. Liga. „Das war damals nicht in Ordnung“, spürt Doder noch heute Wut im Bauch.

Eine irre Party und eine bittere Pleite

2015/2016: Als Tabellenzweiter gelingt der Aufstieg hinter dem HC Erlangen souverän. In Aue macht GWD in einem einsamen Auswärtsspiel ohne jede Fan-Unterstützung die Rückkehr perfekt. „Die Rückfahrt war eine irre Party. Wir haben in Magdeburg angehalten und in einem Club gefeiert.“ Eine andere Party fällt jedoch aus: Im dramatischen und gleichermaßen tragischen Viertelfinalspiel des DHB-Pokal-Wettbewerbs unterliegt Minden im Dezember 23:24 beim Bergischen HC. „Das war nach einem starken Spiel ganz bitter. Es war die einzige große Chance auf das Final Four in Hamburg. Ich habe ein Bild von damals auf dem Handy, da schreie ich meine Wut heraus.“

Ein Siegtreffer für die Ewigkeit

2016/2017: Der Aufsteiger schafft mühelos den Klassenerhalt. Den Schwung dafür holt sich GWD beim 24:23-Sieg gegen den HC Erlangen. Das letzte Tor ist eines der berühmtesten des Mannes für die besonderen Treffer. Doder verlädt mit einer Wurftäuschung die halbe Erlanger Abwehr und zimmert den Ball unter die Latte. „So ein Tor macht man nur einmal. Das vergesse ich nie.“ Auch das ist ein Höhepunkt: GWD nimmt im April einen Punkt mit aus Kiel. Torwart Kim Sonne macht beim 23:23 ein prächtiges Spiel. „Das hat sich angefühlt wie eine Niederlage“, erinnert sich Doder. Er selbst spielt kaum, weil Sören Südmeier stark Regie führt: „Wir waren ein perfektes Tandem. Er hat viel von mir gelernt – und ich viel von ihm.“

Trainerlob und das Jubiläumstor

2017/2018: Erneut spielt Minden eine souveräne Saison und hat bereits früh mit dem Abstieg nichts zu tun. „Unter Frank Carstens haben wir uns entwickelt“, lobt Doder seinen Coach: „Er weiß, was er macht. Vieles ist mit ihm professioneller geworden.“ Auf dem Weg zu erneut Platz zwölf wirft Doder sein 1000. Tor, allerdings verliert GWD die Partie gegen den SC Magdeburg 29:41. „Das war das falsche Spiel“, kann sich Doder über den Jubiläumstreffer am Abend der Niederlage nicht freuen.

Die schlimmste Zeit bei GWD Minden

2018/2019: „Ich habe mich vorbereitet wie noch nie, war topfit“, sagt Doder über den Sommer. Er spielt prächtig und führt GWD zum besten Saisonstart seit fast zwei Jahrzehnten. Beim 30:28-Sieg in Bietigheim wird er GWD-Rekordtorschütze. Doch nach einer desolaten Leistung verliert Minden am 9. Dezember beim Bergischen HC kläglich. Danach geht es bergab. Auch für Doder. Der Klub gibt bekannt, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. „Das war die schlimmste Zeit, die ich je durchgemacht habe“, erinnert Doder sich an den Jahreswechsel: „Es ist anders gekommen, als man es mit zugesagt hatte. Das war sehr enttäuschend für mich.“

Der Abschied: Was bleibt?

„Ich hätte nie gedacht, dass das alles in Minden so läuft, dass ich so lange hier spielen würde. Das ist hier meine zweite Heimat geworden. Hier sind meine Kinder geboren. Ich nehme viele gute Momente mit.“ Ende Juni steht der Umzug nach Südschweden bevor. In Ystad wird er weiter Handball spielen. „Aber ich werde den Kontakt nach Minden halten. Es gibt eine Menge Leute, die wichtig für mich geworden sind.“ Das gilt umgekehrt wohl auch.

ZUM THEMA: AKTIONEN ZUM LETZTEN HEIMSPIEL

Zum letzten Heimspiel von Handball-Bundesligist GWD Minden gibt es heute Abend einige Aktionen in der Kampa-Halle. So wird etwa ein GWD-E-Bike verlost. 50 schnelle Fans können sich zudem ein exklusives T-Shirt von Dalibor Doder sichern.

Dieser wird nach der Partie wie auch sechs weitere Spieler verabschiedet. Anschließend gibt es 100 Liter Freibier. Auch danach sind die Getränke vergünstigt.

GWD rechnet im letzten Heimspiel mit 2.700 Zuschauern. „Für einen Mittwochabend ist das ein würdiger Rahmen“, findet Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Die Abendkasse öffnet um 19 Uhr. (mt/kül)

Abschied von GWD

Nicht nur Dalibor Doder wird heute Abend sein letztes Heimspiel für GWD Minden bestreiten. Sechs weitere Spieler verlassen den Klub nach dieser Saison.

Andreas Cederholm: Der schwedische Linkshänder bleibt in der Region. Er spielt nach zwei Mindener Jahren künftig für den GWD-Konkurrenten TBV Lemgo.

Kim Sonne: Nach vier Jahren in Minden wechselt der Torwart zum französischen Erstliga-Aufsteiger Chartres Metropole.

Anton Mansson: Der Kreisläufer kehrt nach zwei GWD-Jahren in seine schwedische Heimat zu OV Helsingborg zurück.

Luka Zvizej: Der Routinier auf Linksaußen kehrt nach zwei Spielzeiten im grün-weißen Trikot in seine slowenische Heimat zurück. Der 38-Jährige sieht seine Zukunft im Handball, aber nicht mehr als Spieler.

Außerdem gehen zwei Spieler aus dem Anschlusskader: Torwart Maurice Paske (zum Zweitligisten TV Emsdetten) und Rückraumspieler Lukas Kister (zum Zweitliga-Absteiger VfL Hagen). (mt)

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Minden„Das ist mein Spiel“ - Dalibor Doder blickt zum Abschied auf neun bewegte Jahre bei GWD Minden zurückMarcus RiechmannMinden (mt). Zweimal 2. Liga, zweimal Aufstieg in die Bundesliga. Dalibor Doder hat die vergangene Dekade bei GWD Minden geprägt wie kein anderer. Die „Zaubermaus“ oder „Magic Doder“ ist in neun Jahren in Minden erfolgreichster Torschütze aller Zeiten und ein fester Teil des Klubs geworden, mit dem er große wie bittere Stunden erlebte. Nun ist Schluss mit Geniestreichen und unvergesslichen Toren. Der 40-jährige Spielmacher wird GWD Minden verlassen und mit seiner Familie in seine schwedische Heimat zurückkehren. Heute Abend gegen den Bergischen HC läuft der Ballkünstler ein letztes Mal in der Kampa-Halle auf. „Das ist mein Spiel“, sagt Doder vor dem Finale und hofft, dass er trotz einer Wadenverletzung mitwirken kann. Im MT-Gespräch blickt der Mann mit der Nummer 33 auf seine ganz persönlichen GWD-Momente zurück. Der Anfang: Aus Spanien in die 2. Liga Saison 2010/2011: Aus dem spanischen León kommt Dalibor Doder im Sommer 2010 nach Minden. Statt Champions League heißt es 2. Liga. „Das war damals ein Schritt zurück und nicht ganz einfach. Schließlich wollte ich weiter in der Nationalmannschaft spielen“, blickt der damals 31-jährige Doder zurück. Doch Trainer Ulf Schefvert hat ihn schließlich überzeugt: „Der hat gefühlt 1.000 Mal angerufen.“ Das Ziel ist klar: Der Star soll GWD zum sofortigen Aufstieg führen. Doch das misslingt. GWD wird hinter Hildesheim nur Tabellenzweiter. In den Relegationsduellen gegen den TV Hüttenberg zieht Minden den Kürzeren, verliert in Hüttenberg 19:30. Der 29:25-Sieg im Rückspiel ist wertlos. „Das war eine Schlacht damals, die haben uns überrannt“, erinnert sich Doder an die Pleite in Hüttenberg. Große Momente im Überfluss Saison 2011/2012: Weit vor Saisonbeginn unterschreibt Doder einen Fünf-Jahres-Vertrag bei GWD. „Ich habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt, außerdem habe ich meine Familie gegründet“, erklärt Doder die langfristige Bindung. Die ungewöhnliche Treue-Verpflichtung zahlt sich für den Klub aus. GWD wird nach einem 36:28-Heimsieg gegen Potsdam auf Anhieb Meister der ersten eingleisigen 2. Liga. „Das war nicht leicht. Wir waren der große Favorit und alle wollten uns schlagen. Jedes Auswärtsspiel war ein Kampf. Aber wir haben eine fast perfekte Saison gespielt.“ Das liegt auch an den Verpflichtungen von Nenad Bilbija und Aleksandar Svitlica, die den Kader deutlich aufwerteten. „Die beiden habe ich damals vorgeschlagen“, sagt Doder. „Der Aufstieg war eine Riesen-Party.“ Auch sonst läuft das Jahr prima: Doder spielte im Sommer 2011 mit Schweden die WM im eigenen Land („Einmalig“) und kommt auf Platz vier, im Sommer 2012 gewinnt er bei den Olympischen Spielen in London die Silbermedaille und begeistert mit großen Auftritten die Fachwelt. „Das war eine besondere Zeit“, sagt Doder. Doch der größte Moment liegt abseits des Handballfeldes: Er wird Vater seines Sohnes Bruno. Die ersten Derbys bewegen 2012/2013: „Endlich Bundesliga.“ Für Doder erfüllt sich ein Traum. Doch er stellt schnell fest: „Das war schon hart.“ Eine schwierige und wechselhafte Saison kostet Coach Schefvert den Job. Trainerfuchs Sead Hasanefendic übernimmt das Team und schafft den Klassenerhalt. Im entscheidenden Spiel gelingt am 2. Juni 2013 ein 26:26 gegen den SC Magdeburg. Torwart Anders Persson fischt den letzten Wurf von Jure Natek aus dem Winkel. „Persson war ein Held“, sagt Doder. Er selbst muss zuschauen: „Ich war am Ende der Saison verletzt.“ Besondere Erinnerungen verknüpft er mit den Derbys gegen den TuS N-Lübbecke. „Ich wusste erstmal nichts, aber ich war sehr nervös“, erinnert er sich an die Premiere. Es wurde eine prächtige: Der Aufsteiger gewinnt am 5. Oktober 32:31. Bilbija setzt den letzten Treffer. Danach weiß Doder: „Das ist das einzige echte Derby. Die Halle war immer voll, die Fans waren verrückt.“ Im zweiten Derby des Jahres wird er zum Helden: Im Pokal-Duell wirft er vier Sekunden vor dem Ende das Siegtor zum 27:26. Klassenerhalt und zwei Rückschläge 2013/2014: Unter Trainer Goran Perkovac gelingt nach Jahren endlich wieder ein Bundesliga-Auswärtssieg. 24:20 gewinnt GWD am 1. März beim Bergischen HC. Das Team schafft den Klassenerhalt, doch erleidet in den letzten Wochen der Saison zwei schwere Rückschläge: Nenad Bilbija und Sören Südmeier ziehen sich Kreuzbandrisse zu und fallen etwa ein Jahr aus. „Das war ein harter Schlag für uns . Nenad war damals in großer Form und einer der besten Schützen der Liga. Er hat das Spiel für uns alle leichter gemacht.“ Ein Alptraum und Wut nach dem Abstieg 2014/2015: „Ohne Sören musste ich die Verantwortung fast allein tragen.“ Das funktioniert in der wegen des juristisch abgewendeten Zwangsabstiegs des HSV Hamburg auf 20 Teams vergrößerten Liga bisweilen prächtig. So gelingen in der Hinserie mit einem 30:21 gegen die Füchse Berlin oder einem 36:30 gegen den HSV Hamburg Sternstunden in der Kampa-Halle. Auch die Derbys gewinnt GWD. „Man hat früher gesagt: Egal wie die Saison läuft: Hauptsache man gewinnt die Derbys.“ Doch das reicht nicht. Ein 28:30 gegen den Bergischen HC kostet Trainer Perkovac das Amt. „Ich habe damals drei Dreher versucht. Der Trainer hat gesagt, das macht man nicht im Abstiegskampf. Er hatte recht.“ Frank Carstens wird neuer Coach. Beinahe gelingt die Rettung. Doch ein krachendes 23:30 am 12. April im Heimspiel gegen den TBV Lemgo stellt die Weichen zur 2. Liga. „Das war ein Alptraum.“ Fast schafft GWD ein Remis in Kiel, doch eben nur fast. Der Klub kämpft vor den Gerichten um den Klassenerhalt. Vergeblich. Es geht als Viertletzter der Tabelle zurück in die 2. Liga. „Das war damals nicht in Ordnung“, spürt Doder noch heute Wut im Bauch. Eine irre Party und eine bittere Pleite 2015/2016: Als Tabellenzweiter gelingt der Aufstieg hinter dem HC Erlangen souverän. In Aue macht GWD in einem einsamen Auswärtsspiel ohne jede Fan-Unterstützung die Rückkehr perfekt. „Die Rückfahrt war eine irre Party. Wir haben in Magdeburg angehalten und in einem Club gefeiert.“ Eine andere Party fällt jedoch aus: Im dramatischen und gleichermaßen tragischen Viertelfinalspiel des DHB-Pokal-Wettbewerbs unterliegt Minden im Dezember 23:24 beim Bergischen HC. „Das war nach einem starken Spiel ganz bitter. Es war die einzige große Chance auf das Final Four in Hamburg. Ich habe ein Bild von damals auf dem Handy, da schreie ich meine Wut heraus.“ Ein Siegtreffer für die Ewigkeit 2016/2017: Der Aufsteiger schafft mühelos den Klassenerhalt. Den Schwung dafür holt sich GWD beim 24:23-Sieg gegen den HC Erlangen. Das letzte Tor ist eines der berühmtesten des Mannes für die besonderen Treffer. Doder verlädt mit einer Wurftäuschung die halbe Erlanger Abwehr und zimmert den Ball unter die Latte. „So ein Tor macht man nur einmal. Das vergesse ich nie.“ Auch das ist ein Höhepunkt: GWD nimmt im April einen Punkt mit aus Kiel. Torwart Kim Sonne macht beim 23:23 ein prächtiges Spiel. „Das hat sich angefühlt wie eine Niederlage“, erinnert sich Doder. Er selbst spielt kaum, weil Sören Südmeier stark Regie führt: „Wir waren ein perfektes Tandem. Er hat viel von mir gelernt – und ich viel von ihm.“ Trainerlob und das Jubiläumstor 2017/2018: Erneut spielt Minden eine souveräne Saison und hat bereits früh mit dem Abstieg nichts zu tun. „Unter Frank Carstens haben wir uns entwickelt“, lobt Doder seinen Coach: „Er weiß, was er macht. Vieles ist mit ihm professioneller geworden.“ Auf dem Weg zu erneut Platz zwölf wirft Doder sein 1000. Tor, allerdings verliert GWD die Partie gegen den SC Magdeburg 29:41. „Das war das falsche Spiel“, kann sich Doder über den Jubiläumstreffer am Abend der Niederlage nicht freuen. Die schlimmste Zeit bei GWD Minden 2018/2019: „Ich habe mich vorbereitet wie noch nie, war topfit“, sagt Doder über den Sommer. Er spielt prächtig und führt GWD zum besten Saisonstart seit fast zwei Jahrzehnten. Beim 30:28-Sieg in Bietigheim wird er GWD-Rekordtorschütze. Doch nach einer desolaten Leistung verliert Minden am 9. Dezember beim Bergischen HC kläglich. Danach geht es bergab. Auch für Doder. Der Klub gibt bekannt, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. „Das war die schlimmste Zeit, die ich je durchgemacht habe“, erinnert Doder sich an den Jahreswechsel: „Es ist anders gekommen, als man es mit zugesagt hatte. Das war sehr enttäuschend für mich.“ Der Abschied: Was bleibt? „Ich hätte nie gedacht, dass das alles in Minden so läuft, dass ich so lange hier spielen würde. Das ist hier meine zweite Heimat geworden. Hier sind meine Kinder geboren. Ich nehme viele gute Momente mit.“ Ende Juni steht der Umzug nach Südschweden bevor. In Ystad wird er weiter Handball spielen. „Aber ich werde den Kontakt nach Minden halten. Es gibt eine Menge Leute, die wichtig für mich geworden sind.“ Das gilt umgekehrt wohl auch. ZUM THEMA: AKTIONEN ZUM LETZTEN HEIMSPIEL Zum letzten Heimspiel von Handball-Bundesligist GWD Minden gibt es heute Abend einige Aktionen in der Kampa-Halle. So wird etwa ein GWD-E-Bike verlost. 50 schnelle Fans können sich zudem ein exklusives T-Shirt von Dalibor Doder sichern. Dieser wird nach der Partie wie auch sechs weitere Spieler verabschiedet. Anschließend gibt es 100 Liter Freibier. Auch danach sind die Getränke vergünstigt. GWD rechnet im letzten Heimspiel mit 2.700 Zuschauern. „Für einen Mittwochabend ist das ein würdiger Rahmen“, findet Sport-Geschäftsführer Frank von Behren. Die Abendkasse öffnet um 19 Uhr. (mt/kül) Abschied von GWD Nicht nur Dalibor Doder wird heute Abend sein letztes Heimspiel für GWD Minden bestreiten. Sechs weitere Spieler verlassen den Klub nach dieser Saison. Andreas Cederholm: Der schwedische Linkshänder bleibt in der Region. Er spielt nach zwei Mindener Jahren künftig für den GWD-Konkurrenten TBV Lemgo. Kim Sonne: Nach vier Jahren in Minden wechselt der Torwart zum französischen Erstliga-Aufsteiger Chartres Metropole. Anton Mansson: Der Kreisläufer kehrt nach zwei GWD-Jahren in seine schwedische Heimat zu OV Helsingborg zurück. Luka Zvizej: Der Routinier auf Linksaußen kehrt nach zwei Spielzeiten im grün-weißen Trikot in seine slowenische Heimat zurück. Der 38-Jährige sieht seine Zukunft im Handball, aber nicht mehr als Spieler. Außerdem gehen zwei Spieler aus dem Anschlusskader: Torwart Maurice Paske (zum Zweitligisten TV Emsdetten) und Rückraumspieler Lukas Kister (zum Zweitliga-Absteiger VfL Hagen). (mt)