Minden

Entsetzen nach dem tiefen Fall gegen Leipzig

Marcus Riechmann

Marian Michalczik hängt dem verpassten Sieg nach. Enttäuscht verlässt der GWD-Spieler das Feld, hinter ihm jubeln die Sieger aus Leipzig. MT- - © Foto: Sebastian Külbel
Marian Michalczik hängt dem verpassten Sieg nach. Enttäuscht verlässt der GWD-Spieler das Feld, hinter ihm jubeln die Sieger aus Leipzig. MT- (© Foto: Sebastian Külbel)

Minden (mt). Nach dem Abpfiff eines denkwürdigen Handballabends spiegelte sich die Enttäuschung in den Gesichtern der Verlierer, die sich wegdrehten vom Jubelkreis der feiernden Gäste. Ohnmacht drang aus den Worten derer, die Worte finden mussten. Fassungsloses Entsetzen hatte sich wie ein klebriger Dunst in der Mindener Kampa-Halle ausgebreitet, das bei den meisten der 2754 Zuschauer erst nach und nach einer gepfefferten Verärgerung Raum gab. Keine Frage: Die 24:26 (16:12)-Heimniederlage des Bundesligisten GWD Minden gegen den SC DHfK Leipzig hatte tiefe Spuren hinterlassen.

Was bis zur Halbzeit nach einer Gala ausgesehen hatte wurde von Mindens Trainer Frank Carstens trefflich beschrieben als einen „Zusammenbruch auf mehreren Ebenen“. Bis zum 16:12 hatte GWD die Gäste förmlich an die Wand gespielt, aber lediglich einen Vier-Tore-Vorsprung herausgeworfen. Zu wenig. Denn wie bereits in vier von fünf Erstligaduellen gegen die Sachsen verspielte Minden eine Pausenführung und verlor.

Doch es war weniger die Niederlage an sich, die alle Beteiligten peinigte, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Minden einen Sieg förmlich wegwarf. Als GWD nach rund 40 Minuten Spielzeit die Möglichkeit zur 20:14-Führung und damit zum erstmaligen Sechs-Tore-Vorsprung verpasste und stattdessen die Gäste mit drei schnellen Toren auf 20:17 verkürzten, war es, als würde alle Zuversicht und sämtliche Kraft aus den Körpern schwinden. Immer weniger klappte bei GWD, immer besser lief es bei den Gästen.

Beispielhaft war die Leistung von Kevin Gulliksen. Der norwegische Rechtsaußen hatte maßgeblich Anteil daran, dass GWD nach einer zehnminütigen Abtastphase und einem 3:5-Rückstand auf Touren kam. Sieben Tore gelangen ihm in der ersten Halbzeit, in der Minden die Gäste mit prächtiger Abwehr und ebensolchen Gegenstößen auseinandernahm. „Wir sind zum Glück nur mir vier Toren Rückstand in die Halbzeit gegangen. Ich weiß gar nicht warum es nur vier Tore waren. Es hat sich viel schlimmer angefühlt“, beschrieb SC-Rückraumspieler Franz Semper seinen Eindruck der ersten Hälfte.

Rund sieben Minuten blieben die Gastgeber, bei den Linkshänder Andreas Cederholm wegen einer im Training erlittenen Muskelverletzung fehlte, auch nach Wiederanpfiff am Drücker und führten nach einem Tor von Christoffer Rambo 19:14. Bis dahin hatte sich Gulliksen seinen ersten Fehlwurf erlaubt. Es folgten drei weitere ehe Coach Carstens den Norweger in der 52. Minute beim Stand von 22:22 durch Max Staar ersetzte. Das 22:24 verhinderte der Wechsel ebenso wenig wie Einwechslung von Dalibor Doder, der nach dem 22:25 Aliaksandar Padshyvalau ersetzte, noch für eine Wende sorgte. „Die Wechsel kamen zu spät“, kreidete sich Carstens selbstkritisch an, nicht rechtzeitig Impulse für das siechende Angriffsspiel seiner Männer gesetzt zu haben, denen von 19:14 bis 22:25 in 18 Spielminuten lediglich drei Treffer gelungen waren . Es passte ins Bild, dass auch die neuen Männer glücklos blieben: Staar verballerte beim 23:25 völlig frei, Doder verstolperte kurz darauf den Ball. Leipzig blieb cool und wehrte auch die Schlussoffensive der Hausherren ab.

Der Endstand war auch für die Sieger schwer greifbar. „Unfassbar“, kommentierte SC-Trainer André Haber die zweite Halbzeit seiner von Verletzungen geplagten Mannschaft: „Meine Spieler haben gezeigt, wie viel Mentalität in ihnen steckt.“ Dieser Wille war den Mindenern gestern auf halber Strecke abhanden gekommen.

GWD Minden - DHfK Leipzig 24:26 (16:12)

Tore für GWD Minden: Gulliksen 7, Rambo 5, Zvizej 4/3, Korte 2, Michalczik 2, Doder 1, Gullerud 1, Mansson 1, Padschyvalau 1.

Tore für DHfK Leipzig: Gebala 7, Weber 4, Esche 3, Rojewski 3, Semper 3, Wiesmach 3/1, Pieczkowski 2, Binder 1.

Schiedsrichter: Martin Thöne (Berlin)/Marijo Zupanovic (Berlin)

Zuschauer: 2754

Strafminuten: 4 / 8

Stimmen zum Spiel

Frank Carstens (GWD-Trainer): „Ich bin enttäuscht. Wir hatten uns etwas anderes vorgenommen und auch die Möglichkeit, etwas anderes zu erreichen. Man spielt nicht 60 Minuten auf höchstem Level durch. Es gibt immer auch schlechtere Phasen. Ich hatte eigentlich das Vertrauen, dass die Mannschaft die Kurve kriegt, das hat sie schon so oft geschafft.“

André Haber (SC-Trainer): „Wir haben heute zwei völlig konträre Halbzeiten gesehen. Die 16:12-Führung für Minden zur Pause war eigentlich zu knapp. Um so erstaunlicher ist es, dass wir das Spiel wieder gedreht haben.“

Philipp Weber (SC-Spieler): „Hut ab vor unserer Defensive und den Torhütern in der zweiten Hälfte. Aus moralischer Sicht war das von uns eine Riesenleistung.“

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MindenEntsetzen nach dem tiefen Fall gegen LeipzigMarcus RiechmannMinden (mt). Nach dem Abpfiff eines denkwürdigen Handballabends spiegelte sich die Enttäuschung in den Gesichtern der Verlierer, die sich wegdrehten vom Jubelkreis der feiernden Gäste. Ohnmacht drang aus den Worten derer, die Worte finden mussten. Fassungsloses Entsetzen hatte sich wie ein klebriger Dunst in der Mindener Kampa-Halle ausgebreitet, das bei den meisten der 2754 Zuschauer erst nach und nach einer gepfefferten Verärgerung Raum gab. Keine Frage: Die 24:26 (16:12)-Heimniederlage des Bundesligisten GWD Minden gegen den SC DHfK Leipzig hatte tiefe Spuren hinterlassen. Was bis zur Halbzeit nach einer Gala ausgesehen hatte wurde von Mindens Trainer Frank Carstens trefflich beschrieben als einen „Zusammenbruch auf mehreren Ebenen“. Bis zum 16:12 hatte GWD die Gäste förmlich an die Wand gespielt, aber lediglich einen Vier-Tore-Vorsprung herausgeworfen. Zu wenig. Denn wie bereits in vier von fünf Erstligaduellen gegen die Sachsen verspielte Minden eine Pausenführung und verlor. Doch es war weniger die Niederlage an sich, die alle Beteiligten peinigte, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Minden einen Sieg förmlich wegwarf. Als GWD nach rund 40 Minuten Spielzeit die Möglichkeit zur 20:14-Führung und damit zum erstmaligen Sechs-Tore-Vorsprung verpasste und stattdessen die Gäste mit drei schnellen Toren auf 20:17 verkürzten, war es, als würde alle Zuversicht und sämtliche Kraft aus den Körpern schwinden. Immer weniger klappte bei GWD, immer besser lief es bei den Gästen. Beispielhaft war die Leistung von Kevin Gulliksen. Der norwegische Rechtsaußen hatte maßgeblich Anteil daran, dass GWD nach einer zehnminütigen Abtastphase und einem 3:5-Rückstand auf Touren kam. Sieben Tore gelangen ihm in der ersten Halbzeit, in der Minden die Gäste mit prächtiger Abwehr und ebensolchen Gegenstößen auseinandernahm. „Wir sind zum Glück nur mir vier Toren Rückstand in die Halbzeit gegangen. Ich weiß gar nicht warum es nur vier Tore waren. Es hat sich viel schlimmer angefühlt“, beschrieb SC-Rückraumspieler Franz Semper seinen Eindruck der ersten Hälfte. Rund sieben Minuten blieben die Gastgeber, bei den Linkshänder Andreas Cederholm wegen einer im Training erlittenen Muskelverletzung fehlte, auch nach Wiederanpfiff am Drücker und führten nach einem Tor von Christoffer Rambo 19:14. Bis dahin hatte sich Gulliksen seinen ersten Fehlwurf erlaubt. Es folgten drei weitere ehe Coach Carstens den Norweger in der 52. Minute beim Stand von 22:22 durch Max Staar ersetzte. Das 22:24 verhinderte der Wechsel ebenso wenig wie Einwechslung von Dalibor Doder, der nach dem 22:25 Aliaksandar Padshyvalau ersetzte, noch für eine Wende sorgte. „Die Wechsel kamen zu spät“, kreidete sich Carstens selbstkritisch an, nicht rechtzeitig Impulse für das siechende Angriffsspiel seiner Männer gesetzt zu haben, denen von 19:14 bis 22:25 in 18 Spielminuten lediglich drei Treffer gelungen waren . Es passte ins Bild, dass auch die neuen Männer glücklos blieben: Staar verballerte beim 23:25 völlig frei, Doder verstolperte kurz darauf den Ball. Leipzig blieb cool und wehrte auch die Schlussoffensive der Hausherren ab. Der Endstand war auch für die Sieger schwer greifbar. „Unfassbar“, kommentierte SC-Trainer André Haber die zweite Halbzeit seiner von Verletzungen geplagten Mannschaft: „Meine Spieler haben gezeigt, wie viel Mentalität in ihnen steckt.“ Dieser Wille war den Mindenern gestern auf halber Strecke abhanden gekommen. GWD Minden - DHfK Leipzig 24:26 (16:12) Tore für GWD Minden: Gulliksen 7, Rambo 5, Zvizej 4/3, Korte 2, Michalczik 2, Doder 1, Gullerud 1, Mansson 1, Padschyvalau 1. Tore für DHfK Leipzig: Gebala 7, Weber 4, Esche 3, Rojewski 3, Semper 3, Wiesmach 3/1, Pieczkowski 2, Binder 1. Schiedsrichter: Martin Thöne (Berlin)/Marijo Zupanovic (Berlin) Zuschauer: 2754 Strafminuten: 4 / 8 Stimmen zum Spiel Frank Carstens (GWD-Trainer): „Ich bin enttäuscht. Wir hatten uns etwas anderes vorgenommen und auch die Möglichkeit, etwas anderes zu erreichen. Man spielt nicht 60 Minuten auf höchstem Level durch. Es gibt immer auch schlechtere Phasen. Ich hatte eigentlich das Vertrauen, dass die Mannschaft die Kurve kriegt, das hat sie schon so oft geschafft.“ André Haber (SC-Trainer): „Wir haben heute zwei völlig konträre Halbzeiten gesehen. Die 16:12-Führung für Minden zur Pause war eigentlich zu knapp. Um so erstaunlicher ist es, dass wir das Spiel wieder gedreht haben.“ Philipp Weber (SC-Spieler): „Hut ab vor unserer Defensive und den Torhütern in der zweiten Hälfte. Aus moralischer Sicht war das von uns eine Riesenleistung.“