Espelkamp

MT-Interview: Warum Philip Harting sein GWD-Sponsoring überdenkt

Marcus Riechmann

Nachwuchsförderung entspricht der Philosophie des Unternehmens sagt Philip Harting. „Danach machen wir einen Schnitt“, macht der Vorstandsvorsitzende deutlich. Foto: Kai Reifenberg/pr - © HARTING Stiftung & Co. KG
Nachwuchsförderung entspricht der Philosophie des Unternehmens sagt Philip Harting. „Danach machen wir einen Schnitt“, macht der Vorstandsvorsitzende deutlich. Foto: Kai Reifenberg/pr (© HARTING Stiftung & Co. KG)

Espelkamp (mt). Seit rund 15 Jahren unterstützen die Familie Harting und die Harting-Technologiegruppe aus Espelkamp den heimischen Handball-Bundesligisten GWD Minden sowie die Nachwuchsarbeit beim Stammverein TSV GWD Minden. Mit großzügiger Förderung wurden Spielverpflichtungen wie die con Christoffer Rambo möglich, der Bau eines Handballinternats steht bevor. Wieviel Geld bisher geflossen ist, sagt Philip Harting nicht. Der Harting-Vorstandschef spricht jedoch von einer „ordentlichen Summe". Im MT-Interview spricht der 44-Jährige über seine Vorstellungen von Sponsoring, die Trennung von Dalibor Doder und über Nutzen und Wahrscheinlichkeit einer neuen Multihalle in Minden. Vor allem aber deutet Philip Harting an – und das dürfte bei GWD die Alarmglocken läuten lassen –, dass das Engagement des Technologie-Unternehmens durchaus endlich ist.

Sie fördern GWD Minden, werben bei den Nationalteams, waren bei der WM präsent. Im Handball liegt ein Schwerpunkt Ihrer Aktivitäten im Sportmarketing. Warum?

Die Frage ist ganz einfach zu beantworten. Das Unternehmen Harting hat seinen Ursprung in Minden. Mein Großvater hat damals schon Grün-Weiß Dankersen unterstützt. Bei Auswärtsspielen hat er einen Wagen mit Fahrer zur Verfügung gestellt. Anfang der 50er Jahre siedelte das Unternehmen nach Espelkamp um, weil es in Minden keine Erweiterungsmöglichkeiten für das Unternehmen gab. Erst Anfang 2000 ging es nach Minden zurück und wir haben am Simeonsplatz gebaut, ungefähr dort, wo mein Großvater das Unternehmen gegründet hat. Im so genannten Botta-Bau hat der Deutschland-Vertrieb, den wir damals als Gesellschaft ausgegliedert haben, nun seine Zentrale. Die Beziehung nach Minden und zu GWD war immer da. Mein Vater hat in Dankersen an den Eisenbahnschienen nach Hannover gelebt. Im letzten Jahr ist er zur goldenen Konfirmation mal wieder im alten Haus gewesen, und hat sich dort mit dem ehemaligen GWD-Teamarzt Charles Sander und ein paar anderen Leuten getroffen. Mein Vater hat die Feldhandballzeiten noch erlebt und auch mitgespielt. Er ist mit Handball aufgewachsen. 2003 oder 2004 ist der Kontakt neu entstanden. Neue Dynamik entfaltete sich, als Horst Bredemeier zu uns kam und das Thema Jugendarbeit mitbrachte. Er ist dann mit sehr viel mehr rausgegangen, als er sich vorgestellt hatte, nämlich mit einem neuen Hauptsponsor.

Das ist die Geschichte. Reicht das allein als Begründung für eine langjährige und vor allen intensive Förderung von GWD Minden?

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Es gibt eine Affinität aufgrund der Heimatverbundenheit, aufgrund unserer Wurzeln. Zweitens: Ostwestfalen ist eine Handballregion. TBV Lemgo, TuS N-Lübbecke, GWD Minden – hier ist eine Keimzelle des Handballs, das macht die Region auch aus. Hier wird Handball gelebt. Es liegt uns am Herzen – als Unternehmen und auch als Familie – Sport und Kultur lokal zu unterstützen und damit die Region zu fördern. Hier am Stammwerk beschäftigen wir knapp die Hälfte unserer weltweit mehr als 5.000 Mitarbeitenden. Für die wollen wir die Region fördern, lebenswertes Umfeld schaffen, in dem Familien gerne leben. Der dritte Grund ist der Bezug zu Horst Bredemeier. Er ist einfach eine Marke. Mit seiner Begeisterung, mit seinen Ideen für den Verein hat er damals meinen Vater überzeugt. Und so ist unser Engagement auch als eine Investition in die Visionen von Horst Bredemeier zu verstehen. Gemeinsam haben wir den Verein entschuldet und in der ersten Liga etabliert. Wir können über die vergangenen 15 Jahre eine gute Bilanz ziehen. Wir haben in dieser Ära etwas erreicht.

Von GWD ausgehend haben Sie das Handballmarketing auf die Nationalmannschaften, auf Länderspiele und die Weltmeisterschaft erweitert. Welches Ziel verbinden Sie damit?

Wir sind im B2B-Geschäft unterwegs und nicht im B2C. Da ist die Förderung der Bekanntheit der Marke Harting über die Nationalmannschaft, über die Sporthilfe oder wie zuletzt bei der WM natürlich effektiver als das Engagement bei GWD. Wir haben ein nachhaltiges Konzept entwickelt, immer ansetzend bei der Jugendförderung. Das machen wir bei GWD und ebenso beim DHB, wo alle männlichen Junioren-Teams mit dem Harting-Logo auf der Hose auflaufen. Und das machen wir auch bei unseren Auszubildenden. Das ist die Basis für unseren Erfolg. Wenn wir den Standort hier erfolgreich entwickeln wollen, benötigen wir guten Nachwuchs. Alle Unternehmen kämpfen um Nachwuchs. So ist es im Handball auch. Das war die Idee, die wir damals mit Horst Bredemeier entwickelt haben. Wir können die Spieler nicht alle kaufen, wir müssen sie hier entwickeln. Diese Durchgängigkeit entspricht unserer Unternehmensphilosophie. Dass wir mit Marian Michalczik bei GWD einen Spieler haben, der bei der Nationalmannschaft anklopft, passt ins Bild. Harting verbindet Ausbildung und Erfolg.

Wo sind Sie noch im Sport als Sponsor tätig?

Wir unterstützen den FC Preußen Espelkamp, wir haben hier in Espelkamp ein Sportzentrum erstellt, das sich sehen lassen kann. Wir haben die Leichtathleten unterstützt und das Pürsten-Stadion renoviert. Wir unterstützen als Technologie-Partner die Gerry-Weber-Open, die Rahden Baskets, den Freeway-Cup in Lübbecke mit den jungen Fußball-Stars von morgen, und manches mehr.

Ein sehr beachtenswertes Projekt ist der Fußballklub FC Preußen Espelkamp. Wo soll dort die Reise hingehen?

Es gibt hier mit Gauselmann und Harting zwei große Unternehmen, die sehr viel für den Verein und die Region tun. Wir stehen jedoch für die Jugendförderung und haben zudem in die Plätze und Infrastruktur investiert. Rödinghausen mit Häcker als Förderer und dem Stadion, ist ein bisschen Vorbild. Die wollen hoch in die 3. Liga. Auch beim FC Preußen ist von ähnlich großen Plänen zu hören. Das mag ein Weg sein, aber das ist nicht unser Weg. Wir stehen für die Jugendarbeit. Danach machen wir einen Schnitt und sagen: Das ist es dann auch.

Bei GWD fördern Sie sowohl Jugend als auch die Profis.

Ja, und das ist für uns von Anfang an ein Thema gewesen. Es ging bei GWD in den letzten zehn, 15 Jahren oft rauf und runter. Zweimal Abstieg, zweimal Aufstieg. Horst Bredemeier hat sich einiges angetan. Vor vier Jahren, nach dem bitteren Abstieg, als uns der HSV Hamburg betrogen hat, hat uns das in der Entwicklung um zwei Jahre zurückgeworfen. Wir mussten vieles neu aufbauen, weil Spieler wie Jens Vortmann, Yves Kunkel oder Christoph Steinert damals gegangen sind. Wir haben damals sehr offen geredet. GWD sollte keine Fahrstuhlmannschaft sein und wir haben deshalb vorgeschlagen, lasst uns lieber zweite Liga spielen, als finanziell ein zu großes Risiko einzugehen. Aber das wollten die anderen Gesellschafter nicht. Und jetzt sind wir ja auch in der ersten Liga etabliert. Aber unser Hauptaugenmerk lag immer auf der Jugendarbeit, das hat für uns als Unternehmen Priorität – sowohl beim Handball in Minden als auch beim Fußball hier in Espelkamp. Der große Schritt nach vorn, Platz fünf für GWD, das ist nicht unser Bestreben. Dazu sind noch ein paar Millionen Euro zu investieren. Wichtig ist es, realistisch zu bleiben. Es gilt vorsichtig zu sein und sich auch auf wirtschaftlich schwierige Zeiten einzustellen. Wir wollen nachhaltig wirtschaften und nicht unkalkulierbare Risiken eingehen.

Muss man als Sponsor auch ein bisschen Fan sein?

Ja natürlich. Das ist Heimat. Daran hängt auch persönliches Herzblut. Ich habe früher Fußball beim FC Preußen gespielt, Handball beim HV Espelkamp und Tennis nebenan im Klub. Das sind auch meine Wurzeln. Ich habe viele Kontakte knüpfen können. Es sind reiche Beziehungen entstanden. So schlagen deshalb mehrere Herzen in meiner Brust.

Wie weit sind die Pläne, mit GWD im Umfeld des Mindener Besselgymnasiums als Sportschule NRW ein Internat zu errichten?

Die Pläne sind weit fortgeschritten, die Umsetzung läuft an. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es zügig weitergeht. Wir wollen zehn bis zwölf Plätze anbieten, um Handballtalente zu fördern. Das ist ein großer Schritt in der Professionalisierung der Jugendarbeit.

Wird das ein Harting-Internat mit GWD als Mieter?

Lassen Sie es mich so sagen: Wir nehmen dem Verein das Risiko. Allein könnte GWD das Projekt nicht stemmen. Die konkrete Ausgestaltung ist noch offen, aber der Hauptverein TSV GWD Minden wird das Internat betreiben.

Sie investieren viel in GWD Minden. Welche Gegenleistung erwartet man als Sponsor von GWD Minden? Erwartet man überhaupt eine Gegenleistung?

Ursprünglich war da nicht viel. Wir hatten keinen Anspruch. Es war einfach so, dass Horst Bredemeier Hilfe brauchte. Wenn sich im Verlauf der Saison ein Spieler langfristig verletzt hatte, stellte sich die Frage: Wie kann diese Lücke gedeckt werden? Da gab es nicht so viele Unterstützer, die hätten helfen können. Am Anfang war das Engagement meines Vaters eher privater Natur. Erst später ist das Unternehmen Harting sichtbar mit dem Logo eingestiegen. Wenn ein Unternehmen als Sponsor tätig ist, dann gibt es auch Gegenleistungen wie Logo auf dem Trikot, Bandenwerbung und mehr. Da erwarten wir eine professionelle Präsentationsfläche.

Für die Pool-Mitglieder hat das Sponsoring eine weitergehende Bedeutung. Da spielen der geschäftliche Austausch auf der Plattform GWD und das Networking eine wichtige Rolle. Wie wichtig ist Ihnen der persönliche Austausch mit anderen GWD-Freunden?

Ich finde das sehr sinnvoll und hilfreich. Es funktioniert im Pool. Ich möchte allen danken, die an der Organisation des Pools beteiligt sind und waren. Der Pool ist ein ganz wichtiger Baustein für die Finanzierung von GWD. Und es geht nicht nur ums Finanzielle. Man trifft sich, spricht über Handball. Trainer, Manager und Spieler lassen sich blicken. Dieser regelmäßige Austausch auf dieser Plattform auch über andere Dinge hat eine gesellschaftliche Relevanz. Es gibt viele Menschen, die sich ehrenamtlich rund um GWD einbringen, um das alles am Laufen zu halten. So sind es beim GWD-Pool zum Beispiel Gerd Buddenbohm, Günter Gieseking oder Stephanie Richtzenhain, um nur ein paar zu nennen. Im Pool lebt ein Teil dessen, was man wohl GWD-Familie nennen darf. Diese familiäre Tradition zu pflegen, ist immens wichtig.

Sie haben GWD in der Vergangenheit umfangreich und vielfältig unterstützt. Sehen Sie sich als Familie Harting in der Rolle eines Mäzens?

Eine Abhängigkeit des Vereins von einem Mäzen wollten wir nicht. Dafür stehen wir nicht als Unternehmen. Die Größenordnung, in der wir uns als Einzelsponsor eingebracht haben, war schon erheblich. Aber nicht in der Größe, dass es als Mäzenatentum gelten könnte. GWD ist breit aufgestellt – und das ist auch gut so.

Quasi seit Sie persönlich GWD als Sponsor begleiten, spielt Dalibor Doder in grün und weiß. Werden Sie den Schweden vermissen?

Ja natürlich. Ich hätte mich gefreut, wenn er noch ein Jahr hier gespielt hätte. Seine Leistungswerte sind gut, er ist fit. Er hätte sicher noch ein Jahr spielen können. Ich akzeptiere, dass die sportlich Verantwortlichen eine andere Entscheidung getroffen haben. Ganz klar. Aber als Fan finde ich es schade, und ich hätte es anders entschieden, ihn in Minden gehalten auch mit einer Perspektive über die Zeit als Spieler hinaus. Aber das zu entscheiden, ist nicht meine Rolle und ich habe mich rausgehalten.

Um die Trennung von Doder hat es viel Wirbel gegeben.

Stimmt. Wenn es einen solch herausragenden Sympathieträger und Sportler gibt, der so lange hier gespielt hat und mit dem Team zweimal ab- und wieder aufgestiegen ist, dann kann das anders ablaufen. Die Trennung ist nicht gut rübergekommen. Die Art und Weise der Kommunikation der Trennung hätte gegenüber dem Spieler, den Gesellschaftern und auch den Fans professioneller gestaltet werden müssen.

GWD wird im Jahr 2024 einhundert Jahre alt. Wo soll der Klub in fünf Jahren zum Jubiläum stehen?

Es hat im Gesellschafterkreis zuletzt eine neue Zielfestlegung gegeben, da heißt es, man wolle irgendwann um Platz fünf mitspielen. Es entstand ein wenig Konfusion, denn bisher war das Platz acht bis zwölf und ein absehbarer Klassenerhalt bis Ende des Jahres, damit frühzeitig eine vernünftige Kaderplanung betrieben werden kann. Horst Bredemeier konnte immer erst spät planen, das hat die Dinge erschwert. Heute ist vieles leichter geworden. Mit Frank Carstens haben wir uns ganz bewusst für einen Trainer entschieden, der die Jugend fördert. Er geht zum Training, guckt sich die jungen Spieler an, trainiert mit ihnen und bindet sie ein. Wie weit das noch möglich ist, wenn wir eine Platzierung wie Rang fünf als neues Ziel vorgeben, ist fraglich. Ich hoffe jedenfalls, dass der Verein zum 100-jährigen Jubiläum 2024 genauso gut dasteht wie heute: Wirtschaftlich gesund und sportlich sicher in der ersten Liga.

Über die künftige Ausrichtung des Klubs wurde zuletzt im Kreis der GWD-Gesellschafter kontrovers diskutiert. Welche Richtung sehen sie für GWD?

Auf jeden Fall können wir sagen, dass die Ära von Horst Bredemeier als Chef des Bundesligahandballs bei GWD zu Ende ist. Wir haben diese Zeit abgeschlossen mit der Entschuldung und mit einer wirtschaftlichen Konsolidierung. Wir haben heute eine Mannschaft, die stabil in der ersten Liga spielt. Es ist schön, wenn nach 95 Jahren GWD ein derartiges Fazit gezogen werden kann. Doch nun hat eine neue Ära begonnen. Diese neue Ära ist in den vergangenen zwei Jahren eine Zeit der Neufindung gewesen. Es gibt neue Diskussionen, auch über die Ausrichtung. Braucht GWD beispielsweise zwei Geschäftsführer oder einen? Wird das Geld in Infrastruktur investiert oder in die Mannschaft? Will GWD Ablösesummen zahlen, was wir früher nie getan haben? Wir akzeptieren als Hauptsponsor, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Wir diskutieren das offen und werden auch die Entscheidung der Gesamtheit der Gesellschafter sportlich annehmen – egal, für welchen Weg sich entschieden wird.

Die letzten Aussagen lassen anklingen, dass man bei Har-ting darüber nachdenkt, unter Umständen genügend Heimatpflege und Standortförderung bei GWD betrieben zu haben.

Das wird sich klären. Die Jugendförderung beim Stammverein ist jedenfalls von allem unberührt.

Bleiben wir bei der Zukunft: Braucht der Mühlenkreis eine Multihalle?

Vor drei Jahren lief das Projekt so richtig an. Die Federführung lag klar beim Mindener Bürgermeister Michael Jäcke. Ursprünglich war mal angedacht worden, zwischen Stadt, Kreis und der Wirtschaft eine Drittellösung bei der Finanzierung zu finden. Die Debatte ist dann vor ungefähr einem Jahr ins Leere gelaufen, weil keine zufrieden stellende Lösung gefunden werden konnte. Weder für die Finanzierung einer Multihalle noch für den Betrieb. Wir haben uns das ziemlich genau angeschaut und klar festgestellt: So eine Halle kann keinen Gewinn erwirtschaften. Für den Betrieb muss zugeschossen werden. Da stellt sich dann die berechtigte Frage: Wieviel ist das einem Bürgermeister oder einer Stadt dann wert, dort zu investieren? Bekanntermaßen gibt es im Kreistag viel Gegenwind. Ich denke aber, dass auch der Kreis in der Pflicht steht: Das, was der Kreis in die Kampa-Halle stecken muss – heute und in Zukunft – kann er auch mit einem kleinen Zuschlag in eine neue Halle stecken. Dann haben Minden und die Region ein neues Aushängeschild. In dieser Halle könnten jährlich mehr als 100 Veranstaltungen laufen. 17 Sportveranstaltungen, der größte Teil wären Konzerte und andere kulturelle Angebote. Die Halle würde die Möglichkeit schaffen, Großveranstaltungen auszurichten. All dies wäre für die Attraktivität der Region unheimlich wichtig.

Braucht GWD eine Multihalle?

Aus der Perspektive von GWD ist zu betrachten: es gibt nach jedem Spiel eine Betriebsabrechnung. Ein Kriterium sollte auf jeden Fall sein, dass auch in der Zukunft in einer neuen Halle nicht weniger in der Kasse bleiben darf als heute. Sonst wäre das für GWD kein gutes Geschäft. Natürlich steigen Attraktivität und Einnahmen, aber auch die Ausgaben werden höher sein.

Welche Perspektive sehen Sie für eine solche Arena im Mühlenkreis?

Wir haben gesagt, dass wir uns mit einem hohen Einmalbetrag an dieser Halle beteiligen werden, um die Finanzierung zu gewährleisten. An einem jährlichen Beitrag oder Kostenzuschuss waren wir nie interessiert. Wir haben die Pflicht, ein solches Risiko von unserem Unternehmen nehmen. Wenn es wirtschaftlich mal nicht so laufen sollte, dann wollen wir unsere Flexibilität erhalten und nicht zu einem jährlichen Zuschuss von mehreren hunderttausend Euro für eine Multihalle verpflichtet sein, um dort eine Unterdeckung auszugleichen. Bei den Betriebskosten sehe ich im Moment keine Lösung und insofern sehe ich die Realisierung einer Multihalle als eher unwahrscheinlich an. Die Gespräche sind seit einem Jahr nicht weitergegangen. Ich habe jedenfalls lange nichts Konkretes mehr von dem Projekt gehört.

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EspelkampMT-Interview: Warum Philip Harting sein GWD-Sponsoring überdenktMarcus RiechmannEspelkamp (mt). Seit rund 15 Jahren unterstützen die Familie Harting und die Harting-Technologiegruppe aus Espelkamp den heimischen Handball-Bundesligisten GWD Minden sowie die Nachwuchsarbeit beim Stammverein TSV GWD Minden. Mit großzügiger Förderung wurden Spielverpflichtungen wie die con Christoffer Rambo möglich, der Bau eines Handballinternats steht bevor. Wieviel Geld bisher geflossen ist, sagt Philip Harting nicht. Der Harting-Vorstandschef spricht jedoch von einer „ordentlichen Summe". Im MT-Interview spricht der 44-Jährige über seine Vorstellungen von Sponsoring, die Trennung von Dalibor Doder und über Nutzen und Wahrscheinlichkeit einer neuen Multihalle in Minden. Vor allem aber deutet Philip Harting an – und das dürfte bei GWD die Alarmglocken läuten lassen –, dass das Engagement des Technologie-Unternehmens durchaus endlich ist. Sie fördern GWD Minden, werben bei den Nationalteams, waren bei der WM präsent. Im Handball liegt ein Schwerpunkt Ihrer Aktivitäten im Sportmarketing. Warum? Die Frage ist ganz einfach zu beantworten. Das Unternehmen Harting hat seinen Ursprung in Minden. Mein Großvater hat damals schon Grün-Weiß Dankersen unterstützt. Bei Auswärtsspielen hat er einen Wagen mit Fahrer zur Verfügung gestellt. Anfang der 50er Jahre siedelte das Unternehmen nach Espelkamp um, weil es in Minden keine Erweiterungsmöglichkeiten für das Unternehmen gab. Erst Anfang 2000 ging es nach Minden zurück und wir haben am Simeonsplatz gebaut, ungefähr dort, wo mein Großvater das Unternehmen gegründet hat. Im so genannten Botta-Bau hat der Deutschland-Vertrieb, den wir damals als Gesellschaft ausgegliedert haben, nun seine Zentrale. Die Beziehung nach Minden und zu GWD war immer da. Mein Vater hat in Dankersen an den Eisenbahnschienen nach Hannover gelebt. Im letzten Jahr ist er zur goldenen Konfirmation mal wieder im alten Haus gewesen, und hat sich dort mit dem ehemaligen GWD-Teamarzt Charles Sander und ein paar anderen Leuten getroffen. Mein Vater hat die Feldhandballzeiten noch erlebt und auch mitgespielt. Er ist mit Handball aufgewachsen. 2003 oder 2004 ist der Kontakt neu entstanden. Neue Dynamik entfaltete sich, als Horst Bredemeier zu uns kam und das Thema Jugendarbeit mitbrachte. Er ist dann mit sehr viel mehr rausgegangen, als er sich vorgestellt hatte, nämlich mit einem neuen Hauptsponsor. Das ist die Geschichte. Reicht das allein als Begründung für eine langjährige und vor allen intensive Förderung von GWD Minden? Dafür gibt es drei Gründe. Erstens: Es gibt eine Affinität aufgrund der Heimatverbundenheit, aufgrund unserer Wurzeln. Zweitens: Ostwestfalen ist eine Handballregion. TBV Lemgo, TuS N-Lübbecke, GWD Minden – hier ist eine Keimzelle des Handballs, das macht die Region auch aus. Hier wird Handball gelebt. Es liegt uns am Herzen – als Unternehmen und auch als Familie – Sport und Kultur lokal zu unterstützen und damit die Region zu fördern. Hier am Stammwerk beschäftigen wir knapp die Hälfte unserer weltweit mehr als 5.000 Mitarbeitenden. Für die wollen wir die Region fördern, lebenswertes Umfeld schaffen, in dem Familien gerne leben. Der dritte Grund ist der Bezug zu Horst Bredemeier. Er ist einfach eine Marke. Mit seiner Begeisterung, mit seinen Ideen für den Verein hat er damals meinen Vater überzeugt. Und so ist unser Engagement auch als eine Investition in die Visionen von Horst Bredemeier zu verstehen. Gemeinsam haben wir den Verein entschuldet und in der ersten Liga etabliert. Wir können über die vergangenen 15 Jahre eine gute Bilanz ziehen. Wir haben in dieser Ära etwas erreicht. Von GWD ausgehend haben Sie das Handballmarketing auf die Nationalmannschaften, auf Länderspiele und die Weltmeisterschaft erweitert. Welches Ziel verbinden Sie damit? Wir sind im B2B-Geschäft unterwegs und nicht im B2C. Da ist die Förderung der Bekanntheit der Marke Harting über die Nationalmannschaft, über die Sporthilfe oder wie zuletzt bei der WM natürlich effektiver als das Engagement bei GWD. Wir haben ein nachhaltiges Konzept entwickelt, immer ansetzend bei der Jugendförderung. Das machen wir bei GWD und ebenso beim DHB, wo alle männlichen Junioren-Teams mit dem Harting-Logo auf der Hose auflaufen. Und das machen wir auch bei unseren Auszubildenden. Das ist die Basis für unseren Erfolg. Wenn wir den Standort hier erfolgreich entwickeln wollen, benötigen wir guten Nachwuchs. Alle Unternehmen kämpfen um Nachwuchs. So ist es im Handball auch. Das war die Idee, die wir damals mit Horst Bredemeier entwickelt haben. Wir können die Spieler nicht alle kaufen, wir müssen sie hier entwickeln. Diese Durchgängigkeit entspricht unserer Unternehmensphilosophie. Dass wir mit Marian Michalczik bei GWD einen Spieler haben, der bei der Nationalmannschaft anklopft, passt ins Bild. Harting verbindet Ausbildung und Erfolg. Wo sind Sie noch im Sport als Sponsor tätig? Wir unterstützen den FC Preußen Espelkamp, wir haben hier in Espelkamp ein Sportzentrum erstellt, das sich sehen lassen kann. Wir haben die Leichtathleten unterstützt und das Pürsten-Stadion renoviert. Wir unterstützen als Technologie-Partner die Gerry-Weber-Open, die Rahden Baskets, den Freeway-Cup in Lübbecke mit den jungen Fußball-Stars von morgen, und manches mehr. Ein sehr beachtenswertes Projekt ist der Fußballklub FC Preußen Espelkamp. Wo soll dort die Reise hingehen? Es gibt hier mit Gauselmann und Harting zwei große Unternehmen, die sehr viel für den Verein und die Region tun. Wir stehen jedoch für die Jugendförderung und haben zudem in die Plätze und Infrastruktur investiert. Rödinghausen mit Häcker als Förderer und dem Stadion, ist ein bisschen Vorbild. Die wollen hoch in die 3. Liga. Auch beim FC Preußen ist von ähnlich großen Plänen zu hören. Das mag ein Weg sein, aber das ist nicht unser Weg. Wir stehen für die Jugendarbeit. Danach machen wir einen Schnitt und sagen: Das ist es dann auch. Bei GWD fördern Sie sowohl Jugend als auch die Profis. Ja, und das ist für uns von Anfang an ein Thema gewesen. Es ging bei GWD in den letzten zehn, 15 Jahren oft rauf und runter. Zweimal Abstieg, zweimal Aufstieg. Horst Bredemeier hat sich einiges angetan. Vor vier Jahren, nach dem bitteren Abstieg, als uns der HSV Hamburg betrogen hat, hat uns das in der Entwicklung um zwei Jahre zurückgeworfen. Wir mussten vieles neu aufbauen, weil Spieler wie Jens Vortmann, Yves Kunkel oder Christoph Steinert damals gegangen sind. Wir haben damals sehr offen geredet. GWD sollte keine Fahrstuhlmannschaft sein und wir haben deshalb vorgeschlagen, lasst uns lieber zweite Liga spielen, als finanziell ein zu großes Risiko einzugehen. Aber das wollten die anderen Gesellschafter nicht. Und jetzt sind wir ja auch in der ersten Liga etabliert. Aber unser Hauptaugenmerk lag immer auf der Jugendarbeit, das hat für uns als Unternehmen Priorität – sowohl beim Handball in Minden als auch beim Fußball hier in Espelkamp. Der große Schritt nach vorn, Platz fünf für GWD, das ist nicht unser Bestreben. Dazu sind noch ein paar Millionen Euro zu investieren. Wichtig ist es, realistisch zu bleiben. Es gilt vorsichtig zu sein und sich auch auf wirtschaftlich schwierige Zeiten einzustellen. Wir wollen nachhaltig wirtschaften und nicht unkalkulierbare Risiken eingehen. Muss man als Sponsor auch ein bisschen Fan sein? Ja natürlich. Das ist Heimat. Daran hängt auch persönliches Herzblut. Ich habe früher Fußball beim FC Preußen gespielt, Handball beim HV Espelkamp und Tennis nebenan im Klub. Das sind auch meine Wurzeln. Ich habe viele Kontakte knüpfen können. Es sind reiche Beziehungen entstanden. So schlagen deshalb mehrere Herzen in meiner Brust. Wie weit sind die Pläne, mit GWD im Umfeld des Mindener Besselgymnasiums als Sportschule NRW ein Internat zu errichten? Die Pläne sind weit fortgeschritten, die Umsetzung läuft an. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es zügig weitergeht. Wir wollen zehn bis zwölf Plätze anbieten, um Handballtalente zu fördern. Das ist ein großer Schritt in der Professionalisierung der Jugendarbeit. Wird das ein Harting-Internat mit GWD als Mieter? Lassen Sie es mich so sagen: Wir nehmen dem Verein das Risiko. Allein könnte GWD das Projekt nicht stemmen. Die konkrete Ausgestaltung ist noch offen, aber der Hauptverein TSV GWD Minden wird das Internat betreiben. Sie investieren viel in GWD Minden. Welche Gegenleistung erwartet man als Sponsor von GWD Minden? Erwartet man überhaupt eine Gegenleistung? Ursprünglich war da nicht viel. Wir hatten keinen Anspruch. Es war einfach so, dass Horst Bredemeier Hilfe brauchte. Wenn sich im Verlauf der Saison ein Spieler langfristig verletzt hatte, stellte sich die Frage: Wie kann diese Lücke gedeckt werden? Da gab es nicht so viele Unterstützer, die hätten helfen können. Am Anfang war das Engagement meines Vaters eher privater Natur. Erst später ist das Unternehmen Harting sichtbar mit dem Logo eingestiegen. Wenn ein Unternehmen als Sponsor tätig ist, dann gibt es auch Gegenleistungen wie Logo auf dem Trikot, Bandenwerbung und mehr. Da erwarten wir eine professionelle Präsentationsfläche. Für die Pool-Mitglieder hat das Sponsoring eine weitergehende Bedeutung. Da spielen der geschäftliche Austausch auf der Plattform GWD und das Networking eine wichtige Rolle. Wie wichtig ist Ihnen der persönliche Austausch mit anderen GWD-Freunden? Ich finde das sehr sinnvoll und hilfreich. Es funktioniert im Pool. Ich möchte allen danken, die an der Organisation des Pools beteiligt sind und waren. Der Pool ist ein ganz wichtiger Baustein für die Finanzierung von GWD. Und es geht nicht nur ums Finanzielle. Man trifft sich, spricht über Handball. Trainer, Manager und Spieler lassen sich blicken. Dieser regelmäßige Austausch auf dieser Plattform auch über andere Dinge hat eine gesellschaftliche Relevanz. Es gibt viele Menschen, die sich ehrenamtlich rund um GWD einbringen, um das alles am Laufen zu halten. So sind es beim GWD-Pool zum Beispiel Gerd Buddenbohm, Günter Gieseking oder Stephanie Richtzenhain, um nur ein paar zu nennen. Im Pool lebt ein Teil dessen, was man wohl GWD-Familie nennen darf. Diese familiäre Tradition zu pflegen, ist immens wichtig. Sie haben GWD in der Vergangenheit umfangreich und vielfältig unterstützt. Sehen Sie sich als Familie Harting in der Rolle eines Mäzens? Eine Abhängigkeit des Vereins von einem Mäzen wollten wir nicht. Dafür stehen wir nicht als Unternehmen. Die Größenordnung, in der wir uns als Einzelsponsor eingebracht haben, war schon erheblich. Aber nicht in der Größe, dass es als Mäzenatentum gelten könnte. GWD ist breit aufgestellt – und das ist auch gut so. Quasi seit Sie persönlich GWD als Sponsor begleiten, spielt Dalibor Doder in grün und weiß. Werden Sie den Schweden vermissen? Ja natürlich. Ich hätte mich gefreut, wenn er noch ein Jahr hier gespielt hätte. Seine Leistungswerte sind gut, er ist fit. Er hätte sicher noch ein Jahr spielen können. Ich akzeptiere, dass die sportlich Verantwortlichen eine andere Entscheidung getroffen haben. Ganz klar. Aber als Fan finde ich es schade, und ich hätte es anders entschieden, ihn in Minden gehalten auch mit einer Perspektive über die Zeit als Spieler hinaus. Aber das zu entscheiden, ist nicht meine Rolle und ich habe mich rausgehalten. Um die Trennung von Doder hat es viel Wirbel gegeben. Stimmt. Wenn es einen solch herausragenden Sympathieträger und Sportler gibt, der so lange hier gespielt hat und mit dem Team zweimal ab- und wieder aufgestiegen ist, dann kann das anders ablaufen. Die Trennung ist nicht gut rübergekommen. Die Art und Weise der Kommunikation der Trennung hätte gegenüber dem Spieler, den Gesellschaftern und auch den Fans professioneller gestaltet werden müssen. GWD wird im Jahr 2024 einhundert Jahre alt. Wo soll der Klub in fünf Jahren zum Jubiläum stehen? Es hat im Gesellschafterkreis zuletzt eine neue Zielfestlegung gegeben, da heißt es, man wolle irgendwann um Platz fünf mitspielen. Es entstand ein wenig Konfusion, denn bisher war das Platz acht bis zwölf und ein absehbarer Klassenerhalt bis Ende des Jahres, damit frühzeitig eine vernünftige Kaderplanung betrieben werden kann. Horst Bredemeier konnte immer erst spät planen, das hat die Dinge erschwert. Heute ist vieles leichter geworden. Mit Frank Carstens haben wir uns ganz bewusst für einen Trainer entschieden, der die Jugend fördert. Er geht zum Training, guckt sich die jungen Spieler an, trainiert mit ihnen und bindet sie ein. Wie weit das noch möglich ist, wenn wir eine Platzierung wie Rang fünf als neues Ziel vorgeben, ist fraglich. Ich hoffe jedenfalls, dass der Verein zum 100-jährigen Jubiläum 2024 genauso gut dasteht wie heute: Wirtschaftlich gesund und sportlich sicher in der ersten Liga. Über die künftige Ausrichtung des Klubs wurde zuletzt im Kreis der GWD-Gesellschafter kontrovers diskutiert. Welche Richtung sehen sie für GWD? Auf jeden Fall können wir sagen, dass die Ära von Horst Bredemeier als Chef des Bundesligahandballs bei GWD zu Ende ist. Wir haben diese Zeit abgeschlossen mit der Entschuldung und mit einer wirtschaftlichen Konsolidierung. Wir haben heute eine Mannschaft, die stabil in der ersten Liga spielt. Es ist schön, wenn nach 95 Jahren GWD ein derartiges Fazit gezogen werden kann. Doch nun hat eine neue Ära begonnen. Diese neue Ära ist in den vergangenen zwei Jahren eine Zeit der Neufindung gewesen. Es gibt neue Diskussionen, auch über die Ausrichtung. Braucht GWD beispielsweise zwei Geschäftsführer oder einen? Wird das Geld in Infrastruktur investiert oder in die Mannschaft? Will GWD Ablösesummen zahlen, was wir früher nie getan haben? Wir akzeptieren als Hauptsponsor, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Wir diskutieren das offen und werden auch die Entscheidung der Gesamtheit der Gesellschafter sportlich annehmen – egal, für welchen Weg sich entschieden wird. Die letzten Aussagen lassen anklingen, dass man bei Har-ting darüber nachdenkt, unter Umständen genügend Heimatpflege und Standortförderung bei GWD betrieben zu haben. Das wird sich klären. Die Jugendförderung beim Stammverein ist jedenfalls von allem unberührt. Bleiben wir bei der Zukunft: Braucht der Mühlenkreis eine Multihalle? Vor drei Jahren lief das Projekt so richtig an. Die Federführung lag klar beim Mindener Bürgermeister Michael Jäcke. Ursprünglich war mal angedacht worden, zwischen Stadt, Kreis und der Wirtschaft eine Drittellösung bei der Finanzierung zu finden. Die Debatte ist dann vor ungefähr einem Jahr ins Leere gelaufen, weil keine zufrieden stellende Lösung gefunden werden konnte. Weder für die Finanzierung einer Multihalle noch für den Betrieb. Wir haben uns das ziemlich genau angeschaut und klar festgestellt: So eine Halle kann keinen Gewinn erwirtschaften. Für den Betrieb muss zugeschossen werden. Da stellt sich dann die berechtigte Frage: Wieviel ist das einem Bürgermeister oder einer Stadt dann wert, dort zu investieren? Bekanntermaßen gibt es im Kreistag viel Gegenwind. Ich denke aber, dass auch der Kreis in der Pflicht steht: Das, was der Kreis in die Kampa-Halle stecken muss – heute und in Zukunft – kann er auch mit einem kleinen Zuschlag in eine neue Halle stecken. Dann haben Minden und die Region ein neues Aushängeschild. In dieser Halle könnten jährlich mehr als 100 Veranstaltungen laufen. 17 Sportveranstaltungen, der größte Teil wären Konzerte und andere kulturelle Angebote. Die Halle würde die Möglichkeit schaffen, Großveranstaltungen auszurichten. All dies wäre für die Attraktivität der Region unheimlich wichtig. Braucht GWD eine Multihalle? Aus der Perspektive von GWD ist zu betrachten: es gibt nach jedem Spiel eine Betriebsabrechnung. Ein Kriterium sollte auf jeden Fall sein, dass auch in der Zukunft in einer neuen Halle nicht weniger in der Kasse bleiben darf als heute. Sonst wäre das für GWD kein gutes Geschäft. Natürlich steigen Attraktivität und Einnahmen, aber auch die Ausgaben werden höher sein. Welche Perspektive sehen Sie für eine solche Arena im Mühlenkreis? Wir haben gesagt, dass wir uns mit einem hohen Einmalbetrag an dieser Halle beteiligen werden, um die Finanzierung zu gewährleisten. An einem jährlichen Beitrag oder Kostenzuschuss waren wir nie interessiert. Wir haben die Pflicht, ein solches Risiko von unserem Unternehmen nehmen. Wenn es wirtschaftlich mal nicht so laufen sollte, dann wollen wir unsere Flexibilität erhalten und nicht zu einem jährlichen Zuschuss von mehreren hunderttausend Euro für eine Multihalle verpflichtet sein, um dort eine Unterdeckung auszugleichen. Bei den Betriebskosten sehe ich im Moment keine Lösung und insofern sehe ich die Realisierung einer Multihalle als eher unwahrscheinlich an. Die Gespräche sind seit einem Jahr nicht weitergegangen. Ich habe jedenfalls lange nichts Konkretes mehr von dem Projekt gehört.