Minden

Starkes Spiel gegen die Füchse Berlin - Doch der Frust überwiegt bei GWD

Jörg Wehling

Seine Enttäuschung verbirgt hier GWD Mindens Haupttorschütze Kevin Gulliksen nach der unglücklichen Heimniederlage. Foto: Noah Wedel - © Noah Wedel
Seine Enttäuschung verbirgt hier GWD Mindens Haupttorschütze Kevin Gulliksen nach der unglücklichen Heimniederlage. Foto: Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Es war wohl das Bild des gestrigen Nachmittags. Kevin Gulliksen, mit neun Toren Haupttorschütze des Handball-Bundesligisten GWD Minden, verbarg seine Enttäuschung in seinem Trikot. Dann trottete er gemeinsam mit Linksaußen Luka Zvizej enttäuscht in Richtung Kabine. Ein bärenstarkes Spiel hatte der Norweger in Diensten der Mindener abgeliefert – ebenso wie seine Mitspieler. Und dennoch reichte es trotz einer fast perfekten Vorstellung vor 3.800 Zuschauern in der ausverkauften Mindener Kampa-Halle nicht zu einem Erfolg. Mit 27:28 (14:12) verloren die Grün-Weißen gegen die Füchse Berlin, die in Silvio Heinevetter den entscheidenden Mann zwischen den Pfosten hatten. Der Routinier im Füchse-Tor verbaute den Gastgebern damit den sehnlichen Saison-Wunsch, endlich auch einmal gegen ein Topteam der Bundesliga einen Sieg zu holen.

Heinevetter wehrte vier Sekunden vor Schluss den finalen Wurf von Dalibor Doder ab und ließ sich dafür zu Recht feiern. „Bei ihm können wir uns in erste Linie bedanken, dass es für uns gereicht hat“, sagte Berlins Trainer Petkovic und holte nur einmal kurz Luft, um die Leistung des Mindener anzuerkennen. „Sie haben uns alles abverlangt. Es war noch nie so schwer für uns, hier in Minden zu gewinnen“, lobte Petkovic.

Das Kompliment nahm GWD-Trainer Frank Carstens nur zögerlich an und dozierte ein wenig darüber, dass das Wort Glück normalerweise nicht in das Vokabular eines Trainer gehören würde. Gestern machte Carstens da allerdings eine Ausnahme. „Diese Niederlage tut uns unendlich weh, weil die Jungs über 60 Minuten fast alles richtig gemacht haben. Die Abwehrleistung und auch die Offensivqualität haben gepasst“, empfand der GWD-Trainer ebenfalls sichtbar große Enttäuschung.

Glückliche Ballgewinne ermöglichten den Berlinern ausgerechnet in der finalen Phase den Sieg. Etwa Jacob Holms Tore zum 26:25 und 27:25 (58.) die eher der Kategorie Zufallsprodukte zuzuordnen waren. Und insbesondere der Treffer von Paul Drux zum 25:24 ärgerte Carstens sehr, weil der Angriff da von der starken GWD-Deckung eigentlich schon geklärt war. „Solche Tore sind bitter, weil wir da eigentlich das Momentum auf unserer Seite hatten und mit dem nächsten Angriff in Führung gehen wollten.“

In Führung lagen die Gastgeber so nur zur Pause mit 14:12. Und das lag daran, dass Andreas Cederholm sowohl in der Abwehr als auch im Angriff sehr gut funktionierte. „Was hilft es mir aber, wenn ich ein gutes Spiel mache, wir aber nach so einem tollen Spiel mit leeren Händen dastehen“, sagte der Schwede. Ein echter Faktor war auch in diesem Spiel Nachwuchstorwart Leon Grabenstein, der keine Angst vor großen Namen hatte, und ab der 13. Minute mit scheinbar stoischer Gelassenheit ein absoluter Rückhalt war. Ab dem 5:6-Anschlusstor durch Magnus Gullerud erkämpften sich die Grün-Weißen einen knappen Vorsprung, der beim 13:11 durch Miljan Pusica erstmals zwei Treffer betrug. Mit stehenden Ovationen verabschiedete das Mindener Publikum aber das GWD-Team in die Pause, weil Savvas Savvas mit einem Heber über Heinevetter hinweg zum 14:12 traf.

Im zweiten Durchgang lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch, den die Gäste mit vier Treffern in Folge zum 16:14 eröffneten, die Mindener aber mit dem 18:17 (40.) und später mit dem 23:22 durch Marian Michalczik ebenso cool beantworten. Anschließend hatte Christoffer Rambo, der kurzzeitig in der Deckung eingesetzt wurde, seinen bitteren offensiven Schlüsselmoment. Denn frei am Kreis scheiterte er an Heinevetter und verpasste so das 24:22. Stattdessen schoben sich die Füchse, die am Donnerstag noch beim Bergischen HC verloren, wieder vorbei und verteidigten den 26:24-Vorsprung mit Glück und Heinevetter bis zur allerletzten Sekunde.

Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 174 oder Joerg.Wehling@MT.de

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MindenStarkes Spiel gegen die Füchse Berlin - Doch der Frust überwiegt bei GWDJörg WehlingMinden (mt). Es war wohl das Bild des gestrigen Nachmittags. Kevin Gulliksen, mit neun Toren Haupttorschütze des Handball-Bundesligisten GWD Minden, verbarg seine Enttäuschung in seinem Trikot. Dann trottete er gemeinsam mit Linksaußen Luka Zvizej enttäuscht in Richtung Kabine. Ein bärenstarkes Spiel hatte der Norweger in Diensten der Mindener abgeliefert – ebenso wie seine Mitspieler. Und dennoch reichte es trotz einer fast perfekten Vorstellung vor 3.800 Zuschauern in der ausverkauften Mindener Kampa-Halle nicht zu einem Erfolg. Mit 27:28 (14:12) verloren die Grün-Weißen gegen die Füchse Berlin, die in Silvio Heinevetter den entscheidenden Mann zwischen den Pfosten hatten. Der Routinier im Füchse-Tor verbaute den Gastgebern damit den sehnlichen Saison-Wunsch, endlich auch einmal gegen ein Topteam der Bundesliga einen Sieg zu holen. Heinevetter wehrte vier Sekunden vor Schluss den finalen Wurf von Dalibor Doder ab und ließ sich dafür zu Recht feiern. „Bei ihm können wir uns in erste Linie bedanken, dass es für uns gereicht hat“, sagte Berlins Trainer Petkovic und holte nur einmal kurz Luft, um die Leistung des Mindener anzuerkennen. „Sie haben uns alles abverlangt. Es war noch nie so schwer für uns, hier in Minden zu gewinnen“, lobte Petkovic. Das Kompliment nahm GWD-Trainer Frank Carstens nur zögerlich an und dozierte ein wenig darüber, dass das Wort Glück normalerweise nicht in das Vokabular eines Trainer gehören würde. Gestern machte Carstens da allerdings eine Ausnahme. „Diese Niederlage tut uns unendlich weh, weil die Jungs über 60 Minuten fast alles richtig gemacht haben. Die Abwehrleistung und auch die Offensivqualität haben gepasst“, empfand der GWD-Trainer ebenfalls sichtbar große Enttäuschung. Glückliche Ballgewinne ermöglichten den Berlinern ausgerechnet in der finalen Phase den Sieg. Etwa Jacob Holms Tore zum 26:25 und 27:25 (58.) die eher der Kategorie Zufallsprodukte zuzuordnen waren. Und insbesondere der Treffer von Paul Drux zum 25:24 ärgerte Carstens sehr, weil der Angriff da von der starken GWD-Deckung eigentlich schon geklärt war. „Solche Tore sind bitter, weil wir da eigentlich das Momentum auf unserer Seite hatten und mit dem nächsten Angriff in Führung gehen wollten.“ In Führung lagen die Gastgeber so nur zur Pause mit 14:12. Und das lag daran, dass Andreas Cederholm sowohl in der Abwehr als auch im Angriff sehr gut funktionierte. „Was hilft es mir aber, wenn ich ein gutes Spiel mache, wir aber nach so einem tollen Spiel mit leeren Händen dastehen“, sagte der Schwede. Ein echter Faktor war auch in diesem Spiel Nachwuchstorwart Leon Grabenstein, der keine Angst vor großen Namen hatte, und ab der 13. Minute mit scheinbar stoischer Gelassenheit ein absoluter Rückhalt war. Ab dem 5:6-Anschlusstor durch Magnus Gullerud erkämpften sich die Grün-Weißen einen knappen Vorsprung, der beim 13:11 durch Miljan Pusica erstmals zwei Treffer betrug. Mit stehenden Ovationen verabschiedete das Mindener Publikum aber das GWD-Team in die Pause, weil Savvas Savvas mit einem Heber über Heinevetter hinweg zum 14:12 traf. Im zweiten Durchgang lieferten sich beide Mannschaften einen offenen Schlagabtausch, den die Gäste mit vier Treffern in Folge zum 16:14 eröffneten, die Mindener aber mit dem 18:17 (40.) und später mit dem 23:22 durch Marian Michalczik ebenso cool beantworten. Anschließend hatte Christoffer Rambo, der kurzzeitig in der Deckung eingesetzt wurde, seinen bitteren offensiven Schlüsselmoment. Denn frei am Kreis scheiterte er an Heinevetter und verpasste so das 24:22. Stattdessen schoben sich die Füchse, die am Donnerstag noch beim Bergischen HC verloren, wieder vorbei und verteidigten den 26:24-Vorsprung mit Glück und Heinevetter bis zur allerletzten Sekunde. Der Autor ist erreichbar unter (0571) 882 174 oder Joerg.Wehling@MT.de