Minden

Neue Jahresverträge für GWD-Geschäftsführer Kalusche und von Behren eine Entscheidung auf Zeit

Marcus Riechmann

Minden (mt). Die meisten Fragen rund um das spielende Personal sind längst beantwortet. Nun hat man beim Flaggschiff des heimischen Handballsports auch die Besetzung auf der Kommandobrücke geklärt. Markus Kalusche und Frank von Behren werden GWD Minden auch in der kommenden Saison durch die Handball-Bundesliga steuern. Die im Sommer auslaufenden Verträge der beiden Männer wurden um eine Saison bis zum 30. Juni 2020 verlängert. Das Geschäftsführer-Duo an der Spitze, das 2017 auf Horst Bredemeier folgte, geht damit in ein drittes gemeinsames Jahr.

Wohin soll der Weg gehen? Beim Handball-Bundesligisten GWD Minden sucht man in den kommenden Monaten nach Lösungen in Grundsatzfragen. Fotos: MT-Archiv
Wohin soll der Weg gehen? Beim Handball-Bundesligisten GWD Minden sucht man in den kommenden Monaten nach Lösungen in Grundsatzfragen. Fotos: MT-Archiv

Diese lange erwartete Entscheidung der Spielbetriebs-GmbH des Handball-Bundesligisten gaben gestern Jürgen Riechmann und Horst Bredemeier als zwei der insgesamt sieben Gesellschafter der GmbH bekannt. „Das war ein hartes Stück Arbeit", kommentierte Riechmann den sich über Monate ziehenden Einigungsprozess innerhalb des zentralen GWD-Gremiums. Bereits im Zeitraum Oktober/November hatte man die Entscheidung treffen wollen, doch aus verschieden Gründen verzögerte sich der Dialog. „Man konnte die Entscheidung nicht erzwingen" berichtete der die Rolle des Moderators ausübende Riechmann und sprach von zahlreichen Einzelgesprächen: „Wir brauchten Zeit, um die Dinge auch mal Sacken zu lassen. Aber jetzt mussten wir die Situation klären und im Sinne aller Beteiligten Fakten schaffen."

Markus Kalusche
Markus Kalusche

Als Hauptursache für den monatelangen Verzug benennen Riechmann und Bredemeier „unterschiedliche Meinungsstränge" innerhalb der GmbH und divergierende Haltungen der Gesellschafter zur grundsätzlichen Ausrichtung des Bundesligisten. Ein Beispiel: Mehr Geld für die notwendige Professionalisierung der Strukturen? Oder mehr Mittel für den Kader, der sich seit zwei Jahren aus einem gleichbleibenden Personaletat speist? Dahinter steht die ebenfalls die Finanzen betreffenden Kernfrage: Will sich GWD auf Dauer zwei Geschäftsführer leisten?

Frank von Behren
Frank von Behren

In dieser zentralen Frage war bisher in der GmbH keine Einigung zu erzielen, daher plant man nun zweigleisig. Während man auf der einen Seite die beiden Geschäftsführer Kalusche (Finanzen) und von Behren (Sport) mit einem neuen Vertrag ausstattete, will man im Hintergrund die Grundsatzfragen angehen und perspektivisch die Weichen stellen. Die einjährige Weiterbeschäftigung der Geschäftsführer ist somit ein Spiel auf Zeit.

Riechmann sieht weder in dieser Ausgangslage noch in der Befristung der Verträge eine Problem: „Beide haben eine reelle Chance auf eine weitere Zeit bei GWD. Es wird letztlich vom Erfolg abhängen." Und zwar von der sportlichen wie auch von der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die beiden Geschäftsführer nehmen die Herausforderung an. „Ich freue mich natürlich über ein weiteres Jahr", sagt Frank von Behren. Der 42-Jährige betont: „Die Planungszeiträume reichen im Sport weiter als nur über eine Saison. Daher ist es wichtig, dass ich die Arbeit fortführen kann."

Ähnlich äußert sich Markus Kalusche: „Die Arbeit bei GWD Minden macht mir viel Spaß. In den vergangenen Jahren haben wir einiges bewegt und weiterentwickelt. Ich freue mich, dass ich diese Arbeit fortsetzen kann." Auch der 44-Jährige nimmt die Situation sportlich an: „Ich habe es offensichtlich in den ersten beiden Jahren nicht geschafft, alle Gesellschafter von meiner Arbeit zu überzeugen, aber ich bin zuversichtlich, dass mir das in meinem dritten Jahr gelingen wird."

Kommentar: Die Zukunft muss warten

Von Marcus Riechmann

Auch der dritte Vertrag für die beiden GWD-Geschäftsführer beschränkt sich auf eine einjährige Laufzeit. Vertrauen der Gesellschafter in ihre leitenden Angestellten sieht anders aus. Es wird Gründe geben, mit der Arbeit der beiden Bredemeier-Nachfolger zufrieden oder eben unzufrieden zu sein. Doch die Bewertung der Arbeit scheint bei der erneut kürzestmöglichen Befristung nur eine eine Nebenrolle zu spielen. Vielmehr gründen die Kurzlaufzeiten in Zerwürfnissen innerhalb der Gesellschafterrunde. Aus der internen Blockadesituation folgt nun ein weiterer Jahresvertrag für Frank von Behren und Markus Kalusche. Bereits deren Erstbestellung im Jahr 2017 entsprang einem Kompromiss. Seitdem ist man nicht wirklich weitergekommen.

Immerhin wissen von Behren und Kalusche nun, dass ihre Rolle auch die eines Platzhalters ist. Ihnen ist klar, dass sie gute Arbeit leisten müssen. Doch sie wissen eben auch, dass es nicht allein darauf ankommen wird.

Dieses weitere Überbrückungsjahr sollte man bei GWD Minden endlich nutzen, denn auf Dauer hemmt das Zeitspiel jede Entwicklung. In Ein-Jahres-Zyklen kann man zwar brauchbar verwalten, aber nur schwer perspektivisch arbeiten. Dessen sollten sich alle, die an der Zukunft von GWD interessiert sind, bewusst sein.

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MindenNeue Jahresverträge für GWD-Geschäftsführer Kalusche und von Behren eine Entscheidung auf ZeitMarcus RiechmannMinden (mt). Die meisten Fragen rund um das spielende Personal sind längst beantwortet. Nun hat man beim Flaggschiff des heimischen Handballsports auch die Besetzung auf der Kommandobrücke geklärt. Markus Kalusche und Frank von Behren werden GWD Minden auch in der kommenden Saison durch die Handball-Bundesliga steuern. Die im Sommer auslaufenden Verträge der beiden Männer wurden um eine Saison bis zum 30. Juni 2020 verlängert. Das Geschäftsführer-Duo an der Spitze, das 2017 auf Horst Bredemeier folgte, geht damit in ein drittes gemeinsames Jahr. Diese lange erwartete Entscheidung der Spielbetriebs-GmbH des Handball-Bundesligisten gaben gestern Jürgen Riechmann und Horst Bredemeier als zwei der insgesamt sieben Gesellschafter der GmbH bekannt. „Das war ein hartes Stück Arbeit", kommentierte Riechmann den sich über Monate ziehenden Einigungsprozess innerhalb des zentralen GWD-Gremiums. Bereits im Zeitraum Oktober/November hatte man die Entscheidung treffen wollen, doch aus verschieden Gründen verzögerte sich der Dialog. „Man konnte die Entscheidung nicht erzwingen" berichtete der die Rolle des Moderators ausübende Riechmann und sprach von zahlreichen Einzelgesprächen: „Wir brauchten Zeit, um die Dinge auch mal Sacken zu lassen. Aber jetzt mussten wir die Situation klären und im Sinne aller Beteiligten Fakten schaffen." Als Hauptursache für den monatelangen Verzug benennen Riechmann und Bredemeier „unterschiedliche Meinungsstränge" innerhalb der GmbH und divergierende Haltungen der Gesellschafter zur grundsätzlichen Ausrichtung des Bundesligisten. Ein Beispiel: Mehr Geld für die notwendige Professionalisierung der Strukturen? Oder mehr Mittel für den Kader, der sich seit zwei Jahren aus einem gleichbleibenden Personaletat speist? Dahinter steht die ebenfalls die Finanzen betreffenden Kernfrage: Will sich GWD auf Dauer zwei Geschäftsführer leisten? In dieser zentralen Frage war bisher in der GmbH keine Einigung zu erzielen, daher plant man nun zweigleisig. Während man auf der einen Seite die beiden Geschäftsführer Kalusche (Finanzen) und von Behren (Sport) mit einem neuen Vertrag ausstattete, will man im Hintergrund die Grundsatzfragen angehen und perspektivisch die Weichen stellen. Die einjährige Weiterbeschäftigung der Geschäftsführer ist somit ein Spiel auf Zeit. Riechmann sieht weder in dieser Ausgangslage noch in der Befristung der Verträge eine Problem: „Beide haben eine reelle Chance auf eine weitere Zeit bei GWD. Es wird letztlich vom Erfolg abhängen." Und zwar von der sportlichen wie auch von der wirtschaftlichen Entwicklung. Die beiden Geschäftsführer nehmen die Herausforderung an. „Ich freue mich natürlich über ein weiteres Jahr", sagt Frank von Behren. Der 42-Jährige betont: „Die Planungszeiträume reichen im Sport weiter als nur über eine Saison. Daher ist es wichtig, dass ich die Arbeit fortführen kann." Ähnlich äußert sich Markus Kalusche: „Die Arbeit bei GWD Minden macht mir viel Spaß. In den vergangenen Jahren haben wir einiges bewegt und weiterentwickelt. Ich freue mich, dass ich diese Arbeit fortsetzen kann." Auch der 44-Jährige nimmt die Situation sportlich an: „Ich habe es offensichtlich in den ersten beiden Jahren nicht geschafft, alle Gesellschafter von meiner Arbeit zu überzeugen, aber ich bin zuversichtlich, dass mir das in meinem dritten Jahr gelingen wird." Kommentar: Die Zukunft muss warten Von Marcus Riechmann Auch der dritte Vertrag für die beiden GWD-Geschäftsführer beschränkt sich auf eine einjährige Laufzeit. Vertrauen der Gesellschafter in ihre leitenden Angestellten sieht anders aus. Es wird Gründe geben, mit der Arbeit der beiden Bredemeier-Nachfolger zufrieden oder eben unzufrieden zu sein. Doch die Bewertung der Arbeit scheint bei der erneut kürzestmöglichen Befristung nur eine eine Nebenrolle zu spielen. Vielmehr gründen die Kurzlaufzeiten in Zerwürfnissen innerhalb der Gesellschafterrunde. Aus der internen Blockadesituation folgt nun ein weiterer Jahresvertrag für Frank von Behren und Markus Kalusche. Bereits deren Erstbestellung im Jahr 2017 entsprang einem Kompromiss. Seitdem ist man nicht wirklich weitergekommen. Immerhin wissen von Behren und Kalusche nun, dass ihre Rolle auch die eines Platzhalters ist. Ihnen ist klar, dass sie gute Arbeit leisten müssen. Doch sie wissen eben auch, dass es nicht allein darauf ankommen wird. Dieses weitere Überbrückungsjahr sollte man bei GWD Minden endlich nutzen, denn auf Dauer hemmt das Zeitspiel jede Entwicklung. In Ein-Jahres-Zyklen kann man zwar brauchbar verwalten, aber nur schwer perspektivisch arbeiten. Dessen sollten sich alle, die an der Zukunft von GWD interessiert sind, bewusst sein.