Minden

„Die waren cleverer“ - Schwache Abwehr verhindert Erfolgserlebnis für GWD

Sebastian Külbel

Kaum zu stoppen: Gegen Hannovers besten Feldtorschützen Fabian Böhm fehlten den Mindenern in der Abwehr, hier mit Magnus Gullerud (links) und Christoffer Rambo, oft die Mittel. Fotos (2): Noah Wedel - © Noah Wedel
Kaum zu stoppen: Gegen Hannovers besten Feldtorschützen Fabian Böhm fehlten den Mindenern in der Abwehr, hier mit Magnus Gullerud (links) und Christoffer Rambo, oft die Mittel. Fotos (2): Noah Wedel (© Noah Wedel)

Minden (mt). Fast schien es, als hätte Marian Michalczik das Publikum in der Kampa-Halle rechtzeitig geweckt. Gerade hatte er zum 19:19-Ausgleich getroffen, da stand GWD Mindens Blondschopf in der 42. Minute vor der Tribüne und peitschte die Zuschauer an. In der Schlussphase jedoch verpuffte die Energie der Gastgeber, die unterm Strich verdient 29:32 (13:14) gegen die TSV Hannover-Burgdorf verloren und damit die dritte Niederlage in Folge kassierten. Über die Gründe dafür waren die Verantwortlichen jedoch unterschiedlicher Ansicht.

Hannovers Ilija Brozovic umarmt den Mann des Abends. Kai Häfner glänzte als Aushilfs-Spielmacher. - © Noah Wedel
Hannovers Ilija Brozovic umarmt den Mann des Abends. Kai Häfner glänzte als Aushilfs-Spielmacher. (© Noah Wedel)

„Wir haben ja gekämpft, aber in der Konsequenz war es oft zu billig“, schimpfte Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren: „Da fehlen mir die Emotionen, schon seit ein paar Spielen.“ Trainer Frank Carstens ging da bei aller berechtigter Kritik nicht mit: „Man kann der Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie nicht gekämpft oder nicht alles versucht hätte.“ Für ihn gab eher ein handballspezifischer Aspekt gestern Abend den Ausschlag: „Defensiv war es einfach nicht gut genug von uns. Und der Gegner hat hier wirklich eine sehr smarte Leistung gezeigt.“

In der Tat präsentierten sich die Gäste überaus klug und waren in den entscheidenden Phasen zu abgezockt für GWD – und das trotz aller personeller Probleme. Am frühen Morgen hatte sich auch noch Mittelmann Morten Olsen mit einer Magen-Darm-Erkrankung abgemeldet und reihte sich in die prominente Ausfallliste mit Pavel Atman, Lars Lehnhoff und Mait Patrail ein. In die Rolle des Spielmachers rutschte Linkshänder Kai Häfner – und löste diese Aufgabe phasenweise so brillant, dass Minden immer wieder mit einer 5:1-Abwehr seine Kreis zu stören versuchte.

Das jedoch gelang viel zu selten, auch wenn die Grün-Weißen sich eifrig gegen den souveräner wirkenden Gegner stemmten. Zum Beispiel in der ersten Hälfte, als das intensive Spiel ausgeglichen vor sich hin schnaufte und GWD durch einen verwandelten Nachwurf von Timo Kastening unglücklich mit einem 13:14-Rückstand in die Pause ging. Danach fanden die Mindener zunächst nicht wieder ins Spiel, verloren in der Abwehr vollends den Zugriff auf den Gegner und lagen beim 15:19 (36.) plötzlich mit vier Toren zurück. „Da hatten wir zu wenig Präsenz und haben uns einen Rückstand eingehandelt, der uns am Ende die Punkte kostet“, meinte Carstens.

Sein Team kämpfte sich danach mit offensiver Deckung zwar zurück und ging nach Michalcziks Tribünen-Weckruf sogar dreimal in Führung. Nach dem 22:22-Ausgleich von Häfner, der neben seiner starken Spielführung auch fünfmal traf, unterlief jedoch Dalibor Doder ein markanter Fehlwurf: Der GWD-Kapitän blieb mit einem Siebenmeter an Hannovers Torwart Urban Lesjak hängen(47.), dessen Team konnte wieder vorlegen – und ließ sich diesen Vorteil nicht mehr nehmen.

Mit kühler Effektivität warfen die Gäste erneut eine Drei-Tore-Führung heraus und brachten diese ins Ziel – auch, weil Minden am Ende alles auf eine Karte setzte. Nach dem 26:29 von Veit Mävers brachte Carstens den siebten Feldspieler, was zunächst auch zwei Treffer und die Chance zum Ausgleich brachte. Michalczik traf jedoch in starker Bedrängnis nur die Latte, und im Gegenzug brachte ein Siebenmeter von Kastening die Entscheidung. „Marian wird da aber in meinen Augen klar gefoult“, haderte Carstens. Das Gesamtresultat mussten er und seine Spieler aber anerkennen, wie Magnus Gullerud sagte: „Es war nicht unsere beste Leistung, wir haben mit Herz und Willen dagegen gehalten. Aber die waren cleverer.“

Stimmen zum Spiel

Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Hannover hat unglaublich viele Dinge auf den Punkt gespielt. Wir haben auch Vieles ausprobiert und umgesetzt. Aber uns hat in der Defensive die Qualität gefehlt.“

Carlos Ortega (Trainer TSV Hannover-Burgdorf): „Wir haben heute sehr intelligent im Angriff gespielt. Es war ein guter Kampf meiner Mannschaft, auch wenn der Sieg natürlich ein bisschen glücklich ist.“

Kim Sonne (GWD): „Die Niederlage ist ärgerlich, Hannover war nicht besser als wir. Aber sie haben die Kräfte am Ende gut verteilt.“

Kai Häfner (Hannover): „Wir haben gekämpft und alles reingehauen. Wir haben das Sieben gegen Sechs gut verteidigt und vorne die Ruhe gehabt.“

Magnus Gullerud (GWD): „Hannover hatte am Ende mehr Erfahrung. Die Chance war groß für uns, wir haben alles gegeben – aber das war heute nicht genug.“

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Minden„Die waren cleverer“ - Schwache Abwehr verhindert Erfolgserlebnis für GWDSebastian KülbelMinden (mt). Fast schien es, als hätte Marian Michalczik das Publikum in der Kampa-Halle rechtzeitig geweckt. Gerade hatte er zum 19:19-Ausgleich getroffen, da stand GWD Mindens Blondschopf in der 42. Minute vor der Tribüne und peitschte die Zuschauer an. In der Schlussphase jedoch verpuffte die Energie der Gastgeber, die unterm Strich verdient 29:32 (13:14) gegen die TSV Hannover-Burgdorf verloren und damit die dritte Niederlage in Folge kassierten. Über die Gründe dafür waren die Verantwortlichen jedoch unterschiedlicher Ansicht. „Wir haben ja gekämpft, aber in der Konsequenz war es oft zu billig“, schimpfte Mindens Sport-Geschäftsführer Frank von Behren: „Da fehlen mir die Emotionen, schon seit ein paar Spielen.“ Trainer Frank Carstens ging da bei aller berechtigter Kritik nicht mit: „Man kann der Mannschaft nicht vorwerfen, dass sie nicht gekämpft oder nicht alles versucht hätte.“ Für ihn gab eher ein handballspezifischer Aspekt gestern Abend den Ausschlag: „Defensiv war es einfach nicht gut genug von uns. Und der Gegner hat hier wirklich eine sehr smarte Leistung gezeigt.“ In der Tat präsentierten sich die Gäste überaus klug und waren in den entscheidenden Phasen zu abgezockt für GWD – und das trotz aller personeller Probleme. Am frühen Morgen hatte sich auch noch Mittelmann Morten Olsen mit einer Magen-Darm-Erkrankung abgemeldet und reihte sich in die prominente Ausfallliste mit Pavel Atman, Lars Lehnhoff und Mait Patrail ein. In die Rolle des Spielmachers rutschte Linkshänder Kai Häfner – und löste diese Aufgabe phasenweise so brillant, dass Minden immer wieder mit einer 5:1-Abwehr seine Kreis zu stören versuchte. Das jedoch gelang viel zu selten, auch wenn die Grün-Weißen sich eifrig gegen den souveräner wirkenden Gegner stemmten. Zum Beispiel in der ersten Hälfte, als das intensive Spiel ausgeglichen vor sich hin schnaufte und GWD durch einen verwandelten Nachwurf von Timo Kastening unglücklich mit einem 13:14-Rückstand in die Pause ging. Danach fanden die Mindener zunächst nicht wieder ins Spiel, verloren in der Abwehr vollends den Zugriff auf den Gegner und lagen beim 15:19 (36.) plötzlich mit vier Toren zurück. „Da hatten wir zu wenig Präsenz und haben uns einen Rückstand eingehandelt, der uns am Ende die Punkte kostet“, meinte Carstens. Sein Team kämpfte sich danach mit offensiver Deckung zwar zurück und ging nach Michalcziks Tribünen-Weckruf sogar dreimal in Führung. Nach dem 22:22-Ausgleich von Häfner, der neben seiner starken Spielführung auch fünfmal traf, unterlief jedoch Dalibor Doder ein markanter Fehlwurf: Der GWD-Kapitän blieb mit einem Siebenmeter an Hannovers Torwart Urban Lesjak hängen(47.), dessen Team konnte wieder vorlegen – und ließ sich diesen Vorteil nicht mehr nehmen. Mit kühler Effektivität warfen die Gäste erneut eine Drei-Tore-Führung heraus und brachten diese ins Ziel – auch, weil Minden am Ende alles auf eine Karte setzte. Nach dem 26:29 von Veit Mävers brachte Carstens den siebten Feldspieler, was zunächst auch zwei Treffer und die Chance zum Ausgleich brachte. Michalczik traf jedoch in starker Bedrängnis nur die Latte, und im Gegenzug brachte ein Siebenmeter von Kastening die Entscheidung. „Marian wird da aber in meinen Augen klar gefoult“, haderte Carstens. Das Gesamtresultat mussten er und seine Spieler aber anerkennen, wie Magnus Gullerud sagte: „Es war nicht unsere beste Leistung, wir haben mit Herz und Willen dagegen gehalten. Aber die waren cleverer.“ Stimmen zum Spiel Frank Carstens (Trainer GWD Minden): „Hannover hat unglaublich viele Dinge auf den Punkt gespielt. Wir haben auch Vieles ausprobiert und umgesetzt. Aber uns hat in der Defensive die Qualität gefehlt.“ Carlos Ortega (Trainer TSV Hannover-Burgdorf): „Wir haben heute sehr intelligent im Angriff gespielt. Es war ein guter Kampf meiner Mannschaft, auch wenn der Sieg natürlich ein bisschen glücklich ist.“ Kim Sonne (GWD): „Die Niederlage ist ärgerlich, Hannover war nicht besser als wir. Aber sie haben die Kräfte am Ende gut verteilt.“ Kai Häfner (Hannover): „Wir haben gekämpft und alles reingehauen. Wir haben das Sieben gegen Sechs gut verteidigt und vorne die Ruhe gehabt.“ Magnus Gullerud (GWD): „Hannover hatte am Ende mehr Erfahrung. Die Chance war groß für uns, wir haben alles gegeben – aber das war heute nicht genug.“