Minden

Gegnerporträt: Kai Häfner sucht in Hannover nach Maultaschen

Stefan Rüter

Ob für Deutschland oder in Hannover: Kai Häfner hilft jeder Mannschaft weiter. Foto: Marius Becker/dpa - © (c) Copyright 2019, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Ob für Deutschland oder in Hannover: Kai Häfner hilft jeder Mannschaft weiter. Foto: Marius Becker/dpa (© (c) Copyright 2019, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten)

Minden (sru). Den ersten Einschnitt in seinem Leben hat Kai Häfner längst verdaut. 2014 kam er als 25-Jähriger nach Niedersachsen zu den Recken von der TSV Hannover-Burgdorf. Ein großer Schritt für den Ausnahme-Linkshänder, der Kindheit, Jugend und erste Profijahre komplett in Baden-Württemberg verbracht hatte.

„Das war definitiv ein Kulturschock. Vor allem das Wetter und das Essen sind einfach anders. Hier ist es immer windig, aber das glaubt mir oft keiner“, sagt er lachend. Längst haben er und seine Frau sich eingelebt und sind sehr glücklich in Hannover.

Nur beim Thema Maultaschen gibt es im Alltag kleine Probleme: „Bei uns daheim gibt es in jedem Supermarkt zehn verschiedene Sorten, hier hat man Glück, wenn man überhaupt Maultaschen findet. Und den Kartoffelsalat mit Mayo kann ich einfach nicht essen. Den macht man bei uns mit Öl oder Essig.“ Kai Häfner meint das alles nicht böse, er kokettiert fröhlich mit diesen kleinen Unterschieden.

Der Mann ist nämlich anpassungsfähig. Davon konnten sich die deutschen Handball-Fans mehrmals überzeugen. Beim EM-Sieg 2016 wurde er spät nachnominiert, begeisterte mit seinen Leistungen und war im Finale mit sieben Toren der beste Mann. Auch jetzt bei der Heim-WM kam er mitten im Turnier zum DHB-Team – wieder ohne Anpassungsschwierigkeiten.

„Aber es schmerzt, dass wir nach dieser WM mit all der Euphorie und der tollen Stimmung mit leeren Händen dastehen. Da ist man dann doch Sportler durch und durch und sehr enttäuscht“, sagt der 29-Jährige über den vierten Platz. Mit den Recken aus Hannover kommt er dafür nach einer schwierigen Hinrunde langsam in Schwung: „Zum Glück geht die Tendenz nach oben.“

Doch in Minden erwartet Häfner ein enges, schweres Spiel. Er weiß um die Heimstärke der Grün-Weißen und ist oft mit leeren Händen wieder nach Hause gefahren. „GWD kenne ich schon seit meiner Kindheit. Das ist ein Traditionsverein und als Hannoveraner gefällt mit die kurze Anreise.“

Reisen ist ein großes Thema für den Linkshänder. Sobald es die Zeit zulässt, macht er mit seiner Frau Kurztrips nach London, Kopenhagen oder Amsterdam. Ein Sehnsuchtsort ist für ihn Tokio. Dort will er mit der Nationalmannschaft nächstes Jahr an den Olympischen Spielen teilnehmen – gerne auch von Anfang an und nicht wieder als Nachrücker.

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MindenGegnerporträt: Kai Häfner sucht in Hannover nach MaultaschenStefan RüterMinden (sru). Den ersten Einschnitt in seinem Leben hat Kai Häfner längst verdaut. 2014 kam er als 25-Jähriger nach Niedersachsen zu den Recken von der TSV Hannover-Burgdorf. Ein großer Schritt für den Ausnahme-Linkshänder, der Kindheit, Jugend und erste Profijahre komplett in Baden-Württemberg verbracht hatte. „Das war definitiv ein Kulturschock. Vor allem das Wetter und das Essen sind einfach anders. Hier ist es immer windig, aber das glaubt mir oft keiner“, sagt er lachend. Längst haben er und seine Frau sich eingelebt und sind sehr glücklich in Hannover. Nur beim Thema Maultaschen gibt es im Alltag kleine Probleme: „Bei uns daheim gibt es in jedem Supermarkt zehn verschiedene Sorten, hier hat man Glück, wenn man überhaupt Maultaschen findet. Und den Kartoffelsalat mit Mayo kann ich einfach nicht essen. Den macht man bei uns mit Öl oder Essig.“ Kai Häfner meint das alles nicht böse, er kokettiert fröhlich mit diesen kleinen Unterschieden. Der Mann ist nämlich anpassungsfähig. Davon konnten sich die deutschen Handball-Fans mehrmals überzeugen. Beim EM-Sieg 2016 wurde er spät nachnominiert, begeisterte mit seinen Leistungen und war im Finale mit sieben Toren der beste Mann. Auch jetzt bei der Heim-WM kam er mitten im Turnier zum DHB-Team – wieder ohne Anpassungsschwierigkeiten. „Aber es schmerzt, dass wir nach dieser WM mit all der Euphorie und der tollen Stimmung mit leeren Händen dastehen. Da ist man dann doch Sportler durch und durch und sehr enttäuscht“, sagt der 29-Jährige über den vierten Platz. Mit den Recken aus Hannover kommt er dafür nach einer schwierigen Hinrunde langsam in Schwung: „Zum Glück geht die Tendenz nach oben.“ Doch in Minden erwartet Häfner ein enges, schweres Spiel. Er weiß um die Heimstärke der Grün-Weißen und ist oft mit leeren Händen wieder nach Hause gefahren. „GWD kenne ich schon seit meiner Kindheit. Das ist ein Traditionsverein und als Hannoveraner gefällt mit die kurze Anreise.“ Reisen ist ein großes Thema für den Linkshänder. Sobald es die Zeit zulässt, macht er mit seiner Frau Kurztrips nach London, Kopenhagen oder Amsterdam. Ein Sehnsuchtsort ist für ihn Tokio. Dort will er mit der Nationalmannschaft nächstes Jahr an den Olympischen Spielen teilnehmen – gerne auch von Anfang an und nicht wieder als Nachrücker.