In der Enttäuschung gedeiht die Erkenntnis: Man ist auf Augenhöhe

Marcus Riechmann

Wir müssen reden: Kiels Domagoj Duvnjak (links) und Mindens Christoffer Rambo besprechen eine strittige Szene. MT- - © Foto: Riechmann
Wir müssen reden: Kiels Domagoj Duvnjak (links) und Mindens Christoffer Rambo besprechen eine strittige Szene. MT- (© Foto: Riechmann)

Minden (mt). Lange nach Ende der Pressekonferenz standen die Trainer noch locker beisammen. Mindens Frank Carstens und der Kieler Coach Alfred Gislason analysierten entspannt die Partie und plauderten hernach über dies und jenes. Der THW-Chef mit dem achten Saisonsieg im Rücken, doch auch Carstens wirkte nicht, als habe er soeben ein Handballspiel verloren.

Dabei sprachen die Zahlen klar und deutlich: 29:37 (17:19) hatte GWD Minden die Bundesliga-Partie gegen den THW Kiel verloren. Das Team war am Ende eingebrochen und hatte mit der deftigen Heimpleite nicht nur Platz sieben in der Tabelle an MT Melsungen verloren sondern auch sein gutes Torverhältnis ramponiert.

Doch die Zahlen verstellen den Blick auf eine starke Leistung der Mindener Spieler, die vor 3800 begeisterten Fans in der ausverkauften Kampa-Halle erst einknickten, als ihre Träume vom Heimsieg am Kieler Dreigestirn Domagoj Duvnjak, Patrick Wiencek und Andreas Wolff zerschellten und sie entkräftet den Widerstand aufgaben. Von 24:22 geriet GWD zum 25:28 in Rückstand. Zwei Zeitstrafen später hatte Kiel zum 26:32 die Begegnung entschieden.

Zerknirscht saßen die GWD-Handballer in der Kabine – erfüllt von Enttäuschung, aber auch bereichert um das Wissen: Sie können mithalten. „Wir haben das über weite Strecken gut gemacht. Über das Ergebnis bin am Ende sehr enttäuscht. Das hätte auch anders ausgehen können“, sinnierte Rückraumspieler Savvas Savvas, der gegen den THW seine ersten Bundesliga-Minuten absolvierte. „Das erste Spiel nach so einer schweren Verletzung fühlt sich natürlich sehr gut an. Das Knie hat gehalten und hat mir keine Probleme bereitet. Ich hätte ich auch sehr gerne ein Tor zum Einstand geworfen. Aber die Bundesliga ist nun Mal kein Wunschkonzert“, meinte der seit Sommer bei GWD unter Vertrag stehende Grieche.

Wie ihm gelang auch Dalibor Doder am Sonntag kein Tor. Ausgerechnet der Mann, der mit prächtigen Leistung und etlichen Treffern maßgeblich zum Mindener Aufschwung dieser Saison beigetragen hat, blieb als Vollstrecker blass. Mit einem Strafwurf scheiterte der Schwede ebenso wie mit einer Top-Chance, als Kiels Niklas Landin den Schweden-Dreher abwehrte. „Vor dem Tor war das nicht mein Tag“, bedauerte der 39-Jährige, dass er anders als Duvnjak bei Kiel nicht zu einem echten Faktor geworden war. Lob erhielt er trotzdem: „Er hat sehr gut gespielt und viele Tore vorbereitet“, sagt Gislason während Carstens die „auch heute sehr gute Spielsteuerung“ hervorhob.

Unerfreulich endete die Partie für Kiels Nikola Bilyk: Der 21-jährige Österreicher zog sich eine Kapsel- und Bänderverletzung am Sprunggelenk zu und wird für rund zwei Wochen ausfallen.

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In der Enttäuschung gedeiht die Erkenntnis: Man ist auf AugenhöheMarcus RiechmannMinden (mt). Lange nach Ende der Pressekonferenz standen die Trainer noch locker beisammen. Mindens Frank Carstens und der Kieler Coach Alfred Gislason analysierten entspannt die Partie und plauderten hernach über dies und jenes. Der THW-Chef mit dem achten Saisonsieg im Rücken, doch auch Carstens wirkte nicht, als habe er soeben ein Handballspiel verloren. Dabei sprachen die Zahlen klar und deutlich: 29:37 (17:19) hatte GWD Minden die Bundesliga-Partie gegen den THW Kiel verloren. Das Team war am Ende eingebrochen und hatte mit der deftigen Heimpleite nicht nur Platz sieben in der Tabelle an MT Melsungen verloren sondern auch sein gutes Torverhältnis ramponiert. Doch die Zahlen verstellen den Blick auf eine starke Leistung der Mindener Spieler, die vor 3800 begeisterten Fans in der ausverkauften Kampa-Halle erst einknickten, als ihre Träume vom Heimsieg am Kieler Dreigestirn Domagoj Duvnjak, Patrick Wiencek und Andreas Wolff zerschellten und sie entkräftet den Widerstand aufgaben. Von 24:22 geriet GWD zum 25:28 in Rückstand. Zwei Zeitstrafen später hatte Kiel zum 26:32 die Begegnung entschieden. Zerknirscht saßen die GWD-Handballer in der Kabine – erfüllt von Enttäuschung, aber auch bereichert um das Wissen: Sie können mithalten. „Wir haben das über weite Strecken gut gemacht. Über das Ergebnis bin am Ende sehr enttäuscht. Das hätte auch anders ausgehen können“, sinnierte Rückraumspieler Savvas Savvas, der gegen den THW seine ersten Bundesliga-Minuten absolvierte. „Das erste Spiel nach so einer schweren Verletzung fühlt sich natürlich sehr gut an. Das Knie hat gehalten und hat mir keine Probleme bereitet. Ich hätte ich auch sehr gerne ein Tor zum Einstand geworfen. Aber die Bundesliga ist nun Mal kein Wunschkonzert“, meinte der seit Sommer bei GWD unter Vertrag stehende Grieche. Wie ihm gelang auch Dalibor Doder am Sonntag kein Tor. Ausgerechnet der Mann, der mit prächtigen Leistung und etlichen Treffern maßgeblich zum Mindener Aufschwung dieser Saison beigetragen hat, blieb als Vollstrecker blass. Mit einem Strafwurf scheiterte der Schwede ebenso wie mit einer Top-Chance, als Kiels Niklas Landin den Schweden-Dreher abwehrte. „Vor dem Tor war das nicht mein Tag“, bedauerte der 39-Jährige, dass er anders als Duvnjak bei Kiel nicht zu einem echten Faktor geworden war. Lob erhielt er trotzdem: „Er hat sehr gut gespielt und viele Tore vorbereitet“, sagt Gislason während Carstens die „auch heute sehr gute Spielsteuerung“ hervorhob. Unerfreulich endete die Partie für Kiels Nikola Bilyk: Der 21-jährige Österreicher zog sich eine Kapsel- und Bänderverletzung am Sprunggelenk zu und wird für rund zwei Wochen ausfallen.