Cyber-Training, Videochat, Studium - Mindener Fußballprofis in der Zwangspause

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Carina Schlüter arbeitet zurzeit vor allem an der körperlichen Fitness – natürlich allein und nicht wie auf diesem Archivbild in der Gruppe. - © Foto: Bayern München
Carina Schlüter arbeitet zurzeit vor allem an der körperlichen Fitness – natürlich allein und nicht wie auf diesem Archivbild in der Gruppe. (© Foto: Bayern München)

Minden. Auch bei den Berufsfußballern ist in der Corona-Krise Heimarbeit angesagt, manche sind in dieser Woche ins Kleingruppen-Training eingestiegen. Mittendrin im deutschen Profibetrieb befinden sich die drei Mindener Charalambos Makridis (Jahn Regensburg/2. Liga), Flemming Niemann (Carl-Zeiss Jena/3. Liga) und Carina Schlüter (Bayern München/Frauen-Bundesliga). Christian Bendig und Sebastian Külbel haben sich bei ihnen umgehört.

Flemming Niemann lauert in Jena auf seine Chancen. Foto: Eibner - © imago images/Eibner
Flemming Niemann lauert in Jena auf seine Chancen. Foto: Eibner (© imago images/Eibner)

Keeper kann sich nicht zeigen - Flemming Niemann ist die Nummer zwei in Jena

Die Spielabsagen in den Profiligen trafen Flemming Niemann zwar nicht unerwartet, aber plötzlich kamen sie schon. Mit dem Drittligisten FC Carl-Zeiss Jena hätte Niemann eigentlich das prestigeträchtige Derby gegen den FC Chemnitz bestritten.

„Zu solchen Spielen oder gegen Traditionsvereine wie 1860 München oder den 1. FC Kaiserslautern kommen oft 10.000 Fans oder mehr", schildert der nominell zweite Torwart, der im Sommer mit dem Wechsel von der Reserve des Erstligisten FC Augsburg den Sprung aus der 4. Liga in den Profibereich geschafft hatte. In den bisherigen 27 Saisonspielen stand Niemann ein Mal in der Startformation. Die Nummer eins, der Belgier Jo Coppens, hatte sich verletzt. „Man möchte natürlich so oft wie möglich spielen. Aber durch die Corona-Krise habe ich jetzt keine Möglichkeit, mich im Training zu zeigen", erzählt Niemann.

Kurz vor den verschärften Ausgangsregelungen musste er sich noch einmal auf den Weg nach Jena machen, um seine Sportsachen zu holen. Denn die hatte der 23-Jährige nicht im Gepäck, als er aufgrund der verordneten Spielpause ein paar freie Tage in der Heimat genießen wollte.

Zurück in der Heimat heißt es nun, eigenständig an der Fitness zu arbeiten und die Trainingspläne zu erfüllen. „Ich gehe viel laufen und mache Kraftübungen", berichtet der Torwart: „Die restliche Zeit nutze ich, um intensiver an meinem Studium zu arbeiten." Niemann ist an einer Fernuniversität für BWL eingeschrieben.

Allein die Karte Profi-Fußball zu spielen, ist ihm zu gefährlich. „Es ist die 3. Liga. Da ist es nur sinnvoll, neben dem Sport ein zweites Standbein aufzubauen", sagt Niemann. Denn die Höhe der Gehälter in dieser Klasse reicht nicht aus, um für die Zeit nach dem Karriereende vorzusorgen.

Die Realität auf dem Rasen sieht bei noch elf auszutragenden Spielen und 16 Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz eher nach Regionalliga aus. Auch für die hat Niemanns Vertrag bis Sommer 2021 Gültigkeit. Viele Profis, deren Arbeitspapiere am 30. Juni auslaufen, blicken in noch ungewissere Zeiten als der gesamte Fußball, dessen Profiligen vorerst bis zum 30. April aussetzen werden. (cb)

Gut angekommen: Charalambos Makridis versucht sich seit Ende Januar in der 2. Liga beim SSV Jahn Regensburg. - © Foto: Liedl/SSV Jahn
Gut angekommen: Charalambos Makridis versucht sich seit Ende Januar in der 2. Liga beim SSV Jahn Regensburg. (© Foto: Liedl/SSV Jahn)

Der Ball fehlte am meisten - Charalambos Makridis ist in Regensburg gut angekommen

Charalambos Makridis ist auch in seinem Homeoffice ein zielstrebiger Profi. „Wir hatten unseren Plan, und ich nutze die Zeit positiv", sagt der aus Minden stammende Fußballer des Zweitligisten Jahn Regensburg. Erst Ende Januar war der 23-Jährige von Borussia Mönchengladbachs Regionalliga-Team an die Donau gewechselt – und erlebt dort zurzeit ein Sportlerleben im Stillstand.

Dabei hatte er in den vergangenen Wochen viel Zeit, zumindest im Lauf- oder Spaziertempo seine neue Heimat kennen zu lernen. „Uns wurde nahe gelegt, in Regensburg zu bleiben", sagt Makridis zu den Maßnahmen des Vereins in der Corona-Krise. Dass die Berufskicker die allgemein geltenden Verhaltensregeln beachten müssen, ist selbstverständlich.

Seit Beginn dieser Woche arbeitet der Jahn-Kader wieder in Kleingruppen auf dem Platz, davor waren die Profis wie so viele Athleten im Heimtraining. „Es war ein Mix aus Kraft- und Laufeinheiten", erzählt Makridis, „den Ball haben wir in dieser Zeit wenig bis gar nicht gesehen". Der aber fehlte ihm wie so vielen Mannschaftssportlern am meisten: „Ich war froh, beim Laufen mal raus zu kommen. Aber es ersetzt nicht den Fußball."

Genauso, wie ein Austausch im Videochat nicht das gleiche ist wie Kabinengespräche und gemeinsames Training: „Das Zusammensein mit der Mannschaft fehlte mir schon. Ich nutze zwar Facetime oder WhatsApp, bin aber nicht täglich im Kontakt mit den Kollegen." Makridis, den alle nur Babis nennen, nutzte die Situation vielmehr für Dinge, die oft zu kurz kommen: „Ich habe jetzt mal Zeit für Leute, die man sonst nicht so häufig treffen kann." Alles digital, versteht sich: „Mit den Freunden klappt das auch sehr gut, man ist ja damit groß geworden. Bei den Eltern ist das schon etwas schwieriger", erklärt der 23-Jährige augenzwinkernd.

Der sieht sich nach seinem Wechsel vor rund zwei Monaten schon angekommen in Regensburg. „Ich bin gut aufgenommen worden und komme mit der Mannschaft gut klar. Und die Stadt ist sehr cool." Weniger zufrieden ist Makridis dagegen mit seinen Einsatzzeiten: In sieben möglichen Spielen kommt er bisher auf eine Minute beim 1:2 gegen Dynamo Dresden. „Das soll natürlich mehr werden", findet der Deutsch-Grieche.

Der muss sich allerdings auch noch ein wenig auf die 2. Liga einstellen. „Das ist schon ein Unterschied zur Regionalliga, ein anderes Niveau. Vor allem das Drumherum ist viel größer. Aber auf dem Platz ist es auch nur Fußball." Dahin will der Mindener so schnell wie möglich zurück und setzt darauf, dass die Saison wieder aufgenommen wird: „Ich hoffe auf jeden Fall, dass wir demnächst wieder ran dürfen, das sehen alle in der Mannschaft so." Sollte daraus nichts werden, hat Makridis aber noch genug Zeit, sich in der 2. Liga zu etablieren: Sein Vertrag beim Jahn läuft bis Juni 2023. (kül)

Homeoffice mit Cyber-Training - Carina Schlüter hat bei Bayern München auch zu Hause viel zu tun

„Ich hab' grad gekocht", sagt Carina Schlüter auf die Frage, wie sie sich die Zeit in der Corona-Krise vertreibt. Dass die Torhüterin von Bayern Münchens Bundesliga-Fußballerinnen auch im Heimtraining viel zu tun hat, hängt aber weniger mit ihrer Selbstversorgung zusammen, sondern mit einem umfassenden Programm. „Ich bin gut beschäftigt", sagt die Mindenerin, die in München vor knapp zehn Monaten eine neue Herausforderung angenommen hat.

Schlüter treibt ihr Management-Studium voran, liest Sachbücher oder Biografien und hält über die sozialen Netzwerke und Videoschaltungen Kontakt zu ihrer Mannschaft. Und natürlich trainiert sie auch. „Laufen, Schnellkraft, Stabilitätsübungen – es ist ein bisschen wie in der Vorbereitung", erzählt die 23-Jährige. Auch die Frauen des FC Bayern nutzen zudem das Cyber-Training: Über einen Videochat absolvieren sie eine gemeinsame Einheit mit dem Athletiktrainer. „Das ist schon cool, man sieht sich und kann sich austauschen. Und der Trainer kann auf die Ausführung der Übungen gucken", sagt Schlüter. Außerdem gibt es eine Technik-Challenge mit Ball, das entsprechende Video müssen die Spielerinnen an den Trainer schicken. Schlüter nutzt auch noch eine Stroboskop-Brille für visuelles Training.

Die Sehnsucht nach der Arbeit auf dem Platz stillt das alles jedoch nicht. „Ich hoffe, dass wir bald wieder trainieren können", sagt Schlüter. Die Männer sind seit Montag wieder in Kleingruppen bei der Arbeit. Auch für die Frauen ist eine Wiederaufnahme der Saison noch nicht vom Tisch. „Im besten Fall geht es Mitte Mai wieder los", glaubt die Mindenerin.

Auf ihre ersten Monate in München blickt sie positiv zurück: „Es ist ganz gut gelaufen, ich habe relativ viel Spielzeit bekommen." Denn auch wenn Laura Benkarth als Stammtorhüterin vor ihr steht, kommt Schlüter immerhin auf insgesamt acht Saison-Einsätze in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League. „Dieser Konkurrenzkampf ist genau das, was ich brauche", betont sie.

Im Januar wurde die Nationalspielerin aus Leteln von einer Verletzung gestoppt: Beim Trainingslager in Doha wurde ein Patellaspitzensyndrom im Knie festgestellt. Die Zwangspause kommt Schlüter also fast zugute.

Und auch sonst will die 23-Jährige nicht hadern: „Uns trifft es im Vergleich zu Branchen wie dem Gesundheitssystem oder dem Einzelhandel ja noch ganz gut. Wir können viel trainieren und das Beste aus der Situation machen." Kurzarbeit und Gehaltsverzicht sind bei den Bayern-Frauen übrigens bislang noch kein Thema. „Wie es nach dem April weiter geht, muss man sehen", sagt Schlüter. (kül)

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Cyber-Training, Videochat, Studium - Mindener Fußballprofis in der ZwangspauseMinden. Auch bei den Berufsfußballern ist in der Corona-Krise Heimarbeit angesagt, manche sind in dieser Woche ins Kleingruppen-Training eingestiegen. Mittendrin im deutschen Profibetrieb befinden sich die drei Mindener Charalambos Makridis (Jahn Regensburg/2. Liga), Flemming Niemann (Carl-Zeiss Jena/3. Liga) und Carina Schlüter (Bayern München/Frauen-Bundesliga). Christian Bendig und Sebastian Külbel haben sich bei ihnen umgehört. Keeper kann sich nicht zeigen - Flemming Niemann ist die Nummer zwei in Jena Die Spielabsagen in den Profiligen trafen Flemming Niemann zwar nicht unerwartet, aber plötzlich kamen sie schon. Mit dem Drittligisten FC Carl-Zeiss Jena hätte Niemann eigentlich das prestigeträchtige Derby gegen den FC Chemnitz bestritten. „Zu solchen Spielen oder gegen Traditionsvereine wie 1860 München oder den 1. FC Kaiserslautern kommen oft 10.000 Fans oder mehr", schildert der nominell zweite Torwart, der im Sommer mit dem Wechsel von der Reserve des Erstligisten FC Augsburg den Sprung aus der 4. Liga in den Profibereich geschafft hatte. In den bisherigen 27 Saisonspielen stand Niemann ein Mal in der Startformation. Die Nummer eins, der Belgier Jo Coppens, hatte sich verletzt. „Man möchte natürlich so oft wie möglich spielen. Aber durch die Corona-Krise habe ich jetzt keine Möglichkeit, mich im Training zu zeigen", erzählt Niemann. Kurz vor den verschärften Ausgangsregelungen musste er sich noch einmal auf den Weg nach Jena machen, um seine Sportsachen zu holen. Denn die hatte der 23-Jährige nicht im Gepäck, als er aufgrund der verordneten Spielpause ein paar freie Tage in der Heimat genießen wollte. Zurück in der Heimat heißt es nun, eigenständig an der Fitness zu arbeiten und die Trainingspläne zu erfüllen. „Ich gehe viel laufen und mache Kraftübungen", berichtet der Torwart: „Die restliche Zeit nutze ich, um intensiver an meinem Studium zu arbeiten." Niemann ist an einer Fernuniversität für BWL eingeschrieben. Allein die Karte Profi-Fußball zu spielen, ist ihm zu gefährlich. „Es ist die 3. Liga. Da ist es nur sinnvoll, neben dem Sport ein zweites Standbein aufzubauen", sagt Niemann. Denn die Höhe der Gehälter in dieser Klasse reicht nicht aus, um für die Zeit nach dem Karriereende vorzusorgen. Die Realität auf dem Rasen sieht bei noch elf auszutragenden Spielen und 16 Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz eher nach Regionalliga aus. Auch für die hat Niemanns Vertrag bis Sommer 2021 Gültigkeit. Viele Profis, deren Arbeitspapiere am 30. Juni auslaufen, blicken in noch ungewissere Zeiten als der gesamte Fußball, dessen Profiligen vorerst bis zum 30. April aussetzen werden. (cb) Der Ball fehlte am meisten - Charalambos Makridis ist in Regensburg gut angekommen Charalambos Makridis ist auch in seinem Homeoffice ein zielstrebiger Profi. „Wir hatten unseren Plan, und ich nutze die Zeit positiv", sagt der aus Minden stammende Fußballer des Zweitligisten Jahn Regensburg. Erst Ende Januar war der 23-Jährige von Borussia Mönchengladbachs Regionalliga-Team an die Donau gewechselt – und erlebt dort zurzeit ein Sportlerleben im Stillstand. Dabei hatte er in den vergangenen Wochen viel Zeit, zumindest im Lauf- oder Spaziertempo seine neue Heimat kennen zu lernen. „Uns wurde nahe gelegt, in Regensburg zu bleiben", sagt Makridis zu den Maßnahmen des Vereins in der Corona-Krise. Dass die Berufskicker die allgemein geltenden Verhaltensregeln beachten müssen, ist selbstverständlich. Seit Beginn dieser Woche arbeitet der Jahn-Kader wieder in Kleingruppen auf dem Platz, davor waren die Profis wie so viele Athleten im Heimtraining. „Es war ein Mix aus Kraft- und Laufeinheiten", erzählt Makridis, „den Ball haben wir in dieser Zeit wenig bis gar nicht gesehen". Der aber fehlte ihm wie so vielen Mannschaftssportlern am meisten: „Ich war froh, beim Laufen mal raus zu kommen. Aber es ersetzt nicht den Fußball." Genauso, wie ein Austausch im Videochat nicht das gleiche ist wie Kabinengespräche und gemeinsames Training: „Das Zusammensein mit der Mannschaft fehlte mir schon. Ich nutze zwar Facetime oder WhatsApp, bin aber nicht täglich im Kontakt mit den Kollegen." Makridis, den alle nur Babis nennen, nutzte die Situation vielmehr für Dinge, die oft zu kurz kommen: „Ich habe jetzt mal Zeit für Leute, die man sonst nicht so häufig treffen kann." Alles digital, versteht sich: „Mit den Freunden klappt das auch sehr gut, man ist ja damit groß geworden. Bei den Eltern ist das schon etwas schwieriger", erklärt der 23-Jährige augenzwinkernd. Der sieht sich nach seinem Wechsel vor rund zwei Monaten schon angekommen in Regensburg. „Ich bin gut aufgenommen worden und komme mit der Mannschaft gut klar. Und die Stadt ist sehr cool." Weniger zufrieden ist Makridis dagegen mit seinen Einsatzzeiten: In sieben möglichen Spielen kommt er bisher auf eine Minute beim 1:2 gegen Dynamo Dresden. „Das soll natürlich mehr werden", findet der Deutsch-Grieche. Der muss sich allerdings auch noch ein wenig auf die 2. Liga einstellen. „Das ist schon ein Unterschied zur Regionalliga, ein anderes Niveau. Vor allem das Drumherum ist viel größer. Aber auf dem Platz ist es auch nur Fußball." Dahin will der Mindener so schnell wie möglich zurück und setzt darauf, dass die Saison wieder aufgenommen wird: „Ich hoffe auf jeden Fall, dass wir demnächst wieder ran dürfen, das sehen alle in der Mannschaft so." Sollte daraus nichts werden, hat Makridis aber noch genug Zeit, sich in der 2. Liga zu etablieren: Sein Vertrag beim Jahn läuft bis Juni 2023. (kül) Homeoffice mit Cyber-Training - Carina Schlüter hat bei Bayern München auch zu Hause viel zu tun „Ich hab' grad gekocht", sagt Carina Schlüter auf die Frage, wie sie sich die Zeit in der Corona-Krise vertreibt. Dass die Torhüterin von Bayern Münchens Bundesliga-Fußballerinnen auch im Heimtraining viel zu tun hat, hängt aber weniger mit ihrer Selbstversorgung zusammen, sondern mit einem umfassenden Programm. „Ich bin gut beschäftigt", sagt die Mindenerin, die in München vor knapp zehn Monaten eine neue Herausforderung angenommen hat. Schlüter treibt ihr Management-Studium voran, liest Sachbücher oder Biografien und hält über die sozialen Netzwerke und Videoschaltungen Kontakt zu ihrer Mannschaft. Und natürlich trainiert sie auch. „Laufen, Schnellkraft, Stabilitätsübungen – es ist ein bisschen wie in der Vorbereitung", erzählt die 23-Jährige. Auch die Frauen des FC Bayern nutzen zudem das Cyber-Training: Über einen Videochat absolvieren sie eine gemeinsame Einheit mit dem Athletiktrainer. „Das ist schon cool, man sieht sich und kann sich austauschen. Und der Trainer kann auf die Ausführung der Übungen gucken", sagt Schlüter. Außerdem gibt es eine Technik-Challenge mit Ball, das entsprechende Video müssen die Spielerinnen an den Trainer schicken. Schlüter nutzt auch noch eine Stroboskop-Brille für visuelles Training. Die Sehnsucht nach der Arbeit auf dem Platz stillt das alles jedoch nicht. „Ich hoffe, dass wir bald wieder trainieren können", sagt Schlüter. Die Männer sind seit Montag wieder in Kleingruppen bei der Arbeit. Auch für die Frauen ist eine Wiederaufnahme der Saison noch nicht vom Tisch. „Im besten Fall geht es Mitte Mai wieder los", glaubt die Mindenerin. Auf ihre ersten Monate in München blickt sie positiv zurück: „Es ist ganz gut gelaufen, ich habe relativ viel Spielzeit bekommen." Denn auch wenn Laura Benkarth als Stammtorhüterin vor ihr steht, kommt Schlüter immerhin auf insgesamt acht Saison-Einsätze in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League. „Dieser Konkurrenzkampf ist genau das, was ich brauche", betont sie. Im Januar wurde die Nationalspielerin aus Leteln von einer Verletzung gestoppt: Beim Trainingslager in Doha wurde ein Patellaspitzensyndrom im Knie festgestellt. Die Zwangspause kommt Schlüter also fast zugute. Und auch sonst will die 23-Jährige nicht hadern: „Uns trifft es im Vergleich zu Branchen wie dem Gesundheitssystem oder dem Einzelhandel ja noch ganz gut. Wir können viel trainieren und das Beste aus der Situation machen." Kurzarbeit und Gehaltsverzicht sind bei den Bayern-Frauen übrigens bislang noch kein Thema. „Wie es nach dem April weiter geht, muss man sehen", sagt Schlüter. (kül)