Porta Westfalica

Heiner Kühr sammelt Autogramme von Fußballprofis - es müssen aber ganz besondere sein

Astrid Plaßhenrich

Porta Westfalica (mt). Manchmal reichen wenige Zeilen aus. So war es im Fall von Wolfram Kaminke. Der Portaner Heiner Kühr war auf der Jagd nach dessen Unterschrift. Kaminke war in den 60er-Jahren Fußballprofi, spielte beim 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga und bei den Detroit Cougars in der North American Soccer League (NASL). Damit erfüllt der heute 72-Jährige die entscheidenden Kriterien, um es in Kührs Autogrammsammlung zu schaffen. Aber der Portaner zweifelte: Betreibt der ehemalige Fußballer heute tatsächlich im portugiesischen Cascais eine Pizzeria mit dem Namen „Mister Pizza“? Kühr schrieb eine kurze E-Mail: „Sind Sie es wirklich?“ Volltreffer! Einige Wochen später lag in dem Briefkasten in Barkhausen ein Brief aus Portugal – mit dem Autogramm von Wolfram Kaminke.

Eine kleine Auswahl: Heiner Kühr hält die Autogramme von Lothar Matthäus (links) und Franz Beckenbauer in den Händen. Vor ihm liegen weitere, u.a. von Leroy Sané oder Jens Lehmann. MT- - © Foto: Plaßhenrich
Eine kleine Auswahl: Heiner Kühr hält die Autogramme von Lothar Matthäus (links) und Franz Beckenbauer in den Händen. Vor ihm liegen weitere, u.a. von Leroy Sané oder Jens Lehmann. MT- (© Foto: Plaßhenrich)

Heiner Kühr sammelt Autogramme von deutschen Fußballern die sowohl in der Bundesliga als auch in der höchsten nordamerikanischen und/oder in der höchsten englischen Liga spielen oder gespielt haben. Nach seinen Recherchen standen 60 Bundesligaprofis in 91 Vereinen der NASL unter Vertrag. Die erste nordamerikanische Fußball-Profiliga existierte von 1968 bis 1984. Deshalb ist es auch die einzige Sammlung, die der Portaner abschließen könnte. Inzwischen hat 53-Jährige 39 Autogramme der NASL-Profis. In der 1994 gegründeten Major League Soccer (MLS) spielten nach Kührs Kenntnisstand 20 Deutsche in 24 Vereine – davon hat er zwölf Unterschriften. Dazu sind 80 deutsche Legionäre für 95 Klubs in England aufgelaufen. Von ihnen hat Kühr bislang etwa 60 Autogramme in seiner Sammlung.

Um herauszufinden, wer, wann, wo gespielt hat, recherchiert der Lehrer des Imanuel-Kant-Gymnasiums in Bad Oeynhausen in den Tiefen des Internets, durchforstet Kicker-Sonderhefte und hat sich aus einem Antiquariat in den USA sogar das Buch „North American Soccer League“ von Colin Jose besorgt. „Meine Listen erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, sagt Kühr.

Bereits als Kind und Jugendlicher hat der FC-Bayern- und Preußen-Münster-Fan Autogrammkarten von Bundesligaprofis gesammelt. „Damals war das einfach. Die Privatadressen der Spieler wurden im Kicker abgedruckt“, erzählt er: „Mit 16 oder 17 Jahren ließ mein Interesse nach, ich habe die Sammlung dann verkauft.“ Sein Zwillingsbruder Thomas sammelte weiter und hat inzwischen die Unterschriften von mehr als 90 Prozent aller Bundesligaprofis seit dem Ligastart 1963.

Heiner Kühr entdeckte seine Sammelleidenschaft erst vor sieben Jahre neu. „Ich wollte dann aber eine spezielle Nische besetzen. Ich kenne bislang auch niemanden, der die Unterschriften der deutschen Spieler in der nordamerikanischen Liga sammelt“, sagt der Portaner.

Um an die Unterschriften zu gelangen, ruft er auch – wie bei Arno Steffenhagen (u.a. Hertha BSC, Hamburger SV, Chicago Sting, Vancouver Whitecaps) – in den USA an. „Wir haben dann eine Viertelstunde gequatscht“, erzählt der Lehrer. Wenn Kühl weiß, in welcher Stadt ein Spieler inzwischen wohnt, sucht er die Telefonnummer im Internet. „Manchmal tauchen die Namen auch mehrfach auf, dann stehen eben mehrere Telefonate an“, erzählt der Sammler und ergänzt: „Die Spieler melden sich meist nicht mit Namen, sondern nur mit ,Ja'. Und wenn sie bestätigen, Fußballer gewesen zu sein, folgt die Frage: Wieso?“ Natürlich fährt Kühr auch zu Spielen, hat inzwischen zahlreiche Stadien gesehen. „Das Weserspucker-Turnier war auch immer eine gute Adresse. Und das Stadion in Münster ist ein Eldorado für Autogrammsammler, dort geht es noch familiär zu“, schwärmt er. Dazu besucht der Portaner jährlich auch die Internationale Fußballbörse in Erftstadt-Lechenich. „Dort sind immer sehr viele Anbieter.“

Leicht ist der Job der Unterschriftenjäger keinesfalls. Kühr kritisiert auch, dass die Bundesligavereine daraus ein Geschäftsmodell gemacht haben: „Einen gesamten Satz kann man im Fanshop kaufen.“ Mit einer Sammelleidenschaft hat das nicht mehr viel zutun. Englischen Klubs stellen heutzutage erst gar keine Autogrammkarten mehr her. „Es scheint, als ob die aktuellen Profis, Autogramme zu geben, als Last empfinden“, sagt Kühr.

Mit einer Unterschrift auf einem weißen Blatt Papier gibt sich Heiner Kühr nicht zufrieden – auch wenn diese von einem Fußballprofi stammt, der sowohl in der Bundesliga als auch in England und/oder in Nordamerika spielt(e).

Deshalb sucht der Portaner von den Spielern Bilder im Internet, die sie in den Vereinstrikots zeigen, als sie in England oder Nordamerika unter Vertrag standen. „Das ist oft gar nicht so einfach“, erzählt Kühr. Manchmal ist der Fotobestand so schlecht, dass die Spieler nur im Hintergrund zu sehen sind. Danach lädt er die Bilder herunter, lässt sie entwickeln und steckt sie mit einem frankierten Rückumschlag in die Post. Deshalb hat der 53-Jährige auch immer US-amerikanische, kanadische und englische Briefmarken im Haus.

Oft muss der Kühr Wochen, Monate oder gar Jahre auf eine Rückantwort warten. „Im Durchschnitt sind es sieben bis acht Monate, bis ich die Fotos zurückbekomme“, sagt der 53-Jährige. Dann werden die Autogramme aufgeklebt und wandern zusammen mit Zahlen aus der Karriere des jeweiligen Spielers in einem Ordner. Ganz wichtig: Das Klubwappen steht über dem Spielernamen – auch das muss aus der Vertragszeit des Akteurs stammen. „Die Wappen verändern sich schließlich auch von Zeit zu Zeit“, erklärt Kühr. (apl)

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Porta WestfalicaHeiner Kühr sammelt Autogramme von Fußballprofis - es müssen aber ganz besondere seinAstrid PlaßhenrichPorta Westfalica (mt). Manchmal reichen wenige Zeilen aus. So war es im Fall von Wolfram Kaminke. Der Portaner Heiner Kühr war auf der Jagd nach dessen Unterschrift. Kaminke war in den 60er-Jahren Fußballprofi, spielte beim 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga und bei den Detroit Cougars in der North American Soccer League (NASL). Damit erfüllt der heute 72-Jährige die entscheidenden Kriterien, um es in Kührs Autogrammsammlung zu schaffen. Aber der Portaner zweifelte: Betreibt der ehemalige Fußballer heute tatsächlich im portugiesischen Cascais eine Pizzeria mit dem Namen „Mister Pizza“? Kühr schrieb eine kurze E-Mail: „Sind Sie es wirklich?“ Volltreffer! Einige Wochen später lag in dem Briefkasten in Barkhausen ein Brief aus Portugal – mit dem Autogramm von Wolfram Kaminke. Heiner Kühr sammelt Autogramme von deutschen Fußballern die sowohl in der Bundesliga als auch in der höchsten nordamerikanischen und/oder in der höchsten englischen Liga spielen oder gespielt haben. Nach seinen Recherchen standen 60 Bundesligaprofis in 91 Vereinen der NASL unter Vertrag. Die erste nordamerikanische Fußball-Profiliga existierte von 1968 bis 1984. Deshalb ist es auch die einzige Sammlung, die der Portaner abschließen könnte. Inzwischen hat 53-Jährige 39 Autogramme der NASL-Profis. In der 1994 gegründeten Major League Soccer (MLS) spielten nach Kührs Kenntnisstand 20 Deutsche in 24 Vereine – davon hat er zwölf Unterschriften. Dazu sind 80 deutsche Legionäre für 95 Klubs in England aufgelaufen. Von ihnen hat Kühr bislang etwa 60 Autogramme in seiner Sammlung. Um herauszufinden, wer, wann, wo gespielt hat, recherchiert der Lehrer des Imanuel-Kant-Gymnasiums in Bad Oeynhausen in den Tiefen des Internets, durchforstet Kicker-Sonderhefte und hat sich aus einem Antiquariat in den USA sogar das Buch „North American Soccer League“ von Colin Jose besorgt. „Meine Listen erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit“, sagt Kühr. Bereits als Kind und Jugendlicher hat der FC-Bayern- und Preußen-Münster-Fan Autogrammkarten von Bundesligaprofis gesammelt. „Damals war das einfach. Die Privatadressen der Spieler wurden im Kicker abgedruckt“, erzählt er: „Mit 16 oder 17 Jahren ließ mein Interesse nach, ich habe die Sammlung dann verkauft.“ Sein Zwillingsbruder Thomas sammelte weiter und hat inzwischen die Unterschriften von mehr als 90 Prozent aller Bundesligaprofis seit dem Ligastart 1963. Heiner Kühr entdeckte seine Sammelleidenschaft erst vor sieben Jahre neu. „Ich wollte dann aber eine spezielle Nische besetzen. Ich kenne bislang auch niemanden, der die Unterschriften der deutschen Spieler in der nordamerikanischen Liga sammelt“, sagt der Portaner. Um an die Unterschriften zu gelangen, ruft er auch – wie bei Arno Steffenhagen (u.a. Hertha BSC, Hamburger SV, Chicago Sting, Vancouver Whitecaps) – in den USA an. „Wir haben dann eine Viertelstunde gequatscht“, erzählt der Lehrer. Wenn Kühl weiß, in welcher Stadt ein Spieler inzwischen wohnt, sucht er die Telefonnummer im Internet. „Manchmal tauchen die Namen auch mehrfach auf, dann stehen eben mehrere Telefonate an“, erzählt der Sammler und ergänzt: „Die Spieler melden sich meist nicht mit Namen, sondern nur mit ,Ja'. Und wenn sie bestätigen, Fußballer gewesen zu sein, folgt die Frage: Wieso?“ Natürlich fährt Kühr auch zu Spielen, hat inzwischen zahlreiche Stadien gesehen. „Das Weserspucker-Turnier war auch immer eine gute Adresse. Und das Stadion in Münster ist ein Eldorado für Autogrammsammler, dort geht es noch familiär zu“, schwärmt er. Dazu besucht der Portaner jährlich auch die Internationale Fußballbörse in Erftstadt-Lechenich. „Dort sind immer sehr viele Anbieter.“ Leicht ist der Job der Unterschriftenjäger keinesfalls. Kühr kritisiert auch, dass die Bundesligavereine daraus ein Geschäftsmodell gemacht haben: „Einen gesamten Satz kann man im Fanshop kaufen.“ Mit einer Sammelleidenschaft hat das nicht mehr viel zutun. Englischen Klubs stellen heutzutage erst gar keine Autogrammkarten mehr her. „Es scheint, als ob die aktuellen Profis, Autogramme zu geben, als Last empfinden“, sagt Kühr. Mit einer Unterschrift auf einem weißen Blatt Papier gibt sich Heiner Kühr nicht zufrieden – auch wenn diese von einem Fußballprofi stammt, der sowohl in der Bundesliga als auch in England und/oder in Nordamerika spielt(e). Deshalb sucht der Portaner von den Spielern Bilder im Internet, die sie in den Vereinstrikots zeigen, als sie in England oder Nordamerika unter Vertrag standen. „Das ist oft gar nicht so einfach“, erzählt Kühr. Manchmal ist der Fotobestand so schlecht, dass die Spieler nur im Hintergrund zu sehen sind. Danach lädt er die Bilder herunter, lässt sie entwickeln und steckt sie mit einem frankierten Rückumschlag in die Post. Deshalb hat der 53-Jährige auch immer US-amerikanische, kanadische und englische Briefmarken im Haus. Oft muss der Kühr Wochen, Monate oder gar Jahre auf eine Rückantwort warten. „Im Durchschnitt sind es sieben bis acht Monate, bis ich die Fotos zurückbekomme“, sagt der 53-Jährige. Dann werden die Autogramme aufgeklebt und wandern zusammen mit Zahlen aus der Karriere des jeweiligen Spielers in einem Ordner. Ganz wichtig: Das Klubwappen steht über dem Spielernamen – auch das muss aus der Vertragszeit des Akteurs stammen. „Die Wappen verändern sich schließlich auch von Zeit zu Zeit“, erklärt Kühr. (apl)