Bad Oeynhausen

Skandal in der Kreisliga B: Wulferdingsen-Coach trägt Mütze mit rechtsradikalen Symbolen

Ulf Hanke

Seit 2018 trainiert Marcel D. aus Hille C-Ligist SuS Wulferdingsen II. Am vergangenen Sonntag stand er als Interimscoach der ersten Mannschaft mit dieser Kopfbedeckung an der Seitenlinie. - © Foto: Ingo Büchel
Seit 2018 trainiert Marcel D. aus Hille C-Ligist SuS Wulferdingsen II. Am vergangenen Sonntag stand er als Interimscoach der ersten Mannschaft mit dieser Kopfbedeckung an der Seitenlinie. (© Foto: Ingo Büchel)

Bad Oeynhausen (nw). Das Rudel hat gerade so gewonnen. 2:1 besiegten „die Wölfe" aus Wulferdingsen am Sonntag auf dem heimischen Fußballplatz die Lokalrivalen vom TuS Victoria Dehme. Es war der Zittersieg einer multikulturellen Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit einen 0:1-Rückstand aufholte – allerdings auf Kosten der Fairness. Denn bei dieser Fußball-Schlacht hagelte es acht gelbe Karten. Zwei Spieler wurden vom Schiedsrichter vom Platz gestellt. Da blieb fast unbemerkt, dass der Trainer der Wölfe an der Seitenlinie eine Wintermütze mit rechtsradikalen Symbolen zur Schau stellte.

Zwei Monate nach den Naziparolen in der Umkleidekabine des TuS Holzhausen/Porta hat der Fußballkreis Minden-Lübbecke wieder einen Nazi-Skandal. Diesmal stehen nicht die Spieler selbst im Mittelpunkt, sondern der Trainer – der Mann mit der Mütze. Und das, obwohl sich der SuS Wulferdingsen nach dem Holzhausen-Skandal bei Facebook noch am 7. September das Motto „gemeinsam gegen Rechts" gegeben hatte.

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Schalke-Fanclub reagiert

Der FC Schalke 04 rühmt sich, besonders streng mit Anhängern ins Gericht zu gehen, die rechtsextremes Gedankengut verbreiten. Marcel D. ist nicht nur glühender Schalke-Fan, sondern auch Mitglied beim Hiller Schalke 04 Fanclub „Wir lassen die Sau raus". Dessen Vorsitzender, Holger Finke, betonte auf Nachfrage der Neuen Westfälischen, dass man kein Mitglied dulden werde, das mit dieser Gesinnung ins Stadion gehe. „Das passt nicht zu uns", sagt er. Dem Hiller Club gehören 397 Mitglieder an. Marcel D. sei eher passiv, sagte Finke. (tcg)

Nach Informationen der NW und des Mindener Tageblatts handelt es sich bei dem Mützenträger um den Interims-Trainer des SuS Wulferdingsen, Marcel D. aus Hille Als die NW ihn am Dienstagabend mit ihren Recherchen konfrontierte, erklärte D., die Mütze sei ihm „von Rockern geschenkt" worden, er besitze sie „schon 100 Jahre". Er habe er sich aber „keine Gedanken" darüber gemacht, was darauf zu sehen ist. Es sei kalt gewesen am Sonntag, deshalb habe er „die Mütze aufgesetzt – und fertig", so D.: „Manchmal trage ich Pudelmütze, mal eine Schalke-Mütze, ist doch egal."

Das sehen Kenner der extremen Rechten anders. Nach Einschätzung von Michael Weiss, dem die NW ein Foto des Trainers mit der Mütze zur Verfügung stellte, ist die Mütze „ein recht typisches Kleidungsstück eines Rechten, jedoch kein klar rechtsextremes Kleidungsstück". Weiss hat für die „Agentur für soziale Perspektiven" in Berlin eine Internetseite entworfen, die die Symbole der organisierten Rechten einordnet und erklärt. Die Seite ist unter anderem mit Geldern der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des Landes Berlin bezahlt worden.

Totenkopf, Stahlhelm und das Eiserne Kreuz stehen nach Ansicht von Weiss für eine „männlich-militaristische Symbolik". Weiss habe solche Mützen mehrfach gesehen – immer „in einem extrem rechten Zusammenhang".

Diese rechte Symbolik auf einer Mütze öffentlich zur Schau zu stellen ist nicht verboten. Doch warum trägt ausgerechnet der Trainer einer multikulturellen Kreisliga-Mannschaft eine solche Mütze? „Bei C&A kriegt man die Mütze nicht", sagt Weiss. Im Internet gibt es spezielle Online-Shops, bei denen die rechte Szene offenbar einkauft. In diesem Zusammenhang fällt auch ein zweites Foto von der Internetseite des SuS Wulferdingsen auf. Auf dem Foto trägt der Trainer ein T-Shirt, das offenbar ebenfalls aus dem rechtssortierten Kleiderschrank stammt.

Und die Facebook-Seite von Marcel D. liefert weitere Hinweise auf seine politischen Vorlieben. D. ist über das soziale Netzwerk nicht nur mit der NPD-Sachsen verbunden, sondern auch mit mehreren bekannten Neonazis.

Der Vorsitzende des SuS Wulferdingsen Michael Grützkowski schrieb in einer ersten Stellungnahme am Dienstagabend, D. sei erst seit 2018 Trainer der Reserve. „Weil er sich dort sehr gut etabliert" habe, unterstütze D. aktuell das Trainerteam der ersten Mannschaft. Die Zusammenarbeit mit einem federführenden türkischstämmigen Spieler stelle sich „völlig problemlos und positiv dar". Auch mit weiteren Spielern unterschiedlichster Nationalitäten und Migrationshintergründen werde „sehr gut zusammengearbeitet". Der Verein SuS Wulferdingsen, so Grützkowski, stehe „klar gegen Rechts" und distanziere sich von „jeglichem Rassismus".

Grützkowski, der auch für die CDU im Rat der Stadt Bad Oeynhausen sitzt, tritt seit Jahren mit der Kampagne „Respect" für Toleranz und gegenseitiges Verständnis im Vereinsfußball ein. Grützkowski war am Sonntag selbst beim 2:1 seiner Mannschaft auf dem Fußballplatz. Die Kopfbedeckung des Fußballtrainers ist ihm nicht aufgefallen. Grützkowski selbst hatte keine Mütze auf, sagte er am Abend in einem Telefonat: „Und wenn ich eine aufsetze, weiß ich, was darauf steht."

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Bad OeynhausenSkandal in der Kreisliga B: Wulferdingsen-Coach trägt Mütze mit rechtsradikalen SymbolenUlf HankeBad Oeynhausen (nw). Das Rudel hat gerade so gewonnen. 2:1 besiegten „die Wölfe" aus Wulferdingsen am Sonntag auf dem heimischen Fußballplatz die Lokalrivalen vom TuS Victoria Dehme. Es war der Zittersieg einer multikulturellen Mannschaft, die in der zweiten Halbzeit einen 0:1-Rückstand aufholte – allerdings auf Kosten der Fairness. Denn bei dieser Fußball-Schlacht hagelte es acht gelbe Karten. Zwei Spieler wurden vom Schiedsrichter vom Platz gestellt. Da blieb fast unbemerkt, dass der Trainer der Wölfe an der Seitenlinie eine Wintermütze mit rechtsradikalen Symbolen zur Schau stellte. Zwei Monate nach den Naziparolen in der Umkleidekabine des TuS Holzhausen/Porta hat der Fußballkreis Minden-Lübbecke wieder einen Nazi-Skandal. Diesmal stehen nicht die Spieler selbst im Mittelpunkt, sondern der Trainer – der Mann mit der Mütze. Und das, obwohl sich der SuS Wulferdingsen nach dem Holzhausen-Skandal bei Facebook noch am 7. September das Motto „gemeinsam gegen Rechts" gegeben hatte. Nach Informationen der NW und des Mindener Tageblatts handelt es sich bei dem Mützenträger um den Interims-Trainer des SuS Wulferdingsen, Marcel D. aus Hille Als die NW ihn am Dienstagabend mit ihren Recherchen konfrontierte, erklärte D., die Mütze sei ihm „von Rockern geschenkt" worden, er besitze sie „schon 100 Jahre". Er habe er sich aber „keine Gedanken" darüber gemacht, was darauf zu sehen ist. Es sei kalt gewesen am Sonntag, deshalb habe er „die Mütze aufgesetzt – und fertig", so D.: „Manchmal trage ich Pudelmütze, mal eine Schalke-Mütze, ist doch egal." Das sehen Kenner der extremen Rechten anders. Nach Einschätzung von Michael Weiss, dem die NW ein Foto des Trainers mit der Mütze zur Verfügung stellte, ist die Mütze „ein recht typisches Kleidungsstück eines Rechten, jedoch kein klar rechtsextremes Kleidungsstück". Weiss hat für die „Agentur für soziale Perspektiven" in Berlin eine Internetseite entworfen, die die Symbole der organisierten Rechten einordnet und erklärt. Die Seite ist unter anderem mit Geldern der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des Landes Berlin bezahlt worden. Totenkopf, Stahlhelm und das Eiserne Kreuz stehen nach Ansicht von Weiss für eine „männlich-militaristische Symbolik". Weiss habe solche Mützen mehrfach gesehen – immer „in einem extrem rechten Zusammenhang". Diese rechte Symbolik auf einer Mütze öffentlich zur Schau zu stellen ist nicht verboten. Doch warum trägt ausgerechnet der Trainer einer multikulturellen Kreisliga-Mannschaft eine solche Mütze? „Bei C&A kriegt man die Mütze nicht", sagt Weiss. Im Internet gibt es spezielle Online-Shops, bei denen die rechte Szene offenbar einkauft. In diesem Zusammenhang fällt auch ein zweites Foto von der Internetseite des SuS Wulferdingsen auf. Auf dem Foto trägt der Trainer ein T-Shirt, das offenbar ebenfalls aus dem rechtssortierten Kleiderschrank stammt. Und die Facebook-Seite von Marcel D. liefert weitere Hinweise auf seine politischen Vorlieben. D. ist über das soziale Netzwerk nicht nur mit der NPD-Sachsen verbunden, sondern auch mit mehreren bekannten Neonazis. Der Vorsitzende des SuS Wulferdingsen Michael Grützkowski schrieb in einer ersten Stellungnahme am Dienstagabend, D. sei erst seit 2018 Trainer der Reserve. „Weil er sich dort sehr gut etabliert" habe, unterstütze D. aktuell das Trainerteam der ersten Mannschaft. Die Zusammenarbeit mit einem federführenden türkischstämmigen Spieler stelle sich „völlig problemlos und positiv dar". Auch mit weiteren Spielern unterschiedlichster Nationalitäten und Migrationshintergründen werde „sehr gut zusammengearbeitet". Der Verein SuS Wulferdingsen, so Grützkowski, stehe „klar gegen Rechts" und distanziere sich von „jeglichem Rassismus". Grützkowski, der auch für die CDU im Rat der Stadt Bad Oeynhausen sitzt, tritt seit Jahren mit der Kampagne „Respect" für Toleranz und gegenseitiges Verständnis im Vereinsfußball ein. Grützkowski war am Sonntag selbst beim 2:1 seiner Mannschaft auf dem Fußballplatz. Die Kopfbedeckung des Fußballtrainers ist ihm nicht aufgefallen. Grützkowski selbst hatte keine Mütze auf, sagte er am Abend in einem Telefonat: „Und wenn ich eine aufsetze, weiß ich, was darauf steht."