Porta Westfalica

HoPo-Fußballer brechen ihr Schweigen: Stellungnahme nach "Sieg heil"-Video

Marcus Riechmann

Die erste Senioren-Fußballmannschaft des TuS Holzhausen/Porta zeigt drei Wochen nach dem Video-Skandal um "Sieg-heil"-Rufe eine klare Botschaft: "HoPo gegen Rechts".  - © pr
Die erste Senioren-Fußballmannschaft des TuS Holzhausen/Porta zeigt drei Wochen nach dem Video-Skandal um "Sieg-heil"-Rufe eine klare Botschaft: "HoPo gegen Rechts".  (© pr)

Porta Westfalica (mt). Am 5. Mai entstand in der Umkleidekabine auf dem Sportplatz des TuS Holzhausen/Porta ein Video. Inhalt: Spieler des Fußballteams feiern den Aufstieg in die Kreisliga A mit einem „Sieg-heil"-Gesang. Vier Monate später holte dieser Vorfall den Verein und die Mannschaft ein: Als am 4. September die Aufnahme mit der Nazi-Parole über den Nachrichtenkanal WhatsApp die große Runde machte, stand der TuS Holzhausen/Porta von einer Sekunde auf die nächste im Fokus der Öffentlichkeit.

Staatsschutz und der westfälische Verband ermitteln seitdem. Der Verein reagierte und meldete die Mannschaft vom Spielbetrieb ab. Der TuS Holzhausen/Porta distanzierte sich von dem Vorfall, sprach von einem nicht zu tolerierenden Fehlverhalten und schloss bis auf weiteres Spieler und Trainer des Teams von jeglichem Fußballbetrieb im Verein aus.

Blick auf ein Vereinsgebäude des TuS Holzhausen/Porta. In einer Umkleidekabine nahm der Skandal um die gesungene Nazi-Parole seinen Anfang. - © Foto: Lehn/MT
Blick auf ein Vereinsgebäude des TuS Holzhausen/Porta. In einer Umkleidekabine nahm der Skandal um die gesungene Nazi-Parole seinen Anfang. (© Foto: Lehn/MT)

Drei Wochen später brachen die Spieler gestern ihr Schweigen. Am Abend ließ Ex-Coach Mike Achtelik dem Mindener Tageblatt eine von Trainer und Team gemeinsam verfasste und anwaltlich begleitete Stellungnahme zukommen, in dem sich die Beteiligten von „jedwedem rechtsradikalen Gedankengut" distanzieren und den Vorfall zutiefst bedauern.

„Wir sind bestürzt über die gesamte Situation und möchten uns in aller Form bei allen entschuldigen, insbesondere bei der Stadt Porta Westfalica, unserem Vorstand und allen Vereinsmitgliedern", heißt es in der Stellungnahme. Weitere Auszüge lauten: „Wir möchten versichern, dass in unserer Mannschaft kein rechtes Gedankengut herrscht! Wir haben viele Spieler im Team, die einen Migrationshintergrund haben und kommen bestens miteinander aus. ... Wir möchten hier noch einmal ausdrücklich betonen, dass wir keine Nazis oder Rechtsradikale sind. Darüber hinaus sind wir bestürzt, dass der Vorfall derartige Auswirkungen auf so viele Menschen hat." Die Folgen beschreibt die Mannschaft so: „In den vergangenen Tagen wurden Unbeteiligte, beispielsweise Freude und Verwandte von uns, teilweise heftig belästigt, beleidigt und beschuldigt. Spieler aus unseren Jugendmannschaften mussten sich in der Schule rechtfertigen." Es folgt die nicht den Gesang selbst sondern dessen Aufnahme in den Fokus rückende Feststellung: „Zehn Sekunden Videomaterial haben das Leben viele Personen, sowohl privat als auch beruflich, grundlegend verändert und mehrjährige Vereinsarbeit zerstört." Auch Drohungen hätten das Team erreicht.

„Der Schock und der mediale Druck ... haben uns schwer zu schaffen gemacht. Die Situation ist für den gesamten Verein neu, höchst unangenehm und komplex, so dass Gespräche und Aufklärungen sich hinziehen." Schließlich bringt das Team den Wunsch nach einer Rückkehr auf das Spielfeld zum Ausdruck: „Wir alle lieben den Fußball und wollen den Menschen, die uns zuschauen, Freude am Fußball und am Vereinsleben beim TuS HoPo bringen. Dies haben wir vor allem in letzter Zeit mit unseren sportlichen Erfolgen bewiesen und würden dies auch gerne in Zukunft wieder tun."

Zu den „Sieg Heil"-Rufen selbst äußert sich die Mannschaft in der Stellungnahme nicht. Wie ist es zu diesen gekommen? Wie bewerten die Spieler ihr Verhalten in der Rückschau? Antworten darauf werden noch auf sich warten lassen. Das Team teilt mit, dass wegen der laufenden Verfahren zunächst keine weiteren Äußerungen folgen werden und eine frühere Reaktion aus demselben Grund nicht möglich gewesen sei.

Die Stellungnahme im Wortlaut

Sehr geehrte Mitbürger und Mitbürgerinnen,

mit dieser Stellungnahme mochten sich der Trainer und die gesamte 1. Mannschaft das TuS Holzhausen/Porta zu den vergangenen Tagen und dem Video äußern.

Wir sind bestürzt über sie gesamte Situation und möchten uns in aller Form bei allen entschuldigen, insbesondere bei der Stadt Porta Westfalica, unserem Vorstand und allen Vereinsmitgliedern.

Da ein rechtliches Strafverfahren läuft, kann und wird sich niemand einzeln in der Öffentlichkeit zu Wort melden. Wir tun dies jetzt gemeinsam mit diesem Statement und bitten nochmals um Entschuldigung. Wir möchten zudem versichern, dass in unserer Mannschaft kein rechtes Gedankengut herrscht! Wir haben viele Spieler im Team, die einen Migrationshintergrund haben und kommen bestens miteinander aus. Wir Spieler und der Trainer sind sehr betroffen und traurig, dass wir durch die Medien und viele Personen im Kollektiv als „Nazis" bezeichnet werden. Wir möchten hier noch einmal ausdrücklich betonen, dass wir keine Nazis oder Rechtsradikale sind!

Darüber hinaus sind wir äußerst bestürzt, dass der Vorfall derartige Auswirkungen auf so viele Menschen hat. In den vergangenen Tagen wurden Unbeteiligte, beispielsweise Freunde und Verwandte von uns, teilweise heftig belästigt, beleidigt und beschuldigt. Spieler aus unseren Jugendmannschaften mussten sich in der Schule rechtfertigen und viele (vor allem die kleineren Kinder, die den Sachverhalt kaum verstehen) haben jetzt Angst, dass sie kein Fußball mehr spielen dürfen. Zehn Sekunden Videomaterial haben das Leben vieler Personen, sowohl privat als auch beruflich, grundlegend verändert und mehrjährige Vereinsarbeit zerstört.

Auch diverse Drohungen haben uns erreicht. Ob diese ernst gemeint sind oder nicht, wir bitten davon abzusehen und bzw. den gesamten Verein nicht „über einen Kamm zu scheren". Jeder sollte sich ein eigenes Urteil über uns als Mannschaft bilden, statt über Medienberichte, Kommentare, Gerüchte und Mutmaßungen ein verzerrtes Bild zu erhalten.

Der Schock und der mediale Druck, der auf dem Verein und uns als 1. Mannschaft lastet, haben uns schwer zu schaffen gemacht. Wir bitten zu entschuldigen, dass es deshalb erst jetzt zu einer Stellungnahme von uns Kommt. Die Situation ist für den gesamten Verein neu, höchst unangenehm und komplex, sodass Gespräche und Aufklärungen sich hinziehen. Trainer und Mannschaft distanzieren sich von jedwedem rechtsradikalen Gedankengut und bedauern den Vorfall zutiefst.

Für uns als Fußballer steht nach wie vor der Sport im Vordergrund. Wir alle lieben den Fußball uns wollen den Menschen, die uns zuschauen, Freude am Fußball und Vereinsleben beim TuS HoPo bringen. Dies haben wir vor allem in letzter Zeit mit unseren sportlichen Erfolgen bewiesen und würden dies auch gerne in Zukunft wieder tun.

Abschließend möchten wir allen Unterstützern und Fürsprechern des Teams und Vereins danken!

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Porta WestfalicaHoPo-Fußballer brechen ihr Schweigen: Stellungnahme nach "Sieg heil"-VideoMarcus RiechmannPorta Westfalica (mt). Am 5. Mai entstand in der Umkleidekabine auf dem Sportplatz des TuS Holzhausen/Porta ein Video. Inhalt: Spieler des Fußballteams feiern den Aufstieg in die Kreisliga A mit einem „Sieg-heil"-Gesang. Vier Monate später holte dieser Vorfall den Verein und die Mannschaft ein: Als am 4. September die Aufnahme mit der Nazi-Parole über den Nachrichtenkanal WhatsApp die große Runde machte, stand der TuS Holzhausen/Porta von einer Sekunde auf die nächste im Fokus der Öffentlichkeit. Staatsschutz und der westfälische Verband ermitteln seitdem. Der Verein reagierte und meldete die Mannschaft vom Spielbetrieb ab. Der TuS Holzhausen/Porta distanzierte sich von dem Vorfall, sprach von einem nicht zu tolerierenden Fehlverhalten und schloss bis auf weiteres Spieler und Trainer des Teams von jeglichem Fußballbetrieb im Verein aus. Drei Wochen später brachen die Spieler gestern ihr Schweigen. Am Abend ließ Ex-Coach Mike Achtelik dem Mindener Tageblatt eine von Trainer und Team gemeinsam verfasste und anwaltlich begleitete Stellungnahme zukommen, in dem sich die Beteiligten von „jedwedem rechtsradikalen Gedankengut" distanzieren und den Vorfall zutiefst bedauern. „Wir sind bestürzt über die gesamte Situation und möchten uns in aller Form bei allen entschuldigen, insbesondere bei der Stadt Porta Westfalica, unserem Vorstand und allen Vereinsmitgliedern", heißt es in der Stellungnahme. Weitere Auszüge lauten: „Wir möchten versichern, dass in unserer Mannschaft kein rechtes Gedankengut herrscht! Wir haben viele Spieler im Team, die einen Migrationshintergrund haben und kommen bestens miteinander aus. ... Wir möchten hier noch einmal ausdrücklich betonen, dass wir keine Nazis oder Rechtsradikale sind. Darüber hinaus sind wir bestürzt, dass der Vorfall derartige Auswirkungen auf so viele Menschen hat." Die Folgen beschreibt die Mannschaft so: „In den vergangenen Tagen wurden Unbeteiligte, beispielsweise Freude und Verwandte von uns, teilweise heftig belästigt, beleidigt und beschuldigt. Spieler aus unseren Jugendmannschaften mussten sich in der Schule rechtfertigen." Es folgt die nicht den Gesang selbst sondern dessen Aufnahme in den Fokus rückende Feststellung: „Zehn Sekunden Videomaterial haben das Leben viele Personen, sowohl privat als auch beruflich, grundlegend verändert und mehrjährige Vereinsarbeit zerstört." Auch Drohungen hätten das Team erreicht. „Der Schock und der mediale Druck ... haben uns schwer zu schaffen gemacht. Die Situation ist für den gesamten Verein neu, höchst unangenehm und komplex, so dass Gespräche und Aufklärungen sich hinziehen." Schließlich bringt das Team den Wunsch nach einer Rückkehr auf das Spielfeld zum Ausdruck: „Wir alle lieben den Fußball und wollen den Menschen, die uns zuschauen, Freude am Fußball und am Vereinsleben beim TuS HoPo bringen. Dies haben wir vor allem in letzter Zeit mit unseren sportlichen Erfolgen bewiesen und würden dies auch gerne in Zukunft wieder tun." Zu den „Sieg Heil"-Rufen selbst äußert sich die Mannschaft in der Stellungnahme nicht. Wie ist es zu diesen gekommen? Wie bewerten die Spieler ihr Verhalten in der Rückschau? Antworten darauf werden noch auf sich warten lassen. Das Team teilt mit, dass wegen der laufenden Verfahren zunächst keine weiteren Äußerungen folgen werden und eine frühere Reaktion aus demselben Grund nicht möglich gewesen sei. Die Stellungnahme im Wortlaut Sehr geehrte Mitbürger und Mitbürgerinnen, mit dieser Stellungnahme mochten sich der Trainer und die gesamte 1. Mannschaft das TuS Holzhausen/Porta zu den vergangenen Tagen und dem Video äußern. Wir sind bestürzt über sie gesamte Situation und möchten uns in aller Form bei allen entschuldigen, insbesondere bei der Stadt Porta Westfalica, unserem Vorstand und allen Vereinsmitgliedern. Da ein rechtliches Strafverfahren läuft, kann und wird sich niemand einzeln in der Öffentlichkeit zu Wort melden. Wir tun dies jetzt gemeinsam mit diesem Statement und bitten nochmals um Entschuldigung. Wir möchten zudem versichern, dass in unserer Mannschaft kein rechtes Gedankengut herrscht! Wir haben viele Spieler im Team, die einen Migrationshintergrund haben und kommen bestens miteinander aus. Wir Spieler und der Trainer sind sehr betroffen und traurig, dass wir durch die Medien und viele Personen im Kollektiv als „Nazis" bezeichnet werden. Wir möchten hier noch einmal ausdrücklich betonen, dass wir keine Nazis oder Rechtsradikale sind! Darüber hinaus sind wir äußerst bestürzt, dass der Vorfall derartige Auswirkungen auf so viele Menschen hat. In den vergangenen Tagen wurden Unbeteiligte, beispielsweise Freunde und Verwandte von uns, teilweise heftig belästigt, beleidigt und beschuldigt. Spieler aus unseren Jugendmannschaften mussten sich in der Schule rechtfertigen und viele (vor allem die kleineren Kinder, die den Sachverhalt kaum verstehen) haben jetzt Angst, dass sie kein Fußball mehr spielen dürfen. Zehn Sekunden Videomaterial haben das Leben vieler Personen, sowohl privat als auch beruflich, grundlegend verändert und mehrjährige Vereinsarbeit zerstört. Auch diverse Drohungen haben uns erreicht. Ob diese ernst gemeint sind oder nicht, wir bitten davon abzusehen und bzw. den gesamten Verein nicht „über einen Kamm zu scheren". Jeder sollte sich ein eigenes Urteil über uns als Mannschaft bilden, statt über Medienberichte, Kommentare, Gerüchte und Mutmaßungen ein verzerrtes Bild zu erhalten. Der Schock und der mediale Druck, der auf dem Verein und uns als 1. Mannschaft lastet, haben uns schwer zu schaffen gemacht. Wir bitten zu entschuldigen, dass es deshalb erst jetzt zu einer Stellungnahme von uns Kommt. Die Situation ist für den gesamten Verein neu, höchst unangenehm und komplex, sodass Gespräche und Aufklärungen sich hinziehen. Trainer und Mannschaft distanzieren sich von jedwedem rechtsradikalen Gedankengut und bedauern den Vorfall zutiefst. Für uns als Fußballer steht nach wie vor der Sport im Vordergrund. Wir alle lieben den Fußball uns wollen den Menschen, die uns zuschauen, Freude am Fußball und Vereinsleben beim TuS HoPo bringen. Dies haben wir vor allem in letzter Zeit mit unseren sportlichen Erfolgen bewiesen und würden dies auch gerne in Zukunft wieder tun. Abschließend möchten wir allen Unterstützern und Fürsprechern des Teams und Vereins danken! Hier finden Sie weitere Artikel zu diesem Thema Leserbriefe zum Thema finden Sie hier