PortaWestfalica

Kreisliga A: TuS Holzhausen/Porta meldet seine erste Mannschaft ab

Sebastian Külbel und Marcus Riechmann

PortaWestfalica (mt). Die Gesichter sind gezeichnet. Schwere Tage liegen hinter den Verantwortlichen des TuS Holzhausen/Porta. Das Skandal-Video mit dem Nazi-Gesang nach dem Aufstieg der ersten Fußballmannschaft des Vereins hat Schlaf und Nerven gekostet. Die Verunsicherung ist spürbar. Man sorgt sich um die Zukunft des Klubs.

Der Weg entlang des Fußballplatzes zum Sportheim des TuS Holzhausen/Porta ist lang. Wie der Weg, der nun vor dem Verein liegt. MT- - © Foto: Riechmann
Der Weg entlang des Fußballplatzes zum Sportheim des TuS Holzhausen/Porta ist lang. Wie der Weg, der nun vor dem Verein liegt. MT- (© Foto: Riechmann)

Nahezu die komplette Vorstandsriege ist gestern am frühen Nachmittag zum B-Liga-Spiel der zweiten Mannschaft gekommen. Das Team gewinnt 1:0 gegen den SC Lerbeck. Die Zuschauer sind unaufgeregt. Es hat den Anschein von Normalität auf dem Holzhauser Sportplatz.

Dass die Lage alles andere als normal ist, wird nach dem Abpfiff sichtbar. Denn der Platz bleibt leer. Das ursprünglich angesetzte Spiel des A-Liga-Aufsteigers HoPo gegen die SV Eidinghausen/Werste II findet nicht statt. Und es wird auch künftig kein A-Liga-Spiel mehr in Holzhausen angepfiffen: Der Verein zog am Samstag seine erste Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb in der Fußball-Kreisliga A zurück. Das gab der 1. Vorsitzende Matthias Adamkowitsch in einer Pressemitteilung bekannt. Mit dieser Entscheidung zieht der Vorstand die Konsequenzen aus dem seit Mittwoch kursierenden Skandal-Video, in dem einige Spieler bei der Aufstiegsfeier im Mai „Sieg heil“ rufen.

„Veranlasst durch das nicht zu tolerierende Fehlverhalten Einzelner hat der Gesamtvorstand auf Basis des Ethik-Kodex des DFB beschlossen, die erste Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom laufenden Spielbetrieb zurückzuziehen. Der Trainer ist von seinen Aufgaben im Verein freigestellt“, heißt es in der Mitteilung, auch die Leitung der D-Junioren wurde dem Coach mit entzogen. Der Verein teilt weiter mit: „Nach Abschluss des laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens, in dem die persönliche Verantwortung Einzelner geklärt wird, behält sich der Vorstand personelle Konsequenzen vor.“

Damit hat der TuS Holzhausen/Porta eine der wichtigsten Fragen geklärt. Schon am Mittwochabend hatten die Vereinsverantwortlichen deutlich gemacht, dass es sich bei den Geschehnissen im Rahmen der Aufstiegsfeier um ein nicht zu tolerierendes Verhalten handele. Am Freitagabend kam der Vorstand mit der Mannschaft zusammen, die zu den Vorfällen Stellung nehmen konnte. Bis in die tiefe Nacht wurde beraten. „In diesem intensiven Gespräch kam das Bedauern der Mannschaft über diesen Vorfall zum Ausdruck. Es wurde deutlich gemacht, dass sich die erste Mannschaft zu demokratischen Werten bekennt und keine rechtsradikalen Inhalte vertritt oder gutheißt“, schreibt Adamkowitsch. Die Aufgabe des Vorstands sei es jetzt, weiteren Schaden vom Verein und der Mannschaft abzuwenden.

Dieser Schaden ist groß. Der Ruf des Klubs ist beschädigt. „Auf einmal ist alles, was wir all die Jahre gemacht haben, in Frage gestellt“, heißt es gestern am Rande des Spielfeldes. Frust klingt durch. Doch immer hörbarer werden die Stimmen derer, die dem Verein gute Arbeit und eine weltoffene Haltung bestätigen. Die Mindener Fußballszene bekundet ihre Solidarität mit dem TuS Holzhausen/Porta, weil das im Video dokumentierte Fehlverhalten Einzelner nicht auf den gesamten Verein übertragen werden dürfe. In den sozialen Medien erhält der Klub deutlichen Zuspruch.

Wie es mit den Spielern der abgemeldeten Mannschaft weitergeht, ist offen. Einige von ihnen waren gestern als Zuschauer am Platz. Eine andere Rolle ist für sie zunächst bei HoPo nicht vorgesehen. Sie werden bis auf weiteres in keiner Mannschaft spielen. Mittwoch hat der Vorstand einen Termin beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen. Dort erhofft man sich Hinweise zum Ermittlungsstand und zum weiteren Vorgehen.

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PortaWestfalicaKreisliga A: TuS Holzhausen/Porta meldet seine erste Mannschaft abMarcus Riechmann,Sebastian KülbelPortaWestfalica (mt). Die Gesichter sind gezeichnet. Schwere Tage liegen hinter den Verantwortlichen des TuS Holzhausen/Porta. Das Skandal-Video mit dem Nazi-Gesang nach dem Aufstieg der ersten Fußballmannschaft des Vereins hat Schlaf und Nerven gekostet. Die Verunsicherung ist spürbar. Man sorgt sich um die Zukunft des Klubs. Nahezu die komplette Vorstandsriege ist gestern am frühen Nachmittag zum B-Liga-Spiel der zweiten Mannschaft gekommen. Das Team gewinnt 1:0 gegen den SC Lerbeck. Die Zuschauer sind unaufgeregt. Es hat den Anschein von Normalität auf dem Holzhauser Sportplatz. Dass die Lage alles andere als normal ist, wird nach dem Abpfiff sichtbar. Denn der Platz bleibt leer. Das ursprünglich angesetzte Spiel des A-Liga-Aufsteigers HoPo gegen die SV Eidinghausen/Werste II findet nicht statt. Und es wird auch künftig kein A-Liga-Spiel mehr in Holzhausen angepfiffen: Der Verein zog am Samstag seine erste Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb in der Fußball-Kreisliga A zurück. Das gab der 1. Vorsitzende Matthias Adamkowitsch in einer Pressemitteilung bekannt. Mit dieser Entscheidung zieht der Vorstand die Konsequenzen aus dem seit Mittwoch kursierenden Skandal-Video, in dem einige Spieler bei der Aufstiegsfeier im Mai „Sieg heil“ rufen. „Veranlasst durch das nicht zu tolerierende Fehlverhalten Einzelner hat der Gesamtvorstand auf Basis des Ethik-Kodex des DFB beschlossen, die erste Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom laufenden Spielbetrieb zurückzuziehen. Der Trainer ist von seinen Aufgaben im Verein freigestellt“, heißt es in der Mitteilung, auch die Leitung der D-Junioren wurde dem Coach mit entzogen. Der Verein teilt weiter mit: „Nach Abschluss des laufenden staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens, in dem die persönliche Verantwortung Einzelner geklärt wird, behält sich der Vorstand personelle Konsequenzen vor.“ Damit hat der TuS Holzhausen/Porta eine der wichtigsten Fragen geklärt. Schon am Mittwochabend hatten die Vereinsverantwortlichen deutlich gemacht, dass es sich bei den Geschehnissen im Rahmen der Aufstiegsfeier um ein nicht zu tolerierendes Verhalten handele. Am Freitagabend kam der Vorstand mit der Mannschaft zusammen, die zu den Vorfällen Stellung nehmen konnte. Bis in die tiefe Nacht wurde beraten. „In diesem intensiven Gespräch kam das Bedauern der Mannschaft über diesen Vorfall zum Ausdruck. Es wurde deutlich gemacht, dass sich die erste Mannschaft zu demokratischen Werten bekennt und keine rechtsradikalen Inhalte vertritt oder gutheißt“, schreibt Adamkowitsch. Die Aufgabe des Vorstands sei es jetzt, weiteren Schaden vom Verein und der Mannschaft abzuwenden. Dieser Schaden ist groß. Der Ruf des Klubs ist beschädigt. „Auf einmal ist alles, was wir all die Jahre gemacht haben, in Frage gestellt“, heißt es gestern am Rande des Spielfeldes. Frust klingt durch. Doch immer hörbarer werden die Stimmen derer, die dem Verein gute Arbeit und eine weltoffene Haltung bestätigen. Die Mindener Fußballszene bekundet ihre Solidarität mit dem TuS Holzhausen/Porta, weil das im Video dokumentierte Fehlverhalten Einzelner nicht auf den gesamten Verein übertragen werden dürfe. In den sozialen Medien erhält der Klub deutlichen Zuspruch. Wie es mit den Spielern der abgemeldeten Mannschaft weitergeht, ist offen. Einige von ihnen waren gestern als Zuschauer am Platz. Eine andere Rolle ist für sie zunächst bei HoPo nicht vorgesehen. Sie werden bis auf weiteres in keiner Mannschaft spielen. Mittwoch hat der Vorstand einen Termin beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen. Dort erhofft man sich Hinweise zum Ermittlungsstand und zum weiteren Vorgehen.