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Zukunft von Woelki: Bischofskonferenz mahnt Papst zu Eile Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, fordert eine schnelle Entscheidung über die Zukunft des umstrittenen Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki. «Papst Franziskus und vor allem auch der Präfekt der Bischofskongregation in Rom, Kardinal Ouellet, tragen jetzt Verantwortung für diese Situation, die in der Erzdiözese da ist. Und ich glaube, lange zusehen wird man nicht können», sagte Bätzing am Montag zu Beginn der DBK-Frühjahrsvollversammlung im Wallfahrtsort Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein. «Sonst muss der Papst handeln.» Woelki war am Aschermittwoch nach fünfmonatiger Auszeit in sein Amt als Erzbischof von Köln zurückgekehrt. Allerdings bot er dem Papst seinen Amtsverzicht an. Franziskus will «zu gegebener Zeit» darüber entscheiden. Die Vollversammlung ist Woelkis erster großer öffentlicher Auftritt nach seiner Rückkehr. Der 65-Jährige kam allein am Tagungsort an und sagte: «Grüß Gott zusammen.» Bätzing sagte, Woelki werde Gelegenheit bekommen, etwas zu seiner Situation zu sagen. «Er bittet um eine Chance, aber die Situation in der Erzdiözese Köln ist einfach hoch angespannt.» Aus Sicht der Reformbewegung «Wir sind Kirche» ist der Kölner Erzbischof «eine große Belastung» für die Bischofskonferenz und den Reformprozess Synodaler Weg, als dessen scharfer Kritiker der konservative Kardinal gilt. «Ist er nach seiner «geistlichen Auszeit» jetzt bereit, die zwischenzeitlich gefassten Beschlüsse des Synodalen Weges zur Kenntnis zu nehmen und seine Totalverweigerung gegenüber diesem Reformprozess aufzugeben?», fragten die Reformer in einer Mitteilung - und meldeten große Zweifel an. Denn: «In seinem Hirtenwort vom 4. März 2022 erwähnt er den Synodalen Weg mit keiner Silbe.» Außerdem habe er an keiner Sitzung des Synodalforums «Priesterliche Existenz heute», dem er angehöre, teilgenommen. Die bisherigen Ergebnisse des Synodalen Weges sind neben dem Krieg in der Ukraine eins der Hauptthemen, mit denen die Bischöfe sich auf ihrer bis Donnerstag dauernden Tagung befassen wollen. Laut den Reformvorschlägen sollen die Gläubigen bei Bischofsernennungen mitreden können. Außerdem stehen die bei reformorientierten Katholiken schon länger formulierten Forderungen im Raum: Diakonat der Frau, verheiratete Priester, Segnung homosexueller Paare. Ihre Frühjahrsvollversammlung ist auch die erste Zusammenkunft der katholischen deutschen Bischöfe nach Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens. Es war zu dem Ergebnis gekommen, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt worden waren. Woelki hatte seine Auszeit angetreten, nachdem ihm Papst Franziskus «große Fehler» vor allem in seiner Kommunikation bescheinigt hatte. Das Erzbistum Köln befindet sich in einer Krise, seit Woelki 2020 entschieden hatte, ein Gutachten über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch zunächst nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe dafür an und gab ein neues Gutachten in Auftrag. Im Zuge dieser Entscheidung kam es zu einer immer stärkeren Entfremdung zwischen dem 65 Jahre alten Kardinal und den wichtigsten Gremien des Erzbistums. Das Verhältnis gilt inzwischen als zerrüttet. 92 Prozent der Kirchenmitglieder wollen ihn einer Umfrage zufolge nicht mehr als Bischof haben. Woelki bat die Gläubigen in seinem Bistum um eine zweite Chance.
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Zukunft von Woelki: Bischofskonferenz mahnt Papst zu Eile

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, fordert eine schnelle Entscheidung über die Zukunft des umstrittenen Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki. «Papst Franziskus und vor allem auch der Präfekt der Bischofskongregation in Rom, Kardinal Ouellet, tragen jetzt Verantwortung für diese Situation, die in der Erzdiözese da ist. Und ich glaube, lange zusehen wird man nicht können», sagte Bätzing am Montag zu Beginn der DBK-Frühjahrsvollversammlung im Wallfahrtsort Vierzehnheiligen bei Bad Staffelstein. «Sonst muss der Papst handeln.»

Woelki war am Aschermittwoch nach fünfmonatiger Auszeit in sein Amt als Erzbischof von Köln zurückgekehrt. Allerdings bot er dem Papst seinen Amtsverzicht an. Franziskus will «zu gegebener Zeit» darüber entscheiden.

Die Vollversammlung ist Woelkis erster großer öffentlicher Auftritt nach seiner Rückkehr. Der 65-Jährige kam allein am Tagungsort an und sagte: «Grüß Gott zusammen.»

Bätzing sagte, Woelki werde Gelegenheit bekommen, etwas zu seiner Situation zu sagen. «Er bittet um eine Chance, aber die Situation in der Erzdiözese Köln ist einfach hoch angespannt.»

Aus Sicht der Reformbewegung «Wir sind Kirche» ist der Kölner Erzbischof «eine große Belastung» für die Bischofskonferenz und den Reformprozess Synodaler Weg, als dessen scharfer Kritiker der konservative Kardinal gilt. «Ist er nach seiner «geistlichen Auszeit» jetzt bereit, die zwischenzeitlich gefassten Beschlüsse des Synodalen Weges zur Kenntnis zu nehmen und seine Totalverweigerung gegenüber diesem Reformprozess aufzugeben?», fragten die Reformer in einer Mitteilung - und meldeten große Zweifel an. Denn: «In seinem Hirtenwort vom 4. März 2022 erwähnt er den Synodalen Weg mit keiner Silbe.» Außerdem habe er an keiner Sitzung des Synodalforums «Priesterliche Existenz heute», dem er angehöre, teilgenommen.

Die bisherigen Ergebnisse des Synodalen Weges sind neben dem Krieg in der Ukraine eins der Hauptthemen, mit denen die Bischöfe sich auf ihrer bis Donnerstag dauernden Tagung befassen wollen. Laut den Reformvorschlägen sollen die Gläubigen bei Bischofsernennungen mitreden können. Außerdem stehen die bei reformorientierten Katholiken schon länger formulierten Forderungen im Raum: Diakonat der Frau, verheiratete Priester, Segnung homosexueller Paare.

Ihre Frühjahrsvollversammlung ist auch die erste Zusammenkunft der katholischen deutschen Bischöfe nach Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens. Es war zu dem Ergebnis gekommen, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Erzdiözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt worden waren.

Woelki hatte seine Auszeit angetreten, nachdem ihm Papst Franziskus «große Fehler» vor allem in seiner Kommunikation bescheinigt hatte. Das Erzbistum Köln befindet sich in einer Krise, seit Woelki 2020 entschieden hatte, ein Gutachten über den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch zunächst nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe dafür an und gab ein neues Gutachten in Auftrag.

Im Zuge dieser Entscheidung kam es zu einer immer stärkeren Entfremdung zwischen dem 65 Jahre alten Kardinal und den wichtigsten Gremien des Erzbistums. Das Verhältnis gilt inzwischen als zerrüttet. 92 Prozent der Kirchenmitglieder wollen ihn einer Umfrage zufolge nicht mehr als Bischof haben. Woelki bat die Gläubigen in seinem Bistum um eine zweite Chance.


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