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Umweltpolitik Naturschützer: Schwarz-Grün ohne Konzept gegen Artensterben Der Naturschutzbund hat der neuen schwarz-grünen Landesregierung Konzeptlosigkeit im Kampf gegen das Artensterben vorgeworfen. «Wir haben es mit zwei Krisen zu tun», sagte Nabu-Landesvorsitzende Heide Naderer am Montag in Düsseldorf - «mit der Klimakrise und der Biodiversitäts-Krise», also dem Artensterben. Beide Krisen könnten sich gegenseitig verschärfen. «Es ist allen klar, was hier passiert. Nicht nur die Klimakrise, auch den Artenschwund kann jeder sehen», so Naderer. Während der schwarz-grüne Koalitionsvertrag bei der Klimakrise vielversprechend sei, sei dies beim Artenschwund nicht der Fall. «Da ist er eher «schotterig». Da gibt es überhaupt kein Gegensteuern und das halten wir für gravierend. Wir sehen da kein Konzept, kein konsequentes Handeln zur Bewältigung des Artenschwundes.» Für die Grünen-Landtagsfraktion widersprach deren umweltpolitischer Sprecher Volkhard Wille: Im Koalitionsvertrag seien viele Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt vereinbart. Flächensparsamkeit werde «zur Leitschnur unserer Politik». «Wir werden den Naturschutzetat verdoppeln und ein Landesprogramm «Biologische Vielfalt» auflegen. Um Rückzugsräume für gefährdete Arten zu erhalten, weisen wir zudem einen zweiten Nationalpark aus», kündigte Wille an. Wie der Naturschutzbund weiter mitteilte, sei der Schutz der Böden vor Versiegelung extrem wichtig, dies zeige nicht nur die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr, sondern auch die aktuelle Dürre. «Wir brauchen Schwammstädte und Schwammregionen. Wir müssen Moore renaturieren», sagte Naderer. Deswegen sei es wichtig, Wind- und Solarenergieanlagen auf versiegelten Flächen zu errichten und nicht etwa im Wald. «Das bedeutet eine Versiegelung von Böden, dabei müsste das Gegenteil geschehen. Wir müssen Wasser in die Böden bekommen.» Das Problem der Schottergärten, also der Versiegelung privater Gärten, sei vom Land auf die Kommunen verlagert worden. Denen wolle man nun immerhin das Vorgehen gegen Schottergärten ermöglichen. Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung habe erst vor einem Jahr die Volksinitiative «Artenvielfalt NRW» «sang- und klanglos abgelehnt», sagte Naderer. «Wir gucken auf Jahrzehnte von Nicht-Handeln. Unsere Befürchtung ist, dass wir mit sehenden Augen in die nächste Katastrophe reinlaufen, die uns wieder Milliarden kosten wird.» Naderer zeigte sich kompromissbereit: Auf den Flächen abgestorbener Fichtenwälder könne Windkraft eher akzeptiert werden als in Laubwäldern, und auf ehemaligen Maisfeldern sei Solarkraft eher akzeptabel als in Moorgebieten. Dennoch gebe es zunächst ausreichend versiegelte Siedlungs- und Gewerbefläche für Wind- und Solarkraft. Dies verringere auch den Flächenbedarf für die notwendigen Stromleitungen. NRW brauche mehr Wildnis und mehr Wasser in der Landschaft. Der Naturschutzbund berichtete von einem enormen Zulauf. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Mitgliederzahl des Nabu NRW auf 121 000 mehr als verdoppelt, sagte Nabu-Geschäftsführer Bernhard Kamp.
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Umweltpolitik

Naturschützer: Schwarz-Grün ohne Konzept gegen Artensterben

© Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild

Der Naturschutzbund hat der neuen schwarz-grünen Landesregierung Konzeptlosigkeit im Kampf gegen das Artensterben vorgeworfen. «Wir haben es mit zwei Krisen zu tun», sagte Nabu-Landesvorsitzende Heide Naderer am Montag in Düsseldorf - «mit der Klimakrise und der Biodiversitäts-Krise», also dem Artensterben. Beide Krisen könnten sich gegenseitig verschärfen.

«Es ist allen klar, was hier passiert. Nicht nur die Klimakrise, auch den Artenschwund kann jeder sehen», so Naderer.

Während der schwarz-grüne Koalitionsvertrag bei der Klimakrise vielversprechend sei, sei dies beim Artenschwund nicht der Fall. «Da ist er eher «schotterig». Da gibt es überhaupt kein Gegensteuern und das halten wir für gravierend. Wir sehen da kein Konzept, kein konsequentes Handeln zur Bewältigung des Artenschwundes.»

Für die Grünen-Landtagsfraktion widersprach deren umweltpolitischer Sprecher Volkhard Wille: Im Koalitionsvertrag seien viele Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt vereinbart. Flächensparsamkeit werde «zur Leitschnur unserer Politik». «Wir werden den Naturschutzetat verdoppeln und ein Landesprogramm «Biologische Vielfalt» auflegen. Um Rückzugsräume für gefährdete Arten zu erhalten, weisen wir zudem einen zweiten Nationalpark aus», kündigte Wille an.

Wie der Naturschutzbund weiter mitteilte, sei der Schutz der Böden vor Versiegelung extrem wichtig, dies zeige nicht nur die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr, sondern auch die aktuelle Dürre. «Wir brauchen Schwammstädte und Schwammregionen. Wir müssen Moore renaturieren», sagte Naderer.

Deswegen sei es wichtig, Wind- und Solarenergieanlagen auf versiegelten Flächen zu errichten und nicht etwa im Wald. «Das bedeutet eine Versiegelung von Böden, dabei müsste das Gegenteil geschehen. Wir müssen Wasser in die Böden bekommen.»

Das Problem der Schottergärten, also der Versiegelung privater Gärten, sei vom Land auf die Kommunen verlagert worden. Denen wolle man nun immerhin das Vorgehen gegen Schottergärten ermöglichen.

Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung habe erst vor einem Jahr die Volksinitiative «Artenvielfalt NRW» «sang- und klanglos abgelehnt», sagte Naderer. «Wir gucken auf Jahrzehnte von Nicht-Handeln. Unsere Befürchtung ist, dass wir mit sehenden Augen in die nächste Katastrophe reinlaufen, die uns wieder Milliarden kosten wird.»

Naderer zeigte sich kompromissbereit: Auf den Flächen abgestorbener Fichtenwälder könne Windkraft eher akzeptiert werden als in Laubwäldern, und auf ehemaligen Maisfeldern sei Solarkraft eher akzeptabel als in Moorgebieten. Dennoch gebe es zunächst ausreichend versiegelte Siedlungs- und Gewerbefläche für Wind- und Solarkraft.

Dies verringere auch den Flächenbedarf für die notwendigen Stromleitungen. NRW brauche mehr Wildnis und mehr Wasser in der Landschaft.

Der Naturschutzbund berichtete von einem enormen Zulauf. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Mitgliederzahl des Nabu NRW auf 121 000 mehr als verdoppelt, sagte Nabu-Geschäftsführer Bernhard Kamp.

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