Lagebild: Rückgang der registrierten Clan-Kriminalität Die statistisch erfasste Clan-Kriminalität ist in Nordrhein-Westfalen dem neuen Lagebild der Landesregierung zufolge rückläufig. Die Zahl der Straftaten durch kriminelle Clanangehörige sei im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken - von 5780 Straftaten auf 5460. Die Zahl der Tatverdächtigen sei um 5,1 Prozent von 3830 auf 3630 im Jahr 2021 gesunken. Gleichzeitig sei das Volumen beschlagnahmten Vermögens von knapp vier auf über zehn Millionen Euro mehr als verdoppelt worden. «Das geht denen an die Substanz. Nordrhein-Westfalen ist kein Honigtopf für kriminelle Clans mehr», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag in Neuss. «Wir piesacken mit Erfolg, nehmen den Kriminellen ihre illegalen Millionen weg und tun alles dafür, dass die, die aussteigen wollen, auch aussteigen können», sagte Reul. Wurden 2017 noch 24 Haftbefehle gegen kriminelle Clanangehörige erlassen, habe sich die Zahl im vergangenen Jahr auf 49 mehr als verdoppelt. Die Zahl der bekannten kriminellen Clan-Namen in NRW liege bei 113 (Vorjahr 112). Nach wie sei das Ruhrgebiet der Hauptaktionsraum der Clankriminellen. Die meisten Straftaten seien 2021 in Essen verzeichnet worden, gefolgt von Recklinghausen, Gelsenkirchen, Duisburg und Bochum. Seit Beginn der Offensive gegen kriminelle Clans im Juli 2018 seien bei mehr als 2000 Razzien über 5000 Objekte kontrolliert und 3200 Strafanzeigen aufgenommen worden. Jedes fünfte Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität habe Clan-Bezüge: Von insgesamt 90 im Jahr 2021 erfassten Verfahren in diesem Bereich hätten 18 mit türkisch-arabischstämmigen Clan-Familien zu tun. Dabei liege der Schwerpunkt im Bereich der organisierten Drogenkriminalität. Das Gros der durch kriminelle Clans begangenen Straftaten seien Taten wie Raub, Bedrohung und Körperverletzungen. Auffällig sei der Anstieg der Sexualstraftaten um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr von 99 auf 138 Fälle. Vermögens- und Fälschungsdelikte machten 2021 rund 16 Prozent aller im Lagebild erfassten Straftaten aus. 2021 begingen 4,5 Prozent der Tatverdächtigen gut ein Fünftel der Straftaten. Man habe es im Bereich der Clan-Kriminalität mit ausgeprägten Intensivtätern zu tun, sagte Reul. Inzwischen öffneten viele Clan-Familien der Polizei die Tür, um ihren Kindern eine Ausstiegsperspektive zu eröffnen. «Aktuell arbeiten wir an sieben Standorten im Ruhrgebiet mit 34 Kindern aus polizeibekannten, kriminellen Familienclans zusammen.» Wenn vor einigen Jahren ein Clan-Angehöriger im Ruhrgebiet in einen Verkehrsunfall verwickelt war, habe es nur wenige Minuten gedauert, bis die Verkehrspolizisten, die den Unfall aufnahmen, von 50 bis 60 Menschen umringt gewesen seien, berichtete Polizeiinspekteur Michael Schemke. Inzwischen sei dieses «aggressive Dominanzverhalten» deutlich seltener geworden. Die Fallzahlen dieser sogenannten Tumultdelikte seien über die Jahre von der ursprünglichen Größenordnung auf einen Bruchteil von noch 37 Taten im vergangenen Jahr gesunken. «Wir haben den Respekt auf der Straße zu großen Teilen zurückgewonnen», sagte Schemke. Unter großem Kräfteeinsatz seien erste Erfolge bei der Bekämpfung der Clankriminalität erzielt worden, teilte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit. «Die Macht krimineller Familienzirkel ist aber noch lange nicht gebrochen», warnte Vize-GdP-Landeschef Michael Maatz. «Die Clans sind kriminelle Allrounder.» Sie seien immer auf der Suche nach neuen illegalen Einnahmequellen. Maatz forderte eine Beweislastumkehr bei der Abschöpfung illegaler Vermögen: Clanmitglieder, die in dicken Villen wohnen und teure Autos fahren, obwohl sie angeblich nur Hartz IV beziehen, müssten belegen, dass sie ihr Vermögen legal erworben haben: «Das ist der Punkt, an dem wir die Kriminellen am härtesten treffen.»
Anzeige Werbung

Lagebild: Rückgang der registrierten Clan-Kriminalität

© Federico Gambarini/dpa

Die statistisch erfasste Clan-Kriminalität ist in Nordrhein-Westfalen dem neuen Lagebild der Landesregierung zufolge rückläufig. Die Zahl der Straftaten durch kriminelle Clanangehörige sei im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken - von 5780 Straftaten auf 5460. Die Zahl der Tatverdächtigen sei um 5,1 Prozent von 3830 auf 3630 im Jahr 2021 gesunken.

Gleichzeitig sei das Volumen beschlagnahmten Vermögens von
knapp vier auf über zehn Millionen Euro mehr als verdoppelt worden. «Das geht denen an die Substanz. Nordrhein-Westfalen ist kein Honigtopf für kriminelle Clans mehr», sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag in Neuss.

«Wir piesacken mit Erfolg, nehmen den Kriminellen ihre illegalen Millionen weg und tun alles dafür, dass die, die aussteigen wollen, auch aussteigen können», sagte Reul. Wurden 2017 noch 24 Haftbefehle gegen kriminelle Clanangehörige erlassen, habe sich die Zahl im vergangenen Jahr auf 49 mehr als verdoppelt. Die Zahl der bekannten kriminellen Clan-Namen in NRW liege bei 113 (Vorjahr 112).

Nach wie sei das Ruhrgebiet der Hauptaktionsraum der Clankriminellen. Die meisten Straftaten seien 2021 in Essen verzeichnet worden, gefolgt von Recklinghausen, Gelsenkirchen, Duisburg und Bochum. Seit Beginn der Offensive gegen kriminelle Clans im Juli 2018 seien bei mehr als 2000 Razzien über 5000 Objekte kontrolliert und 3200 Strafanzeigen aufgenommen worden.

Jedes fünfte Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität habe Clan-Bezüge: Von insgesamt 90 im Jahr 2021 erfassten Verfahren in diesem Bereich hätten 18 mit türkisch-arabischstämmigen Clan-Familien zu tun. Dabei liege der Schwerpunkt im Bereich der organisierten Drogenkriminalität.

Das Gros der durch kriminelle Clans begangenen Straftaten seien Taten wie Raub, Bedrohung und Körperverletzungen. Auffällig sei der Anstieg der Sexualstraftaten um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr von 99 auf 138 Fälle. Vermögens- und Fälschungsdelikte machten 2021 rund 16 Prozent aller im Lagebild erfassten Straftaten aus.

2021 begingen 4,5 Prozent der Tatverdächtigen gut ein Fünftel der Straftaten. Man habe es im Bereich der Clan-Kriminalität mit ausgeprägten Intensivtätern zu tun, sagte Reul.

Inzwischen öffneten viele Clan-Familien der Polizei die Tür, um ihren Kindern eine Ausstiegsperspektive zu eröffnen. «Aktuell arbeiten wir an sieben Standorten im Ruhrgebiet mit 34 Kindern aus polizeibekannten, kriminellen Familienclans zusammen.»

Wenn vor einigen Jahren ein Clan-Angehöriger im Ruhrgebiet in einen Verkehrsunfall verwickelt war, habe es nur wenige Minuten gedauert, bis die Verkehrspolizisten, die den Unfall aufnahmen, von 50 bis 60 Menschen umringt gewesen seien, berichtete Polizeiinspekteur Michael Schemke. Inzwischen sei dieses «aggressive Dominanzverhalten» deutlich seltener geworden.

Die Fallzahlen dieser sogenannten Tumultdelikte seien über die Jahre von der ursprünglichen Größenordnung auf einen Bruchteil von noch 37 Taten im vergangenen Jahr gesunken. «Wir haben den Respekt auf der Straße zu großen Teilen zurückgewonnen», sagte Schemke.

Unter großem Kräfteeinsatz seien erste Erfolge bei der Bekämpfung der Clankriminalität erzielt worden, teilte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit. «Die Macht krimineller Familienzirkel ist aber noch lange nicht gebrochen», warnte Vize-GdP-Landeschef Michael Maatz. «Die Clans sind kriminelle Allrounder.» Sie seien immer auf der Suche nach neuen illegalen Einnahmequellen.

Maatz forderte eine Beweislastumkehr bei der Abschöpfung illegaler Vermögen: Clanmitglieder, die in dicken Villen wohnen und teure Autos fahren, obwohl sie angeblich nur Hartz IV beziehen, müssten belegen, dass sie ihr Vermögen legal erworben haben: «Das ist der Punkt, an dem wir die Kriminellen am härtesten treffen.»


Links
Das Mindener Tageblatt ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Anzeige Werbung
Copyright © Mindener Tageblatt 2022
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.
Mehr zum Thema