Falschgeld- und Drogenhandel: «Vertriebsstelle» Von Frank Christiansen, dpa Er ist in Neapel geboren und hat viele Jahre lang unauffällig und bescheiden als «Dr. Orlando Schmidt» in Düsseldorf gelebt. Der Vater dreier Kinder bezog sogar Sozialleistungen - bis ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamts herausfand, dass es um die Finanzen des 56-Jährigen gar nicht so schlecht bestellt sein dürfte. Der Italiener soll für allerlei kriminelle Güter, hinter denen die Ermittler die neapolitanische Mafia, die Camorra, vermuten, die «Vertriebsstelle in Deutschland» gewesen sein: Er habe mit großen Mengen Kokain, unterschlagenen Autos, gefälschten Pässen und Falschgeld gehandelt. Doch dann sei «Khaled», ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamts, in den Kundenkreis des Italieners aufgenommen worden, berichteten die Staatsanwälte am Mittwoch. Das hat den 56-Jährigen schließlich auf die Anklagebank des Düsseldorfer Landgerichts gebracht. Auf sichergestelltem Falschgeld «hoher Qualität» fanden die Ermittler zudem Finger- und Handflächenabdrücke von mutmaßlichen Mafiosi aus Neapel. Doch die Worte «Mafia» und «Camorra» fallen bei der Verlesung der 237 Seiten starken Anklage am Mittwoch kein einziges Mal. Auch wenn es sich um die Geschäftsfelder der Mafia handelt: Die Ermittler haben keine Beweise dafür, dass der Angeklagte und sein 50-jähriger Mitangeklagter ebenfalls der «ehrenwerten Gesellschaft» angehören. Ein Unbekannter ist der 56-Jährige dennoch nicht. Wegen Drogenhandels hat er schon vier Jahre im Gefängnis gesessen, war auch bereits in Süddeutschland bei einer Verkehrskontrolle mit Falschgeld aufgefallen. Bislang hat der 56-Jährige zu den Vorwürfen geschwiegen und er wird dies nach Auskunft seiner Verteidiger auch weiter tun. Im vergangenen Mai hatten Ermittler in Nordrhein-Westfalen und Neapel den mutmaßlichen Geldfälscherring zerschlagen. Der 56-Jährige kam in Untersuchungshaft. Mehr als 100 Polizisten, darunter auch Spezialeinheiten und Steuerfahnder, waren im Einsatz. Man habe «der italienischen Mafia in Nordrhein-Westfalen einen empfindlichen Schaden zugefügt», hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) damals mitgeteilt. Sein 50-jähriger Mitangeklagter hatte behauptet, er sei ein unbescholtener Familienvater und unschuldig. Dass er in Neapel im Kerngebiet der italienischen Mafia-Gruppierung Camorra wohne, sei Zufall. Am Drogenhandel soll der 50-Jährige laut Anklage tatsächlich nicht beteiligt gewesen sein, dafür aber drei weitere Angeklagte, die eine Woche später in einem gesonderten Prozess vor Gericht stehen werden. Das Duo soll aber Falschgeld in höchster Qualität in Umlauf gebracht haben. Polizisten hatten «Blüten» im Nennwert von 160.000 Euro sichergestellt. Dem Schlag gingen zweijährige Ermittlungen einer deutsch-italienischen Ermittlungskommission namens «Alleanza» voraus, benannt nach einem Zusammenschluss der Mafia-Gruppierung Camorra mit anderen Kriminellen. In NRW waren 18 Wohnungen durchsucht worden - in Düsseldorf, Lüdenscheid, Dormagen, Kaarst, Neuss, Bonn und Mönchengladbach. Die Gelddruckmaschinen waren zuvor in Italien sichergestellt worden. 22 Verhandlungstage hat das Gericht für den Prozess angesetzt.
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Falschgeld- und Drogenhandel: «Vertriebsstelle»

© Federico Gambarini/dpa/Archivbild

Er ist in Neapel geboren und hat viele Jahre lang unauffällig und bescheiden als «Dr. Orlando Schmidt» in Düsseldorf gelebt. Der Vater dreier Kinder bezog sogar Sozialleistungen - bis ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamts herausfand, dass es um die Finanzen des 56-Jährigen gar nicht so schlecht bestellt sein dürfte.

Der Italiener soll für allerlei kriminelle Güter, hinter denen die Ermittler die neapolitanische Mafia, die Camorra, vermuten, die «Vertriebsstelle in Deutschland» gewesen sein: Er habe mit großen Mengen Kokain, unterschlagenen Autos, gefälschten Pässen und Falschgeld gehandelt.

Doch dann sei «Khaled», ein verdeckter Ermittler des Landeskriminalamts, in den Kundenkreis des Italieners aufgenommen worden, berichteten die Staatsanwälte am Mittwoch. Das hat den 56-Jährigen schließlich auf die Anklagebank des Düsseldorfer Landgerichts gebracht.

Auf sichergestelltem Falschgeld «hoher Qualität» fanden die Ermittler zudem Finger- und Handflächenabdrücke von mutmaßlichen Mafiosi aus Neapel. Doch die Worte «Mafia» und «Camorra» fallen bei der Verlesung der 237 Seiten starken Anklage am Mittwoch kein einziges Mal.

Auch wenn es sich um die Geschäftsfelder der Mafia handelt: Die Ermittler haben keine Beweise dafür, dass der Angeklagte und sein 50-jähriger Mitangeklagter ebenfalls der «ehrenwerten Gesellschaft» angehören.

Ein Unbekannter ist der 56-Jährige dennoch nicht. Wegen Drogenhandels hat er schon vier Jahre im Gefängnis gesessen, war auch bereits in Süddeutschland bei einer Verkehrskontrolle mit Falschgeld aufgefallen. Bislang hat der 56-Jährige zu den Vorwürfen geschwiegen und er wird dies nach Auskunft seiner Verteidiger auch weiter tun.

Im vergangenen Mai hatten Ermittler in Nordrhein-Westfalen und Neapel den mutmaßlichen Geldfälscherring zerschlagen. Der 56-Jährige kam in Untersuchungshaft.

Mehr als 100 Polizisten, darunter auch Spezialeinheiten und Steuerfahnder, waren im Einsatz. Man habe «der italienischen Mafia in Nordrhein-Westfalen einen empfindlichen Schaden zugefügt», hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) damals mitgeteilt.

Sein 50-jähriger Mitangeklagter hatte behauptet, er sei ein unbescholtener Familienvater und unschuldig. Dass er in Neapel im Kerngebiet der italienischen Mafia-Gruppierung Camorra wohne, sei Zufall.

Am Drogenhandel soll der 50-Jährige laut Anklage tatsächlich nicht beteiligt gewesen sein, dafür aber drei weitere Angeklagte, die eine Woche später in einem gesonderten Prozess vor Gericht stehen werden.

Das Duo soll aber Falschgeld in höchster Qualität in Umlauf gebracht haben. Polizisten hatten «Blüten» im Nennwert von 160.000 Euro sichergestellt.

Dem Schlag gingen zweijährige Ermittlungen einer deutsch-italienischen Ermittlungskommission namens «Alleanza» voraus, benannt nach einem Zusammenschluss der Mafia-Gruppierung Camorra mit anderen Kriminellen.

In NRW waren 18 Wohnungen durchsucht worden - in Düsseldorf, Lüdenscheid, Dormagen, Kaarst, Neuss, Bonn und Mönchengladbach. Die Gelddruckmaschinen waren zuvor in Italien sichergestellt worden. 22 Verhandlungstage hat das Gericht für den Prozess angesetzt.


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