Extremismus Hunderte in NRW von rassistischen Angriffen betroffen In Nordrhein-Westfalen sind rechte, rassistisch motivierte Gewalttaten nach Angaben von Opferberatungsstellen keine Einzelfälle. Allein im vergangenen Jahr registrierten BackUp (Dortmund) und die Opferberatung Rheinland (OBR/Düsseldorf) 213 Gewalttaten aus diesem Bereich. Mindestens 339 Menschen seien direkt betroffen gewesen, berichtete OBR-Leiter Fabian Reeker nach einer Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der beiden Beratungsstellen. Im Vergleich zu den Vorjahren bedeute das eine Zunahme. Rassismus bleibe häufigstes Tatmotiv. Grünen-Fraktionschefin Verena Schäffer mahnte: «Unterstützung und Solidarität für Betroffene rechter, rassistischer, antisemitischer und anderer menschenverachtender Gewalt liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft.» Ursächlich für diese Gewalt seien menschenverachtende Einstellungen in der Gesellschaft. Es brauche eine höhere Sensibilisierung. «Für die Arbeit gegen Rechtsextremismus und Rassismus ist die Beratungsstruktur von Opferberatung, mobiler Beratung und Aussteigerberatung unverzichtbar», sagte die Vorsitzende der Landtagsfraktion der Deutschen Presse-Agentur. «Diese Stellen werden wir finanziell deutlich stärken und dauerhaft absichern.» OBR und BackUp haben nach eigenen Angaben seit ihrem Bestehen mehr als 1100 Personen beraten und unterstützt, die von rechter, rassistischer, antisemitischer Gewalt betroffen oder anderen Formen von menschenfeindliche Angriffen ausgesetzt waren. Bis in die Mitte der Gesellschaft hinein gebe es Ausgrenzungsideologien und Vorstellungen von Ungleichwertigkeit, schilderten die beiden Organisationen. Die Betroffenen rechter Gewalttaten würden noch viel zu oft mit der Bewältigung der Angriffsfolgen allein gelassen. Umso mehr müsse die Arbeit der Beratungsstellen finanziell dauerhaft abgesichert werden, forderte BackUp-Leiterin Magdalena Lentsch. OBR und BackUp erheben seit 2017 gemeinsam Daten über rechte Gewalttaten in NRW. Demnach war für 2021 ein Anstieg rechter Angriffe um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Auch die Zahl der von den Taten direkt Betroffenen habe zugenommen. «Die Angriffszahlen bleiben kontinuierlich erschreckend hoch», hatten die Beratungsstellen schon vor einigen Wochen gewarnt. Auch Minderjährige seien attackiert worden. Zu Übergriffen komme es besonders häufig in Ballungszentren von NRW, etwa Köln, Düsseldorf, Dortmund oder Essen - und oft im öffentlichen Raum. Die Zahlen seien nur die Spitze des Eisbergs. Opfer rechter Gewalttaten zeigten diese Vorfälle häufig nicht an - auch, weil ihnen das Vertrauen in Ermittlungsbehörden fehle. Grünen-Politikerin Schäffer zufolge sind Angebote der politischen Bildung und Präventionsarbeit auch in der Erwachsenenbildung wichtig. In der Aus- und Fortbildung etwa von Lehrkräften, Beschäftigten bei Polizei und in anderen Behörden sei eine Stärkung der Themen Menschenrechte und Antidiskriminierung geboten. Um die Dimensionen rechter und rassistischer Gewalt besser einschätzen zu können, müsse zudem das Dunkelfeld erhellt werden. Der Koalitionsvertrag von CDU und Grünen sehe entsprechende Studien vor.
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Extremismus

Hunderte in NRW von rassistischen Angriffen betroffen

In Nordrhein-Westfalen sind rechte, rassistisch motivierte Gewalttaten nach Angaben von Opferberatungsstellen keine Einzelfälle. Allein im vergangenen Jahr registrierten BackUp (Dortmund) und die Opferberatung Rheinland (OBR/Düsseldorf) 213 Gewalttaten aus diesem Bereich. Mindestens 339 Menschen seien direkt betroffen gewesen, berichtete OBR-Leiter Fabian Reeker nach einer Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der beiden Beratungsstellen. Im Vergleich zu den Vorjahren bedeute das eine Zunahme. Rassismus bleibe häufigstes Tatmotiv.

Grünen-Fraktionschefin Verena Schäffer mahnte: «Unterstützung und Solidarität für Betroffene rechter, rassistischer, antisemitischer und anderer menschenverachtender Gewalt liegt in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft.» Ursächlich für diese Gewalt seien menschenverachtende Einstellungen in der Gesellschaft. Es brauche eine höhere Sensibilisierung. «Für die Arbeit gegen Rechtsextremismus und Rassismus ist die Beratungsstruktur von Opferberatung, mobiler Beratung und Aussteigerberatung unverzichtbar», sagte die Vorsitzende der Landtagsfraktion der Deutschen Presse-Agentur. «Diese Stellen werden wir finanziell deutlich stärken und dauerhaft absichern.»

OBR und BackUp haben nach eigenen Angaben seit ihrem Bestehen mehr als 1100 Personen beraten und unterstützt, die von rechter, rassistischer, antisemitischer Gewalt betroffen oder anderen Formen von menschenfeindliche Angriffen ausgesetzt waren. Bis in die Mitte der Gesellschaft hinein gebe es Ausgrenzungsideologien und Vorstellungen von Ungleichwertigkeit, schilderten die beiden Organisationen.

Die Betroffenen rechter Gewalttaten würden noch viel zu oft mit der Bewältigung der Angriffsfolgen allein gelassen. Umso mehr müsse die Arbeit der Beratungsstellen finanziell dauerhaft abgesichert werden, forderte BackUp-Leiterin Magdalena Lentsch.

OBR und BackUp erheben seit 2017 gemeinsam Daten über rechte Gewalttaten in NRW. Demnach war für 2021 ein Anstieg rechter Angriffe um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Auch die Zahl der von den Taten direkt Betroffenen habe zugenommen. «Die Angriffszahlen bleiben kontinuierlich erschreckend hoch», hatten die Beratungsstellen schon vor einigen Wochen gewarnt. Auch Minderjährige seien attackiert worden. Zu Übergriffen komme es besonders häufig in Ballungszentren von NRW, etwa Köln, Düsseldorf, Dortmund oder Essen - und oft im öffentlichen Raum. Die Zahlen seien nur die Spitze des Eisbergs. Opfer rechter Gewalttaten zeigten diese Vorfälle häufig nicht an - auch, weil ihnen das Vertrauen in Ermittlungsbehörden fehle.

Grünen-Politikerin Schäffer zufolge sind Angebote der politischen Bildung und Präventionsarbeit auch in der Erwachsenenbildung wichtig. In der Aus- und Fortbildung etwa von Lehrkräften, Beschäftigten bei Polizei und in anderen Behörden sei eine Stärkung der Themen Menschenrechte und Antidiskriminierung geboten. Um die Dimensionen rechter und rassistischer Gewalt besser einschätzen zu können, müsse zudem das Dunkelfeld erhellt werden. Der Koalitionsvertrag von CDU und Grünen sehe entsprechende Studien vor.

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