Birnbaum: «Kurzfristig geht es nicht ohne russisches Gas» Deutschlands größter Energieversorger Eon unterstützt die Haltung der Bundesregierung, trotz des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht auf Energielieferungen aus Russland zu verzichten. «Es ist vielleicht schmerzhaft und unbequem, aber kurzfristig geht es nicht ohne russisches Gas», sagte Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum am Mittwoch in Essen. «Zumindestens nicht ohne schwere Konsequenzen für die europäische Wirtschaft.» Die Bundesregierung handele damit «ausgesprochen umsichtig und verantwortungsbewusst». In den nächsten zwei bis drei Jahren gehe es darum, unter den gegebenen Umständen eine größtmögliche Stabilität der Versorgung zu haben, so Birnbaum weiter. «Und dabei muss die sichere und bezahlbare Versorgung für Industrie und Verbraucher im Auge behalten werden.» Langfristig führe aber kein Weg daran vorbei, die Energieabhängigkeit von Russland grundlegend zu beenden. Birnbaum erwartet wegen der stark gestiegenen Beschaffungskosten an den Großhandelsmärkten höhere Preise für Strom- und Gaskunden. «Wenn wir dauerhaft ein deutlich höheres Niveau als in der Vergangenheit sehen, dann wird das irgendwann auch auf die Kunden durchschlagen müssen. Es ist völlig unmöglich, die Kunden davor zu schützen.» Die Belastung müsse aber in einem vertretbaren Rahmen geschehen. Birnbaum sprach sich für eine Senkung von Steuern und Abgaben vor allem auf Strom, aber auch auf Gas aus. Die zum 1. Juli beschlossene Aussetzung der EEG-Umlage werde Eon «selbstverständlich» umsetzen. Wie hoch die Erhöhung ausfallen wird, könne man noch nicht sagen. Birnbaum betonte, dass Eon aufgrund einer vorausschauenden Absicherung bei der Beschaffung die Erhöhungen nur schrittweise weitergeben müsse. Eon beliefert in Europa mehr als 50 Millionen Privat- und Geschäftskunden mit Strom und Gas, allein 14 Millionen davon in Deutschland. Energiekonzerne sichern sich gegen schwankende Marktpreise ab, indem sie Strommengen zu verschiedenen Zeitpunkten einkaufen und gleichzeitig ihre Preise häufig mehrere Monate bis Jahre im Voraus festlegen. Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der Konzernumsatz auch wegen der hohen Energiepreise um 27 Prozent auf knapp 77,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzerngewinn erreichte 2,5 Milliarden Euro, mehr als anderthalbmal so viel wie 2020. «Insgesamt sehen wir die Ergebnisse als ermutigend an», schrieb ein Experte der Bank RBC. Die Eigentümer sollen eine Dividende von 49 Cent je Aktie bekommen, 2 Cent mehr als 2020. Für das laufende Jahr rechnet der Energiekonzern mit einem bereinigten Konzerngewinn in Höhe von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro. Damit würde Eon höchstens das Ergebnis von 2021 erreichen. Die kurz- und langfristigen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf den Konzern seien derzeit jedoch nicht vollständig abzuschätzen, hieß es. Eine Laufzeitverlängerung der verbliebenen Atomkraftwerke ist für Eon weiter kein Thema. Die Bundesregierung habe nach einer vernünftigen Diskussion beschlossen, dass sie darauf nicht zurückkommen wolle, sagte Birnbaum. «Damit ist die Sache für uns erledigt.» Die Eon-Tochter Preussenelektra betreibt eines der drei letzten deutschen Atomkraftwerke. Sie sollen zum Jahresende endgültig vom Netz gehen.
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Birnbaum: «Kurzfristig geht es nicht ohne russisches Gas»

© Henning Kaiser/dpa

Deutschlands größter Energieversorger Eon unterstützt die Haltung der Bundesregierung, trotz des Angriffskriegs gegen die Ukraine nicht auf Energielieferungen aus Russland zu verzichten. «Es ist vielleicht schmerzhaft und unbequem, aber kurzfristig geht es nicht ohne russisches Gas», sagte Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum am Mittwoch in Essen. «Zumindestens nicht ohne schwere Konsequenzen für die europäische Wirtschaft.» Die Bundesregierung handele damit «ausgesprochen umsichtig und verantwortungsbewusst».

In den nächsten zwei bis drei Jahren gehe es darum, unter den gegebenen Umständen eine größtmögliche Stabilität der Versorgung zu haben, so Birnbaum weiter. «Und dabei muss die sichere und bezahlbare Versorgung für Industrie und Verbraucher im Auge behalten werden.» Langfristig führe aber kein Weg daran vorbei, die Energieabhängigkeit von Russland grundlegend zu beenden.

Birnbaum erwartet wegen der stark gestiegenen Beschaffungskosten an den Großhandelsmärkten höhere Preise für Strom- und Gaskunden. «Wenn wir dauerhaft ein deutlich höheres Niveau als in der Vergangenheit sehen, dann wird das irgendwann auch auf die Kunden durchschlagen müssen. Es ist völlig unmöglich, die Kunden davor zu schützen.» Die Belastung müsse aber in einem vertretbaren Rahmen geschehen. Birnbaum sprach sich für eine Senkung von Steuern und Abgaben vor allem auf Strom, aber auch auf Gas aus.

Die zum 1. Juli beschlossene Aussetzung der EEG-Umlage werde Eon «selbstverständlich» umsetzen. Wie hoch die Erhöhung ausfallen wird, könne man noch nicht sagen. Birnbaum betonte, dass Eon aufgrund einer vorausschauenden Absicherung bei der Beschaffung die Erhöhungen nur schrittweise weitergeben müsse. Eon beliefert in Europa mehr als 50 Millionen Privat- und Geschäftskunden mit Strom und Gas, allein 14 Millionen davon in Deutschland. Energiekonzerne sichern sich gegen schwankende Marktpreise ab, indem sie Strommengen zu verschiedenen Zeitpunkten einkaufen und gleichzeitig ihre Preise häufig mehrere Monate bis Jahre im Voraus festlegen.

Im vergangenen Geschäftsjahr wuchs der Konzernumsatz auch wegen der hohen Energiepreise um 27 Prozent auf knapp 77,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzerngewinn erreichte 2,5 Milliarden Euro, mehr als anderthalbmal so viel wie 2020. «Insgesamt sehen wir die Ergebnisse als ermutigend an», schrieb ein Experte der Bank RBC. Die Eigentümer sollen eine Dividende von 49 Cent je Aktie bekommen, 2 Cent mehr als 2020. Für das laufende Jahr rechnet der Energiekonzern mit einem bereinigten Konzerngewinn in Höhe von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro. Damit würde Eon höchstens das Ergebnis von 2021 erreichen. Die kurz- und langfristigen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf den Konzern seien derzeit jedoch nicht vollständig abzuschätzen, hieß es.

Eine Laufzeitverlängerung der verbliebenen Atomkraftwerke ist für Eon weiter kein Thema. Die Bundesregierung habe nach einer vernünftigen Diskussion beschlossen, dass sie darauf nicht zurückkommen wolle, sagte Birnbaum. «Damit ist die Sache für uns erledigt.» Die Eon-Tochter Preussenelektra betreibt eines der drei letzten deutschen Atomkraftwerke. Sie sollen zum Jahresende endgültig vom Netz gehen.


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