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Bundesliga Werder Bremen: Neue Abstiegsangst nach 1:7-Debakel Holger Schmidt Die Hoffnung auf eine sorgenlose Saison war groß, doch nach dem kompletten Systemausfall und dem schlimmsten Bundesliga-Debakel seit 36 Jahren ist bei Werder Bremen die Angst vor dem direkten Wiederabstieg zurück. «Der Schein kann schnell mal trügen», sagte Sportdirektor Clemens Fritz nach dem 1:7 (1:5)-Desaster beim 1. FC Köln mit Blick auf Platz neun in der Winterpause: «Wir haben nichts, auf dem wir uns ausruhen können. Ich hoffe, dass das ein Warnschuss war. Und den muss einfach jeder gehört haben.» Das unerwartete Kollektiv-Versagen gleich zum Jahres-Auftakt hat bei den Werder-Verantwortlichen jedenfalls Spuren hinterlassen. Während Fritz sich auf der Suche nach Worten immer wieder am grauen Rollkragen nestelte, schaute Trainer Ole Werner mit leerem Blick in den Raum. Und Sport-Geschäftsführer Frank Baumann waren die Nachwirkungen der Blamage auch am nächsten Morgen noch deutlich anzusehen. Was sie alle einte: Sie stellten sich, sie sprachen ruhig und unaufgeregt und fanden dennoch deutliche Worte. Werner bezeichnete die Leistung als «desaströs» und «unterirdisch». Baumann sprach von einer «Frechheit» und einem «Debakel» und antwortete auf die Frage, was er gedacht habe: «So eine Scheiße!» Und Fritz stellte klar: «Wir können uns nur bei unseren Zuschauern entschuldigen.» Das wohl treffendste Fazit kam aber von Leonardo Bittencourt. «Die sind noch so freundlich und schicken zwei Tage vorher ihre Aufstellung», sagte der Offensivspieler, nachdem Kölns Trainer Steffen Baumgart im Vorfeld seine Startelf verraten hatte: «Und dann wurden wir richtig hops genommen.» Wie das passieren konnte, wusste aber keiner so richtig. Bei «maximal acht, neun Prozent» seien seine Spieler gewesen, meinte Werner. Deshalb gehe es nun darum, «dass der ein oder andere Spieler eine Erklärung für seine Leistung hat.» Bedenklich ist die Tatsache, dass vor allem die erfahrenen Profis komplette Aussetzer hatten. So leitete Stürmer Marvin Duksch (28) mit einem missglückten Freistoß-Trick und einem kapitalen Fehlpass die ersten beiden Gegentreffer ein, Mitchell Weiser (28) mit einem Rückpass ins Nichts das dritte. Doch auch die Spieler redeten nicht drumherum. «Das war bodenlos, unter Zweitliga-Niveau», sagte Weiser: «Nach so einem Spiel schämt man sich.» Nun seien die erfahrenen Spieler gefragt, «gerade auch ich». Die Chance zur von Baumann, Fritz und Werner geforderten Reaktion kommt schnell. Doch die Aufgaben bleiben schwer. Am Mittwoch kommt der Tabellendritte Union Berlin an die Weser, drei Tage später der formstarke VfL Wolfsburg. Zwei weitere Niederlagen würden den Vorsprung von aktuell sechs Punkten auf den Relegationsplatz wohl weiter schrumpfen lassen. Außerdem ist nun auch das bisher gute Torverhältnis ruiniert. «Wir können mit dem, was wir vor dem Winter erspielt haben, sehr gut leben», sagte der Trainer: «Aber so etwas darf uns nicht noch einmal passieren.» Zumal eine Kader-Korrektur nicht möglich ist. «Wir müssen langfristig denken und nicht irgendwelche Hauruck-Aktionen machen», sagte Fritz. Und verwies ebenso wie Baumann auf den eingeschränkten Handlungs-Spielraum. «Das eine ist das Wollen, das andere das Können. Ich habe schon häufiger gesagt, dass wir wirtschaftlich nichts mehr tun können», sagte der Geschäftsführer am Sonntag bei «Bild live» deutlich. Im Gegenzug stellte er aber klar, dass Shootingstar Niclas Füllkrug im Winter nicht abgegeben werden soll. Der Nationalstürmer schoss in Köln zwar das einzige Tor, schon sein elftes am 16. Spieltag. Mehr in einer Hinrunde schaffte im Werder-Trikot zuletzt Claudio Pizarro vor elf Jahren. Doch abseits von dieser Aktion ging auch «Lücke» in Köln gnadenlos mit unter.
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Werder Bremen: Neue Abstiegsangst nach 1:7-Debakel

Bremens Kapitän Marco Friedl, Eigentorschütze zum 7:1, liegt auf dem Rasen. © Rolf Vennenbernd/dpa

Die Hoffnung auf eine sorgenlose Saison war groß, doch nach dem kompletten Systemausfall und dem schlimmsten Bundesliga-Debakel seit 36 Jahren ist bei Werder Bremen die Angst vor dem direkten Wiederabstieg zurück. «Der Schein kann schnell mal trügen», sagte Sportdirektor Clemens Fritz nach dem 1:7 (1:5)-Desaster beim 1. FC Köln mit Blick auf Platz neun in der Winterpause: «Wir haben nichts, auf dem wir uns ausruhen können. Ich hoffe, dass das ein Warnschuss war. Und den muss einfach jeder gehört haben.»

Das unerwartete Kollektiv-Versagen gleich zum Jahres-Auftakt hat bei den Werder-Verantwortlichen jedenfalls Spuren hinterlassen. Während Fritz sich auf der Suche nach Worten immer wieder am grauen Rollkragen nestelte, schaute Trainer Ole Werner mit leerem Blick in den Raum. Und Sport-Geschäftsführer Frank Baumann waren die Nachwirkungen der Blamage auch am nächsten Morgen noch deutlich anzusehen.

Was sie alle einte: Sie stellten sich, sie sprachen ruhig und unaufgeregt und fanden dennoch deutliche Worte. Werner bezeichnete die Leistung als «desaströs» und «unterirdisch». Baumann sprach von einer «Frechheit» und einem «Debakel» und antwortete auf die Frage, was er gedacht habe: «So eine Scheiße!» Und Fritz stellte klar: «Wir können uns nur bei unseren Zuschauern entschuldigen.»

Das wohl treffendste Fazit kam aber von Leonardo Bittencourt. «Die sind noch so freundlich und schicken zwei Tage vorher ihre Aufstellung», sagte der Offensivspieler, nachdem Kölns Trainer Steffen Baumgart im Vorfeld seine Startelf verraten hatte: «Und dann wurden wir richtig hops genommen.»

Wie das passieren konnte, wusste aber keiner so richtig. Bei «maximal acht, neun Prozent» seien seine Spieler gewesen, meinte Werner. Deshalb gehe es nun darum, «dass der ein oder andere Spieler eine Erklärung für seine Leistung hat.»

Bedenklich ist die Tatsache, dass vor allem die erfahrenen Profis komplette Aussetzer hatten. So leitete Stürmer Marvin Duksch (28) mit einem missglückten Freistoß-Trick und einem kapitalen Fehlpass die ersten beiden Gegentreffer ein, Mitchell Weiser (28) mit einem Rückpass ins Nichts das dritte. Doch auch die Spieler redeten nicht drumherum. «Das war bodenlos, unter Zweitliga-Niveau», sagte Weiser: «Nach so einem Spiel schämt man sich.» Nun seien die erfahrenen Spieler gefragt, «gerade auch ich».

Die Chance zur von Baumann, Fritz und Werner geforderten Reaktion kommt schnell. Doch die Aufgaben bleiben schwer. Am Mittwoch kommt der Tabellendritte Union Berlin an die Weser, drei Tage später der formstarke VfL Wolfsburg. Zwei weitere Niederlagen würden den Vorsprung von aktuell sechs Punkten auf den Relegationsplatz wohl weiter schrumpfen lassen. Außerdem ist nun auch das bisher gute Torverhältnis ruiniert. «Wir können mit dem, was wir vor dem Winter erspielt haben, sehr gut leben», sagte der Trainer: «Aber so etwas darf uns nicht noch einmal passieren.»

Zumal eine Kader-Korrektur nicht möglich ist. «Wir müssen langfristig denken und nicht irgendwelche Hauruck-Aktionen machen», sagte Fritz. Und verwies ebenso wie Baumann auf den eingeschränkten Handlungs-Spielraum. «Das eine ist das Wollen, das andere das Können. Ich habe schon häufiger gesagt, dass wir wirtschaftlich nichts mehr tun können», sagte der Geschäftsführer am Sonntag bei «Bild live» deutlich. Im Gegenzug stellte er aber klar, dass Shootingstar Niclas Füllkrug im Winter nicht abgegeben werden soll.

Der Nationalstürmer schoss in Köln zwar das einzige Tor, schon sein elftes am 16. Spieltag. Mehr in einer Hinrunde schaffte im Werder-Trikot zuletzt Claudio Pizarro vor elf Jahren. Doch abseits von dieser Aktion ging auch «Lücke» in Köln gnadenlos mit unter.


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