Immunologe: «Epidemiologisch befinden wir uns im Herbst» Angesichts der Ausbreitung der neuen Omikron-Variante BA.5 des Coronavirus hat der Immunologe Reinhold Förster vor einer erneuten Verschärfung der Lage gewarnt. «Wir beobachten, dass BA.5 noch weitaus ansteckender ist als alle bisherigen Varianten des Coronavirus», sagte der Wissenschaftler der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (HAZ/Mittwoch). Für den Experten von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeichnen sich schon jetzt steigende Zahlen ab. «Epidemiologisch befinden wir uns sozusagen bereits im Herbst», sagte er. Er befürchte nicht nur einen Anstieg der Fallzahlen, sondern damit einhergehend auch mehr Klinikeinweisungen und Todesfälle. Als Reaktion darauf sei vor allem für vorerkrankte Patienten und die älteren Mitbürger und Mitbürgerinnen eine vierte Impfung im Herbst wichtig. Im Wochenvergleich verstärkte sich das Corona-Infektionsgeschehen in Niedersachsen wieder etwas. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 313,8, am vergangenen Mittwoch hatte der Wert noch bei 259,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gelegen. Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen. 11.134 Neuinfektionen wurden erfasst, 16 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen und Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende immer mehr Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden. Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz in den Kliniken lag bei 4,3. Diese Zahl gilt als maßgeblicher Wert zur Bewertung der Lage - sie misst, wie viele Menschen bezogen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus kamen. Die Belegung der zur Verfügung stehenden Intensivbetten im Land wurde mit 1,8 Prozent angegeben. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sprach von einer stabilen Situation in Niedersachsen. «Momentan gibt es keine Anzeichen, dass die Zahlen deutlich steigen», sagte er. Allerdings sei der Trend wegen der Feiertagswochen schwer auszumachen. Grundsätzlich müsse man sich davon lösen, die Inzidenzzahlen als die entscheidende Größe zu betrachten, solange keine Überlastung des Gesundheitssystems drohe. Mit den derzeit vorherrschenden Omikron-Varianten sei es nicht möglich, das Virus vollständig zurückzudrängen. Jedoch seien vor einem Jahr noch deutlich mehr Menschen im Krankenhaus behandelt und beatmet worden als heute. Mit Blick auf die neue Omikron-Variante BA.5 erklärte der Sprecher, die Forschungsmeinung sei bisher nicht eindeutig. Auch Daten aus Portugal, wo die Variante stark verbreitet ist, ließen keinen finalen Schluss zu, ob BA.5 zu mehr schweren Krankheitsverläufen führe. Die Entwicklung werde aber aufmerksam beobachtet. Bereits am Freitag hatte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte, die Virusvariante gebe «Anlass zu einer erhöhten Wachsamkeit».
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Immunologe: «Epidemiologisch befinden wir uns im Herbst»

Angesichts der Ausbreitung der neuen Omikron-Variante BA.5 des Coronavirus hat der Immunologe Reinhold Förster vor einer erneuten Verschärfung der Lage gewarnt. «Wir beobachten, dass BA.5 noch weitaus ansteckender ist als alle bisherigen Varianten des Coronavirus», sagte der Wissenschaftler der «Hannoverschen Allgemeinen Zeitung» (HAZ/Mittwoch).

Für den Experten von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zeichnen sich schon jetzt steigende Zahlen ab. «Epidemiologisch befinden wir uns sozusagen bereits im Herbst», sagte er. Er befürchte nicht nur einen Anstieg der Fallzahlen, sondern damit einhergehend auch mehr Klinikeinweisungen und Todesfälle. Als Reaktion darauf sei vor allem für vorerkrankte Patienten und die älteren Mitbürger und Mitbürgerinnen eine vierte Impfung im Herbst wichtig.

Im Wochenvergleich verstärkte sich das Corona-Infektionsgeschehen in Niedersachsen wieder etwas. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Mittwoch nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 313,8, am vergangenen Mittwoch hatte der Wert noch bei 259,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gelegen.

Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

11.134 Neuinfektionen wurden erfasst, 16 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen und Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende immer mehr Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden.

Die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz in den Kliniken lag bei 4,3. Diese Zahl gilt als maßgeblicher Wert zur Bewertung der Lage - sie misst, wie viele Menschen bezogen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus kamen. Die Belegung der zur Verfügung stehenden Intensivbetten im Land wurde mit 1,8 Prozent angegeben.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sprach von einer stabilen Situation in Niedersachsen. «Momentan gibt es keine Anzeichen, dass die Zahlen deutlich steigen», sagte er. Allerdings sei der Trend wegen der Feiertagswochen schwer auszumachen.

Grundsätzlich müsse man sich davon lösen, die Inzidenzzahlen als die entscheidende Größe zu betrachten, solange keine Überlastung des Gesundheitssystems drohe. Mit den derzeit vorherrschenden Omikron-Varianten sei es nicht möglich, das Virus vollständig zurückzudrängen. Jedoch seien vor einem Jahr noch deutlich mehr Menschen im Krankenhaus behandelt und beatmet worden als heute.

Mit Blick auf die neue Omikron-Variante BA.5 erklärte der Sprecher, die Forschungsmeinung sei bisher nicht eindeutig. Auch Daten aus Portugal, wo die Variante stark verbreitet ist, ließen keinen finalen Schluss zu, ob BA.5 zu mehr schweren Krankheitsverläufen führe. Die Entwicklung werde aber aufmerksam beobachtet. Bereits am Freitag hatte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) erklärte, die Virusvariante gebe «Anlass zu einer erhöhten Wachsamkeit».

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