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Landgericht Familienvater will Tötung von Ehefrau nicht geplant haben Ein wegen Mordes angeklagter Familienvater aus dem Landkreis Celle will die tödlichen Messerstiche auf seine Ehefrau nicht geplant haben. «Hätte ich das tatsächlich vorgehabt, hätte ich das sicherlich nicht am helllichten Tag in einer Kleinstadt vor Zuschauern gemacht», ließ der 37-Jährige im Landgericht Hildesheim über seinen Verteidiger Matthias Waldraff erklären. Mit dem Küchenmesser in seiner Bauchtasche habe er eigentlich sich selbst umbringen wollen - so verzweifelt sei er gewesen. Am Dienstag äußerte sich der Deutsche erstmals selbst unter Tränen. Er bedauere es zutiefst und ehrlich, seine Ehefrau getötet zu haben, sagte er. «Jeden Tag fühle ich im Knast Verzweiflung und unbeschreibliche Trauer, auch wenn ich an meine Kinder denke.» Laut Anklage passte der in der Türkei geborene Mann die 35-Jährige Anfang Mai an ihrem geparkten Auto in Burgdorf ab und attackierte sie mit mindestens 13 Messerstichen. In dem Ort bei Hannover wollte die Frau einen Anwaltstermin wahrnehmen, um sich scheiden zu lassen. Die Mutter von zwei jugendlichen Söhnen starb knapp eine Stunde später im Rettungswagen infolge massiver Organverletzungen. Als er sich seiner Frau in Burgdorf genähert habe, habe sie ihn beschimpft und ihm gesagt: «Hau ab, ich hab einen anderen», sagte der Mann. «Ich wollte doch nur eine Aussprache.» Was dann passierte, ließ der 37-Jährige über seinen Anwalt erklären. Er sei durchgedreht, als er gehört habe, dass sie einen anderen habe und habe das Messer aus der Bauchtasche gezogen. «Dann bin ich völlig abgedreht, als wenn mein Kopf und mein Herz gleichzeitig platzen.» Er sei geflüchtet, weil er dachte, seine Frau umgebracht zu haben. Wenig später stellte er sich der Polizei. Die Staatsanwaltschaft sieht als Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe. Der Angeklagte habe seine Frau für ihre Trennung von ihm bestrafen wollen. Durch die Trennung habe er sein Ansehen in der Öffentlichkeit beschädigt gesehen. Auch am zweiten Verhandlungstag erinnerten Angehörige im Gerichtssaal mit zahlreichen Porträtfotos an die getötete zweifache Mutter. Wie schon beim Prozessauftakt wurde der Angeklagte aus dem Besucherbereich des Sitzungssaals von einzelnen Personen beschimpft. «Man tut der Verstorbenen keinen Gefallen, wenn man uns hier nicht in Ruhe verhandeln lässt», sagte dazu der Vorsitzende Richter Rainer de Lippe. Schwestern der Getöteten treten als Nebenklägerinnen auf. Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.
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Landgericht

Familienvater will Tötung von Ehefrau nicht geplant haben

Eine Ausgabe der Strafprozessordnung liegt in einem Gerichtssaal. © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Ein wegen Mordes angeklagter Familienvater aus dem Landkreis Celle will die tödlichen Messerstiche auf seine Ehefrau nicht geplant haben. «Hätte ich das tatsächlich vorgehabt, hätte ich das sicherlich nicht am helllichten Tag in einer Kleinstadt vor Zuschauern gemacht», ließ der 37-Jährige im Landgericht Hildesheim über seinen Verteidiger Matthias Waldraff erklären. Mit dem Küchenmesser in seiner Bauchtasche habe er eigentlich sich selbst umbringen wollen - so verzweifelt sei er gewesen.

Am Dienstag äußerte sich der Deutsche erstmals selbst unter Tränen. Er bedauere es zutiefst und ehrlich, seine Ehefrau getötet zu haben, sagte er. «Jeden Tag fühle ich im Knast Verzweiflung und unbeschreibliche Trauer, auch wenn ich an meine Kinder denke.»

Laut Anklage passte der in der Türkei geborene Mann die 35-Jährige Anfang Mai an ihrem geparkten Auto in Burgdorf ab und attackierte sie mit mindestens 13 Messerstichen. In dem Ort bei Hannover wollte die Frau einen Anwaltstermin wahrnehmen, um sich scheiden zu lassen. Die Mutter von zwei jugendlichen Söhnen starb knapp eine Stunde später im Rettungswagen infolge massiver Organverletzungen.

Als er sich seiner Frau in Burgdorf genähert habe, habe sie ihn beschimpft und ihm gesagt: «Hau ab, ich hab einen anderen», sagte der Mann. «Ich wollte doch nur eine Aussprache.» Was dann passierte, ließ der 37-Jährige über seinen Anwalt erklären. Er sei durchgedreht, als er gehört habe, dass sie einen anderen habe und habe das Messer aus der Bauchtasche gezogen. «Dann bin ich völlig abgedreht, als wenn mein Kopf und mein Herz gleichzeitig platzen.» Er sei geflüchtet, weil er dachte, seine Frau umgebracht zu haben. Wenig später stellte er sich der Polizei.

Die Staatsanwaltschaft sieht als Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe. Der Angeklagte habe seine Frau für ihre Trennung von ihm bestrafen wollen. Durch die Trennung habe er sein Ansehen in der Öffentlichkeit beschädigt gesehen.

Auch am zweiten Verhandlungstag erinnerten Angehörige im Gerichtssaal mit zahlreichen Porträtfotos an die getötete zweifache Mutter. Wie schon beim Prozessauftakt wurde der Angeklagte aus dem Besucherbereich des Sitzungssaals von einzelnen Personen beschimpft. «Man tut der Verstorbenen keinen Gefallen, wenn man uns hier nicht in Ruhe verhandeln lässt», sagte dazu der Vorsitzende Richter Rainer de Lippe. Schwestern der Getöteten treten als Nebenklägerinnen auf. Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.

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