Extrem hohe Nachfrage Zu knapp, zu teuer, zu unsicher: Das Desaster mit den Corona-Tests Immer noch steigt die Zahl der Menschen, die sich testen wollen, wöchentlich stark an. Bedienen können die schleppenden Lieferketten die Nachfrage nicht. Hinzu kommt die Verunsicherung: Welches Produkt ist wirklich zuverlässig? Anneke Quasdorf Bielefeld/Gütersloh. Immer noch steigt die Zahl der Menschen, die sich testen oder testen lassen, an. Immer noch gibt es aber nicht genügend Corona-Tests, sei es in den Drogerien, in den Apotheken oder in den Teststellen. Fachleute erwarten hier auch vorerst keine Entspannung. Ein weiteres Problem: die Fehlerquote der Selbsttests. "Die Engpässe sind ein Problem, das uns mindestens bis in den Januar begleiten wird", sagt Olaf Elsner, Vorstandsmitglied im Apothekerverband Westfalen-Lippe. "Das ist ein ganz normales Marktverhalten, von der Politik verursacht, das aber gerade für immense Probleme sorgt." Die Händler hätten sich nach der Abschaffung der kostenlosen Tests im Oktober nicht mehr bevorratet, die Nachschubketten aus Fernost seien zum Stillstand gekommen. Nun sei niemand in der Lage, die durch 2G+ und 3G-Regelung am Arbeitsplatz explodierende Nachfrage zu erfüllen. "Die Tests sind grundsätzlich da. Aber die Container und die Exportmöglichkeiten nicht." Das erkläre auch die teilweise deftig angestiegenen Preise. Auch beim Apothekerverband Nordrhein rechnet man nicht mit einer Entspannung der Lage. "Ein Ende ist nicht abzusehen", sagt Verbandschef Thomas Preis. "Aktuell steigen die Zahlen in den Teststellen wöchentlich sogar immer noch um 10 Prozent an. Der Dezember wird der Monat mit den meisten Bürgertests werden." Die Angebotsprobleme gebe es auch deshalb, weil bislang viele Tests Sonderzulassungen für den Verkauf erhalten hätten. Diese Zulassungen würden derzeit aber nicht verlängert, damit seien die Produkte vom Markt. "Billigangebote kommen nicht wieder" Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit steigen die Preise. Kostete ein Selbsttest im Sommer teilweise unter einem Euro, ist derzeit kaum ein Produkt für weniger als das Dreifache zu bekommen. So kostet ein Set mit fünf Tests bei Aldi online derzeit 13,95 Euro, das macht 2,79 pro Test. Verhältnismäßig günstig liegen auch Produkte im Online-Portal der Drogerie Rossmann mit 2,95 Euro pro Stück - die sind allerdings gar nicht verfügbar. Ähnlich sieht es bei Rewe oder DM aus. Beim Verband der Diagnostica Industrie ist man sich sicher, dass es Tiefstpreise bei den Selbsttests auch nicht mehr geben wird. "Wir sehen, dass sich die Preise wieder auf einem normalen Niveau einpendeln", sagt Geschäftsführer Martin Walger auf Anfrage. "Billigangebote von unter einem Euro, die es im Sommer kurzfristig gab, werden aber vermutlich nicht mehr auftauchen." Doch wie sieht es mit der Sicherheit der Selbsttests aus? Zuletzt mehrten sich Meldungen über eine hohe Fehlerquote. Fakt ist: "Anhand der Beschreibungen oder Zertifizierung auf der Packung ist das für den Laien kaum festzustellen", so Apothekerverbandschef Preis. Ab Mai strengere Zertifizierung der Tests Teil des Problems: Laut Paul-Ehrlich-Institut fehlt derzeit eine unabhängige Überprüfung der Produkte, so dass Hersteller ihre Ware selbst zertifizieren und in den Handel geben können. Das ändert sich erst ab Mai 2022. Dann müssen gemäß einer neuen EU-Richtlinie für In-vitro-Diagnostika (IVD) ein EU-Referenzlabor und eine Benannte Stelle hinzugezogen werden, um einen Test zu zertifizieren. Bis es so weit ist, hat man sich im Paul-Ehrlich-Institut daran gemacht, Tests vor allem auf ihre Sensitivität und damit auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Herangezogen wurden ausschließlich Produkte von der Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), deren Aufnahmekriterium die Erfüllung von Mindestkriterien und nach Coronavirus-Testverordnung erstattungsfähig sind. Heißt: die auch von Teststellen verwendet werden. "Hält ein Test der Liste der Überprüfung durch das Paul-Ehrlich-Institut nicht stand, wird er von der Liste des Bundesinstituts gestrichen", teilt eine Sprecherin auf Anfrage von nw.de mit. Wer also unsicher ist, zu welchen Produkten er greifen sollte, kann hier nachschauen. "Richtige Handhabung essenziell" Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, formuliert es aber noch einfacher: "Wer nicht einfach online irgendwas irgendwo bestellt, sondern über den vertrauenswürdigen Handel oder die Apotheken kauft, kann sich auch sicher sein, ein zuverlässiges Produkt zu erhalten." Für Apotheker Olaf Elsner ist aber auch wichtig, nochmal auf die richtige Handhabung hinzuweisen. "Aus Schutzgründen sind die Watteknubbel an den Selbstteststäbchen dicker als jene in den Teststellen. Das soll verhindern, dass der Laie sich selbst verletzt - macht das Selbsttesten aber auch unangenehmer." Dennoch sei es wichtig, die vorgeschriebene Tiefe und Dauer bei der Einführung in die Nase einzuhalten. "Im Zweifel lieber ein, zweimal mehr drehen. Und ein Familienmitglied bitten, den Test durchzuführen, wenn es einem selbst schwerfällt."
Extrem hohe Nachfrage

Zu knapp, zu teuer, zu unsicher: Das Desaster mit den Corona-Tests

Tief und lange: Nicht nur zuverlässige Produkte sind wichtig für das richtige Testergebnis, auch die korrekte Handhabung. © picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose

Bielefeld/Gütersloh. Immer noch steigt die Zahl der Menschen, die sich testen oder testen lassen, an. Immer noch gibt es aber nicht genügend Corona-Tests, sei es in den Drogerien, in den Apotheken oder in den Teststellen. Fachleute erwarten hier auch vorerst keine Entspannung. Ein weiteres Problem: die Fehlerquote der Selbsttests.

"Die Engpässe sind ein Problem, das uns mindestens bis in den Januar begleiten wird", sagt Olaf Elsner, Vorstandsmitglied im Apothekerverband Westfalen-Lippe. "Das ist ein ganz normales Marktverhalten, von der Politik verursacht, das aber gerade für immense Probleme sorgt." Die Händler hätten sich nach der Abschaffung der kostenlosen Tests im Oktober nicht mehr bevorratet, die Nachschubketten aus Fernost seien zum Stillstand gekommen. Nun sei niemand in der Lage, die durch 2G+ und 3G-Regelung am Arbeitsplatz explodierende Nachfrage zu erfüllen. "Die Tests sind grundsätzlich da. Aber die Container und die Exportmöglichkeiten nicht." Das erkläre auch die teilweise deftig angestiegenen Preise.

Auch beim Apothekerverband Nordrhein rechnet man nicht mit einer Entspannung der Lage. "Ein Ende ist nicht abzusehen", sagt Verbandschef Thomas Preis. "Aktuell steigen die Zahlen in den Teststellen wöchentlich sogar immer noch um 10 Prozent an. Der Dezember wird der Monat mit den meisten Bürgertests werden." Die Angebotsprobleme gebe es auch deshalb, weil bislang viele Tests Sonderzulassungen für den Verkauf erhalten hätten. Diese Zulassungen würden derzeit aber nicht verlängert, damit seien die Produkte vom Markt.

"Billigangebote kommen nicht wieder"

Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit steigen die Preise. Kostete ein Selbsttest im Sommer teilweise unter einem Euro, ist derzeit kaum ein Produkt für weniger als das Dreifache zu bekommen. So kostet ein Set mit fünf Tests bei Aldi online derzeit 13,95 Euro, das macht 2,79 pro Test. Verhältnismäßig günstig liegen auch Produkte im Online-Portal der Drogerie Rossmann mit 2,95 Euro pro Stück - die sind allerdings gar nicht verfügbar. Ähnlich sieht es bei Rewe oder DM aus.

Beim Verband der Diagnostica Industrie ist man sich sicher, dass es Tiefstpreise bei den Selbsttests auch nicht mehr geben wird. "Wir sehen, dass sich die Preise wieder auf einem normalen Niveau einpendeln", sagt Geschäftsführer Martin Walger auf Anfrage. "Billigangebote von unter einem Euro, die es im Sommer kurzfristig gab, werden aber vermutlich nicht mehr auftauchen."

Doch wie sieht es mit der Sicherheit der Selbsttests aus? Zuletzt mehrten sich Meldungen über eine hohe Fehlerquote. Fakt ist: "Anhand der Beschreibungen oder Zertifizierung auf der Packung ist das für den Laien kaum festzustellen", so Apothekerverbandschef Preis.

Ab Mai strengere Zertifizierung der Tests

Teil des Problems: Laut Paul-Ehrlich-Institut fehlt derzeit eine unabhängige Überprüfung der Produkte, so dass Hersteller ihre Ware selbst zertifizieren und in den Handel geben können. Das ändert sich erst ab Mai 2022. Dann müssen gemäß einer neuen EU-Richtlinie für In-vitro-Diagnostika (IVD) ein EU-Referenzlabor und eine Benannte Stelle hinzugezogen werden, um einen Test zu zertifizieren.

Bis es so weit ist, hat man sich im Paul-Ehrlich-Institut daran gemacht, Tests vor allem auf ihre Sensitivität und damit auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Herangezogen wurden ausschließlich Produkte von der Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), deren Aufnahmekriterium die Erfüllung von Mindestkriterien und nach Coronavirus-Testverordnung erstattungsfähig sind. Heißt: die auch von Teststellen verwendet werden.

"Hält ein Test der Liste der Überprüfung durch das Paul-Ehrlich-Institut nicht stand, wird er von der Liste des Bundesinstituts gestrichen", teilt eine Sprecherin auf Anfrage von nw.de mit. Wer also unsicher ist, zu welchen Produkten er greifen sollte, kann hier nachschauen.

"Richtige Handhabung essenziell"

Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein, formuliert es aber noch einfacher: "Wer nicht einfach online irgendwas irgendwo bestellt, sondern über den vertrauenswürdigen Handel oder die Apotheken kauft, kann sich auch sicher sein, ein zuverlässiges Produkt zu erhalten."

Für Apotheker Olaf Elsner ist aber auch wichtig, nochmal auf die richtige Handhabung hinzuweisen. "Aus Schutzgründen sind die Watteknubbel an den Selbstteststäbchen dicker als jene in den Teststellen. Das soll verhindern, dass der Laie sich selbst verletzt - macht das Selbsttesten aber auch unangenehmer." Dennoch sei es wichtig, die vorgeschriebene Tiefe und Dauer bei der Einführung in die Nase einzuhalten. "Im Zweifel lieber ein, zweimal mehr drehen. Und ein Familienmitglied bitten, den Test durchzuführen, wenn es einem selbst schwerfällt."

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