Wo gibt es Alternativen zu Fleischprodukten von Tönnies, Westfleisch und Co.? Lübbecke. Immer mehr Verbraucher machen sich aktuell Gedanken darüber, welche Wurst oder welches Kotelett sie kaufen können. Im Supermarkt wird die Rückseite der verpackten Wurst genau gelesen, um herauszufinden, wo das Fleischprodukt hergestellt worden ist. Waren doch die zwei führenden Fleischlieferanten der Discounter, "Tönnies" und "Westfleisch", nicht unlängst negativ in den Schlagzeilen aufgefallen. Wer aber im Supermarkt nicht Stunden damit verbringen möchte, das Etikett des Fleischproduktes zu analysieren, könnte beispielsweise auch im Edeka an die Fleischtheke gehen und den Verkäufer fragen. Die Firma Edeka wirbt damit, dass sie das Fleisch von der Unternehmenstochter "Bauerngut" bekommt, die wiederum mit fast ausschließlich fertig zerlegtem Fleisch beliefert wird - auch von Tönnies. Ähnlich sieht es bei den Discountern Lidl und Aldi aus: Hinter den Eigenmarken „Landjunker" und „Meine Metzgerei" zum Beispiel steckt Tönnies-Fleisch. Somit kommt man der Regel nicht um die beiden Großkonzerne herum. Mit einem Marktanteil von gut 30 Prozent ist Tönnies mit Abstand das größte Schlachtunternehmen in Deutschland. Im vergangenen Jahr kam es auf 16,7 Millionen geschlachtete Schweine, Nummer zwei der Branche ist Westfleisch mit 7,7 Millionen Schlachtungen. Sogar die kleineren regionalen Fleischereien, wie zum Beispiel die Fleischerei Reinköster, lassen sich ab und an Teilstücke von den Großkonzernen liefern. "Das ist dann für unsere Großkunden wie Restaurants oder Kurbetriebe und so abgesprochen", sagt der Inhaber Jörn Brinkmeier. "Im direkten Verkauf aber sind 95 Prozent des Tresenfleisches vom Hof eines regionalen Bauern." Der Fleischermeister legt großen Wert auf die Herkunft der geschlachteten Tiere. Deshalb bezieht er hauptsächlich Fleisch vom Meisterhof Wehdebrok aus Stemwede oder lässt Tiere von anderen regionalen Landwirten schlachten. Seit über 150 Jahren produziert der Familienbetrieb Wehdebrok Schweinefleisch in artgerechter Haltung mit dem Ziel, den Einsatz von Medikamenten zu minimieren oder ganz zu vermeiden, heißt es auf der Internetseite des Hofes. Das Umdenken bei den Verbrauchern habe aber bereits vor Corona und den Skandalen um Tönnies und Westfleisch begonnen, sagt Brinkmeier. Im Januar und Februar diesen Jahres hätte er den bisher höchsten Umsatz gehabt, seit er vor drei Jahren den Betrieb übernommen hatte. "Vorher fragten die Kunden in den meisten Fällen nach der Herkunft des Fleisches, jetzt fragen alle, wo das Tier geschlachtet worden ist", so der 29-jährige Fleischermeister. Aktuell sieht der Kunde die schlechten Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie und will etwas dagegen tun. In dem er bereit dazu ist, etwas mehr Geld auszugeben, macht er den ersten richtigen Schritt, sagt der Fleischermeister. Denn: Um so billig wie möglich produzieren zu können, holen sich Firmen wie Tönnies und Westfleisch Gastarbeiter über Zwischenhändler. "Diese Zwischenhändler sind die modernen Sklaventreiber", sagt Brinkmeier. Das werde auch so weiter gehen, bis die Politik einen Mindest-Endpreis für Fleisch festlegt, den der Verbraucher dann bereit ist zu zahlen. Vor der Übernahme der Fleischerei habe er selbst in einer industriellen Metzgerei gearbeitet. Dort habe er lange neben einem Gastarbeiter aus Rumänien gearbeitet, erinnert sich Brinkmeier. "Er hat mir erzählt, dass er mit 14 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Italien zum Arbeiten geschickt wurde, mit 16 Jahren wurde er von den Eltern getrennt und von den Zwischenhändlern nach Deutschland geschickt." Gerade weil er das Dilemma in der Fleischindustrie kennt, habe sich der Fleischermeister dazu entschlossen zwar etwas teurer zu produzieren, dafür aber faire Arbeitsbedingungen und Tierprodukte aus artgerechter Tierhaltung zu verkaufen. So kosten beispielsweise im Vergleich knapp 600 Gramm gewürztes Nackensteak bei Reinköster 4,46 Euro, an der Fleischtheke im Edeka etwa 3,50 Euro und von der Marke "Gut und Günstig" abgepackt 3,87 Euro. Die Fleischerei Reinköster verkauft an drei Standorten: Lübbecke, Hauptstraße 69, Espelkamp, Bahnstraße 8, und seit neustem auch in Bünde, Spradower Schweiz 17. Laut der Pressestelle des Kreises gibt es kreisweit weitere 17 handwerklich arbeitende Fleischereien, hinzu kommen sieben selbstschlachtende Betriebe. Die Firmensitze sind über das gesamte Kreisgebiet verteilt.

Wo gibt es Alternativen zu Fleischprodukten von Tönnies, Westfleisch und Co.?

Fachverkäuferin Ramona Fuhrmann arbeitet seit etwa zwei Jahren in der Fleischerei Reinköster. Sie findet die Arbeitsbedingungen mehr als fair. © Anastasia von Fugler

Lübbecke. Immer mehr Verbraucher machen sich aktuell Gedanken darüber, welche Wurst oder welches Kotelett sie kaufen können. Im Supermarkt wird die Rückseite der verpackten Wurst genau gelesen, um herauszufinden, wo das Fleischprodukt hergestellt worden ist. Waren doch die zwei führenden Fleischlieferanten der Discounter, "Tönnies" und "Westfleisch", nicht unlängst negativ in den Schlagzeilen aufgefallen.

Wer aber im Supermarkt nicht Stunden damit verbringen möchte, das Etikett des Fleischproduktes zu analysieren, könnte beispielsweise auch im Edeka an die Fleischtheke gehen und den Verkäufer fragen. Die Firma Edeka wirbt damit, dass sie das Fleisch von der Unternehmenstochter "Bauerngut" bekommt, die wiederum mit fast ausschließlich fertig zerlegtem Fleisch beliefert wird - auch von Tönnies.

Ähnlich sieht es bei den Discountern Lidl und Aldi aus: Hinter den Eigenmarken „Landjunker" und „Meine Metzgerei" zum Beispiel steckt Tönnies-Fleisch.

Somit kommt man der Regel nicht um die beiden Großkonzerne herum. Mit einem Marktanteil von gut 30 Prozent ist Tönnies mit Abstand das größte Schlachtunternehmen in Deutschland. Im vergangenen Jahr kam es auf 16,7 Millionen geschlachtete Schweine, Nummer zwei der Branche ist Westfleisch mit 7,7 Millionen Schlachtungen.

Sogar die kleineren regionalen Fleischereien, wie zum Beispiel die Fleischerei Reinköster, lassen sich ab und an Teilstücke von den Großkonzernen liefern. "Das ist dann für unsere Großkunden wie Restaurants oder Kurbetriebe und so abgesprochen", sagt der Inhaber Jörn Brinkmeier. "Im direkten Verkauf aber sind 95 Prozent des Tresenfleisches vom Hof eines regionalen Bauern."

Der Fleischermeister legt großen Wert auf die Herkunft der geschlachteten Tiere. Deshalb bezieht er hauptsächlich Fleisch vom Meisterhof Wehdebrok aus Stemwede oder lässt Tiere von anderen regionalen Landwirten schlachten. Seit über 150 Jahren produziert der Familienbetrieb Wehdebrok Schweinefleisch in artgerechter Haltung mit dem Ziel, den Einsatz von Medikamenten zu minimieren oder ganz zu vermeiden, heißt es auf der Internetseite des Hofes.

Das Umdenken bei den Verbrauchern habe aber bereits vor Corona und den Skandalen um Tönnies und Westfleisch begonnen, sagt Brinkmeier. Im Januar und Februar diesen Jahres hätte er den bisher höchsten Umsatz gehabt, seit er vor drei Jahren den Betrieb übernommen hatte. "Vorher fragten die Kunden in den meisten Fällen nach der Herkunft des Fleisches, jetzt fragen alle, wo das Tier geschlachtet worden ist", so der 29-jährige Fleischermeister.

Aktuell sieht der Kunde die schlechten Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie und will etwas dagegen tun. In dem er bereit dazu ist, etwas mehr Geld auszugeben, macht er den ersten richtigen Schritt, sagt der Fleischermeister. Denn: Um so billig wie möglich produzieren zu können, holen sich Firmen wie Tönnies und Westfleisch Gastarbeiter über Zwischenhändler. "Diese Zwischenhändler sind die modernen Sklaventreiber", sagt Brinkmeier. Das werde auch so weiter gehen, bis die Politik einen Mindest-Endpreis für Fleisch festlegt, den der Verbraucher dann bereit ist zu zahlen.

Vor der Übernahme der Fleischerei habe er selbst in einer industriellen Metzgerei gearbeitet. Dort habe er lange neben einem Gastarbeiter aus Rumänien gearbeitet, erinnert sich Brinkmeier. "Er hat mir erzählt, dass er mit 14 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Italien zum Arbeiten geschickt wurde, mit 16 Jahren wurde er von den Eltern getrennt und von den Zwischenhändlern nach Deutschland geschickt."

Gerade weil er das Dilemma in der Fleischindustrie kennt, habe sich der Fleischermeister dazu entschlossen zwar etwas teurer zu produzieren, dafür aber faire Arbeitsbedingungen und Tierprodukte aus artgerechter Tierhaltung zu verkaufen. So kosten beispielsweise im Vergleich knapp 600 Gramm gewürztes Nackensteak bei Reinköster 4,46 Euro, an der Fleischtheke im Edeka etwa 3,50 Euro und von der Marke "Gut und Günstig" abgepackt 3,87 Euro.

Die Fleischerei Reinköster verkauft an drei Standorten: Lübbecke, Hauptstraße 69, Espelkamp, Bahnstraße 8, und seit neustem auch in Bünde, Spradower Schweiz 17. Laut der Pressestelle des Kreises gibt es kreisweit weitere 17 handwerklich arbeitende Fleischereien, hinzu kommen sieben selbstschlachtende Betriebe. Die Firmensitze sind über das gesamte Kreisgebiet verteilt.

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