Bielefeld "Wir haben massive Angst um unser Leben": Bielefelder terrorisiert seine Nachbarn Jens Reichenbach Bielefeld. Ein Schuss in der Nacht löste am 18. September einen größeren Polizeieinsatz rund um den Real-Supermarkt an der Teutoburger Straße aus. Ein offensichtlich eskalierter Beziehungsstreit. Doch immer mehr wird deutlich, dass das eigentliche Opfer in diesem Fall vielfach auch als Verursacher der Probleme zu bezeichnen ist. Die erste Polizeimeldung besagte damals, dass ein 60-Jähriger vor dem Supermarkt-Haupteingang auf einen 28-jährigen Bielefelder geschossen hat. Eine ungewöhnliche Tat: Trotzdem ist den Ermittlern schnell klar, dass es sich an jenem späten Abend um einen Beziehungsstreit gehandelt habe. Der zunächst verbale Streit habe sich um seine Ex-Freundin (30) gedreht, berichtete auch der 28-Jährige wenige Tage nach der ersten Berichterstattung. Der Schütze sei ihr Vater, der plötzlich zu der Waffe gegriffen und geschossen habe. Der Bielefelder berichtete von einem Hüftdurchschuss und dass „seine Ex-Freundin ihm das Leben zur Hölle gemacht habe". Doch die Herzen des Mitleids fliegen dem 28-Jährigen seitdem nicht zu. Gewalt gegen Frauen, Randale im Haus Nachbarn erzählen längst von einem gewalttätigen Mann, der seine Freundinnen schlägt und unterdrückt, außerdem immer wieder im Wohnhaus randaliert. Von 30 Polizeieinsätzen sei inzwischen die Rede. Erstmals hat sich nun die Ex-Freundin an die Lokalredaktion gewandt. Sie ist entsetzt über die Darstellung des angeblichen Opfers und nimmt auch ihren Vater in Schutz: „Mein Papa ist der netteste und höflichste Mann dieser Erde", sagt sie. Doch nachdem der 28-Jährige mehrfach mitten in der Nacht bei ihnen zu Hause angerufen und seine Frau aufs Übelste beleidigt habe, so die 30-Jährige, habe ihr Vater den Ex-Freund zur Rede stellen wollen. „Er hat ihm gesagt: ’Wie kommst Du dazu, kleine Mädchen zu schlagen?" War der Schuss ein Unfall? Als dann auch die Ex-Freundin auf dem Parkplatz auftauchte, sei der 28-Jährige ausgerastet. Er habe den Spiegel des Wagens abgetreten, gepöbelt und sei schließlich gegen die Brust des Vaters gesprungen. Der habe Atemnot bekommen, sei gestürzt und dabei habe sich die Kugel in seiner Pistole gelöst, die er zu seiner Sicherheit mitgeführt habe, sagt sie. „Im Prinzip war es ein Unfall", sagt die 30-Jährige. Ob es sich wirklich um einen Unfall oder eine vorsätzliche Tat handelte, ist aktuell Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Die Kripo hatte bereits nach kürzester Zeit den Tatvorwurf von versuchtem Mord auf gefährliche Körperverletzung herabgestuft. Die zunächst eingerichtete Mordkommission wurde wieder aufgelöst. Mieter ziehen aus, eine Frau wohnt seinetwegen im Hotel Darüber hinaus schildert die 30-Jährige, dass sie nicht ihm, sondern er ihr das Leben zur Hölle mache. „Er lügt wie gedruckt." Er habe sogar in ihrem Freundeskreis Stunk gemacht: „Er hat ein krasses Eifersuchtsproblem und er kennt keine Grenzen." Inzwischen sitzt der 28-Jährige sogar in Haft. Polizeisprecher Fabian Rickel bestätigt das. „Er sitzt aktuell wegen einer älteren Sache in Haft, die mit den aktuellen Ereignissen nicht im Zusammenhang steht", sagt Rickel. Trotzdem bedeutet dieser Umstand ein großes Aufatmen in dem Mehrparteienhaus, in dem er zuletzt die Nachbarn in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Zwei bis drei Mieter sind aufgrund seiner Ausraster bereits ausgezogen oder haben sich vorübergehend eine Bleibe bei Freunden gesucht. Eine Frau lebe deshalb aktuell im Hotel - aus Angst. Ein Haus in Angst Tatsächlich hat der 28-Jährige in dem Haus, in dem seine aktuelle Partnerin Mieterin ist, mehrfach Polizeieinsätze ausgelöst. Er hat dort Hausverbot. Die Polizei hat ihn wegen Häuslicher Gewalt nach dem Gewaltschutzgesetz mehrfach der Wohnung verwiesen. Doch genutzt hat es nicht. Im Gegenteil. Zuletzt soll er sogar einen der Nachbarn tätlich angegriffen haben. Andere wurden von ihm bedroht und beleidigt. „Wir haben massive Angst um unser Leben", berichtet eine Betroffene. „Wir nehmen seine Drohanrufe sehr ernst", sagt ein anderer. Eine Hausbewohnerin betont: „Wir wissen nicht mehr, wie wir uns schützen sollen. Die Polizei zu rufen löst das Problem nicht." Kurz nach dem Einsatz sei er meist sofort wieder da. Die Mieter überlegen aktuell, ob sie einen Wachdienst einstellen sollen. Das hat sich womöglich mit der  Inhaftierung erledigt. Doch was ist danach? Beginnt das Martyrium dann von Neuem? Viele befürchten, dass sich nichts ändern wird. Denn die alkoholabhängige Partnerin lebe trotz Kündigung durch den Vermieter vermutlich noch Monate in dem Haus. Eine Räumungsklage sei anhängig, doch ob diese umgesetzt werde, sei noch nicht zu beantworten.
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"Wir haben massive Angst um unser Leben": Bielefelder terrorisiert seine Nachbarn

Die Bewohner eines Bielefelder Mehrfamilienhauses leben in Angst. Einer der Mieter terrorisiert nicht nur seine Partnerin, sondern auch die Nachbarn. © Symbolfoto: picture alliance

Bielefeld. Ein Schuss in der Nacht löste am 18. September einen größeren Polizeieinsatz rund um den Real-Supermarkt an der Teutoburger Straße aus. Ein offensichtlich eskalierter Beziehungsstreit. Doch immer mehr wird deutlich, dass das eigentliche Opfer in diesem Fall vielfach auch als Verursacher der Probleme zu bezeichnen ist.

Die erste Polizeimeldung besagte damals, dass ein 60-Jähriger vor dem Supermarkt-Haupteingang auf einen 28-jährigen Bielefelder geschossen hat. Eine ungewöhnliche Tat: Trotzdem ist den Ermittlern schnell klar, dass es sich an jenem späten Abend um einen Beziehungsstreit gehandelt habe.

Der zunächst verbale Streit habe sich um seine Ex-Freundin (30) gedreht, berichtete auch der 28-Jährige wenige Tage nach der ersten Berichterstattung. Der Schütze sei ihr Vater, der plötzlich zu der Waffe gegriffen und geschossen habe. Der Bielefelder berichtete von einem Hüftdurchschuss und dass „seine Ex-Freundin ihm das Leben zur Hölle gemacht habe". Doch die Herzen des Mitleids fliegen dem 28-Jährigen seitdem nicht zu.

Gewalt gegen Frauen, Randale im Haus

Nachbarn erzählen längst von einem gewalttätigen Mann, der seine Freundinnen schlägt und unterdrückt, außerdem immer wieder im Wohnhaus randaliert. Von 30 Polizeieinsätzen sei inzwischen die Rede.

Erstmals hat sich nun die Ex-Freundin an die Lokalredaktion gewandt. Sie ist entsetzt über die Darstellung des angeblichen Opfers und nimmt auch ihren Vater in Schutz: „Mein Papa ist der netteste und höflichste Mann dieser Erde", sagt sie. Doch nachdem der 28-Jährige mehrfach mitten in der Nacht bei ihnen zu Hause angerufen und seine Frau aufs Übelste beleidigt habe, so die 30-Jährige, habe ihr Vater den Ex-Freund zur Rede stellen wollen. „Er hat ihm gesagt: ’Wie kommst Du dazu, kleine Mädchen zu schlagen?"

War der Schuss ein Unfall?

Als dann auch die Ex-Freundin auf dem Parkplatz auftauchte, sei der 28-Jährige ausgerastet. Er habe den Spiegel des Wagens abgetreten, gepöbelt und sei schließlich gegen die Brust des Vaters gesprungen. Der habe Atemnot bekommen, sei gestürzt und dabei habe sich die Kugel in seiner Pistole gelöst, die er zu seiner Sicherheit mitgeführt habe, sagt sie. „Im Prinzip war es ein Unfall", sagt die 30-Jährige.

Ob es sich wirklich um einen Unfall oder eine vorsätzliche Tat handelte, ist aktuell Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. Die Kripo hatte bereits nach kürzester Zeit den Tatvorwurf von versuchtem Mord auf gefährliche Körperverletzung herabgestuft. Die zunächst eingerichtete Mordkommission wurde wieder aufgelöst.

Mieter ziehen aus, eine Frau wohnt seinetwegen im Hotel

Darüber hinaus schildert die 30-Jährige, dass sie nicht ihm, sondern er ihr das Leben zur Hölle mache. „Er lügt wie gedruckt." Er habe sogar in ihrem Freundeskreis Stunk gemacht: „Er hat ein krasses Eifersuchtsproblem und er kennt keine Grenzen."

Inzwischen sitzt der 28-Jährige sogar in Haft. Polizeisprecher Fabian Rickel bestätigt das. „Er sitzt aktuell wegen einer älteren Sache in Haft, die mit den aktuellen Ereignissen nicht im Zusammenhang steht", sagt Rickel. Trotzdem bedeutet dieser Umstand ein großes Aufatmen in dem Mehrparteienhaus, in dem er zuletzt die Nachbarn in Angst und Schrecken versetzt haben soll.

Zwei bis drei Mieter sind aufgrund seiner Ausraster bereits ausgezogen oder haben sich vorübergehend eine Bleibe bei Freunden gesucht. Eine Frau lebe deshalb aktuell im Hotel - aus Angst.

Ein Haus in Angst

Tatsächlich hat der 28-Jährige in dem Haus, in dem seine aktuelle Partnerin Mieterin ist, mehrfach Polizeieinsätze ausgelöst. Er hat dort Hausverbot. Die Polizei hat ihn wegen Häuslicher Gewalt nach dem Gewaltschutzgesetz mehrfach der Wohnung verwiesen. Doch genutzt hat es nicht. Im Gegenteil.

Zuletzt soll er sogar einen der Nachbarn tätlich angegriffen haben. Andere wurden von ihm bedroht und beleidigt. „Wir haben massive Angst um unser Leben", berichtet eine Betroffene. „Wir nehmen seine Drohanrufe sehr ernst", sagt ein anderer. Eine Hausbewohnerin betont: „Wir wissen nicht mehr, wie wir uns schützen sollen. Die Polizei zu rufen löst das Problem nicht." Kurz nach dem Einsatz sei er meist sofort wieder da. Die Mieter überlegen aktuell, ob sie einen Wachdienst einstellen sollen.

Das hat sich womöglich mit der  Inhaftierung erledigt. Doch was ist danach? Beginnt das Martyrium dann von Neuem? Viele befürchten, dass sich nichts ändern wird. Denn die alkoholabhängige Partnerin lebe trotz Kündigung durch den Vermieter vermutlich noch Monate in dem Haus. Eine Räumungsklage sei anhängig, doch ob diese umgesetzt werde, sei noch nicht zu beantworten.

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