Wieso ist OWL ein Hotspot für Corona-Demos? Lukas Brekenkamp Bielefeld. Der NRW-Verfassungsschutz hat sei mehreren Monaten Teile der sogenannten Corona-Proteste unter Beobachtung. Konkret die "Querdenken"-Bewegung und die "Corona-Rebellen Düsseldorf". Doch gerade in OWL hat es zeitweise so viele Corona-Demos gegeben, wie sonst nirgendwo. Wieso? Mehrere Tausend Personen rechnet der NRW-Verfassungsschutz "Querdenken" und den "Corona-Rebellen" zu. Wirklich unter Beobachtung stehen allerdings nur "etwa 20 Rädelsführer sowie etwa 300 weitere Personen", berichtet Burkhard Freier, Chef des NRW-Verfassungsschutzes. Frühe Warnung vor Extremisten Immer wieder kommt es in ganz NRW zu Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Schon früh haben Sicherheitsbehörden und Verfassungsschützer davor gewarnt, dass neben den normalen, besorgten Bürgern auch Rechtsextreme oder Reichsbürger unter den Demonstrierenden sind und etwa vor einer Unterwanderung oder Vereinnahmung gewarnt. Auch in OWL finden immer wieder Veranstaltungen von verschiedenen Gruppen statt - und offenbar deutlich mehr als im anderen Teil des Bundeslandes, wie ein Lagebild zu Corona-Leugnern zeigt: Konkret geht es darin um den Zeitraum zwischen Oktober 2020 und Mitte April dieses Jahres. Insgesamt fielen in dem guten halben Jahr 136 Corona-Demos in den Zuständigkeitsbereich der Kriminalhauptstelle Bielefeld - also OWL. Insgesamt macht das einen Anteil von 19 Prozent an den gesamten Corona-Demos in NRW in diesem Zeitraum aus. Weit hinter OWL liegt der Raum Köln (86 Demos) auf Rang zwei, gefolgt von Düsseldorf (58). Viele kleine Gruppen Doch warum ausgerechnet OWL als Hotspot für Corona-Demos? Freier berichtet von zwei Besonderheiten in Ostwestfalen. "Vergleicht man NRW mit anderen Bundesländern, stellt man fest, dass wir hier viele kleine Gruppen haben, die demonstrieren." Auch kleine mit etwa zehn bis 50 Teilnehmer. "Und die verteilen sich aus verschiedenen Gründen auf die Ostwestfalen." Zum einen sammeln sich die Gruppen "immer um bestimmte Rädelsführer". Konkrete Personen nennt Freier dabei allerdings nicht. "Zweitens gibt es eine rechte, völkische Szene", die sich von den Protesten angezogen fühle. "Und es gibt natürlich auch Gruppen, die überhaupt nichts mit Extremisten zu tun haben." Freier nennt als Beispiel etwa evangelikale Gruppe, "die auch einen starken Sog ausüben". Und: "Es gibt in Ostwestfalen viele Reichsbürger." All diese Gründe zusammengenommen bedeuten, dass man mehr Proteste zähle - auch wenn die wirklich großen Demonstrationen und großen Gruppen in den Großstädten wie Düsseldorf zu finden sind (zum Beispiel die "Corona Rebellen"). Verfassungsschützer: Querdenken wird nicht verschwinden Auch hier in der Region ist aufgefallen, dass sich zum Teil Extremisten und Reichsbürger unter die Demonstrierenden begeben. Zudem stellte die Bielefelder Polizei fest, dass es im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität "sonstige politische Motivation" kam. In diesem Bereich werden "Querdenken" und Co. verortet. Und der Anstieg wird von der Polizei auf die Corona-Demos zurückgeführt. Was Freier und seine Behörde auch bemerken: Gruppen wie "Querdenken" haben mittlerweile ein Mobilisierungspotenzial, was sich nicht nur auf Corona-Demos beschränkt. Zuletzt war das bei der Flutkatastrophe zu erkennen, als mehrere "Querdenker" in das Gebiet reisten. Freier befürchtet: "Wir gehen nicht davon aus, dass diese Gruppe verschwindet, wenn Corona irgendwann vorbei ist."

Wieso ist OWL ein Hotspot für Corona-Demos?

Der NRW-Verfassungsschutz hat Teile der Corona-Proteste genau im Blick. © picture alliance/dpa

Bielefeld. Der NRW-Verfassungsschutz hat sei mehreren Monaten Teile der sogenannten Corona-Proteste unter Beobachtung. Konkret die "Querdenken"-Bewegung und die "Corona-Rebellen Düsseldorf". Doch gerade in OWL hat es zeitweise so viele Corona-Demos gegeben, wie sonst nirgendwo. Wieso?

Mehrere Tausend Personen rechnet der NRW-Verfassungsschutz "Querdenken" und den "Corona-Rebellen" zu. Wirklich unter Beobachtung stehen allerdings nur "etwa 20 Rädelsführer sowie etwa 300 weitere Personen", berichtet Burkhard Freier, Chef des NRW-Verfassungsschutzes.

Frühe Warnung vor Extremisten

Immer wieder kommt es in ganz NRW zu Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Schon früh haben Sicherheitsbehörden und Verfassungsschützer davor gewarnt, dass neben den normalen, besorgten Bürgern auch Rechtsextreme oder Reichsbürger unter den Demonstrierenden sind und etwa vor einer Unterwanderung oder Vereinnahmung gewarnt.

Auch in OWL finden immer wieder Veranstaltungen von verschiedenen Gruppen statt - und offenbar deutlich mehr als im anderen Teil des Bundeslandes, wie ein Lagebild zu Corona-Leugnern zeigt: Konkret geht es darin um den Zeitraum zwischen Oktober 2020 und Mitte April dieses Jahres. Insgesamt fielen in dem guten halben Jahr 136 Corona-Demos in den Zuständigkeitsbereich der Kriminalhauptstelle Bielefeld - also OWL. Insgesamt macht das einen Anteil von 19 Prozent an den gesamten Corona-Demos in NRW in diesem Zeitraum aus. Weit hinter OWL liegt der Raum Köln (86 Demos) auf Rang zwei, gefolgt von Düsseldorf (58).

Viele kleine Gruppen

Doch warum ausgerechnet OWL als Hotspot für Corona-Demos? Freier berichtet von zwei Besonderheiten in Ostwestfalen. "Vergleicht man NRW mit anderen Bundesländern, stellt man fest, dass wir hier viele kleine Gruppen haben, die demonstrieren." Auch kleine mit etwa zehn bis 50 Teilnehmer. "Und die verteilen sich aus verschiedenen Gründen auf die Ostwestfalen."

Zum einen sammeln sich die Gruppen "immer um bestimmte Rädelsführer". Konkrete Personen nennt Freier dabei allerdings nicht. "Zweitens gibt es eine rechte, völkische Szene", die sich von den Protesten angezogen fühle. "Und es gibt natürlich auch Gruppen, die überhaupt nichts mit Extremisten zu tun haben." Freier nennt als Beispiel etwa evangelikale Gruppe, "die auch einen starken Sog ausüben". Und: "Es gibt in Ostwestfalen viele Reichsbürger." All diese Gründe zusammengenommen bedeuten, dass man mehr Proteste zähle - auch wenn die wirklich großen Demonstrationen und großen Gruppen in den Großstädten wie Düsseldorf zu finden sind (zum Beispiel die "Corona Rebellen").

Verfassungsschützer: Querdenken wird nicht verschwinden

Auch hier in der Region ist aufgefallen, dass sich zum Teil Extremisten und Reichsbürger unter die Demonstrierenden begeben. Zudem stellte die Bielefelder Polizei fest, dass es im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Straftaten im Bereich der politisch motivierten Kriminalität "sonstige politische Motivation" kam. In diesem Bereich werden "Querdenken" und Co. verortet. Und der Anstieg wird von der Polizei auf die Corona-Demos zurückgeführt.

Was Freier und seine Behörde auch bemerken: Gruppen wie "Querdenken" haben mittlerweile ein Mobilisierungspotenzial, was sich nicht nur auf Corona-Demos beschränkt. Zuletzt war das bei der Flutkatastrophe zu erkennen, als mehrere "Querdenker" in das Gebiet reisten. Freier befürchtet: "Wir gehen nicht davon aus, dass diese Gruppe verschwindet, wenn Corona irgendwann vorbei ist."

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