Wie Gesundheitsämter in OWL Kontaktpersonen von Infizierten nachverfolgen Anneke Quasdorf Bielefeld (nw). In den Gesundheitsämtern in OWL entspannt sich die Lage allmählich. Das bezieht sich besonders auf die Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Coronainfizierten. Damit steht die Region besser da, als viele andere in Deutschland. Denn in vielen Ämtern stehen nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung, um dieser wichtigen Aufgabe nachzukommen. Pro 20.000 Einwohner soll jeder Landkreis ein fünfköpfiges Team bereitstellen, das Kontakte nachverfolgt, darauf haben sich Bund und Länder bereits im März geeinigt. Doch diesen Schlüssel können viele Ämter nicht bereitstellen. Das ergab eine Umfrage von NDR und WDR unter mehr als 380 Institutionen. 178 von ihnen antworteten, in 119 davon, also 67 Prozent, fehlt das entsprechende Personal. Lückenlose Verfolgung in OWL Diese Situation ist in OWL nicht gegeben. Hier melden alle befragten Kreise auf Anfrage zurück, dass sie bislang eine lückenlose Verfolgung der Kontaktpersonen leisten konnten und können – wenn auch mit beträchtlichem Aufwand und personeller Aufstockung. Im Kreis Gütersloh beispielsweise müssten, um die Vorgabe der Regierung einzuhalten, bei 370.000 Einwohnern 92,5 Personen im Einsatz sein. „In der Spitzenzeit der Neuinfektionen hatten wir zur Nachverfolgung und zur Betreuung von Kontaktpersonen in Quarantäne 110 Personen zur Verfügung", so Sprecher Jan Focken. 50 neue Mitarbeiter, darunter 26 befristet eingestellte Kräfte mit medizinischen Vorkenntnissen, seien dafür eingestellt worden. In Bielefeldsind zu normalen Zeiten zwei bis drei Personen mit dem Thema Infektionsschutz beschäftigt. Zu Infektions-Hochzeiten Ende März, Anfang April arbeiteten hier dann 60 Personen mit. „Die dann immer noch beträchtliche Überstunden gemacht haben", sagt Amtsleiter Ingo Nürnberger. „Das lag aber auch daran, dass die Kontaktpersonennachverfolgung eine sehr zeitaufwändige Sisyphosarbeit sein kann. Von daher ist das von der Regierung ausgegebene Verhältnis durchaus realistisch." Mittleweile arbeiten viele Mitarbeiter wieder in ihren ursprünglichen Bereichen – vorerst. „Wir können das ganze System sofort wieder hochfahren, wenn die Zahlen wieder steigen", so Nürnberger. „Zurzeit wissen wir einfach nicht, wie sich die Lockerungen, die neuen Testregeln und irgenwann auch wieder schlechteres Wetter auf das Virus und die Zahlen auswirken." Keine großen Sprünge möglich Auch in den Kreisen Paderborn und Herford ist die Lage zur Zeit entspannter. In Herford wurden anfangs 30 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die Vorgabe einzuhalten. „Dieses Verhältnis ist aber zurzeit nicht mehr gegeben", so Sprecherin Petra Scholz. „Das aus anderen Ämtern hinzugezogene Personal ist wieder mit der Wahrnehmung der eigentlichen Aufgaben beschäftigt - kann aber bei Bedarf wieder abgerufen werden." Genauso handhabt es auch der Kreis Paderborn. Große Sprünge machen können die Ämter in OWL trotz der niedrigen Infektionszahlen aber auch nicht. Viele Aufgaben bleiben in Corona-Zeiten auf der Strecke. So hat der Kreis Minden-Lübbecke seine Arbeit größtenteils umgestellt, teilt Sprecherin Sabine Ohnesorge mit. „Das bedeutet, Gutachtenuntersuchungen und andere Aufgaben wurden so weit wie möglich aufgeschoben. Alle Abteilungen unterstützen den Infektionsschutz." Im Kreis Gütersloh haben über 900 Kinder bislang keine Schuleingangsuntersuchung erhalten – das wird auch nicht mehr passieren, zumindest nicht durch das Gesundheitsamt. Eltern sind hier angehalten, sich an ihre Kinderärzte zu wenden.

Wie Gesundheitsämter in OWL Kontaktpersonen von Infizierten nachverfolgen

Die Innenstadt von Bielefeld füllt sich nach den Lockerungen wieder mit Menschen. © Wolfgang Rudolf

Bielefeld (nw). In den Gesundheitsämtern in OWL entspannt sich die Lage allmählich. Das bezieht sich besonders auf die Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Coronainfizierten. Damit steht die Region besser da, als viele andere in Deutschland. Denn in vielen Ämtern stehen nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung, um dieser wichtigen Aufgabe nachzukommen.

Pro 20.000 Einwohner soll jeder Landkreis ein fünfköpfiges Team bereitstellen, das Kontakte nachverfolgt, darauf haben sich Bund und Länder bereits im März geeinigt. Doch diesen Schlüssel können viele Ämter nicht bereitstellen. Das ergab eine Umfrage von NDR und WDR unter mehr als 380 Institutionen. 178 von ihnen antworteten, in 119 davon, also 67 Prozent, fehlt das entsprechende Personal.

Lückenlose Verfolgung in OWL

Diese Situation ist in OWL nicht gegeben. Hier melden alle befragten Kreise auf Anfrage zurück, dass sie bislang eine lückenlose Verfolgung der Kontaktpersonen leisten konnten und können – wenn auch mit beträchtlichem Aufwand und personeller Aufstockung. Im Kreis Gütersloh beispielsweise müssten, um die Vorgabe der Regierung einzuhalten, bei 370.000 Einwohnern 92,5 Personen im Einsatz sein. „In der Spitzenzeit der Neuinfektionen hatten wir zur Nachverfolgung und zur Betreuung von Kontaktpersonen in Quarantäne 110 Personen zur Verfügung", so Sprecher Jan Focken. 50 neue Mitarbeiter, darunter 26 befristet eingestellte Kräfte mit medizinischen Vorkenntnissen, seien dafür eingestellt worden.

In Bielefeldsind zu normalen Zeiten zwei bis drei Personen mit dem Thema Infektionsschutz beschäftigt. Zu Infektions-Hochzeiten Ende März, Anfang April arbeiteten hier dann 60 Personen mit. „Die dann immer noch beträchtliche Überstunden gemacht haben", sagt Amtsleiter Ingo Nürnberger. „Das lag aber auch daran, dass die Kontaktpersonennachverfolgung eine sehr zeitaufwändige Sisyphosarbeit sein kann. Von daher ist das von der Regierung ausgegebene Verhältnis durchaus realistisch." Mittleweile arbeiten viele Mitarbeiter wieder in ihren ursprünglichen Bereichen – vorerst. „Wir können das ganze System sofort wieder hochfahren, wenn die Zahlen wieder steigen", so Nürnberger. „Zurzeit wissen wir einfach nicht, wie sich die Lockerungen, die neuen Testregeln und irgenwann auch wieder schlechteres Wetter auf das Virus und die Zahlen auswirken."

Keine großen Sprünge möglich

Auch in den Kreisen Paderborn und Herford ist die Lage zur Zeit entspannter. In Herford wurden anfangs 30 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die Vorgabe einzuhalten. „Dieses Verhältnis ist aber zurzeit nicht mehr gegeben", so Sprecherin Petra Scholz. „Das aus anderen Ämtern hinzugezogene Personal ist wieder mit der Wahrnehmung der eigentlichen Aufgaben beschäftigt - kann aber bei Bedarf wieder abgerufen werden." Genauso handhabt es auch der Kreis Paderborn.

Große Sprünge machen können die Ämter in OWL trotz der niedrigen Infektionszahlen aber auch nicht. Viele Aufgaben bleiben in Corona-Zeiten auf der Strecke. So hat der Kreis Minden-Lübbecke seine Arbeit größtenteils umgestellt, teilt Sprecherin Sabine Ohnesorge mit. „Das bedeutet, Gutachtenuntersuchungen und andere Aufgaben wurden so weit wie möglich aufgeschoben. Alle Abteilungen unterstützen den Infektionsschutz." Im Kreis Gütersloh haben über 900 Kinder bislang keine Schuleingangsuntersuchung erhalten – das wird auch nicht mehr passieren, zumindest nicht durch das Gesundheitsamt. Eltern sind hier angehalten, sich an ihre Kinderärzte zu wenden.

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