Wetterexperte Föst warnt eindringlich: Hätte genau so gut auch Ostwestfalen treffen können Karsten Schulz Lübbecker Land. Friedrich Föst weilt mit seiner Familie zurzeit im Urlaub im österreichischen Salzkammergut. Auch hier haben ihn die Katastrophenmeldungen aus Eifel, Ruhrgebiet, südlichem Westfalen bis Rheinland-Pfalz eingeholt. Starkregenereignisse gab es auch im Urlaubsland Österreich und ganz in seiner Nähe. „Gott sei Dank hat es jetzt aufgehört, die Sonne scheint wieder", sagt der Meteorologe von der Wettermanufaktur Lübbecke. Aufgrund der besonderen Ereignisse nimmt er sich gerne Zeit für ein Gespräch mit der Redaktion – obwohl er sich im Urlaub befindet. „Das, was vom Ruhrgebiet bis Rheinland-Pfalz passiert ist, hätte genauso gut auch uns in Ostwestfalen und im Lübbecker Land treffen können", ist er sich völlig sicher. Die Gewitter-und Niederschlagsfront hätte nur 150 Kilometer weiter nordöstlich verlaufen müssen, dann hätte die heimische Region die Wassermassen abbekommen, so Föst. Der Sommer 2021 sei eher ein „ganz normaler mitteleuropäischer Sommer, vielleicht ein wenig zu nass, aber nur ein wenig". Dennoch sei der Juli bisher der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Juli bisher der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Was die jüngsten katastrophalen Regenereignisse angehe, habe man „in unserer Region nur unwahrscheinliches Glück gehabt". Dennoch müsse man das Ganze differenzierter sehen, so der Wissenschaftler. Immer werde davon gesprochen, dass das Lübbecker Land und der Kreis Minden-Lübbecke nicht oder kaum von Unwettern heimgesucht würden. Dass das Wiehengebirge und der Teutoburger Wald die flache Landschaft dahinter schützen würde, könne man so nicht sagen. Möglicherweise habe dies auf kleine lokale Gewitterereignisse im Sommer eine „gewisse abschwächende Wirkung". Aber die Flut im Westen sei ein großflächiges Wetterphänomen gewesen. Es habe sich dabei um ein abgeschlossenes Höhentief gehandelt, bei dem im unteren Bereich feuchtwarme Luft auftreffe und im oberen Bereich Kaltluft zuströme. Das führe zu großen Verwirbelungen und kondensiere, es bewege sich auch kaum von der Stelle. Föst: „Man muss sich das wie ein Fettauge auf der Suppe vorstellen, das sich nur langsam verteilt." Der Meteorologe ist sich sicher: „Wir wären hier genauso abgesoffen wie die Eifel. Überall wären die Regenmassen heruntergekommen und alles wäre vollgelaufen. Unsere ganze Region hat nur Riesenglück gehabt." "Wir sind hier keine Insel der Glückseligen" Föst erinnert in diesem Zusammenhang an die Stadt Münster, wo im Sommer 2014 300 Liter Regen auf einen Quadratmeter heruntergekommen seien. 2002 habe es in Sachsen 250 bis 300 Liter gegeben. Am 15. und 16. Juli 1965 habe es in Paderborn und Höxter das Heinrichs-Hochwasser gegeben. In Dahlheim seien mehr als 200 Liter in 24 Stunden heruntergekommen. Alle kleineren Flüsse und Bäche seien vollgelaufen, durch Paderborns Altstadt sei ein reißender Fluss geflossen. Föst: „Wir sind hier keine Insel der Glückseligen." Viele Flüsse seien begradigt worden, Gott sei Dank versuche man das wieder rückgängig zu machen. Bestes Beispiel sei die Renaturierung der großen Aue in Espelkamp und Rahden. Obwohl die flachere Region hier sich „etwas anders darstellt" würden 300 Liter Regen in 24 Stunden „Straßenzüge auch in reißende Flüsse verwandeln." "Gewaltige Wassermassen sind den Lübbecker Berg heruntergeflossen" Föst berichtet von einem Ereignis, das sich Anfang 1880 ereignet hatte. In Aufzeichnungen hieß es: „Gewaltige Wassermassen sind den Lübbecker Berg heruntergeflossen, sind durch die Erdgeschosse von Wohnungen und Höfen geflossen und haben die Bäche Ronceva und Flöthe in große Seen verwandelt." Er könne nicht sagen, ob die Kanalisation auf solche Regenmassen vorbereitet sei, da müsse man die Fachleute fragen, so Föst. Dennoch beobachtet er mit Sorge, dass immer mehr Wiesen verschwinden und versiegelten Flächen mit Straßen, Industriegebieten und Wohnsiedlungen Platz machten. Zwischen Wirtschaft und Ökologie gebe es große Widersprüche. „Der Ruf nach Fläche" sei einfach immer da, hektarweise werde diese zubetoniert. Dies sichere zwar auf der einen Seite unseren Wohlstand und schaffe Arbeitsplätze. Auf der anderen Seite aber könne „die Natur das in wenigen Augenblicken vernichten und sich diese Fläche wieder zurückholen". Neue Technik "sehr anfällig" Und noch etwas war dem Wetterforscher in dieser verheerenden Naturkatastrophe aufgefallen: Mobilfunknetze und das Internet seien sofort ausgefallen. So schön wie die neue Technik auch sei, aber sie sei auch „sehr anfällig". Meteorologe Friedrich Föst appellierte an die Verantwortlichen, die „gute alte Sirenen-Alarmierung" wieder überall einzuführen. „Die hört jeder und darauf reagiert auch jeder."

Wetterexperte Föst warnt eindringlich: Hätte genau so gut auch Ostwestfalen treffen können

Der Regen nimmt am 17. August 2015 die Sicht: Die Aufnahme entstand an der überfluteten Leverner Straße in Stemwede. © Joern Spreen-Ledebur

Lübbecker Land. Friedrich Föst weilt mit seiner Familie zurzeit im Urlaub im österreichischen Salzkammergut. Auch hier haben ihn die Katastrophenmeldungen aus Eifel, Ruhrgebiet, südlichem Westfalen bis Rheinland-Pfalz eingeholt. Starkregenereignisse gab es auch im Urlaubsland Österreich und ganz in seiner Nähe. „Gott sei Dank hat es jetzt aufgehört, die Sonne scheint wieder", sagt der Meteorologe von der Wettermanufaktur Lübbecke. Aufgrund der besonderen Ereignisse nimmt er sich gerne Zeit für ein Gespräch mit der Redaktion – obwohl er sich im Urlaub befindet. „Das, was vom Ruhrgebiet bis Rheinland-Pfalz passiert ist, hätte genauso gut auch uns in Ostwestfalen und im Lübbecker Land treffen können", ist er sich völlig sicher.

Die Gewitter-und Niederschlagsfront hätte nur 150 Kilometer weiter nordöstlich verlaufen müssen, dann hätte die heimische Region die Wassermassen abbekommen, so Föst. Der Sommer 2021 sei eher ein „ganz normaler mitteleuropäischer Sommer, vielleicht ein wenig zu nass, aber nur ein wenig". Dennoch sei der Juli bisher der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Juli bisher der zweitwärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

Meteorologe Friedrich Föst meint, dass das Lübbecker Land nur "außerordentliches Glück hatte", da es von der Unwetterfront verschont blieb. - © Frank Hartmann
Meteorologe Friedrich Föst meint, dass das Lübbecker Land nur "außerordentliches Glück hatte", da es von der Unwetterfront verschont blieb. - © Frank Hartmann

Was die jüngsten katastrophalen Regenereignisse angehe, habe man „in unserer Region nur unwahrscheinliches Glück gehabt". Dennoch müsse man das Ganze differenzierter sehen, so der Wissenschaftler. Immer werde davon gesprochen, dass das Lübbecker Land und der Kreis Minden-Lübbecke nicht oder kaum von Unwettern heimgesucht würden. Dass das Wiehengebirge und der Teutoburger Wald die flache Landschaft dahinter schützen würde, könne man so nicht sagen. Möglicherweise habe dies auf kleine lokale Gewitterereignisse im Sommer eine „gewisse abschwächende Wirkung".

Aber die Flut im Westen sei ein großflächiges Wetterphänomen gewesen. Es habe sich dabei um ein abgeschlossenes Höhentief gehandelt, bei dem im unteren Bereich feuchtwarme Luft auftreffe und im oberen Bereich Kaltluft zuströme. Das führe zu großen Verwirbelungen und kondensiere, es bewege sich auch kaum von der Stelle. Föst: „Man muss sich das wie ein Fettauge auf der Suppe vorstellen, das sich nur langsam verteilt." Der Meteorologe ist sich sicher: „Wir wären hier genauso abgesoffen wie die Eifel. Überall wären die Regenmassen heruntergekommen und alles wäre vollgelaufen. Unsere ganze Region hat nur Riesenglück gehabt."

"Wir sind hier keine Insel der Glückseligen"

Föst erinnert in diesem Zusammenhang an die Stadt Münster, wo im Sommer 2014 300 Liter Regen auf einen Quadratmeter heruntergekommen seien. 2002 habe es in Sachsen 250 bis 300 Liter gegeben. Am 15. und 16. Juli 1965 habe es in Paderborn und Höxter das Heinrichs-Hochwasser gegeben. In Dahlheim seien mehr als 200 Liter in 24 Stunden heruntergekommen. Alle kleineren Flüsse und Bäche seien vollgelaufen, durch Paderborns Altstadt sei ein reißender Fluss geflossen.

Föst: „Wir sind hier keine Insel der Glückseligen." Viele Flüsse seien begradigt worden, Gott sei Dank versuche man das wieder rückgängig zu machen. Bestes Beispiel sei die Renaturierung der großen Aue in Espelkamp und Rahden. Obwohl die flachere Region hier sich „etwas anders darstellt" würden 300 Liter Regen in 24 Stunden „Straßenzüge auch in reißende Flüsse verwandeln."

"Gewaltige Wassermassen sind den Lübbecker Berg heruntergeflossen"

Föst berichtet von einem Ereignis, das sich Anfang 1880 ereignet hatte. In Aufzeichnungen hieß es: „Gewaltige Wassermassen sind den Lübbecker Berg heruntergeflossen, sind durch die Erdgeschosse von Wohnungen und Höfen geflossen und haben die Bäche Ronceva und Flöthe in große Seen verwandelt."

Er könne nicht sagen, ob die Kanalisation auf solche Regenmassen vorbereitet sei, da müsse man die Fachleute fragen, so Föst. Dennoch beobachtet er mit Sorge, dass immer mehr Wiesen verschwinden und versiegelten Flächen mit Straßen, Industriegebieten und Wohnsiedlungen Platz machten. Zwischen Wirtschaft und Ökologie gebe es große Widersprüche. „Der Ruf nach Fläche" sei einfach immer da, hektarweise werde diese zubetoniert. Dies sichere zwar auf der einen Seite unseren Wohlstand und schaffe Arbeitsplätze. Auf der anderen Seite aber könne „die Natur das in wenigen Augenblicken vernichten und sich diese Fläche wieder zurückholen".

Neue Technik "sehr anfällig"

Und noch etwas war dem Wetterforscher in dieser verheerenden Naturkatastrophe aufgefallen: Mobilfunknetze und das Internet seien sofort ausgefallen. So schön wie die neue Technik auch sei, aber sie sei auch „sehr anfällig".

Meteorologe Friedrich Föst appellierte an die Verantwortlichen, die „gute alte Sirenen-Alarmierung" wieder überall einzuführen. „Die hört jeder und darauf reagiert auch jeder."

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