Westfleisch in Lübbecke corona-frei Frank Hartmann Lübbecke (nw). Seit Mitte Mai alle Mitarbeiter des Westfleisch-Schlachthofes in Lübbecke auf behördliche Anordnung hin getestet worden sind, bemüht sich das Unternehmen, alle Kritikpunkte abzuarbeiten. Und es trifft Vorsorge, um zu vermeiden, dass es in die negativen Schlagzeilen gerät, wie aktuell der Fleisch-Konzern Tönnies. Bei der Öffentlichkeitsarbeit hilft der unternehmenseigenen Pressestelle ein Medien-Profi: Philipp Ley aus Köln, der eigenen Angaben zufolge die strategische Kommunikationsarbeit führender Großkonzerne kennengelernt hat und dieses Wissen heute in seiner Arbeit für mittelständische Unternehmen, Verbände und Dax30-Konzerne nutzt. Jüngstes Beispiel: Gestern kündigte Ley ein „10-Punkte-Zukunftsprogramm“ für Westfleisch an. Wie Ley auf Anfrage jetzt mitteilte, lässt Westfleisch am Standort Lübbecke auf eigene Kosten seit Ende Mai alle Produktionsmitarbeiter wöchentlich testen. Vorgenommen würden Rachenabstriche, die mittels PCR-Test ausgewertet würden. Dieses Verfahren, bei dem das Erbgut des Virus nachgewiesen werden kann, entspreche den amtlichen Tests. Ley: „Bisher gab es ausschließlich negative Ergebnisse.“ Gefragt, ob Westfleisch während des Behördenbesuchs Mitte Mai die gleichen Schwierigkeiten wie Tönnies hatte, die Namen und Anschriften sämtlicher Lübbecker Mitarbeiter auszuhändigen, antwortet Ley. „Da nur negative Ergebnisse vorgelegen hätten, habe kein Anlass vorgelegen, Daten auszuhändigen. Unabhängig davon hat Westfleisch sich von einem deutschen Werkvertragsunternehmen getrennt. Dieses Unternehmen habe aber keine Mitarbeiter in Lübbecke beschäftigt.“ Einen schwerwiegenden Kritikpunkt gab es trotzdem: Wie berichtet, hat die Bezirksregierung Detmold eine Sammelunterkunft in Espelkamp, in der Westfleisch-Werksarbeiter lebten, geschlossen. Grund waren laut Bezirksregierung „gravierende Mängel“ in mehreren Bereichen. Die 19 betroffenen Personen lebten jetzt „in unterschiedlichen Unterkünften“, so Ley. Die Frage nach dem Wie ließ er unbeantwortet. Dafür will Westfleisch alles daran setzen, dass „diese negativen Ausnahmen“ in Zukunft nicht mehr möglich sind. Auf Nachfrage präzisiert Ley: „In Lübbecke lebt ein Teil der Beschäftigten in selbst angemieteten Wohnungen. Ein anderer Teil wohnt in Unterkünften, die von Werkvertragsunternehmen zur Verfügung gestellt werden. Diese Unterkünfte schauen wir uns künftig noch genauer an, werden stärker kontrollieren und gegebenenfalls dort handeln, wo Bedarf besteht.“ Laut Unternehmensangaben wird das Westfleisch-Hygienekonzept mit allen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen „zwingend und ausnahmslos jeden Tag aufs Neue beachtet, umgesetzt und kompromisslos gelebt“. Das gelte für jeden Beschäftigten und für jedes Werkvertragsunternehmen. Ley: „Informieren, appellieren, kontrollieren lautet deshalb heute unser Mantra. Das gilt für die Arbeit, die Fahrt von und zur Arbeitsstätte und für das Wohnen.“ Auf die Frage, was das für den Standort Lübbecke bedeutet, antwortet Ley: „Im Rahmen unseres Hygienekonzepts ergriffen wir bereits vor Monaten eine Reihe von Maßnahmen, um die Mitarbeiter im betrieblichen und privaten Umfeld bestmöglich zu schützen.“ Ley zählt auf: das verpflichtende Tragen eines Mund- und Nasenschutzes bereits beim Betreten des Betriebsgeländes, eine kontaktlose Fiebermessung am Werkstor, zusätzliche Hygienestationen, die Arbeit in klar abgegrenzten Kleingruppen, die Verhinderung weiterer Kontaktstellen in Pausenräumen und erweiterte Schutzbekleidungsbestimmungen. So trügen die Mitarbeiter zum Beispiel in Bereichen, in denen der empfohlene Sicherheitsabstand aufgrund des Arbeitsprozesses nicht zu jeder Zeit eingehalten werden könne, statt des obligatorischen Mund-Nase-Schutzes die für diesen Fall vom Robert-Koch-Institut empfohlenen speziellen Schutzmasken. Der erste Punkt des gestern angekündigten Zukunftsprogramms bezieht sich auf Werkverträge: In den kommenden sechs Monaten würden alle Beschäftigten vom Unternehmen selbst eingestellt und in die Genossenschaft aufgenommen: „Damit übernimmt Westfleisch künftig selber die Verantwortung für seine Beschäftigten und wird auf entsprechende Werkvertragsanbieter verzichten.“ Weitere Zusicherung lauten beispielsweise für Standards der Unterkünfte zu sorgen, „die überall verlässlich oberhalb der gesetzlichen Regeln liegen“, für jeden Standort einen Integrationsbeauftragten zu benennen, die Interessen lokaler Gruppen stärker einzubeziehen und sich „deutlich intensiver als bisher in das soziale und gesellschaftliche Leben vor Ort einzubringen“.

Westfleisch in Lübbecke corona-frei

Das große Logo des Unternehmens ist von der B 239 aus gut zu sehen. Foto: Noah Brümmelhorst © Noah Brümmelhorst

Lübbecke (nw). Seit Mitte Mai alle Mitarbeiter des Westfleisch-Schlachthofes in Lübbecke auf behördliche Anordnung hin getestet worden sind, bemüht sich das Unternehmen, alle Kritikpunkte abzuarbeiten. Und es trifft Vorsorge, um zu vermeiden, dass es in die negativen Schlagzeilen gerät, wie aktuell der Fleisch-Konzern Tönnies.

Bei der Öffentlichkeitsarbeit hilft der unternehmenseigenen Pressestelle ein Medien-Profi: Philipp Ley aus Köln, der eigenen Angaben zufolge die strategische Kommunikationsarbeit führender Großkonzerne kennengelernt hat und dieses Wissen heute in seiner Arbeit für mittelständische Unternehmen, Verbände und Dax30-Konzerne nutzt. Jüngstes Beispiel: Gestern kündigte Ley ein „10-Punkte-Zukunftsprogramm“ für Westfleisch an.

Wie Ley auf Anfrage jetzt mitteilte, lässt Westfleisch am Standort Lübbecke auf eigene Kosten seit Ende Mai alle Produktionsmitarbeiter wöchentlich testen. Vorgenommen würden Rachenabstriche, die mittels PCR-Test ausgewertet würden. Dieses Verfahren, bei dem das Erbgut des Virus nachgewiesen werden kann, entspreche den amtlichen Tests. Ley: „Bisher gab es ausschließlich negative Ergebnisse.“

Gefragt, ob Westfleisch während des Behördenbesuchs Mitte Mai die gleichen Schwierigkeiten wie Tönnies hatte, die Namen und Anschriften sämtlicher Lübbecker Mitarbeiter auszuhändigen, antwortet Ley. „Da nur negative Ergebnisse vorgelegen hätten, habe kein Anlass vorgelegen, Daten auszuhändigen. Unabhängig davon hat Westfleisch sich von einem deutschen Werkvertragsunternehmen getrennt. Dieses Unternehmen habe aber keine Mitarbeiter in Lübbecke beschäftigt.“

Einen schwerwiegenden Kritikpunkt gab es trotzdem: Wie berichtet, hat die Bezirksregierung Detmold eine Sammelunterkunft in Espelkamp, in der Westfleisch-Werksarbeiter lebten, geschlossen. Grund waren laut Bezirksregierung „gravierende Mängel“ in mehreren Bereichen. Die 19 betroffenen Personen lebten jetzt „in unterschiedlichen Unterkünften“, so Ley. Die Frage nach dem Wie ließ er unbeantwortet.

Dafür will Westfleisch alles daran setzen, dass „diese negativen Ausnahmen“ in Zukunft nicht mehr möglich sind. Auf Nachfrage präzisiert Ley: „In Lübbecke lebt ein Teil der Beschäftigten in selbst angemieteten Wohnungen. Ein anderer Teil wohnt in Unterkünften, die von Werkvertragsunternehmen zur Verfügung gestellt werden. Diese Unterkünfte schauen wir uns künftig noch genauer an, werden stärker kontrollieren und gegebenenfalls dort handeln, wo Bedarf besteht.“

Laut Unternehmensangaben wird das Westfleisch-Hygienekonzept mit allen Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen „zwingend und ausnahmslos jeden Tag aufs Neue beachtet, umgesetzt und kompromisslos gelebt“. Das gelte für jeden Beschäftigten und für jedes Werkvertragsunternehmen. Ley: „Informieren, appellieren, kontrollieren lautet deshalb heute unser Mantra. Das gilt für die Arbeit, die Fahrt von und zur Arbeitsstätte und für das Wohnen.“

Auf die Frage, was das für den Standort Lübbecke bedeutet, antwortet Ley: „Im Rahmen unseres Hygienekonzepts ergriffen wir bereits vor Monaten eine Reihe von Maßnahmen, um die Mitarbeiter im betrieblichen und privaten Umfeld bestmöglich zu schützen.“

Ley zählt auf: das verpflichtende Tragen eines Mund- und Nasenschutzes bereits beim Betreten des Betriebsgeländes, eine kontaktlose Fiebermessung am Werkstor, zusätzliche Hygienestationen, die Arbeit in klar abgegrenzten Kleingruppen, die Verhinderung weiterer Kontaktstellen in Pausenräumen und erweiterte Schutzbekleidungsbestimmungen. So trügen die Mitarbeiter zum Beispiel in Bereichen, in denen der empfohlene Sicherheitsabstand aufgrund des Arbeitsprozesses nicht zu jeder Zeit eingehalten werden könne, statt des obligatorischen Mund-Nase-Schutzes die für diesen Fall vom Robert-Koch-Institut empfohlenen speziellen Schutzmasken.

Der erste Punkt des gestern angekündigten Zukunftsprogramms bezieht sich auf Werkverträge: In den kommenden sechs Monaten würden alle Beschäftigten vom Unternehmen selbst eingestellt und in die Genossenschaft aufgenommen: „Damit übernimmt Westfleisch künftig selber die Verantwortung für seine Beschäftigten und wird auf entsprechende Werkvertragsanbieter verzichten.“

Weitere Zusicherung lauten beispielsweise für Standards der Unterkünfte zu sorgen, „die überall verlässlich oberhalb der gesetzlichen Regeln liegen“, für jeden Standort einen Integrationsbeauftragten zu benennen, die Interessen lokaler Gruppen stärker einzubeziehen und sich „deutlich intensiver als bisher in das soziale und gesellschaftliche Leben vor Ort einzubringen“.

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