Wegziehen oder bleiben? Junge Westfalen sehen ihre Zukunft in der Heimat Bielefeld. Junge Leute fühlen sich ihrer westfälischen Heimat häufig eng verbunden. "Wenn irgendwie möglich, wollen sie bleiben", schreiben die Autoren einer Jugendstudie, die die regionalen Vermarktungsagenturen in Ostwestfalen-Lippe, in Südwestfalen und im Münsterland vorgelegt haben. Nur was die Mobilität angeht, zeigten sich die meisten der rund 800 Befragten verstimmt. Kleine und mittelgroße Städte liegen in der Umfrage zu den gewünschten Wohnorten weit vor Metropolen ab 500.000 Einwohnern. Die meisten jungen Leute haben zwischen fünf und sechs enge Kontakte, Freunde und Familie, die wollen sie pflegen. "Das gesamte soziale Umfeld ist für die Jugendlichen von hohem Wert", sagt Studienautorin Iris Morgenstern vom Institut für Bildungskooperation, "was im Kontrast zu einer möglichen Anonymität in großen Städten steht." Weniger Privilegierte im Stich gelassen Unbeliebter als die Metropolen sind bei den jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren nur noch Dörfer. Kleinstgemeinden von bis zu 2.000 Einwohner wirken auf sie vor allem deshalb weniger reizvoll, weil allzu oft die Versorgung mit dem öffentlichen Personennahverkehr hakt. Dabei wird das Land durchaus geschätzt. Führen Busse oder Regionalbahnen häufiger und vor allem zuverlässiger, erwögen mehr junge Menschen, in einem Dorf zu leben. Das Thema Mobilität sticht heraus aus der Jugendstudie 2020. "Der fehlende, unzureichend organisierte und unzuverlässige Nahverkehr verhindert Freizeitaktivitäten, reduziert die Chancen bei Bewerbungen und führt zur Gefährdung der jungen Menschen, wenn letzte Anschlüsse nicht erreicht werden oder Busse und Züge einfach ausfallen", sagt Morgenstern. Weniger privilegierte Jugendliche fühlten sich im Stich gelassen, "dieses Gefühl nehmen sie in ihr Erwachsenenleben mit". Zur Arbeit höchstens eine Dreiviertelstunde Dabei werden für Freizeitaktivitäten sogar längere Anfahrten von weit über einer Stunde akzeptiert. Zur Arbeit wollen die Befragten allerdings nicht länger als 45 Minuten unterwegs sein. Unabhängig vom Bildungsabschluss sehen die jungen Leute grundsätzlich gute Berufschancen in ihrer Region. "Sie gehen davon aus, aus einem breiten Angebot an Arbeitsplätzen wählen zu können", sagt Morgenstern. Große und mittelständische Unternehmen gelten als attraktivere Arbeitgeber als Start-ups und der öffentliche Dienst. Wichtig seien vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Identifikation und "eine gewisse Sinnhaftigkeit". Corona dürfte die Bindung noch verstärken Die Erhebung wurde vor der Corona-Pandemie durchgeführt. Ob die Krise die Anspruchshaltung der Jugend verändert, ist aus Sicht der drei Auftraggeber Ostwestfalen-Lippe GmbH, Münsterland e.V. und Südwestfalen Agentur GmbH, noch offen. Die Regionalmanager versprechen "die Einbindung jener, denen die Zukunft gehört". Die Autoren gehen davon aus, dass Corona die Heimatbindung noch verstärken wird. Die Jugendstudie zeigt, sagt der Soziologe Mathias Albert von Universität Bielefeld, dass die jungen Menschen "dem gängigen Vorurteil widersprechen, wonach es sich hier um Regionen handelt, die Jugendliche am liebsten verlassen würden".

Wegziehen oder bleiben? Junge Westfalen sehen ihre Zukunft in der Heimat

BMX-Festival in Bielefeld: In der Freizeit werden auch längere Anfahrten akzeptiert. © Barbara Franke

Aus einer einer Studie geht hervor, dass junge Männer und Frauen fest in
der ländlich geprägten Region verankert sind – eine Frage aber sticht
heraus.

Bielefeld. Junge Leute fühlen sich ihrer westfälischen Heimat häufig eng verbunden. "Wenn irgendwie möglich, wollen sie bleiben", schreiben die Autoren einer Jugendstudie, die die regionalen Vermarktungsagenturen in Ostwestfalen-Lippe, in Südwestfalen und im Münsterland vorgelegt haben. Nur was die Mobilität angeht, zeigten sich die meisten der rund 800 Befragten verstimmt.

Kleine und mittelgroße Städte liegen in der Umfrage zu den gewünschten Wohnorten weit vor Metropolen ab 500.000 Einwohnern. Die meisten jungen Leute haben zwischen fünf und sechs enge Kontakte, Freunde und Familie, die wollen sie pflegen. "Das gesamte soziale Umfeld ist für die Jugendlichen von hohem Wert", sagt Studienautorin Iris Morgenstern vom Institut für Bildungskooperation, "was im Kontrast zu einer möglichen Anonymität in großen Städten steht."

Weniger Privilegierte im Stich gelassen

Unbeliebter als die Metropolen sind bei den jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren nur noch Dörfer. Kleinstgemeinden von bis zu 2.000 Einwohner wirken auf sie vor allem deshalb weniger reizvoll, weil allzu oft die Versorgung mit dem öffentlichen Personennahverkehr hakt. Dabei wird das Land durchaus geschätzt. Führen Busse oder Regionalbahnen häufiger und vor allem zuverlässiger, erwögen mehr junge Menschen, in einem Dorf zu leben.

Das Thema Mobilität sticht heraus aus der Jugendstudie 2020. "Der fehlende, unzureichend organisierte und unzuverlässige Nahverkehr verhindert Freizeitaktivitäten, reduziert die Chancen bei Bewerbungen und führt zur Gefährdung der jungen Menschen, wenn letzte Anschlüsse nicht erreicht werden oder Busse und Züge einfach ausfallen", sagt Morgenstern. Weniger privilegierte Jugendliche fühlten sich im Stich gelassen, "dieses Gefühl nehmen sie in ihr Erwachsenenleben mit".

Zur Arbeit höchstens eine Dreiviertelstunde

Dabei werden für Freizeitaktivitäten sogar längere Anfahrten von weit über einer Stunde akzeptiert. Zur Arbeit wollen die Befragten allerdings nicht länger als 45 Minuten unterwegs sein.

Unabhängig vom Bildungsabschluss sehen die jungen Leute grundsätzlich gute Berufschancen in ihrer Region. "Sie gehen davon aus, aus einem breiten Angebot an Arbeitsplätzen wählen zu können", sagt Morgenstern. Große und mittelständische Unternehmen gelten als attraktivere Arbeitgeber als Start-ups und der öffentliche Dienst. Wichtig seien vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Identifikation und "eine gewisse Sinnhaftigkeit".

Corona dürfte die Bindung noch verstärken

Die Erhebung wurde vor der Corona-Pandemie durchgeführt. Ob die Krise die Anspruchshaltung der Jugend verändert, ist aus Sicht der drei Auftraggeber Ostwestfalen-Lippe GmbH, Münsterland e.V. und Südwestfalen Agentur GmbH, noch offen. Die Regionalmanager versprechen "die Einbindung jener, denen die Zukunft gehört".

Die Autoren gehen davon aus, dass Corona die Heimatbindung noch verstärken wird. Die Jugendstudie zeigt, sagt der Soziologe Mathias Albert von Universität Bielefeld, dass die jungen Menschen "dem gängigen Vorurteil widersprechen, wonach es sich hier um Regionen handelt, die Jugendliche am liebsten verlassen würden".

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