Wasserstoff als Triebfeder: Die Reaktivierung der Bahnstrecke Rinteln-Stadthagen steht zur Debatte Maurice Mühlenmeier Rinteln (szlz). Bislang haben bei der Reaktivierung der Zugverbindung Rinteln–Stadthagen vornehmlich wirtschaftliche Aspekte eine Rolle gespielt. Bei einer Rentabilitätsstudie aus dem Jahr 2015 wurde ein Kosten-Nutzen-Faktor von 0,53 ermittelt – also das Verhältnis der Kosten zu den erwarteten Einnahmen. Ab einem Faktor von 1,0 kann das Land Niedersachsen eine Strecke reaktivieren. Möglichkeiten, diesen Faktor zu verbessern, sind unter anderem Investitionen in die Strecke: „Je mehr saniert und investiert wird, desto eher lohnt es sich, die Strecke auch zu nutzen“, erklärt Thomas Stübke, Geschäftsführer des Fördervereins Eisenbahn Rinteln-Stadthagen (FERSt). Nach dem Motto: Sonst wären die Investitionen verschwendet. Doch im Grunde war es nur ein Nebensatz in der kürzlich verabschiedeten Resolution, die das Thema auf den Bildschirm der Lokalpolitik hievte: der Wasserstoffantrieb. So hieß es in dem Papier: „Dazu ist die Schieneninfrastruktur zu ertüchtigen und mit modernen Batterie und/oder wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen zu bedienen.“ Stübke selbst bremst bei diesem Thema: „Das ist natürlich eine tolle Technologie“, erklärt er, „doch haben Gespräche mit anderen Regionen und Streckenbetreibern gezeigt, dass sie eben noch nicht ausgereift ist.“ Bei einer bereits reaktivierten Modellstrecke in Bad Bentheim habe man sich gegen den Wasserstoffantrieb entschieden. Ausschlaggebend sei unter anderem die schwierige Wartung: „So einen Wasserstoffantrieb kann kein Schlosser mal so eben reparieren“, so Stübke. Doch scheint man zumindest in Rinteln auf Wasserstoff zu setzen. Bürgermeister Thomas Priemer verweist auf die Bedeutung einer solchen Möglichkeit für die Wasserstoff-Modellregion Schaumburg: „Da können wir nicht einfach das Buch zumachen und nicht darüber nachdenken“, so Priemer. Zur Erinnerung: Der Landkreis ist in ein entsprechendes Förderprogramm des Bundes aufgenommen worden. Als eine von deutschlandweit neun Regionen sollen in Schaumburg Modellprojekte und Zukunftsimpulse für die Entwicklung und Förderung von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie entwickelt werden. Der ÖPNV und seine Entwicklung spielen auch für die Erreichung der Rintelner Klimaziele eine große Rolle, „vor allem unter dem Gesichtspunkt eines alternativen Antriebs“, so Priemer. Andere Antriebsmöglichkeiten halte er auf der Strecke nicht für rentabel, zu hoch vermutet er ansonsten die Ausgaben für eine Streckensanierung. Erstmals in den Kreistag eingebracht hat das Anliegen der Rintelner Heinrich Sasse, WGS. Der Kreis- und Stadtratsabgeordnete wurde vom Steinberger Ortsbürgermeister Sascha Gomolzig auf das Projekt aufmerksam gemacht, „da habe ich mich angeschlossen“. Auf seinen Antrag hin wurde die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke in das Mobilitätskonzept des Landkreises aufgenommen. Dieses Mobilitätskonzept soll in eine abgestimmte Leitlinie für den ÖPNV im ganzen Landkreis münden, von Busfahrplänen bis Bahnanbindung. Auch Sasse verspürt Aufbruchsstimmung in der Politik: „Die Ampeln waren jahrelang schwarz, nun sind sie grün.“ Mobilität, Umweltgedanken, alternative Antriebe, all das sei präsenter denn je, so Sasse. Eine Reaktivierung wäre auch ein Entgegenkommen in Richtung der jungen Generation, Stichwort „Fridays for Future“. Die Rentabilitätsstudie von 2015 wolle man daher angreifen und aufzeigen, dass die Strecke rentabel sein könne. Wie die nächsten Schritte aussehen? „Nun muss die Reaktivierung in das Mobilitätskonzept eingearbeitet werden“, erläutert Sasse. Erst dann könne man damit rechnen, dass das Thema auch im Kreisrat besprochen werde. Wie lange das dauert? Schwer abzusehen. Im Stadtrat hingegen wird das Thema laut Bürgermeister Priemer noch in diesem Jahr zur Sprache kommen: „Mindestens in einem Bericht des Bürgermeisters.“

Wasserstoff als Triebfeder: Die Reaktivierung der Bahnstrecke Rinteln-Stadthagen steht zur Debatte

So wie hier in Steinbergen könnten die Bahnübergänge künftig nicht mehr aussehen, wenn die Strecke Rinteln–Stadthagen reaktiviert wird: Sie müssten modernisiert werden. © Foto: szlz

Rinteln (szlz). Bislang haben bei der Reaktivierung der Zugverbindung Rinteln–Stadthagen vornehmlich wirtschaftliche Aspekte eine Rolle gespielt. Bei einer Rentabilitätsstudie aus dem Jahr 2015 wurde ein Kosten-Nutzen-Faktor von 0,53 ermittelt – also das Verhältnis der Kosten zu den erwarteten Einnahmen. Ab einem Faktor von 1,0 kann das Land Niedersachsen eine Strecke reaktivieren.

Möglichkeiten, diesen Faktor zu verbessern, sind unter anderem Investitionen in die Strecke: „Je mehr saniert und investiert wird, desto eher lohnt es sich, die Strecke auch zu nutzen“, erklärt Thomas Stübke, Geschäftsführer des Fördervereins Eisenbahn Rinteln-Stadthagen (FERSt). Nach dem Motto: Sonst wären die Investitionen verschwendet. Doch im Grunde war es nur ein Nebensatz in der kürzlich verabschiedeten Resolution, die das Thema auf den Bildschirm der Lokalpolitik hievte: der Wasserstoffantrieb. So hieß es in dem Papier: „Dazu ist die Schieneninfrastruktur zu ertüchtigen und mit modernen Batterie und/oder wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen zu bedienen.“

Stübke selbst bremst bei diesem Thema: „Das ist natürlich eine tolle Technologie“, erklärt er, „doch haben Gespräche mit anderen Regionen und Streckenbetreibern gezeigt, dass sie eben noch nicht ausgereift ist.“ Bei einer bereits reaktivierten Modellstrecke in Bad Bentheim habe man sich gegen den Wasserstoffantrieb entschieden. Ausschlaggebend sei unter anderem die schwierige Wartung: „So einen Wasserstoffantrieb kann kein Schlosser mal so eben reparieren“, so Stübke.

Doch scheint man zumindest in Rinteln auf Wasserstoff zu setzen. Bürgermeister Thomas Priemer verweist auf die Bedeutung einer solchen Möglichkeit für die Wasserstoff-Modellregion Schaumburg: „Da können wir nicht einfach das Buch zumachen und nicht darüber nachdenken“, so Priemer.

Zur Erinnerung: Der Landkreis ist in ein entsprechendes Förderprogramm des Bundes aufgenommen worden. Als eine von deutschlandweit neun Regionen sollen in Schaumburg Modellprojekte und Zukunftsimpulse für die Entwicklung und Förderung von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie entwickelt werden.

Der ÖPNV und seine Entwicklung spielen auch für die Erreichung der Rintelner Klimaziele eine große Rolle, „vor allem unter dem Gesichtspunkt eines alternativen Antriebs“, so Priemer. Andere Antriebsmöglichkeiten halte er auf der Strecke nicht für rentabel, zu hoch vermutet er ansonsten die Ausgaben für eine Streckensanierung.

Erstmals in den Kreistag eingebracht hat das Anliegen der Rintelner Heinrich Sasse, WGS. Der Kreis- und Stadtratsabgeordnete wurde vom Steinberger Ortsbürgermeister Sascha Gomolzig auf das Projekt aufmerksam gemacht, „da habe ich mich angeschlossen“. Auf seinen Antrag hin wurde die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke in das Mobilitätskonzept des Landkreises aufgenommen. Dieses Mobilitätskonzept soll in eine abgestimmte Leitlinie für den ÖPNV im ganzen Landkreis münden, von Busfahrplänen bis Bahnanbindung.

Auch Sasse verspürt Aufbruchsstimmung in der Politik: „Die Ampeln waren jahrelang schwarz, nun sind sie grün.“

Mobilität, Umweltgedanken, alternative Antriebe, all das sei präsenter denn je, so Sasse. Eine Reaktivierung wäre auch ein Entgegenkommen in Richtung der jungen Generation, Stichwort „Fridays for Future“. Die Rentabilitätsstudie von 2015 wolle man daher angreifen und aufzeigen, dass die Strecke rentabel sein könne.

Wie die nächsten Schritte aussehen? „Nun muss die Reaktivierung in das Mobilitätskonzept eingearbeitet werden“, erläutert Sasse. Erst dann könne man damit rechnen, dass das Thema auch im Kreisrat besprochen werde. Wie lange das dauert? Schwer abzusehen. Im Stadtrat hingegen wird das Thema laut Bürgermeister Priemer noch in diesem Jahr zur Sprache kommen: „Mindestens in einem Bericht des Bürgermeisters.“

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