Was wird aus dem Bürgerhaus in Rehme? Nicole Sielermann Bad Oeynhausen (nw). Die Liste der Mängel ist lang. Und doch stellte der städtische Gebäudemanager Dieter Hinzmann klar: „Das Bürgerhaus wird nicht übermorgen zusammenbrechen.“ Auf Antrag der CDU hatten die Stadt und Architekt Jörg Halstenberg den Bau in Rehme unter die Lupe genommen. Ihre Bilanz im Ausschuss für Stadtentwicklung: Eine Sanierung des 50 Jahre alten Gebäude würde etwa 2,4 Millionen Euro kosten. Doch will und kann Bad Oeynhausen sich das leisten? Das ist die Frage, mit der sich nun die Politik beschäftigen muss. Möglichst zeitnah. Denn wenn in zwei Jahren das benachbarte Hallenbad geschlossen wird, darf das Gebäude nicht komplett leer stehen. Davor warnte Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze: „Ich kann nur appellieren, sich jetzt Gedanken zu machen. Ansonsten wird der Komplex Angriffsfläche für Vandalismus.“ Das Bürgerhaus Rehme misst mit seinen 2.700 Quadratmetern ungefähr so viel, wie 27 kleine Einfamilienhäuser, rechnete Jörg Halstenberg vom gleichnamigen Architekturbüro vor. Während die Kegelbahn im Keller stillgelegt ist, wird die 30-Meter-Schießbahn stark frequentiert. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, so Halstenberg. Der Saal im Erdgeschoss, der 2014 und 2015 als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde, die ehemalige Gaststätte und das Obergeschoss, das zwischenzeitlich durch das Kleine Theater Rehme belegt ist – alles das hat Halstenberg unter die Lupe genommen. „Oberflächlich“, wie er betont. „Wir sind nicht in die Tiefe gegangen, haben keine Feuchtigkeitsmessungen durchgeführt oder die Statik überprüft.“ Die Technik sei abgängig. „Die ist zum Teil so alt wie das Gebäude.“ Im Untergeschoss seien Ratten unterwegs, es gebe Feuchtschäden von außen, die Fenster seien undicht, hätten zum Teil nur Einfachverglasung, es gebe kaputte Decken und zerstörte Toiletten. Mängel seien eigentlich überall. An den Möbeln, den mobilen Trennwänden oder auch den Fliesen. „Im Übergang zum Hallenbad gibt es erhebliche Feuchtschäden, da besteht dringender Handlungsbedarf“, betonte Halstenberg. In einem vergleichsweise guten oder eher funktionstüchtigen Zustand sind die Dächer: „Wobei die lange nicht gewartet wurden und dadurch einen starken Grünbefall und Risse haben.“ Die Richtkosten für die Instandsetzung belaufen sich somit auf etwa 2,4 Millionen Euro. Wobei, das stellte Dieter Hinzmann klar, lediglich 700.000 Euro auf die Bauschäden entfielen, der Rest seien Kosten für die Technik: „Für die haben wir bisher nichts ausgegeben.“ Und genau das warfen einige Ausschussmitglieder und Besucher der Stadt vor. „Die Schuldigen sitzen da vorne“, merkte Besucher und Rehmer Alfred Gehrke an. „Das ist ein Beispiel dafür, dass eine Kommune einen Bau richtig vergammeln lassen kann“, kommentierte Ausschussvorsitzender Kurt Nagel (CDU) und handelte sich dafür von Axel Nicke (BBO) und Andreas Korff (Linke) harsche Kritik ein. „Wir vermissen eine neutrale Ausschussleitung“, merkte Nicke an. Was wiederum Manfred Kreylos (beratendes Mitglied SPD) auf den Plan rief: „Der Ausschussvorsitzende hat keinen Maulkorb“, konterte er. Kreylos selbst findet, dass Eigentum verpflichte: „Wir hätten zwei Prozent des Gebäudewertes jährlich aufwenden müssen“, sagte er. „Wenn wir das auf die Jahre hochrechnen, sind die 2,4 Millionen Euro Peanuts. Für einen Abriss habe ich deshalb kein Verständnis.“ Er vermisst ein Marketingkonzept: „Nachfrage muss ich erzeugen.“ Einig aber waren sich wohl alle Parteien, dass nun guter Rat teuer ist. Was machen? „Zugucken beim Gammeln?“, fragte Nagel. Das aber sei nicht im Sinne der CDU. „Die Ortsunion Rehme-Oberbecksen hat sich intensive Gedanken für die Folgenutzung gemacht, vor allem weil gerade Vereine immer wieder Bedarf für Räume haben“, erklärte Nagel. „Die geplante Mehrzweckhalle im Schulzentrum Süd würde einen hohen Millionenbetrag kosten, allein die Kosten für die Schießbahn liegen bei 2,3 Millionen Euro“, ergänzte Dirk Büssing (CDU). Dass Gedanken durchaus sinnvoll seien, befand auch Axel Nicke: „Aber wir müssen das erstmal sacken lassen.“ Schließlich habe die Stadt kein Geld in Hülle und Fülle mehr: „Und für das Schulzentrum Süd werden wir wohl auch kein Geld mehr haben.“ Die SPD hatte bereits 2018 einen Antrag gestellt, die Fläche des Hallenbades und des Bürgerhauses zu überplanen und dort auch Wohnbebauung vorzusehen. „Vielleicht können wir nur das Untergeschoss stehen lassen, anhübschen und sanieren“, schlug Olaf Winkelmann (SPD) vor. Den Rest als attraktiven Standort zu nutzen, sei mehr Wert, als in eine Ruine zu investieren. Rainer Müller-Held (BBO) attestierte dem Gebäude zwar durchaus Substanz, möchte aber eine Quartiersentwicklung: „Abreißen oder vergammeln lassen ist keine Alternative.“ Das sah auch Ingrid Schley (beratendes Mitglied Grüne) so: „Das ist das letzte Bürgerhaus in der Stadt, es wäre gut, wenigstens das zu behalten und zu nutzen.“ Der technische Beigeordnete Thomas Lüer machte Hoffnung: Spätestens bei dem Projekt Dorferneuerung, für das Rehme im Jahr 2021 auserkoren sei, werde das Thema Bürgerhaus wohl auf der Tagesordnung stehen. Eine Ruine allerdings hat Gebäudemanager Dieter Hinzmann nicht ausgemacht: „Wir geben der Konstruktion weitere 20 Jahre“, betonte er. Das Bürgerhaus sei mit dem Zustand des benachbarten Hallenbades nicht vergleichbar. „In dem Sanierungspreis ist auch mit drin, dass wir aus dem Haus 2014 eine Notunterkunft gemacht haben. Die Nutzung durch Flüchtlinge lag in einer Höhe, die das Bürgerhaus eigentlich nicht trägt. Aber wir haben dafür Geld kassiert. Und das haben alle politischen Parteien mitgetragen.“ Nun sei es an der Zeit nachzudenken, ob das Gebäude in der Form gebraucht werde: „Wir haben heute einen Öltanker da liegen, wo wir ein Sportboot benötigten“, zog Hinzmann ein Fazit. Und Jörg Halstenberg gab noch eines mit auf den Weg: „Andere Nutzung, andere Auflagen, höhere Kosten.“

Was wird aus dem Bürgerhaus in Rehme?

Am Haupteingang zum Bürgerhaus weist ein Schild auf das Veranstaltungszentrum Rehme hin. Im Inneren ist derzeit eine Kindergartengruppe des Regenbogens untergebracht. Foto: Nicole Sielermann © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen (nw). Die Liste der Mängel ist lang. Und doch stellte der städtische Gebäudemanager Dieter Hinzmann klar: „Das Bürgerhaus wird nicht übermorgen zusammenbrechen.“ Auf Antrag der CDU hatten die Stadt und Architekt Jörg Halstenberg den Bau in Rehme unter die Lupe genommen. Ihre Bilanz im Ausschuss für Stadtentwicklung: Eine Sanierung des 50 Jahre alten Gebäude würde etwa 2,4 Millionen Euro kosten. Doch will und kann Bad Oeynhausen sich das leisten? Das ist die Frage, mit der sich nun die Politik beschäftigen muss. Möglichst zeitnah. Denn wenn in zwei Jahren das benachbarte Hallenbad geschlossen wird, darf das Gebäude nicht komplett leer stehen. Davor warnte Stadtwerke-Vorstand Andreas Schwarze: „Ich kann nur appellieren, sich jetzt Gedanken zu machen. Ansonsten wird der Komplex Angriffsfläche für Vandalismus.“

Das Bürgerhaus Rehme misst mit seinen 2.700 Quadratmetern ungefähr so viel, wie 27 kleine Einfamilienhäuser, rechnete Jörg Halstenberg vom gleichnamigen Architekturbüro vor. Während die Kegelbahn im Keller stillgelegt ist, wird die 30-Meter-Schießbahn stark frequentiert. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, so Halstenberg. Der Saal im Erdgeschoss, der 2014 und 2015 als Flüchtlingsunterkunft genutzt wurde, die ehemalige Gaststätte und das Obergeschoss, das zwischenzeitlich durch das Kleine Theater Rehme belegt ist – alles das hat Halstenberg unter die Lupe genommen. „Oberflächlich“, wie er betont. „Wir sind nicht in die Tiefe gegangen, haben keine Feuchtigkeitsmessungen durchgeführt oder die Statik überprüft.“

Die Technik sei abgängig. „Die ist zum Teil so alt wie das Gebäude.“ Im Untergeschoss seien Ratten unterwegs, es gebe Feuchtschäden von außen, die Fenster seien undicht, hätten zum Teil nur Einfachverglasung, es gebe kaputte Decken und zerstörte Toiletten. Mängel seien eigentlich überall. An den Möbeln, den mobilen Trennwänden oder auch den Fliesen. „Im Übergang zum Hallenbad gibt es erhebliche Feuchtschäden, da besteht dringender Handlungsbedarf“, betonte Halstenberg. In einem vergleichsweise guten oder eher funktionstüchtigen Zustand sind die Dächer: „Wobei die lange nicht gewartet wurden und dadurch einen starken Grünbefall und Risse haben.“ Die Richtkosten für die Instandsetzung belaufen sich somit auf etwa 2,4 Millionen Euro. Wobei, das stellte Dieter Hinzmann klar, lediglich 700.000 Euro auf die Bauschäden entfielen, der Rest seien Kosten für die Technik: „Für die haben wir bisher nichts ausgegeben.“

Und genau das warfen einige Ausschussmitglieder und Besucher der Stadt vor. „Die Schuldigen sitzen da vorne“, merkte Besucher und Rehmer Alfred Gehrke an. „Das ist ein Beispiel dafür, dass eine Kommune einen Bau richtig vergammeln lassen kann“, kommentierte Ausschussvorsitzender Kurt Nagel (CDU) und handelte sich dafür von Axel Nicke (BBO) und Andreas Korff (Linke) harsche Kritik ein. „Wir vermissen eine neutrale Ausschussleitung“, merkte Nicke an. Was wiederum Manfred Kreylos (beratendes Mitglied SPD) auf den Plan rief: „Der Ausschussvorsitzende hat keinen Maulkorb“, konterte er. Kreylos selbst findet, dass Eigentum verpflichte: „Wir hätten zwei Prozent des Gebäudewertes jährlich aufwenden müssen“, sagte er. „Wenn wir das auf die Jahre hochrechnen, sind die 2,4 Millionen Euro Peanuts. Für einen Abriss habe ich deshalb kein Verständnis.“ Er vermisst ein Marketingkonzept: „Nachfrage muss ich erzeugen.“

Einig aber waren sich wohl alle Parteien, dass nun guter Rat teuer ist. Was machen? „Zugucken beim Gammeln?“, fragte Nagel. Das aber sei nicht im Sinne der CDU. „Die Ortsunion Rehme-Oberbecksen hat sich intensive Gedanken für die Folgenutzung gemacht, vor allem weil gerade Vereine immer wieder Bedarf für Räume haben“, erklärte Nagel. „Die geplante Mehrzweckhalle im Schulzentrum Süd würde einen hohen Millionenbetrag kosten, allein die Kosten für die Schießbahn liegen bei 2,3 Millionen Euro“, ergänzte Dirk Büssing (CDU). Dass Gedanken durchaus sinnvoll seien, befand auch Axel Nicke: „Aber wir müssen das erstmal sacken lassen.“ Schließlich habe die Stadt kein Geld in Hülle und Fülle mehr: „Und für das Schulzentrum Süd werden wir wohl auch kein Geld mehr haben.“

Die SPD hatte bereits 2018 einen Antrag gestellt, die Fläche des Hallenbades und des Bürgerhauses zu überplanen und dort auch Wohnbebauung vorzusehen. „Vielleicht können wir nur das Untergeschoss stehen lassen, anhübschen und sanieren“, schlug Olaf Winkelmann (SPD) vor. Den Rest als attraktiven Standort zu nutzen, sei mehr Wert, als in eine Ruine zu investieren. Rainer Müller-Held (BBO) attestierte dem Gebäude zwar durchaus Substanz, möchte aber eine Quartiersentwicklung: „Abreißen oder vergammeln lassen ist keine Alternative.“ Das sah auch Ingrid Schley (beratendes Mitglied Grüne) so: „Das ist das letzte Bürgerhaus in der Stadt, es wäre gut, wenigstens das zu behalten und zu nutzen.“ Der technische Beigeordnete Thomas Lüer machte Hoffnung: Spätestens bei dem Projekt Dorferneuerung, für das Rehme im Jahr 2021 auserkoren sei, werde das Thema Bürgerhaus wohl auf der Tagesordnung stehen.

Eine Ruine allerdings hat Gebäudemanager Dieter Hinzmann nicht ausgemacht: „Wir geben der Konstruktion weitere 20 Jahre“, betonte er. Das Bürgerhaus sei mit dem Zustand des benachbarten Hallenbades nicht vergleichbar. „In dem Sanierungspreis ist auch mit drin, dass wir aus dem Haus 2014 eine Notunterkunft gemacht haben. Die Nutzung durch Flüchtlinge lag in einer Höhe, die das Bürgerhaus eigentlich nicht trägt. Aber wir haben dafür Geld kassiert. Und das haben alle politischen Parteien mitgetragen.“

Nun sei es an der Zeit nachzudenken, ob das Gebäude in der Form gebraucht werde: „Wir haben heute einen Öltanker da liegen, wo wir ein Sportboot benötigten“, zog Hinzmann ein Fazit. Und Jörg Halstenberg gab noch eines mit auf den Weg: „Andere Nutzung, andere Auflagen, höhere Kosten.“

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