Bad Oeynhausen Wann öffnet die Bali-Therme wieder? Bereits 30 Entlassungen Bad Oeynhausen. Der Respekt vor Corona ist es, der Cornelius Nolte zögern lässt. "Der Schutz meiner Mitarbeiter steht ganz oben", sagt der Geschäftsführer der Bali-Therme. Das sei einer der Gründe, warum die Bali-Therme weiterhin geschlossen bleibe. "Natürlich wollen wir in altes Fahrwasser zurück. Aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten." Derzeit rentiere sich eine Öffnung einfach nicht. Ganz im Gegenteil, wie Nolte betont. Das komplette System hochzufahren und die Lager zu füllen sei mit enormen Kosten verbunden. Geld, dass die Bali-Therme nicht habe. Denn Rücklagen gebe es nicht, wie Nolte erklärte. Der Betriebsratsvorsitzende der Bali-Therme, Tim Bergmann, kann darüber nur müde lächeln. "Die Therme war schon unter den Voreigentümern, den Theune-Brüdern, ein Dukatenesel", bringt es Bergmann auf den Punkt. Er hat kein Verständnis für die Hinhaltetaktik seines Arbeitgebers. Seit dem 15. März ist das Bad im Süden des Kurparks aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Während die Bäder um Bad Oeynhausen herum nach und nach wieder sämtliche Bereiche hochfahren und unter besonderen Hygienebedingungen Gäste zulassen, ruht der Betrieb in der Bali-Therme weiterhin. Dabei, so sagt Betriebsratsvorsitzender Bergmann, sei ein Hygienekonzept einfach umzusetzen. "Wir müssten jetzt öffnen - als Probelauf für den Herbst, wenn wieder mehr Menschen in die Bäder strömen", ist der 34-Jährige überzeugt. Die Sommermonate seien immer die Saure-Gurken-Zeit gewesen: "Im Sommer kostet die Therme Geld, im Herbst und nach Weihnachten wird verdient", bilanziert Bergmann, der regelmäßig einen Blick in die Bilanzen bekommt. Und daher auch weiß, dass noch kurz vor dem Lockdown gut verdient wurde. "Die Bali-Therme macht Jahr für Jahr Gewinne, mit steigender Tendenz - wir bewegen uns da durchaus im Millionenbereich." Trotzdem ist laut Geschäftsführer Cornelius Nolte kein Geld als Rücklage vorhanden. "Wir sind ein privates Bad", nennt Nolte einen weiteren Grund. Ein Bad, das in den vergangenen Jahren mit 11,4 Millionen Euro vom Land subventioniert und dann 2019 an die niederländische IWR Gruppe verkauft wurde. Nolte: "Das Geld, das verdient wurde, ist bei den Vorbesitzern. Der jetzige Eigentümer hat viel Geld bezahlt, bekommt keine Zuschüsse und hat aufgrund von Corona bisher noch keinen Gewinn machen können." Stattdessen gebe es ein großes Defizit. "Wir sind auf Geld von außen angewiesen", sagt er. Sonst könne das Haus wirtschaftlich nicht überleben. Denn ein Gewinn, so Nolte, baue auf Gästen auf. "Wir bräuchten 1.000 Gäste pro Tag, um wirtschaftlich handeln zu können." Davon sieht der Geschäftsführer die Therme weit entfernt. "Ich kann pauschal nicht sagen, wie viele wir hinein lassen dürften. Das ist in allen Bereichen unterschiedlich." Teilöffnungen, wie sie der Betriebsrat und Gäste vorschlagen, erteilt Nolte eine klare Absage: "Das ist nicht möglich. Die Anlage ist nicht dafür ausgerichtet, einzelne Komponenten zu betreiben. Sie ist eine Gesamtkomposition. Wenn wir öffnen, dann das gesamte Haus." Wenn möglich, noch in 2020. Wenn Corona es zulasse. Wie mehrfach berichtet, haben die Theune-Brüder, die die Bali-Therme zum 1. Januar 2005 vom Land übernommen hatten, den Betrieb im Januar 2019 verkauft. Neuer Eigentümer ist das niederländische Unternehmen International-Wellness-Resorts (IWR) aus Apeldoorn, das gemeinsam mit Continental Leisure Projects aus Luxemburg die Bali-Therme erworben hat. Beide gehören zur Aspro-Parks-Group, die wiederum ihren Sitz in Madrid (Spanien) hat. Elf Sauna- und Wellnessbetriebe (acht Resorts in den Niederlanden, ein Resort in Belgien sowie Gut Sternholz in Hamm) gehören inzwischen zum IWR. Im Jahr 2019 besuchten 530.000 Gäste die Bali-Therme. Das sind im Schnitt 1.450 Gäste pro Tag. Im Zuge von Corona sind zudem die 180 Mitarbeiter der Bali-Therme um 30 Angestellte reduziert worden. "Mit dem jetzigen Personalschlüssel wäre ein Betrieb der Therme gar nicht möglich", sagt Tim Bergmann. "Es war schon vorher personell knapp - jetzt erst recht." Das Unternehmen habe Mitarbeitern, die noch in der Probezeit gewesen seien oder Zeitverträge gehabt hätten, gekündigt. Der Haustarifvertrag lasse immer noch auf sich warten. "Es gibt keine Kommunikation zwischen Geschäftsleitung und Angestellten", moniert Bergmann, der seit 2018 Vorsitzender des Betriebsrates ist und seit acht Jahren in der Therme arbeitet. Auch die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes sei - wie alles in der Bali-Therme - ein harter Kampf gewesen. "Letztlich aber haben die Mitarbeiter gewonnen", freut sich Bergmann über den Teilerfolg. Und ergänzt: "Die Kollegen möchten wieder arbeiten. Wir haben viele Teilzeitkräfte, die ihr Kurzarbeitergeld mit Hartz IV aufstocken müssen. Auch für die müssen wir öffnen", betont der 34-Jährige. Cornelius Nolte dagegen sieht in der noch andauernden Schließung und den Kündigungen eine Sicherung der restlichen Arbeitsplätze. "Sobald wir wieder den vollen Betrieb haben, ist das Ziel wieder 180 Mitarbeiter", sagt er. Wann die Verhandlungen in Sachen Haustarifvertrag weitergehen, lässt Nolte allerdings offen. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Das Ziel ist das Überleben der Therme." Das treibe ihn um. Genauso wie die Gedanken, zu früh zu öffnen. "Was, wenn wir aufmachen und im Herbst kommt die nächste Welle und eine erneute Schließung?" Das sei dann finanziell gar nicht mehr zu stemmen. Kann eine zu frühe Öffnung das Ende der Bali-Therme bedeuten? Das sieht Tim Bergmann derzeit nicht. "Es ist ein tolles Haus, das viel zu bieten hat", ist er überzeugt. Die Bali-Therme gehöre zu Bad Oeynhausen, habe viele Stammgäste. Der Betriebsratsvorsitzende ist deshalb überzeugt, dass eine Öffnung nicht nur koste, sondern auch etwas Geld in die Kasse spüle. "Eine Teilöffnung, zum Beispiel des Fitnessstudios, wäre ebenfalls durchaus machbar. Aber von Arbeitgeberseite ist niemand bereit zu Kompromissen." Genauso wenig, wie es Bereitschaft gebe, in die Therme zu investieren: "Der Betriebsrat kritisiert das, was viele Besucher ebenfalls kritisieren. Das Bad ist in die Jahre gekommen", bilanziert er. Zudem seien im Saunabereich viele Hölzer abgenutzt, müssten gepflegt und zum Beispiel die Erdsauna komplett erneuert werden." Die Coronazeit sei für Sanierungen nicht genutzt worden. Lediglich das Außenbecken wurde 2019 erneuert, weil es undicht war. Nach den Theunes ziehe nun, so Bergmann, IWR die Gewinne aus dem Unternehmen. "Wir Mitarbeiter müssen dem Verfall zuschauen - das tut weh", sagt Bergmann.
Bad Oeynhausen

Wann öffnet die Bali-Therme wieder? Bereits 30 Entlassungen

Die Bali-Therme bleibt weiterhin geschlossen. Erst nach Corona werden sich vermutlich die Türen öffnen. © Ulf Hanke

Bad Oeynhausen. Der Respekt vor Corona ist es, der Cornelius Nolte zögern lässt. "Der Schutz meiner Mitarbeiter steht ganz oben", sagt der Geschäftsführer der Bali-Therme. Das sei einer der Gründe, warum die Bali-Therme weiterhin geschlossen bleibe. "Natürlich wollen wir in altes Fahrwasser zurück. Aber unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten."

Derzeit rentiere sich eine Öffnung einfach nicht. Ganz im Gegenteil, wie Nolte betont. Das komplette System hochzufahren und die Lager zu füllen sei mit enormen Kosten verbunden. Geld, dass die Bali-Therme nicht habe. Denn Rücklagen gebe es nicht, wie Nolte erklärte. Der Betriebsratsvorsitzende der Bali-Therme, Tim Bergmann, kann darüber nur müde lächeln. "Die Therme war schon unter den Voreigentümern, den Theune-Brüdern, ein Dukatenesel", bringt es Bergmann auf den Punkt. Er hat kein Verständnis für die Hinhaltetaktik seines Arbeitgebers.

Seit dem 15. März ist das Bad im Süden des Kurparks aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Während die Bäder um Bad Oeynhausen herum nach und nach wieder sämtliche Bereiche hochfahren und unter besonderen Hygienebedingungen Gäste zulassen, ruht der Betrieb in der Bali-Therme weiterhin.

Dabei, so sagt Betriebsratsvorsitzender Bergmann, sei ein Hygienekonzept einfach umzusetzen. "Wir müssten jetzt öffnen - als Probelauf für den Herbst, wenn wieder mehr Menschen in die Bäder strömen", ist der 34-Jährige überzeugt. Die Sommermonate seien immer die Saure-Gurken-Zeit gewesen: "Im Sommer kostet die Therme Geld, im Herbst und nach Weihnachten wird verdient", bilanziert Bergmann, der regelmäßig einen Blick in die Bilanzen bekommt. Und daher auch weiß, dass noch kurz vor dem Lockdown gut verdient wurde. "Die Bali-Therme macht Jahr für Jahr Gewinne, mit steigender Tendenz - wir bewegen uns da durchaus im Millionenbereich."

Betriebsratsvorsitzender Tim Bergmann kritisiert die (Nicht-)Entscheidungen seines Arbeitgebers. - © privat
Betriebsratsvorsitzender Tim Bergmann kritisiert die (Nicht-)Entscheidungen seines Arbeitgebers. - © privat

Trotzdem ist laut Geschäftsführer Cornelius Nolte kein Geld als Rücklage vorhanden. "Wir sind ein privates Bad", nennt Nolte einen weiteren Grund. Ein Bad, das in den vergangenen Jahren mit 11,4 Millionen Euro vom Land subventioniert und dann 2019 an die niederländische IWR Gruppe verkauft wurde.

Nolte: "Das Geld, das verdient wurde, ist bei den Vorbesitzern. Der jetzige Eigentümer hat viel Geld bezahlt, bekommt keine Zuschüsse und hat aufgrund von Corona bisher noch keinen Gewinn machen können." Stattdessen gebe es ein großes Defizit. "Wir sind auf Geld von außen angewiesen", sagt er. Sonst könne das Haus wirtschaftlich nicht überleben.

Denn ein Gewinn, so Nolte, baue auf Gästen auf. "Wir bräuchten 1.000 Gäste pro Tag, um wirtschaftlich handeln zu können." Davon sieht der Geschäftsführer die Therme weit entfernt. "Ich kann pauschal nicht sagen, wie viele wir hinein lassen dürften. Das ist in allen Bereichen unterschiedlich." Teilöffnungen, wie sie der Betriebsrat und Gäste vorschlagen, erteilt Nolte eine klare Absage: "Das ist nicht möglich. Die Anlage ist nicht dafür ausgerichtet, einzelne Komponenten zu betreiben. Sie ist eine Gesamtkomposition. Wenn wir öffnen, dann das gesamte Haus." Wenn möglich, noch in 2020. Wenn Corona es zulasse.

Wie mehrfach berichtet, haben die Theune-Brüder, die die Bali-Therme zum 1. Januar 2005 vom Land übernommen hatten, den Betrieb im Januar 2019 verkauft. Neuer Eigentümer ist das niederländische Unternehmen International-Wellness-Resorts (IWR) aus Apeldoorn, das gemeinsam mit Continental Leisure Projects aus Luxemburg die Bali-Therme erworben hat. Beide gehören zur Aspro-Parks-Group, die wiederum ihren Sitz in Madrid (Spanien) hat.

Elf Sauna- und Wellnessbetriebe (acht Resorts in den Niederlanden, ein Resort in Belgien sowie Gut Sternholz in Hamm) gehören inzwischen zum IWR. Im Jahr 2019 besuchten 530.000 Gäste die Bali-Therme. Das sind im Schnitt 1.450 Gäste pro Tag.

Im Zuge von Corona sind zudem die 180 Mitarbeiter der Bali-Therme um 30 Angestellte reduziert worden. "Mit dem jetzigen Personalschlüssel wäre ein Betrieb der Therme gar nicht möglich", sagt Tim Bergmann. "Es war schon vorher personell knapp - jetzt erst recht."

Das Unternehmen habe Mitarbeitern, die noch in der Probezeit gewesen seien oder Zeitverträge gehabt hätten, gekündigt. Der Haustarifvertrag lasse immer noch auf sich warten. "Es gibt keine Kommunikation zwischen Geschäftsleitung und Angestellten", moniert Bergmann, der seit 2018 Vorsitzender des Betriebsrates ist und seit acht Jahren in der Therme arbeitet.

Auch die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes sei - wie alles in der Bali-Therme - ein harter Kampf gewesen. "Letztlich aber haben die Mitarbeiter gewonnen", freut sich Bergmann über den Teilerfolg. Und ergänzt: "Die Kollegen möchten wieder arbeiten. Wir haben viele Teilzeitkräfte, die ihr Kurzarbeitergeld mit Hartz IV aufstocken müssen. Auch für die müssen wir öffnen", betont der 34-Jährige.

Cornelius Nolte dagegen sieht in der noch andauernden Schließung und den Kündigungen eine Sicherung der restlichen Arbeitsplätze. "Sobald wir wieder den vollen Betrieb haben, ist das Ziel wieder 180 Mitarbeiter", sagt er. Wann die Verhandlungen in Sachen Haustarifvertrag weitergehen, lässt Nolte allerdings offen. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Das Ziel ist das Überleben der Therme." Das treibe ihn um. Genauso wie die Gedanken, zu früh zu öffnen. "Was, wenn wir aufmachen und im Herbst kommt die nächste Welle und eine erneute Schließung?" Das sei dann finanziell gar nicht mehr zu stemmen.

Kann eine zu frühe Öffnung das Ende der Bali-Therme bedeuten? Das sieht Tim Bergmann derzeit nicht. "Es ist ein tolles Haus, das viel zu bieten hat", ist er überzeugt. Die Bali-Therme gehöre zu Bad Oeynhausen, habe viele Stammgäste. Der Betriebsratsvorsitzende ist deshalb überzeugt, dass eine Öffnung nicht nur koste, sondern auch etwas Geld in die Kasse spüle. "Eine Teilöffnung, zum Beispiel des Fitnessstudios, wäre ebenfalls durchaus machbar. Aber von Arbeitgeberseite ist niemand bereit zu Kompromissen."

Genauso wenig, wie es Bereitschaft gebe, in die Therme zu investieren: "Der Betriebsrat kritisiert das, was viele Besucher ebenfalls kritisieren. Das Bad ist in die Jahre gekommen", bilanziert er. Zudem seien im Saunabereich viele Hölzer abgenutzt, müssten gepflegt und zum Beispiel die Erdsauna komplett erneuert werden."

Die Coronazeit sei für Sanierungen nicht genutzt worden. Lediglich das Außenbecken wurde 2019 erneuert, weil es undicht war. Nach den Theunes ziehe nun, so Bergmann, IWR die Gewinne aus dem Unternehmen. "Wir Mitarbeiter müssen dem Verfall zuschauen - das tut weh", sagt Bergmann.

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