Waldbesitzer im Wiehengebirge wehren sich gegen Mountainbiker Nicole Bliesener Bad Oeynhausen (nw). Die Waldbesitzer wehren sich - allerdings auf sehr freundliche Art. Quer durch das Wiehengebirge haben sie Infozettel aufgehängt, in denen sie die Mountainbiker direkt ansprechen. "Liebe Mountainbikefahrer! Wir freuen uns, dass euch unser Wald so gut gefällt. Ihr dürft euch hier gerne erholen im Rahmen der Regeln, die das Forst- und Naturschutzgesetz vorsehen", ist auf den Schildern zu lesen. Denn im Wald ist es nicht so wie in der Mode, wo erlaubt ist, was gefällt, sondern es gelten Gesetze und klare Regeln. Das Radfahren im Wald ist nur auf befestigten Wegen erlaubt. Komplizierte Eigentumsverhältnisse "Alles andere ist schlicht und einfach verboten", sagt Heinrich Sensmeyer, Vorsitzender des Forstbetriebsverbands Waldgenossenschaft Wiehengebirge. In diesem Verband sind die 567 Eigentümer organisiert, denen die Waldparzellen zwischen der Weser und Oberlübbe gehören. "Das ist insgesamt eine Fläche von 1.033 Hektar, die in rund 1.200 Grundstücke aufgeteilt ist", sagt Sensmeyer. Dazu gibt es noch ein kleines Stück Staatsforst - nämlich vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal bis zur Dehmer Burg. Die kleinteilige Eigentumsstruktur des Wiehengebirges kompliziert das Vorgehen gegen ungewollte Nutzung des Waldes. Aufgabe des Forstbetriebsverbands sei die Bewirtschaftung des Waldes. Seit Jahren schwelt zwischen den Waldbesitzern und Mountainbikern ein Konflikt. "Der gesamte Bereich zwischen Barkhausen und Oberlübbe ist von illegalen Strecken durchzogen", weiß Sensmeyer. "Unser Eigentum wird misshandelt und zerstört, und von den Behörden und der Politik wird dieses Verhalten billigend in Kauf genommen", findet Sensmeyer deutliche Worte. "Wir Waldbesitzer fühlen uns mit diesem Problem allein gelassen", so der Verbandsvorsitzende weiter. Waldbesitzer nehmen das Heft selbst in die Hand Nun nehmen die Waldbesitzer das Heft selbst in die Hand. Und das soll nun mit Unterstützung des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe geschehen. Die Infozettel in der freundlich-bestimmten Tonlage sind der Anfang. "Im nächsten Schritt wird es offizielle Schilder geben", sagt der zuständige Förster Markus Uhr. Und dann sind Sanktionen angesagt, denn das Befahren illegaler Strecken stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Parallel dazu werde auch das Vorgehen gegen illegale Bauten, Gruben, Sprungschanzen verstärkt. Denn: "Wenn auf unserem Grund und Boden etwas passiert, tragen wir die Verantwortung", sagt Heinrich Sensmeyer. "In unserem Wald ist jeder herzlich willkommen, so er sich denn an die Regeln hält und den Wald nicht schädigt", sagt Sensmeyer. Es gibt ein 30 Kilometer langes Netz von Wanderwegen, jeder dürfe so viele Bäume umarmen, wie er nur möchte. Aber das zerstörerische Verhalten von Mountainbikern, die abseits der befestigten Wege unterwegs sind, wollen die Waldbesitzer nun nicht mehr hinnehmen. "Das Wiehengebirge hat sich mittlerweile zu einem Mekka für Mountainbiker entwickelt und seit Beginn der Corona-Krise hat sich das Problem noch weiter verstärkt", so Sensmeyer. Auch die moderne Ausstattung der Räder trage ihren Teil dazu bei. "Früher sind die Biker nur einmal einen Hang hinuntergefahren, heute mit den E-Bikes fahren sie zigmal rauf und runter", sagt Heinrich Sensmeyer. Kein Respekt vor dem Eigentum der Waldbauern Dass die Aktivitäten der Mountainbiker im Wiehengebirge lange Zeit geduldet wurden, bestätigt auch Holger Raguse, Leiter des auch für das Wiehengebirge zuständigen Regionalforstamts Ostwestfalen-Lippe. Aus zwei Gründen sei nun aber das Ende der Fahnenstange erreicht: „Erstens werden es immer mehr, das Einzugsgebiet immer größer, und zweitens nimmt die Gefährdung immer mehr zu", sagt Raguse im Gespräch mit der NW. „So wie jetzt – jenseits jeder Rechtslage – geht es einfach nicht mehr weiter", so Raguse. „Was uns fehlt, ist gegenseitiges Verständnis", fügt der Forstamtsleiter hinzu. „Grundsätzlich ist der Wald für uns alle da, aber immer mehr, die den Wald nutzen – vom Spaziergänger bis zum Mountainbiker – schauen nur auf ihre eigenen Interessen", kritisiert Holger Raguse. Der Respekt vor dem Eigentum der Waldbauern sei gänzlich verloren gegangen. „Für die Waldbauern ist eine Grenze erreicht", sagt Raguse aus vielen Gesprächen. Denn die Mountainbiker seien nur ein Teil der Probleme des Waldes. Raguse fasst zusammen: „Wir haben mit den Klimaveränderungen, den Sturmschäden, dem Borkenkäfer, der Trockenheit, der zunehmenden Zahl an Besuchern und eben auch der Welle an Mountainbikern zu kämpfen."

Waldbesitzer im Wiehengebirge wehren sich gegen Mountainbiker

Heinrich Sensmeyer, Vorsitzender des Forstbetriebsverband Waldgenossenschaft, mit der Information für Mountainbiker. Diese freundlich-bestimmte Ansprache hängt jetzt an vielen Bäumen im Wiehengebirge. © Nicole Bliesener

Bad Oeynhausen (nw). Die Waldbesitzer wehren sich - allerdings auf sehr freundliche Art. Quer durch das Wiehengebirge haben sie Infozettel aufgehängt, in denen sie die Mountainbiker direkt ansprechen. "Liebe Mountainbikefahrer! Wir freuen uns, dass euch unser Wald so gut gefällt. Ihr dürft euch hier gerne erholen im Rahmen der Regeln, die das Forst- und Naturschutzgesetz vorsehen", ist auf den Schildern zu lesen. Denn im Wald ist es nicht so wie in der Mode, wo erlaubt ist, was gefällt, sondern es gelten Gesetze und klare Regeln. Das Radfahren im Wald ist nur auf befestigten Wegen erlaubt.

Komplizierte Eigentumsverhältnisse

"Alles andere ist schlicht und einfach verboten", sagt Heinrich Sensmeyer, Vorsitzender des Forstbetriebsverbands Waldgenossenschaft Wiehengebirge. In diesem Verband sind die 567 Eigentümer organisiert, denen die Waldparzellen zwischen der Weser und Oberlübbe gehören. "Das ist insgesamt eine Fläche von 1.033 Hektar, die in rund 1.200 Grundstücke aufgeteilt ist", sagt Sensmeyer. Dazu gibt es noch ein kleines Stück Staatsforst - nämlich vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal bis zur Dehmer Burg. Die kleinteilige Eigentumsstruktur des Wiehengebirges kompliziert das Vorgehen gegen ungewollte Nutzung des Waldes. Aufgabe des Forstbetriebsverbands sei die Bewirtschaftung des Waldes.

Seit Jahren schwelt zwischen den Waldbesitzern und Mountainbikern ein Konflikt. "Der gesamte Bereich zwischen Barkhausen und Oberlübbe ist von illegalen Strecken durchzogen", weiß Sensmeyer. "Unser Eigentum wird misshandelt und zerstört, und von den Behörden und der Politik wird dieses Verhalten billigend in Kauf genommen", findet Sensmeyer deutliche Worte. "Wir Waldbesitzer fühlen uns mit diesem Problem allein gelassen", so der Verbandsvorsitzende weiter.

Waldbesitzer nehmen das Heft selbst in die Hand

Nun nehmen die Waldbesitzer das Heft selbst in die Hand. Und das soll nun mit Unterstützung des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe geschehen. Die Infozettel in der freundlich-bestimmten Tonlage sind der Anfang. "Im nächsten Schritt wird es offizielle Schilder geben", sagt der zuständige Förster Markus Uhr. Und dann sind Sanktionen angesagt, denn das Befahren illegaler Strecken stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Parallel dazu werde auch das Vorgehen gegen illegale Bauten, Gruben, Sprungschanzen verstärkt. Denn: "Wenn auf unserem Grund und Boden etwas passiert, tragen wir die Verantwortung", sagt Heinrich Sensmeyer.

"In unserem Wald ist jeder herzlich willkommen, so er sich denn an die Regeln hält und den Wald nicht schädigt", sagt Sensmeyer. Es gibt ein 30 Kilometer langes Netz von Wanderwegen, jeder dürfe so viele Bäume umarmen, wie er nur möchte. Aber das zerstörerische Verhalten von Mountainbikern, die abseits der befestigten Wege unterwegs sind, wollen die Waldbesitzer nun nicht mehr hinnehmen. "Das Wiehengebirge hat sich mittlerweile zu einem Mekka für Mountainbiker entwickelt und seit Beginn der Corona-Krise hat sich das Problem noch weiter verstärkt", so Sensmeyer. Auch die moderne Ausstattung der Räder trage ihren Teil dazu bei. "Früher sind die Biker nur einmal einen Hang hinuntergefahren, heute mit den E-Bikes fahren sie zigmal rauf und runter", sagt Heinrich Sensmeyer.

Kein Respekt vor dem Eigentum der Waldbauern

Dass die Aktivitäten der Mountainbiker im Wiehengebirge lange Zeit geduldet wurden, bestätigt
auch Holger Raguse, Leiter des auch für das Wiehengebirge zuständigen Regionalforstamts Ostwestfalen-Lippe. Aus zwei Gründen sei nun aber das Ende der Fahnenstange erreicht: „Erstens werden es immer mehr, das Einzugsgebiet immer größer, und zweitens nimmt die Gefährdung immer mehr zu", sagt Raguse im Gespräch mit der NW. „So wie jetzt – jenseits jeder Rechtslage – geht es einfach nicht mehr weiter", so Raguse. „Was uns fehlt, ist gegenseitiges Verständnis", fügt der Forstamtsleiter hinzu. „Grundsätzlich ist der Wald für uns alle da, aber immer mehr, die den Wald nutzen – vom Spaziergänger bis zum Mountainbiker – schauen nur auf ihre eigenen Interessen", kritisiert Holger Raguse. Der Respekt vor dem Eigentum der Waldbauern sei gänzlich verloren gegangen.

„Für die Waldbauern ist eine Grenze erreicht", sagt Raguse aus vielen Gesprächen. Denn die Mountainbiker seien nur ein Teil der Probleme des Waldes. Raguse fasst zusammen: „Wir haben mit den Klimaveränderungen, den Sturmschäden, dem Borkenkäfer, der Trockenheit, der zunehmenden Zahl an Besuchern und eben auch der Welle an Mountainbikern zu kämpfen."

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