Bad Oeynhausen Vorwurf wegen sexueller Belästigung: Arzt fährt Patientinnen durchs Haar Der Prozess über einen Reha-Arzt aus Bad Oeynhausen wird wieder aufgenommen. Der Mediziner hat die Anklage zuletzt bestritten und von Rufschädigung gesprochen. Ulf Hanke Bad Oeynhausen. Weil er mit den Händen zwei Frauen gegen deren Willen durchs Haar gefahren ist, muss sich ein Arzt vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wird dem Mediziner sexuelle Belästigung vor. Das Strafverfahren ist Ende Juli begonnen, aber ergebnislos abgebrochen worden, weil die beiden Patientinnen entschuldigt fehlten. Nun wird der Prozess am Dienstag wieder aufgenommen. Der Arzt hat der Anklage im ersten Prozess entschieden widersprochen. Er sei „maßlos erschüttert" und „geradezu entsetzt", erklärte er Ende Juli über die Vorwürfe und die Sprache der Anklageschrift: „Das ist Rufschädigung." Die Vorwürfe der beiden Frauen wies er als „abstrus", „Unterstellung" sowie als „Einbildung", „gekränkten Stolz" und „Wunschdenken" zurück. Die Vorfälle sollen sich im April und Oktober 2019 ereignet haben. Der Arzt soll bei der Eingangsuntersuchung in den Johanniter Ordenshäusern den beiden Reha-Patientinnen ungefragt und gegen den Willen der Frauen durchs Haar gefahren sein. Eine Frau schilderte der Polizei später, dass der Arzt die Tür zu seinem Raum verschlossen, ihren Kopf massiert, an ihren Haaren gerochen und laut aufgestöhnt haben soll. Der 58-jährige Arzt dagegen erläuterte dem Gericht die Art und Weise der Eingangsuntersuchung, zu der auch ein genauer Blick auf den Kopf der Patienten gehöre. Beide Frauen hätten damals längere Haare gehabt, die er - wie angekündigt - zur Seite gestrichen habe, um den Kopf in Augenschein nehmen zu können. Die zweite Patientin sei später wegen Kopf- und Nackenschmerzen zu ihm gekommen. Offenbar wollte sie ein Rezept für Massagen, vermutete der Arzt, weshalb er sie auch an Kopf und Nacken angefasst habe. Solche Untersuchungen seien nicht ohne Körperkontakt möglich. An den Haaren habe er aber weder gerochen, noch gestöhnt, betonte der Arzt. Später habe er dann die Massagen verschrieben. Die Patientin sei dann tatsächlich zufriedener und entspannter gewesen. Der Prozess soll am Dienstag, 19. Oktober, in Saal 24 stattfinden.
Bad Oeynhausen

Vorwurf wegen sexueller Belästigung: Arzt fährt Patientinnen durchs Haar

Der Arzt einer Reha-Klinik aus Bad Oeynhausen muss sich wegen sexueller Belästigung verantworten. Der Mann soll Patientinnen ungefragt durch die Haare gestrichen und daran gerochen haben. © picture alliance / dpa

Bad Oeynhausen. Weil er mit den Händen zwei Frauen gegen deren Willen durchs Haar gefahren ist, muss sich ein Arzt vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wird dem Mediziner sexuelle Belästigung vor. Das Strafverfahren ist Ende Juli begonnen, aber ergebnislos abgebrochen worden, weil die beiden Patientinnen entschuldigt fehlten. Nun wird der Prozess am Dienstag wieder aufgenommen.

Der Arzt hat der Anklage im ersten Prozess entschieden widersprochen. Er sei „maßlos erschüttert" und „geradezu entsetzt", erklärte er Ende Juli über die Vorwürfe und die Sprache der Anklageschrift: „Das ist Rufschädigung." Die Vorwürfe der beiden Frauen wies er als „abstrus", „Unterstellung" sowie als „Einbildung", „gekränkten Stolz" und „Wunschdenken" zurück.

Die Vorfälle sollen sich im April und Oktober 2019 ereignet haben. Der Arzt soll bei der Eingangsuntersuchung in den Johanniter Ordenshäusern den beiden Reha-Patientinnen ungefragt und gegen den Willen der Frauen durchs Haar gefahren sein. Eine Frau schilderte der Polizei später, dass der Arzt die Tür zu seinem Raum verschlossen, ihren Kopf massiert, an ihren Haaren gerochen und laut aufgestöhnt haben soll.

Der 58-jährige Arzt dagegen erläuterte dem Gericht die Art und Weise der Eingangsuntersuchung, zu der auch ein genauer Blick auf den Kopf der Patienten gehöre. Beide Frauen hätten damals längere Haare gehabt, die er - wie angekündigt - zur Seite gestrichen habe, um den Kopf in Augenschein nehmen zu können. Die zweite Patientin sei später wegen Kopf- und Nackenschmerzen zu ihm gekommen. Offenbar wollte sie ein Rezept für Massagen, vermutete der Arzt, weshalb er sie auch an Kopf und Nacken angefasst habe. Solche Untersuchungen seien nicht ohne Körperkontakt möglich. An den Haaren habe er aber weder gerochen, noch gestöhnt, betonte der Arzt. Später habe er dann die Massagen verschrieben. Die Patientin sei dann tatsächlich zufriedener und entspannter gewesen.

Der Prozess soll am Dienstag, 19. Oktober, in Saal 24 stattfinden.

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