Am Wochenende wird's warm "Vom Hochwinter in den Vollfrühling": Experte erklärt das OWL-Wetter Alexander Graßhoff Bielefeld. Kaum eine Woche ist es her, da wehte ein scharfer Hauch arktischer Kälte über das Land. Tief "Tristan" und Hoch "Gisela" ließen weite Teile Deutschlands stellenweise bei minus 20 Grad bibbern und unter einer Dicken Schneeschicht versinken. Auch in Ostwestfalen-Lippe stapften die Menschen durch die weiße Pracht, Blitzeis machte den Gang vor die Tür zur Rutschpartie. Jetzt zaubert der Februar die nächste Überraschung aus dem Hut. Nach dem Wochenende nähert sich die Temperatur in OWL erneut der 20-Grad-Marke an - oder knackt sie sogar. Dieses Mal wohl aber auf der anderen Seite des Thermometers - der angenehmeren. "Damit befinden wir uns am oberen Ende dessen, was zu dieser Jahreszeit möglich ist", sagt der Lübbecker Diplom-Meteorologe Friedrich Föst. Grund für diesen Flirt mit dem Frühling sind Luftmassen aus Nordafrika. Eine besondere Konstellation ist dafür verantwortlich, dass die bereits erwärmte Luft aus dem Süden ihren Weg in den noch kälteverschreckten Norden findet. Über dem Atlantik mache sich derzeit ein massives Tiefdruckgebiet breit. Das reicht von Grönland im Norden bis zu den Kanaren im Süden. Sein Gegenspieler ist ein "dickes fettes" Hochdruckgebiet, das sich derzeit über dem Balkan bildet. "Zwischen den beiden Gebieten wird die Luft zu uns hochgepumpt", beschreibt Föst die meteorologischen Vorgänge. Doch solche "frühlingshaften Wärmevorstöße" habe es schon öfters gegeben. Föst erinnert an die beiden vergangenen Jahre sowie das Jahr 1990, als im Februar bereits der Frühling anklopfte. Insofern sei das bevorstehende Wetter "selten, aber nicht außergewöhnlich", so Föst. Doch eines ist laut dem Meteorologen definitiv ungewöhnlich: Nämlich, dass vergangenes Wochenende hierzulande noch bis zu minus 20 Grad herrschten. "Vom Hochwinter in den Vollfrühling in einer Woche - das ist eine Hausnummer", sagt Föst - ohne seine Begeisterung darüber zu verbergen. "Von einem Extrem ins andere: das ist schon cool. Ich finde es außergewöhnlich, was das Wetter leisten kann." Immerhin wird mal eben binnen weniger Tage eine Temperaturdifferenz - eine Amplitude - von 40 Grad durchschritten. "Das ist nicht schlecht." Und vor allem schon "ein paar Donnerstage her", sagt Föst. Üblicherweise gebe es in unseren Breiten nämlich einen langsameren Übergang. "Die Kälte weicht, dann gibt es Tauwetter und dann wird es nach und nach wärmer", sagt Föst. Aber eben nicht binnen einer Woche. "Jetzt hat man die Winterkälte noch in den Knochen. Durch die Sonne wird es sich am Wochenende schön warm anfühlen." Dass der Februar im Schnitt zu warm ausfallen könnte, glaubt Föst indes nicht. Der Vorsprung durch die Kälte sei zu groß, sodass am Ende die "schwarze Null" stehe. Warm bleiben soll es voraussichtlich bis Mitte kommender Woche. Damit deutet sich bereits an, dass der Meteorologe bei allen Frühlingsfreunden auf die "Euphoriebremse" treten muss. Denn die kalte Luft sei noch nicht weit weg. Über Russland, Finnland bis rauf nach Spitzbergen sitze sie gerade in Lauerstellung. "Es braucht nur einen nordöstlichen Wind, dann ist sie ruckzuck wieder bei uns", sagt Föst. Auch die Erfahrung zeige: Kälterückfälle im März und April liegen im Bereich des Möglichen. "Der Winter hat also noch nicht komplett das Feld geräumt. Es wird immer noch winterliche Grüße geben." Doch zu einem "dicken Wintereinbruch" komme es bis Anfang März nicht, prognostiziert der Diplom-Meteorologe Dominik Jung gegenüber dem Wetterportal "wetter.net". In jedem Fall lädt das erste vorverlegte Frühlingswochenende zum Genießen ein. Dafür bereitet das Wetter ein besonderes Ambiente. Denn wann konnte man sich zuletzt im Liegestuhl bräunen, während der Schneemann - oder das, was die Sonne hier und da noch von ihm übrig ließ, die Erfrischung hält.
Am Wochenende wird's warm

"Vom Hochwinter in den Vollfrühling": Experte erklärt das OWL-Wetter

Auch ein erstes Sonnenbad wird gegen Ende der Woche schon möglich sein. © Symbolbild: Pixabay

Bielefeld. Kaum eine Woche ist es her, da wehte ein scharfer Hauch arktischer Kälte über das Land. Tief "Tristan" und Hoch "Gisela" ließen weite Teile Deutschlands stellenweise bei minus 20 Grad bibbern und unter einer Dicken Schneeschicht versinken. Auch in Ostwestfalen-Lippe stapften die Menschen durch die weiße Pracht, Blitzeis machte den Gang vor die Tür zur Rutschpartie. Jetzt zaubert der Februar die nächste Überraschung aus dem Hut. Nach dem Wochenende nähert sich die Temperatur in OWL erneut der 20-Grad-Marke an - oder knackt sie sogar. Dieses Mal wohl aber auf der anderen Seite des Thermometers - der angenehmeren.

"Damit befinden wir uns am oberen Ende dessen, was zu dieser Jahreszeit möglich ist", sagt der Lübbecker Diplom-Meteorologe Friedrich Föst. Grund für diesen Flirt mit dem Frühling sind Luftmassen aus Nordafrika.

Eine besondere Konstellation ist dafür verantwortlich, dass die bereits erwärmte Luft aus dem Süden ihren Weg in den noch kälteverschreckten Norden findet. Über dem Atlantik mache sich derzeit ein massives Tiefdruckgebiet breit.

Friedrich Föst, Meteorologe aus Lübbecke - © NW-Archiv
Friedrich Föst, Meteorologe aus Lübbecke - © NW-Archiv

Das reicht von Grönland im Norden bis zu den Kanaren im Süden. Sein Gegenspieler ist ein "dickes fettes" Hochdruckgebiet, das sich derzeit über dem Balkan bildet. "Zwischen den beiden Gebieten wird die Luft zu uns hochgepumpt", beschreibt Föst die meteorologischen Vorgänge.

Doch solche "frühlingshaften Wärmevorstöße" habe es schon öfters gegeben. Föst erinnert an die beiden vergangenen Jahre sowie das Jahr 1990, als im Februar bereits der Frühling anklopfte. Insofern sei das bevorstehende Wetter "selten, aber nicht außergewöhnlich", so Föst.

Doch eines ist laut dem Meteorologen definitiv ungewöhnlich: Nämlich, dass vergangenes Wochenende hierzulande noch bis zu minus 20 Grad herrschten. "Vom Hochwinter in den Vollfrühling in einer Woche - das ist eine Hausnummer", sagt Föst - ohne seine Begeisterung darüber zu verbergen. "Von einem Extrem ins andere: das ist schon cool. Ich finde es außergewöhnlich, was das Wetter leisten kann."

Immerhin wird mal eben binnen weniger Tage eine Temperaturdifferenz - eine Amplitude - von 40 Grad durchschritten. "Das ist nicht schlecht." Und vor allem schon "ein paar Donnerstage her", sagt Föst. Üblicherweise gebe es in unseren Breiten nämlich einen langsameren Übergang. "Die Kälte weicht, dann gibt es Tauwetter und dann wird es nach und nach wärmer", sagt Föst. Aber eben nicht binnen einer Woche. "Jetzt hat man die Winterkälte noch in den Knochen. Durch die Sonne wird es sich am Wochenende schön warm anfühlen."

Dass der Februar im Schnitt zu warm ausfallen könnte, glaubt Föst indes nicht. Der Vorsprung durch die Kälte sei zu groß, sodass am Ende die "schwarze Null" stehe.

Warm bleiben soll es voraussichtlich bis Mitte kommender Woche. Damit deutet sich bereits an, dass der Meteorologe bei allen Frühlingsfreunden auf die "Euphoriebremse" treten muss. Denn die kalte Luft sei noch nicht weit weg. Über Russland, Finnland bis rauf nach Spitzbergen sitze sie gerade in Lauerstellung. "Es braucht nur einen nordöstlichen Wind, dann ist sie ruckzuck wieder bei uns", sagt Föst.

Auch die Erfahrung zeige: Kälterückfälle im März und April liegen im Bereich des Möglichen. "Der Winter hat also noch nicht komplett das Feld geräumt. Es wird immer noch winterliche Grüße geben." Doch zu einem "dicken Wintereinbruch" komme es bis Anfang März nicht, prognostiziert der Diplom-Meteorologe Dominik Jung gegenüber dem Wetterportal "wetter.net".

In jedem Fall lädt das erste vorverlegte Frühlingswochenende zum Genießen ein. Dafür bereitet das Wetter ein besonderes Ambiente. Denn wann konnte man sich zuletzt im Liegestuhl bräunen, während der Schneemann - oder das, was die Sonne hier und da noch von ihm übrig ließ, die Erfrischung hält.

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