Bielefeld "Vermissen das Miteinander so sehr”: Junge Flirt-Szene trotzt der Polizei Mike-Dennis Müller Bielefeld. Zwischen Autotüren Kontakte knüpfen und einfach eine gute Zeit haben: Die sogenannte Tuning- und Poserszene ist zuletzt so stark in den Fokus der Ordnungshüter geraten, dass ihr beliebter Treffpunkt am Subway-Schnellrestaurant an der Eckendorfer Straße für sie gesperrt wurde. Nur noch 30 Minuten lang dürfen Besucher hier laut einem provisorischen Schild an der Einfahrt parken. Gleich mehrere Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes sollen das beaufsichtigen - wie ihre Kollegen sonst vor Super- oder Baumärkten. Die Szene selbst hat dafür schnell selbst eine Lösung gefunden. Per Instagram suchten die jungen Ostwestfalen nach Alternativen und stimmten kurzfristig für den Parkplatz an der Radrennbahn. Dort fanden dann am Samstagabend auch gleich mehr als 20 Fahrzeuge ihren Platz. Zwischen strömendem Regen und kurzen Sonnenpausen trafen ihre Fahrer aufeinander. "Wir vermissen das soziale Miteinander so sehr”, sagt die 17-Jährige Miri, die mit Freundinnen extra aus Bad Salzuflen angereist ist. Nach mehr als einem Jahr Dauer der Corona-Maßnahmen fehle der Besuch in einer Bar oder einer Disco von Tag zu Tag mehr. Seit Februar kommen sie deshalb regelmäßig in die Stadt. Doch Polizei und Ordnungsamt gefällt das nicht. Zu oft würden die jungen Leute aus ihren Autos herauskommen, es würden sich Gruppen bilden. Was vor noch nicht allzu langer Zeit völlig absurd geklungen hätte, ist heute Grund dafür, dass Teams der Stadt regelmäßig patrouillieren. Auch an der Radrennbahn ist die Polizei schon nach kurzer Zeit präsent, ein großer Transporter kreist über den Platz, fährt im Schritttempo jede Reihe ab, als stehe das nächste Schwerverbrechen kurz bevor. "Natürlich gibt es immer Mal Idioten, die es etwas übertreiben, aber die meisten von uns freuen sich einfach, mal andere Leute sehen zu können”, sagt Dennis (28). Das Unverständnis über die hohe Präsenz der Polizei ist deshalb groß. Mindestens genau so groß wie das Verständnis der Corona-Ordnungshüter für die ganz normalen Bedürfnissen der jungen Menschen, die nichts Böses im Sinn haben. Der Parkplatz an der Radrennbahn ist indes schon wieder als Treffpunkt abgehakt - weil viele tiefer gelegte Autos nicht gut darauf kamen. Weitere Orte werden bereits auf Instagram besprochen. Am Sonntag trafen sich Flirt- und Autofans auf dem real-Parkplatz an der Schweriner Straße. Ein Ende des Katz-und-Maus-Spiel ist nicht in Sicht.
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"Vermissen das Miteinander so sehr”: Junge Flirt-Szene trotzt der Polizei

Sie wollen in der Pandemie nicht länger auf das verzichten, was junge Menschen um die 20 häufig tun: neue Leute kennen lernen und vielleicht auch sich verlieben. © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo

Bielefeld. Zwischen Autotüren Kontakte knüpfen und einfach eine gute Zeit haben: Die sogenannte Tuning- und Poserszene ist zuletzt so stark in den Fokus der Ordnungshüter geraten, dass ihr beliebter Treffpunkt am Subway-Schnellrestaurant an der Eckendorfer Straße für sie gesperrt wurde.

Nur noch 30 Minuten lang dürfen Besucher hier laut einem provisorischen Schild an der Einfahrt parken. Gleich mehrere Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes sollen das beaufsichtigen - wie ihre Kollegen sonst vor Super- oder Baumärkten.

Die Szene selbst hat dafür schnell selbst eine Lösung gefunden. Per Instagram suchten die jungen Ostwestfalen nach Alternativen und stimmten kurzfristig für den Parkplatz an der Radrennbahn. Dort fanden dann am Samstagabend auch gleich mehr als 20 Fahrzeuge ihren Platz. Zwischen strömendem Regen und kurzen Sonnenpausen trafen ihre Fahrer aufeinander. "Wir vermissen das soziale Miteinander so sehr”, sagt die 17-Jährige Miri, die mit Freundinnen extra aus Bad Salzuflen angereist ist. Nach mehr als einem Jahr Dauer der Corona-Maßnahmen fehle der Besuch in einer Bar oder einer Disco von Tag zu Tag mehr. Seit Februar kommen sie deshalb regelmäßig in die Stadt.

Auf dem Subway-Parkplatz ist die Parkdauer nun  begrenzt - zu knapp, für das samstägliche Treffen der jungen Männer und Frauen. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Auf dem Subway-Parkplatz ist die Parkdauer nun  begrenzt - zu knapp, für das samstägliche Treffen der jungen Männer und Frauen. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo

Doch Polizei und Ordnungsamt gefällt das nicht. Zu oft würden die jungen Leute aus ihren Autos herauskommen, es würden sich Gruppen bilden. Was vor noch nicht allzu langer Zeit völlig absurd geklungen hätte, ist heute Grund dafür, dass Teams der Stadt regelmäßig patrouillieren. Auch an der Radrennbahn ist die Polizei schon nach kurzer Zeit präsent, ein großer Transporter kreist über den Platz, fährt im Schritttempo jede Reihe ab, als stehe das nächste Schwerverbrechen kurz bevor.

Auch die Polizei ist schon da und zieht ihre Kreise auf dem Parkplatz an der Radrennbahn, wo sich die Szene diesmal trifft - jederzeit bereit. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Auch die Polizei ist schon da und zieht ihre Kreise auf dem Parkplatz an der Radrennbahn, wo sich die Szene diesmal trifft - jederzeit bereit. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo

"Natürlich gibt es immer Mal Idioten, die es etwas übertreiben, aber die meisten von uns freuen sich einfach, mal andere Leute sehen zu können”, sagt Dennis (28). Das Unverständnis über die hohe Präsenz der Polizei ist deshalb groß. Mindestens genau so groß wie das Verständnis der Corona-Ordnungshüter für die ganz normalen Bedürfnissen der jungen Menschen, die nichts Böses im Sinn haben.

Der Parkplatz an der Radrennbahn ist indes schon wieder als Treffpunkt abgehakt - weil viele tiefer gelegte Autos nicht gut darauf kamen. Weitere Orte werden bereits auf Instagram besprochen. Am Sonntag trafen sich Flirt- und Autofans auf dem real-Parkplatz an der Schweriner Straße. Ein Ende des Katz-und-Maus-Spiel ist nicht in Sicht.

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