Verheerendes Feuer im Reitstall: Für die Besitzer bricht eine Welt zusammen Bad Oeynhausen. Der Schock der Nacht ist Andreas Kollmeyer anzumerken. Sichtlich mitgenommen steht der Werster vor den Resten seiner Stallanlage. Die qualmen und brennen zum Teil auch Stunden nach dem Großeinsatz der Feuerwehr noch. Mitten in der Nacht legten offenbar zwei Täter Feuer in den Stallungen, im Strohlager und im Maschinenpark der Reitanlage Kollmeyer an der Jahnstraße in Werste. Bis in den Freitagnachmittag hinein war die Feuerwehr mit ihren Einsatzkräften vor Ort, um immer wieder auftretende Glutnester zu löschen. Nach ersten Schätzungen der Kriminalpolizei liegt der Schaden im hohen sechsstelligen Bereich, eventuell sogar bei rund einer Million Euro. Es war kurz nach drei Uhr in der Nacht zu Freitag, als der Sichtnachbar von Kollmeyers das Feuer bemerkt. Der hatte bei seinem Toilettengang das Flackern gesehen und sofort die Feuerwehr alarmiert. Danach klingelt er Kollmeyers aus dem Bett. Gemeinsam mit der nur Minuten später eintreffenden Feuerwehr versucht die Familie noch, die Tiere vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Doch zu spät. Sieben Pferde - drei eigene und vier Pensionspferde - starben in ihren Ställen. Die verbrannten und zum Teil aufgeplatzten Kadaver, so sagen Feuerwehrleute, seien wahrlich kein schöner Anblick gewesen. Tragende Stute starb in den Flammen "Unter den Tieren war eine tragende Stute von uns, ein Kutschpferd und ein Reitpferd sowie eben vier Pensionspferde", zählt Kollmeyer auf. Für deren Besitzer brach mit der Brandnachricht eine Welt zusammen. "Das ist das Schlimmste. Der ideelle Wert der Tiere." Doch Andreas Kollmeyer kann an diesem Morgen auch nichts anderes machen, als trösten und in den Arm nehmen. "Ein Mädel aus dem GOP lebt nur für ihr Pferd", sagt er. "Dass sie das erleben muss." Für wieder einen anderen Halter könne die Existenz vom Tod des Pferdes abhängen: "Wir hatten ein ganz, ganz teures Handelspferd hier stehen", so Kollmeyer. "Als wir hier eintrafen, brannte es bereits in voller Ausdehnung", sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Lucas Baumann. Die rund 70 Einsatzkräfte von Hauptwache und den Freiwilligen Wehren Eidinghausen-Wöhren, Werste, Dehme und Wulferdingsen setzten alles daran, die weiteren Stallungen und die benachbarte Firma MCP Misch- und Compoundiertechnik zu schützen. "Wir haben Massen an Löschwasser eingesetzt, um die Flammen einzudämmen", erklärt Baumann. Erreicht haben sie, dass zumindest der Rest der Hofanlage, auf der mehr als 30 weitere Pferde stehen, der offene Reitstall und das angrenzende Wohnhaus vom Feuer verschont blieben. 100 Quaderballen Stroh brennen immer wieder neu Der kleine Nebenstall allerdings war nicht zu retten. Von ihm ist nur eine Ruine übrig geblieben. Als Brandbeschleuniger wirkten auch die rund 100 Quaderballen Stroh, die angrenzend an den Reitstall gelagert waren. "Das Lager habe ich erst vor zwei Wochen aufgefüllt", erzählt Andreas Kollmeyer. Mit Radladern wurde das Stroh nach und nach auf den auf der anderen Straßenseite gelegenen Reitplatz gefahren und gelöscht. Auch das nicht mehr zu gebrauchen. Aufgrund der Hitze musste die Feuerwehr immer wieder auch Frontlader und Maschine mit Wasser kühlen. "Eine Sisyphos-Arbeit", bilanziert Einsatzleiter Baumann das Löschen des Strohs. Mit der die Ehrenamtlichen der Löschgruppe Eidinghausen-Wöhren und Werste über Stunden beschäftigt waren. Ebenfalls angrenzend an den Stall liegt der Maschinenpark der Reitanlage, auch er zum Großteil niedergebrannt. "Zwei Schlepper hat's erwischt, einer davon gerade neu, den dritten habe ich noch rausfahren können", sagt Andreas Kollmeyer. Und genau im Bereich des Maschinenparks habe das Feuer angefangen: "Da ist nichts an Elektrizität. Lediglich zwei Neonröhren baumeln unter der Decke", erklärt der Werster, der schon einmal Opfer eines Brandstifters wurde. Im September 2010 steckten die beiden vor dem Bielefelder Landgericht verurteilten Brandstifter Betty S. und Joel V. auf Kollmeyers Areal 50 Silageballen an, die als Futter für Pferde dort gelagert waren. Dass er es nun erneut mit Brandstiftung zu tun hat, davon ist nicht nur Andreas Kollmeyer, sondern auch die Kriminalpolizei überzeugt. Zum einen, weil sich die Schnelligkeit des Feuers nur so erklären lasse. Zum anderen, weil es auf dem Hof eine Videoüberwachung gibt. Kollmeyer: "Wir haben eben mit der Kripo die Aufnahmen der Überwachungskamera angeschaut." Und auf eben diesen Bildern seien, so sagt er, eindeutig zwei Personen zu erkennen, die sich des Nachts im Bereich des Fuhrparks zu schaffen machen und mehrfach hin- und herlaufen. Polizei hofft auf Zeugenhinweise Die Brandermittler schließen nicht aus, dass sich die unbekannten Täter über ein angrenzendes Firmen-Grundstück an der Gohfelder Poststraße, Ecke Dornenbreite Zutritt zum rückwärtigen Bereich des ausgebrannten Objektes verschafften. Die Ermittler der Kriminalpolizei fragen deshalb: Wer hat Beobachtungen rund um den Brandort gemacht? Wer kann Hinweise zu auffälligen Personen oder möglicherweise benutzten Fahrzeugen geben, die sich im Umfeld befanden? Hinweise werden von der Polizei unter Tel. (05 71) 8 86 60 entgegengenommen.

Verheerendes Feuer im Reitstall: Für die Besitzer bricht eine Welt zusammen

Andreas Kollmeyer steht vor den Resten seines kleineren Reitstalls. Dort starben in der Nacht zu Freitag sieben Tiere in den Flammen. © Nicole Sielermann

Bad Oeynhausen. Der Schock der Nacht ist Andreas Kollmeyer anzumerken. Sichtlich mitgenommen steht der Werster vor den Resten seiner Stallanlage. Die qualmen und brennen zum Teil auch Stunden nach dem Großeinsatz der Feuerwehr noch. Mitten in der Nacht legten offenbar zwei Täter Feuer in den Stallungen, im Strohlager und im Maschinenpark der Reitanlage Kollmeyer an der Jahnstraße in Werste. Bis in den Freitagnachmittag hinein war die Feuerwehr mit ihren Einsatzkräften vor Ort, um immer wieder auftretende Glutnester zu löschen. Nach ersten Schätzungen der Kriminalpolizei liegt der Schaden im hohen sechsstelligen Bereich, eventuell sogar bei rund einer Million Euro.

Es war kurz nach drei Uhr in der Nacht zu Freitag, als der Sichtnachbar von Kollmeyers das Feuer bemerkt. Der hatte bei seinem Toilettengang das Flackern gesehen und sofort die Feuerwehr alarmiert. Danach klingelt er Kollmeyers aus dem Bett. Gemeinsam mit der nur Minuten später eintreffenden Feuerwehr versucht die Familie noch, die Tiere vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Doch zu spät. Sieben Pferde - drei eigene und vier Pensionspferde - starben in ihren Ställen. Die verbrannten und zum Teil aufgeplatzten Kadaver, so sagen Feuerwehrleute, seien wahrlich kein schöner Anblick gewesen.

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Tragende Stute starb in den Flammen

"Unter den Tieren war eine tragende Stute von uns, ein Kutschpferd und ein Reitpferd sowie eben vier Pensionspferde", zählt Kollmeyer auf. Für deren Besitzer brach mit der Brandnachricht eine Welt zusammen. "Das ist das Schlimmste. Der ideelle Wert der Tiere." Doch Andreas Kollmeyer kann an diesem Morgen auch nichts anderes machen, als trösten und in den Arm nehmen. "Ein Mädel aus dem GOP lebt nur für ihr Pferd", sagt er. "Dass sie das erleben muss." Für wieder einen anderen Halter könne die Existenz vom Tod des Pferdes abhängen: "Wir hatten ein ganz, ganz teures Handelspferd hier stehen", so Kollmeyer.

Immer wieder steht das Stroh in Flammen. Die Feuerwehr muss es etappenweise abfahren und löschen. - © Nicole Sielermann
Immer wieder steht das Stroh in Flammen. Die Feuerwehr muss es etappenweise abfahren und löschen. - © Nicole Sielermann

"Als wir hier eintrafen, brannte es bereits in voller Ausdehnung", sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Lucas Baumann. Die rund 70 Einsatzkräfte von Hauptwache und den Freiwilligen Wehren Eidinghausen-Wöhren, Werste, Dehme und Wulferdingsen setzten alles daran, die weiteren Stallungen und die benachbarte Firma MCP Misch- und Compoundiertechnik zu schützen. "Wir haben Massen an Löschwasser eingesetzt, um die Flammen einzudämmen", erklärt Baumann. Erreicht haben sie, dass zumindest der Rest der Hofanlage, auf der mehr als 30 weitere Pferde stehen, der offene Reitstall und das angrenzende Wohnhaus vom Feuer verschont blieben.

100 Quaderballen Stroh brennen immer wieder neu

Der kleine Nebenstall allerdings war nicht zu retten. Von ihm ist nur eine Ruine übrig geblieben. Als Brandbeschleuniger wirkten auch die rund 100 Quaderballen Stroh, die angrenzend an den Reitstall gelagert waren. "Das Lager habe ich erst vor zwei Wochen aufgefüllt", erzählt Andreas Kollmeyer. Mit Radladern wurde das Stroh nach und nach auf den auf der anderen Straßenseite gelegenen Reitplatz gefahren und gelöscht. Auch das nicht mehr zu gebrauchen. Aufgrund der Hitze musste die Feuerwehr immer wieder auch Frontlader und Maschine mit Wasser kühlen. "Eine Sisyphos-Arbeit", bilanziert Einsatzleiter Baumann das Löschen des Strohs. Mit der die Ehrenamtlichen der Löschgruppe Eidinghausen-Wöhren und Werste über Stunden beschäftigt waren.

Ebenfalls angrenzend an den Stall liegt der Maschinenpark der Reitanlage, auch er zum Großteil niedergebrannt. "Zwei Schlepper hat's erwischt, einer davon gerade neu, den dritten habe ich noch rausfahren können", sagt Andreas Kollmeyer. Und genau im Bereich des Maschinenparks habe das Feuer angefangen: "Da ist nichts an Elektrizität. Lediglich zwei Neonröhren baumeln unter der Decke", erklärt der Werster, der schon einmal Opfer eines Brandstifters wurde. Im September 2010 steckten die beiden vor dem Bielefelder Landgericht verurteilten Brandstifter Betty S. und Joel V. auf Kollmeyers Areal 50 Silageballen an, die als Futter für Pferde dort gelagert waren.

Dass er es nun erneut mit Brandstiftung zu tun hat, davon ist nicht nur Andreas Kollmeyer, sondern auch die Kriminalpolizei überzeugt. Zum einen, weil sich die Schnelligkeit des Feuers nur so erklären lasse. Zum anderen, weil es auf dem Hof eine Videoüberwachung gibt. Kollmeyer: "Wir haben eben mit der Kripo die Aufnahmen der Überwachungskamera angeschaut." Und auf eben diesen Bildern seien, so sagt er, eindeutig zwei Personen zu erkennen, die sich des Nachts im Bereich des Fuhrparks zu schaffen machen und mehrfach hin- und herlaufen.

Polizei hofft auf Zeugenhinweise

Die Brandermittler schließen nicht aus, dass sich die unbekannten Täter über ein angrenzendes Firmen-Grundstück an der Gohfelder Poststraße, Ecke Dornenbreite Zutritt zum rückwärtigen Bereich des ausgebrannten Objektes verschafften. Die Ermittler der Kriminalpolizei fragen deshalb: Wer hat Beobachtungen rund um den Brandort gemacht? Wer kann Hinweise zu auffälligen Personen oder möglicherweise benutzten Fahrzeugen geben, die sich im Umfeld befanden? Hinweise werden von der Polizei unter Tel. (05 71) 8 86 60 entgegengenommen.

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