Urteil nach tödlichem Schuss auf Ehefrau: Mann muss lebenslang in Haft Ingo Müntz,Nils Middelhauve Pr. Oldendorf/Bielefeld. Wie es in seinem Inneren wirklich aussah, kann nur er selber beurteilen – rein äußerlich jedoch nahm Albert S. das Urteil scheinbar unbeeindruckt und weitgehend regungslos entgegen: Das Bielefelder Landgericht verurteilte den 59-jährigen Mann aus Preußisch Oldendorf, der im Januar seine Ehefrau erschossen hatte, nun wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu einer lebenslanger Haft. „Im Vordergrund, auch vor Gericht, standen bei Albert S. immer nur das Selbstmitleid und die Vorwürfe an andere. Dies zog sich vom Auszug seiner Frau bis zu seinem letzten Wort in dieser Verhandlung durch", sagte der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann in der Urteilsbegründung. Selbst die letzte Gelegenheit, glaubhafte Reue und seinen Kindern gegenüber Mitgefühl ob des Verlusts der Mutter auszudrücken, hatte S. zuvor ungenutzt gelassen. Vielmehr hatte er in seinem letzten Wort mit Selbstmord gedroht – aus Sicht der Kammer, um Druck auf das Gericht und die als Nebenkläger anwesenden Töchter auszuüben. Darüber hinaus beschimpfte S. den nicht im Verhandlungssaal anwesenden Sohn. Albert und Evelina S. waren seit den 80er-Jahren verheiratet gewesen. Der Angeklagte arbeitete in einem metallverarbeitenden Betrieb, seine Frau war Altenpflegerin. Das Paar hatte drei erwachsene Kinder. Galt Albert S. in seinem Bekanntenkreis als sehr hilfsbereiter Mensch, so sah dies innerhalb der eigenen Familie anders aus: Hier fiel der Angeklagte zunehmend häufig durch seine narzisstische Persönlichkeit, leichte Kränkbarkeit und Neigung zu cholerischen Ausfällen auf. Um Druck auf die Familie auszuüben, drohte er darüber hinaus mehrfach, sich umzubringen. Schließlich hielt es Evelina S. nicht mehr aus: Heimlich suchte sie sich eine neue Wohnung und zog am 29. November 2019 aus dem gemeinsamen Haus aus. Sie ließ ihm lediglich eine kurze schriftliche Nachricht zurück. Dass diese neue Situation für Albert S. aufgrund dessen selbstgerechter Wahrnehmung wie aus heiterem Himmel kam und und ihn wie ein Schlag traf, mochte das Gericht dem Angeklagten zugestehen. Aber: „Es wäre verlockend, die Version des hilflosen Verlassenen heranzuziehen, als der sich Albert S. gerierte", sagte Richter Zimmermann in der Urteilsbegründung, „doch sie trifft nicht zu." Vielmehr habe es S. in den 38 Tagen nach dem Auszug seiner Frau trotz seiner Sehbehinderung geschafft, seinen Alltag zu organisieren und am sozialen Leben teilzunehmen. Auch sei er nicht , wie von ihm behauptet, „von allen verlassen gewesen". Sowohl die Familie, als auch Freunde hielten Kontakt zu ihm. Sogar seine Ehefrau hatte nicht alle Brücken abgebrochen: So hatte sie geplant, ihn im Januar zu einem Arzttermin zu fahren. Lediglich über die Gründe der Trennung wollte Evelina nicht mit ihm sprechen: „Weil sie ihn und seine zu erwartende Reaktion kannte – und sie ist darin bestätigt worden", sagte Zimmermann. Nicht nur die Trennung, sondern auch die ihm verweigerte Aussprache passte nicht in das Weltbild von Albert S. Am 5. Januar passte er sie vor ihrer Arbeitsstelle ab. Gemeinsam fuhren sie nach Preußisch Oldendorf zum ZOB. Dort schoss er ihr aus kürzester Distanz mit einer Pistole in die Brust. Die 54-Jährige schleppte sich ein paar Meter weiter. Der Mann versuchte noch, ihr in den Kopf zu schießen, doch löste sich aufgrund einer Ladehemmung kein weiterer Schuss. „Er bestrafte sie, indem er sie über den Haufen schoss", sagte der Richter. Albert S. habe ihr die Wahl gelassen, „sich zu fügen oder zu sterben." Lesen Sie auch: Mordprozess gegen Albert S.: Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich Schuss auf Ehefrau: Freundin des Opfers spricht von psychischem Terror

Urteil nach tödlichem Schuss auf Ehefrau: Mann muss lebenslang in Haft

Vor dem Landgericht in Bielefeld unter Mordverdacht: Albert S. aus Pr. Oldendorf. © Wolfgang Rudolph

Pr. Oldendorf/Bielefeld. Wie es in seinem Inneren wirklich aussah, kann nur er selber beurteilen – rein äußerlich jedoch nahm Albert S. das Urteil scheinbar unbeeindruckt und weitgehend regungslos entgegen: Das Bielefelder Landgericht verurteilte den 59-jährigen Mann aus Preußisch Oldendorf, der im Januar seine Ehefrau erschossen hatte, nun wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu einer lebenslanger Haft.

„Im Vordergrund, auch vor Gericht, standen bei Albert S. immer nur das Selbstmitleid und die Vorwürfe an andere. Dies zog sich vom Auszug seiner Frau bis zu seinem letzten Wort in dieser Verhandlung durch", sagte der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann in der Urteilsbegründung. Selbst die letzte Gelegenheit, glaubhafte Reue und seinen Kindern gegenüber Mitgefühl ob des Verlusts der Mutter auszudrücken, hatte S. zuvor ungenutzt gelassen. Vielmehr hatte er in seinem letzten Wort mit Selbstmord gedroht – aus Sicht der Kammer, um Druck auf das Gericht und die als Nebenkläger anwesenden Töchter auszuüben. Darüber hinaus beschimpfte S. den nicht im Verhandlungssaal anwesenden Sohn.

Albert und Evelina S. waren seit den 80er-Jahren verheiratet gewesen. Der Angeklagte arbeitete in einem metallverarbeitenden Betrieb, seine Frau war Altenpflegerin. Das Paar hatte drei erwachsene Kinder. Galt Albert S. in seinem Bekanntenkreis als sehr hilfsbereiter Mensch, so sah dies innerhalb der eigenen Familie anders aus: Hier fiel der Angeklagte zunehmend häufig durch seine narzisstische Persönlichkeit, leichte Kränkbarkeit und Neigung zu cholerischen Ausfällen auf. Um Druck auf die Familie auszuüben, drohte er darüber hinaus mehrfach, sich umzubringen. Schließlich hielt es Evelina S. nicht mehr aus: Heimlich suchte sie sich eine neue Wohnung und zog am 29. November 2019 aus dem gemeinsamen Haus aus. Sie ließ ihm lediglich eine kurze schriftliche Nachricht zurück.

Dass diese neue Situation für Albert S. aufgrund dessen selbstgerechter Wahrnehmung wie aus heiterem Himmel kam und und ihn wie ein Schlag traf, mochte das Gericht dem Angeklagten zugestehen. Aber: „Es wäre verlockend, die Version des hilflosen Verlassenen heranzuziehen, als der sich Albert S. gerierte", sagte Richter Zimmermann in der Urteilsbegründung, „doch sie trifft nicht zu." Vielmehr habe es S. in den 38 Tagen nach dem Auszug seiner Frau trotz seiner Sehbehinderung geschafft, seinen Alltag zu organisieren und am sozialen Leben teilzunehmen. Auch sei er nicht , wie von ihm behauptet, „von allen verlassen gewesen". Sowohl die Familie, als auch Freunde hielten Kontakt zu ihm.

Sogar seine Ehefrau hatte nicht alle Brücken abgebrochen: So hatte sie geplant, ihn im Januar zu einem Arzttermin zu fahren. Lediglich über die Gründe der Trennung wollte Evelina nicht mit ihm sprechen: „Weil sie ihn und seine zu erwartende Reaktion kannte – und sie ist darin bestätigt worden", sagte Zimmermann. Nicht nur die Trennung, sondern auch die ihm verweigerte Aussprache passte nicht in das Weltbild von Albert S.

Am 5. Januar passte er sie vor ihrer Arbeitsstelle ab. Gemeinsam fuhren sie nach Preußisch Oldendorf zum ZOB. Dort schoss er ihr aus kürzester Distanz mit einer Pistole in die Brust. Die 54-Jährige schleppte sich ein paar Meter weiter. Der Mann versuchte noch, ihr in den Kopf zu schießen, doch löste sich aufgrund einer Ladehemmung kein weiterer Schuss. „Er bestrafte sie, indem er sie über den Haufen schoss", sagte der Richter. Albert S. habe ihr die Wahl gelassen, „sich zu fügen oder zu sterben."

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